Nach über 500 Konzerten in ganz Europa, zwei LPs („Every Seaman’s Got A Favourite Spaceship“, 2009, „There Is Not Enough Space In The Dark“, 2012) und der Gründung des eigenen Labels Insular wächst mit dem neuen Album „Adapted To Both Shade And Sun“ mehr als nur die Diskographie von Binoculers. Was die Songwriterin und Sängerin Nadja Rüdebusch aus Hamburg 2007 als Soloprojekt begann, ist durch den Einstieg des Schlagzeugers Daniel Gädicke (ehemals xrFarfight) mittlerweile eine Band. Zum neuen Album haben wir der Band unsere „10 Fragen an“ gestellt.

1. Wie würdet Ihr den Erschaffensprozess Eures neuen Albums charakterisieren?

Wir haben uns im Entstehungsprozess dieses Albums bewusst zurückgezogen und keine Konzerte gespielt. Zum Schreiben sowie Aufnehmen sind wir an unterschiedliche Orte gefahren, um mit Abstand vom Alltäglichen die richtige Atmosphäre für das Album zu finden. Anders als bei den ersten beiden Alben ist die Musik als eine abgeschlossene Einheit entstanden, ohne vorher auf der Bühne ausprobiert zu werden.

2. Euer Album heißt „Adapted To Both Shade And Sun“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

Insgesamt ist das Album sehr dunkel geworden. Die Harmonien, Instrumente und die Art, wie diese in Szene gesetzt wurden tragen eine gewisse Schwere in sich und so ist es auch mit den Texten. Trotzdem gibt es in beinahe jedem Song auch eine helle Seite, die entweder angeleuchtet wird oder irgendeine Art von Licht abgibt. Das kann ein Sound sein, ein Rhythmus oder auch eine Textzeile. Wir hatten beim Schreiben und produzieren der Songs einen Hang zur Dunkelheit, haben aber die Vorhänge auch immer ein Stück weit offen gelassen.

3. Wie ist Eure Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Es wäre fantastisch, wenn das Album auf viele Ohren trifft, die nicht in Eile sind, sondern sich Zeit nehmen, genau und öfter hinzuhören.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Euch, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Die Grundideen eines jeden Songs, der auf diesem Album landete sind aus einem sehr kurzen Moment entstanden. Wenn schon der Anfang Kopfzerbrechen hervorruft schaffen die Ideen es meistens nicht, ein fertiger Song zu werden. Nadja hält die Rohfassungen der Songs als Skizze fest und dabei entstehen auch schon sehr viele Arrangements. Dann spielen wir den Song im Proberaum live und entwickeln die Beats und überlegen uns, wie wir ihn richtig passend aufnehmen. Bei diesem Album spielen die Auswahl der Mikrofone, die Verstärker und Effekte eine sehr große Rolle und prägen es sehr viel mehr als bei den vorherigen Alben.

5. Warum sollte man Euch unbedingt live anschauen?

Sicherlich nicht, wenn man eine Bühnenshow erwartet, die fetzt. Aber es fetzt im Kopf und im Herzen, wenn man es gern knistern hört, sich gern auf etwas einlässt, was eine ruhige Form von Trance hervorruft.

6. Welche drei Dinge sollten Eurer Erfahrung nach auf keinen Fall im Tourgepäck fehlen?

Ganz pragmatisch: Schlafsack, Mehrfachsteckdosen, Gaffa

7. Welches Lied hättet Ihr gerne selbst geschrieben und warum?

“Bohemian Rhapsody” von Queen. Wann immer der Moment einer Schaffenskrise verbunden mit dem Gefühl künstlerischer Leere in uns auftauchte, hätten wir hier den Beweis, dass wir all unsere Fähigkeiten samt Manie und Glamour bereits einmal richtig gut angelegt haben. Ausserdem hätten wir von den Gema-Einnahmen nebenbei all unsere Alben finanzieren können.

8. Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Eigentlich ist alles gut so, wie es ist. Wir nehmen uns sehr gern selber auf und haben mittlerweile unseren Sound gefunden. Es ist sehr erfüllend, sich seinen eigenen kleinen Mikrokosmos ganz allein zusammenzustellen und immer mehr zu merken, dass irgendwann der Sound so ist, wie man sich ihn vorstellt, wenn man nur lang genug ausprobiert. Es gibt natürlich viele tolle Alben von fantastischen Produzenten, die uns sehr inspirierten. Wie zum Beispiel “The Good The Bad And The Queen” produziert von Danger Mouse.

9. Wo seht Ihr Euch und Eure Musik in 10 Jahren?

Wir träumen von einem großen hellen, gut klingenden Raum, in dem all unsere Instrumente genug Platz haben, dort dauerhaft zu stehen. Wir müssen nur reingehen und “klick” machen und es kann losgehen. Wir nehmen weitere Alben auf und versuchen sie möglicherweise auch wieder live umzusetzen. Das hängt stark davon ab, wie sich unser Gefühl zur gesamten Musikszene entwickelt und wie wir uns darin finden oder verlieren.

10. Vervollständigt bitte den folgenden Satz: Musik ist für uns die Welt, weil …

… hier möchten wir uns enthalten, weil wir den Satz auch vor dem “weil” schon nicht unterschreiben können.

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