Blockflöte des Todes. Ein Name, der genau wie der Typ Ecken und Kanten hat, die er aber in einem unglaublich komischen Stil und einem Wortwitz perfektioniert hat, der in Deutschland wohl einzigartig ist und mit dem er sich angenehm von den sauertöpfischen Singer-Songwritern mit erhobenem Zeigefinger abgrenzt. Wir sprachen mit „Flöty“ über sein neues Album, das den unglaublichen Titel Fifty Shades of Earl Grey trägt, über seine Versuche, die Weltherrschaft zu erreichen und das Artwork und den ganzen Rest. Und bitte bloß nicht alles ernst nehmen. Matthias Schrei aka Blockflöte des Todes will nur spielen und das kann er außerordentlich gut. Viel Vergnügen.

1. Wie würdest Du den Erschaffensprozess Deines neuen Albums charakterisieren?

Zeugung, Austragen, Austreibungsphase, ins Handtuch wickeln und lieb haben. War alles ganz entspannt: Lieder schreiben, Demos aufnehmen, Musiker suchen, Studio suchen, aufnehmen. Hat größtenteils sogar Spaß gemacht und war sehr unverkrampft. Ja, ich glaube unverkrampft trifft es ganz gut.

2. Dein Album heißt “Fifty Shades of Earl Grey“ – ist das dein Ernst, so ein schlimmes Wortspiel? ;)

Ja, mein voller Ernst! Sowohl Bücher als auch Film haben mich so in ihren Bann gezogen, dass ich dieses Album quasi als Hommage an die Geniale Autorin benannt habe. Nein, natürlich nicht! Warte, das sind nicht genug Ausrufezeichen: !!!!!!!!!!!!!!!!!!! Der Albumtitel ist ja nur ein Zitat aus einem der Lieder auf dem Album. Das macht man wohl manchmal so, habe ich mir sagen lassen, einfach eine Liedzeile vorn rauf schreiben. Dass das Lied voller dämlicher Wortspiele ist, dafür kann ich ja ni… ach so, doch, ist ja auch meines. Ach, ich mag dämlich einfach manchmal ganz gern, zumindest wenn es noch eine Subebene gibt. Außerdem hatte meine Grafikerin großen Spaß, rund 200 Teeringe auf Papier zu hinterlassen und dann die besten 50 rauszusuchen.

3. Wie ist Deine Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Och, eigentlich will ich nur die Schulden abbezahlen, die ich für die Aufnahmen angehäuft habe. Alles, was sich darüber hinaus verkauft ist natürlich prima, damit ich beim nächsten Album nicht so viele Schulden anhäufen muss. Und natürlich hofft man immer irgendwie, dass ein paar Leute das wirklich richtig gut finden, was man da gemacht hat. Und insgeheim hofft man, dass das ALLE total großartig finden und sich bei ihren Streamingdiensten abmelden und nur noch dieses Album hören. Und dann kommen die ersten Feedbacks und man weiß, okay – kommt ganz gut an, aber das große Ziel der musikalischen Weltherrschaft wird wahrscheinlich erst mit der nächsten Platte erreicht werden. Und darum macht man einfach weiter. Jeder Musiker, der etwas anderes behauptet, ist ein stinkender Lügner.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Dir von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Hui, die Standardantwort auf diese Standartfrage wäre ja: Hui, das kann man so nicht sagen – das ist jedes mal anders. Und das ist auch so. Manche Stücke brauchen ein halbes Jahr, andere zehn Minuten. Das Schreiben ist simpel: hinsetzen und loslegen. Arrangieren kann sich hinziehen. Manchmal probiert man da auch lange rum. Bei meinem letzten Album hatte ich von einigen Liedern zehn verschiedene Versionen. Und dann hab‘ ich erkannt, dass sich die Leute – insbesondere Rezensenten – sowieso nur mit deinen Texten beschäftigen, solang sie deutsch sind. Was natürlich totaler Schwachsinn ist. Wer schöne Texte will, soll sich ein Buch kaufen.

Bei diesem Album war ich allerdings auch musikalisch nicht ganz so fleißig und habe mir einfach Mitmusiker gesucht, mit denen ich zuvor nie zusammen gearbeitet habe, die teilweise noch nie ein Album von mir gehört hatten. Somit waren beim Arbeiten auch immer frische Ohren und Köpfe da und ich hatte mehr so eine Supervisor-Rolle. In der Summe standen die Arrangements für’s komplette Album nach vier Tagen im Studio.

5. Warum sollte man Dich unbedingt live anschauen?

Ist schwer, auf diese Frage zu antworten, ohne komplett arrogant zu wirken. Ganz wichtiger Punkt ist natürlich, dass meine Alben da etwas preiswerter verkauft werden, als im Laden. Außerdem sind meine Konzerte lustiger als eine Mittelohrentzündung. Und es gibt ganz viele Geschichten zu den Liedern und so. Keine Ahnung, ich zitiere jetzt einfach mal aus dem Coolibri, das wirkt dann etwas weniger arrogant: „Gerade seine Song-Ansagen hinterlassen beim Publikum oft Lachfalten mit melancholischem Beigeschmack. Hinter dem krachendem Humor steht eine große Portion Traurigkeit.“ Klingt gut, ne?! Wenn man sowas über sich selbst liest, weiß man, dass die musikalische Weltherrschaft nicht mehr weit weg ist.

6. Welche drei Dinge sollten Deiner Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Schmerztabletten, Zahnbürste und Nagelfeile – man denkt ja, man könnte alle drei Dinge problemlos nachkaufen und dann ist es Sonntag und du steckst irgendwo im Nirgendwo…

7. Welches Lied hättest Du gerne selbst geschrieben und warum?

Claire du Lune (C. Debussy) – denn das würde bedeuten, dass ich wirklich schöne Klaviermusik in kruden B-Tonarten auf dem Klavier komponieren könnte. Ja, das wäre wirklich hübsch.

8. Mit wem würdest Du gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Steve Albini – den hätte ich echt gern mal an den Reglern, wenn ich was aufnehme.

9. Wo siehst Du Dich und Deine Musik in 10 Jahren?

Musikalische Weltherrschaft! Ganz klar! Bis dahin habe ich hoffentlich portugiesisch gelernt und nehme nur noch Bossa Nova Easy Listening Platten auf. Allein, mit einem alten Kassettenrekorder, am Strand von Florianopolis.

10. Vervollständige bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

ich mit meiner geistigen Entwicklung im Alter von fünfzehn stehengeblieben bin???
Die Welt besteht aus so viel mehr als Musik. Klar, eine Welt ohne Musik wäre totale Scheiße, aber eine Welt ohne Eierlikör fände ich auch schrecklich. Irgendjemand sagte mal: „Musik ist wie Sex – nur halt nicht ganz so gut.“ Vielleicht war das sogar ich, nachdem ich etwas zuviel Eierlikör getrunken hatte.

Weitere Artikel
Rezension: Blockflöte des Todes – Fifty Shades of Earl Grey
Rezension: Blockflöte des Todes – Ich habe heute Ananas gegessen
Rezension: Blockflöte des Todes – Wenn Blicke flöten könnten

Homepage: www.blockflötedestodes.de
Facebook: www.facebook.com/pages/Blockfl%C3%B6te-des-Todes/189603802310
Twitter: www.twitter.com/BlckfltdsTds

Interview: Dennis Kresse
Bilder: Pressefreigabe