„Harry Me Marry Me Bury Me Bite Me” ist das zweite Album von Black Nail Cabaret. Nach der erfolgreichen Erscheinung der Vorläufer Single „Satisfaction” im November 2014 und einer sehr erfolgreichen Tour als Support für die Synthie-Pop-Veteranen Camouflage, ist die Veröffentlichung dieses Albums ein abosluter Höhepunkt in der Karriere der Band. 10 Songs, die die Band selbst mit dem Stil „Synth Noir“ umschreibt, stellen eine feine Balance zwischen Klassischem und Modernem dar und bilden eine Brücke von New Wave bis hin zum zeitgenössischen Pop, umgeben von Emkes überwältigender Stimme. Wir haben die Band mit unseren „10 Fragen an“ befragt und Emese und Sophie waren sehr auskunftsfreudig dabei. Viel Spaß beim Lesen!

1. Wie würdet Ihr den Erschaffensprozess Eures neuen Albums charakterisieren?

Emese: “Hart” trifft es ganz gut. Aber je härter der Tritt in die Magengegend, desto besser die Performance, zumindest, wenn es um Poesie und Songwriting geht. Es war eigentlich gar nicht so schlimm. Wir haben uns in ganz neue, unbekannte Richtungen begeben.

2. Euer Album heißt „Harry Me Marry Me Bite Me“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

Em: Ich glaube, das fasst die Leidensgeschichte hinter jedem einzelnen Song gut zusammen: Es waren emotionale Schlachten, untereinander und in uns selbst. Der Ausdruck stammt aus John Ajvide Lindqvists Buch „Let the right one in“. Da wartet jemand in einer öffentlichen Toilette auf eine blutjunge Prostituierte, und liest dabei die Grafittis an der Klowand. Und da steht es; Harry Me Marry Me Bury Me Bite Me. Wie ein fiktionaler Song- oder Albumtitel, in Verzweiflung in die hölzerne Trennwand geritzt. Zumindest habe ich mir das so vorgestellt. Die ganze Szene war ziemlich furchtbar und aufrüttelnd, und dieser Satz hat alles mit angesehen. Es ist perfekt.

3. Wie ist Eure Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Sophie: Normalerweise haben wir keine Erwartungen für unsere Werke. Wenn sie erst einmal veröffentlicht sind, entwickeln sie schnell ein Eigenleben, und irgendwann kommt das Feedback, ob man es nun erwartet oder nicht.

Em: Eigentlich hat das Album selbst schon all unsere Erwartungen erfüllt. Ich wollte, dass man uns auch ausserhalb Ungarns hört, und tatsächlich haben die Leute uns in vielen verschiedenen Ländern kennengelernt. Alles dank unseres Labels und der Tour mit Camouflage.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Euch, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Sophie: Gibt es denn überhaupt so etwas wie ein fertiges Werk? Ich denke, die meisten Künstler würden das verneinen. Normalerweise hat einer von uns plötzlich eine Melodie im Kopf, oder eine Textzeile, die zum Text werden könnte, und dann setzt man sich ans Keyboard und spielt mit den Melodien herum. Später spielen wir es dann den anderen vor, damit jeder etwas beisteuern kann. So entsteht dann die „endgültige“ Version der Songs. Em: So ist es. Es ist sehr schwer, einen Song gehen zu lassen undzu sagen, okay, das war’s, er ist fertig. Dafür sind Deadlines ganz gut. Die Prozesse und Methoden beim Songschreiben sind verschieden. Manchmal ist zuerst der Text da, und manchmal die Strukturen und Melodien. Ich finde, dass es am einfachsten geht, wenn man vorher weiß, was man wem mitteilen will.

5. Warum sollte man Euch unbedingt live anschauen?

Em: Weil das die ganze Wahrheit zeigt. Egal, ob es uns gerade gut oder schlecht geht, das Publikum bekommt etwas davon ab.

Sophie: Wenn euch danach ist, von Emkes Stimme umgehauen zu werden, dann müsst ihr zu den Konzerten kommen. Neuen Fans geht es meist so!

6. Welche drei Dinge sollten Eurer Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Sophie: Kopfhörer, iPad, Zahnbürste

Em: Kopfhörer, Make-Up, Bloody Mary

7. Welches Lied hättet Ihr gerne selbst geschrieben und warum?

Sophie: Seit neuestem geht mir das so mit den Songs von Glass Animals. Ich bin begeistert von ihrer Verspieltheit und Struktur. Ich würde gern selbst mehr mit Klang experimentieren.

Em: Oh, dürfen das auch zwei sein? HTRKs „Waltz Real Slow“ hat so einen ungewöhnlichen Groove, ich finde das großartig. Ich finde es generell gut, wir sie mit Strukturen spielen. Der zweite Song ist Andy Stotts „Violence“. Er ist einfach perfekt. Zola Jesus’s „Night” finde ich auch toll, aber das sind jetzt schon drei, also höre ich lieber auf.

8. Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Sophie: Wahrscheinlich St. Vincent. Sie ist völlig wahnsinnig. Im allerbesten Sinne, natürlich.

Em: Andy Stott, Massive Attack, Burial, Sqürl… Und Molly Nilsson; sie scheint ein cooler Mensch zu sein.

9. Wo seht Ihr Euch und Eure Musik in 10 Jahren?

Sophie: Das ist schwer zu sagen, da ich zu spontan bin, um jetzt schon ans nächste Jahr zu denken. Oder sogar nächste Woche! Aber wir haben schon gewisse Ziele.
Em: Ich bin ein bißchen abergläubisch, also versuche ich, nicht zu weit zu planen. Träume zu haben, ist ja schön und gut, aber damit verschiebt man oft die wahre Arbeit nach hinten. Mir ist meistens bewusst, dass ich von A nach B will, aber das ist nie in Stein gemeisselt. Zumindest ist B nie sehr weit entfernt.

10. Vervollständigt bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

Sophie: … man durch sie ständig Neues lernt und entdeckt, und das macht mich glücklich.

Em: … der Soundtrack meines persönlichen Roadmovies nie aufhört.

Weitere Artikel
Konzertbericht: Camouflage – 29.03.2015, Hamburg Docks (Support: Black Nail Cabaret)

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Interview: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe (1, 3), Marius Meyer (2)