Unsere Rubrik „10 Fragen an…” gibt es bereits länger – jemanden, der sie wie Bastian Baker anging, gab es hingegen nur einmal. Und das war Bastian Baker selbst. Statt die Fragen per Mail zu beantworten, erstellte er uns eine große Sound-Datei und beantwortete die Fragen ausführlichst im gesprochenen Wort. So eröffnet er uns eine gute Gelegenheit, Wissenswertes und interessante Hintergründe über sein im Mai veröffentliches Debüt-Album „Tomorrow May Not Be Better“ zu erfahren und den sympathischen Singer-Songwriter auch sonst gut kennenzulernen. Viel Spaß mit dem vorliegenden am Ende alles andere als kurzen Kurz-Interview!

1. Wie würdest Du den Erschaffensprozess Deines neuen Albums charakterisieren?

Die Stücke des ersten Albums habe ich geschrieben, als ich zwischen 15 und 17 oder 18 Jahren alt war, produziert habe ich es mit 19. Ich habe es selbst produziert mit großartigen Musikern, die mir sehr geholfen haben in diesem Prozess. Wir haben es in etwa zehn verschiedenen Studios aufgenommen und haben dafür wohl so drei Monate benötigt. Für den Großteil von uns war es die erste Studioerfahrung, das war sehr besonders. Wir sind das sehr traditionell angegangen – zuerst Schlagzeug und Bass, dann die Akustikgitarren, die E-Gitarren, die Keyboards, danach der Gesang. Im Studio lastet ein großer Druck auf einem und es ist eines der großartigsten Gefühle, die man haben kann, weil man den Tag mit nichts beginnt und am Ende des Tages hoffentlich ein Instrumental oder sogar den ganzen Song aufgenommen hat. Am Ende hatte ich etwa 40 Stücke, von denen ich die zwölf ausgewählt habe, die ich für die besten hielt. Wir haben das Album zur Hälfte in Paris und zur Hälfte in der Schweiz aufgenommen.

2. Dein Album heißt „Tomorrow May Not Be Better“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

Es ist auch der Name von einem Song auf dem Album. Den habe ich geschrieben, als ich 17 war. Das war in einer Phase, als ich über so viel nachgedacht habe, als ich ein Teenager war – so wie es uns allen wahrscheinlich ging. Ich weiß nicht warum, aber es klang besonders und ich nutzte die Gelegenheit, das Album so zu nennen. Die Leute sollten darüber nachdenken, denn „Tomorrow May Not Be Better“ kann als ein sehr positiver oder als sehr negativer Titel verstanden werden. Jeder kann sich seine eigene Meinung dazu bilden. Und für mich wurde es zu einem Lifestyle nach dem Motto, jede Minute intensiv zu erleben. Das klingt nach einem Klischee, aber so lebe ich im Moment.

3. Wie ist Deine Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Das ist eine seltsame Geschichte, da das Album in der Schweiz bereits 2011 veröffentlicht wurde und dort 85 Wochen am Stück in den Charts war. Anschließend lief es ziemlich gut in Frankreich und Belgien, sodass ich bereits ziemlich zufrieden mit dem Album bin. Es hat mir die Möglichkeit gegeben, jeden Tag Musik zu machen – das verdanke ich diesem Album, dass es mir einen Lifestyle gab und die Möglichkeit, jeden Abend zu spielen. Jetzt ist es auch in Deutschland draußen und in Deutschland spiele ich sehr gerne. Ich mag die Hallen, ich mag die Festivals und es wäre natürlich super, wenn das Album in die deutschen Charts kommt. Oder wenn es mir zumindest hilft, mehr Shows in Deutschland zu spielen. Wir haben im November unsere erste Headliner-Tour in Deutschland und spielen in ein paar Städten: München, Köln, Hamburg, Berlin und Frankfurt. Das wird sicher sehr lustig und sehr cool.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Dir, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Es ist mein erstes Album und da war es mir sehr wichtig, dass die Stücke schnell fertig wurden, da es zeigt, dass es für mich nur das gibt und sonst nichts. Ansonsten bin ich kein Singer-Songwriter, um nur über ein Thema zu schreiben oder so. Das ist ein fließender Prozess und ich schreibe über meine Gefühle, über das, was ich sehe, was die Leute mir erzählen und ihre Geschichten. Als ich das Album das erste Mal rausbrachte, hatte ich diesen dämlichen Künstlergedanken, bei dem man ein großes Ego hat und denkt, man sei der einzige, der das fühlt, was man fühlt und den Leuten sagt, sie könnten einem nicht helfen, weil sie es nicht verstehen… Danach haben wir das Album veröffentlicht und ich habe gemerkt, wie viele Leute genau dasselbe fühlen wie ich. Das hat mein Leben verändert – ich glaube, ich komponiere nun anders. Aber bei diesem ersten Album dachte ich, ich wäre einzigartig und das würde wohl alles zum ersten Mal geschrieben. Ich erzähle darin viel von mir und es gibt ein paar Fantasy-Songs wie „Love Machine“. Da ist auch ein Stück namens „Planet Earth“, den ich mit 15 geschrieben habe. Das war, als ich realisiert hatte, dass unsere Mutter Erde ein bisschen weint und in einer seltsamen Situation ist und ich überlegte, wie man versuchen könnte, ihr zu helfen. Es gibt Stücke wie „Tomorrow May Not Be Better“, bei dem ich realisiere, dass über die Zeit gesprochen wird, die Zukunft, die Vergangenheit und wie man damit umgeht. Oder auch „Song About A Priest“, der von der verbotenen Liebe eines Priesters mit einer Frau handelt. Ich habe da keine Patentlösung. Ich schreibe nicht zuerst die Lyrics, dann die Melodie und dann die Musik – ich mag es, wenn alles zusammenkommt, das ist am besten. Für mich kommt es nicht in Frage, erst einen Text zu schreiben und sechs Monate später die Musik, da passiert zu viel in der Zwischenzeit. Melodie und Text sollten zur selben Zeit zusammenpassen, finde ich.

5. Warum sollte man Dich unbedingt live anschauen?

Weil es billig ist auf unserer ersten Tour. (lacht) Nein, wir sind inzwischen seit sieben oder acht Jahren mit derselben Band unterwegs und haben wirklich Spaß auf der Bühne. Live zu spielen mag ich am liebsten. In den vergangenen drei Jahren haben wir über 400 Gigs gespielt und lieben es immer mehr. Ich mag die Verbindung mit dem Publikum. Ich mag es, zwischen den Stücken mit ihnen zu sprechen. Das ist alles sehr entspannt. Wenn du die Songs magst, magst du auch unsere Gigs, denn wir spielen den Song, den du magst. Und mein Gitarrist ist sehr attraktiv – so für die Frauen. (lacht) Wir gehen nicht nur auf die Bühne, um unsere Stücke zu spielen und wieder zu gehen. Da ist viel Spielraum für Improvisation, da sind wir sehr spontan. Ich bin ein großer Fan von Bruce Springsteen, also auch ein großer Freund von langen Gigs. Das ist alles sehr frei, sehr open-minded – alles Gründe, warum man uns unbedingt live sehen sollte.

6. Welche drei Dinge sollten Deiner Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Eine Gitarre ist natürlich immer wichtig, da ich denke: Spiel wo immer du bist, so oft du kannst, wer auch immer du bist und wo auch immer du bist. Das ist also eines von drei Dingen. Ansonsten versuche ich immer, meine Kopfhörer dabei zu haben. Und Unterwäsche, sonst hast du ein ziemliches Problem.

7. Welches Lied hättest Du gerne selbst geschrieben und warum?

Da gibt es einige. Eben die Stücke, bei denen ich auf Partys aufstehe, schreie und mitsinge. Da ist vieles mit Dave Grohl, beispielsweise „The Pretender“ von den Foo Fighters, das liebe ich. Oder Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“, das ist wirklich super. Und ein Stück wie „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Ich wünschte, das hätte ich geschrieben, das geht durch so viele Emotionen und ist so eine erstaunliche Komposition. Vermutlich wäre es eines davon.

8. Mit wem würdest Du gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Da gibt es einen Schwung von Leuten, mit denen ich gerne arbeiten würde. Man lernt mehr und mehr Leute kennen, knüpft mehr und mehr Beziehungen mit Künstlern – das ist sehr cool. Der letzte, den ich getroffen habe und sehr mochte, von dem ich ein großer Fan bin, ist Robert Francis. Den kennt man von seiner Nummer „Junebug“ und vier hervorragenden Alben. Mit ihm würde ich gerne einen Song aufnehmen oder ein Album produzieren.

9. Wo siehst Du Dich und Deine Musik in 10 Jahren?

Das ist die Frage, die ich am meisten hasse. Frag dich mal selbst – das ist so schwierig. Als Klischee würde ich antworten, dass ich irgendwo in Deutschland auf der Bühne stehe, aber offenkundig weiß ich es nicht. Die letzte Woche war super, die beiden letzten Wochen waren super, das Programm für den kommenden Sommer ist super und ich mag es, jeden einzelnen Tag zu genießen. Da ist es ein wenig beängstigend, zehn Jahre in die Zukunft zu schauen, weshalb ich das erst einmal beiseitelasse. Aber ich würde gerne in zehn Jahren ein Interview mit euch führen. Ist das ein Deal? Ist das cool? Okay!

10. Vervollständige bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

… sie Menschen zusammenbringt. Das ist einfach. Bei Musik geht es ums Teilen, Leute zusammenzubringen. Das ist es, wie ich Musik definitiv sehe!

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Interview + Übersetzung: Marius Meyer
Bilder: David Olkarny