„Was kann man machen, wenn alles den Bach runtergeht? Wenn man ungebremst in den Abgrund rast? Wie wird man fertig mit dem Wahnsinn und dem Chaos um einen herum? East Cameron Folkcore aus Austin, Texas, wissen, was zu tun ist, wenn die Ungerechtigkeit zum Himmel schreit. Sie schreien einfach zurück!“ Soweit die Info des Labels Grand Hotel van Cleef zu East Cameron Folkcore, die kürzlich ihr neues Album „Kingdom of Fear“ veröffentlicht haben. Ein willkommener Anlass, der Band unseren Fragebogen „10 Fragen an“ zu schicken. Hier die Antworten!

1. Wie würdet Ihr den Erschaffensprozess Eures neuen Albums charakterisieren?

Der Schreibprozess für „Kingdom of Fear“ hat sich ein wenig von dem der anderen Alben unterschieden. Wir wollten dieses Album zu einem spontanen, intensiven Erlebnis machen. Die Ideen waren da, genau wie der Großteil der Grundgerüste für die Songs, aber vieles war noch offen. Die meisten Instrumentalverläufe sind direkt im Studio von den Musikern geschrieben worden, oft ohne Absprache. Durch diesen Ansatz haben wir viele Freiheiten gehabt, und wir können unsere Liveauftritte mit neuer Energie angehen, weil wir viele der Songs tatsächlich zum ersten Mal in Gänze zusammen spielen.

2. Euer Album heißt „Kingdom of Fear“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

„Kingdom of Fear“ ist ein Kommentar zum Weltgeschehen. Wir entfernen uns von der Introspektive, die uns in unseren Zwanzigern beschäftigt hat, und schauen uns etwas um. Was wir jetzt, in unseren Dreißigern, um uns herum sehen, ist dies: Unsere Heimatstadt ist der völligen Gentrifizierung zum Opfer gefallen, Fracking vergiftet unser Trinkwasser, es herrschen Kriege, die weder einen Sinn ergeben, noch jemals enden wollen, Frauen müssen wieder für ihre Rechte kämpfen, vor allem, was ihre Gesundheitsvorsorge betrifft, und gewisse friedliche Proteste haben solche Wellen gemacht, dass der amerikanische Kongress sie jetzt für illegal erklären will – was gegen unsere Grundrechte verstößt. Die Bevölkerung wird bedroht, wenn sie friedlich gegen das oben genannte Unrecht protestieren will – sei es mit Gefängnisstrafen, öffentlicher Verunglimpfung oder sogar Gewalt. Wir leben also tatsächlich in einem Königreich der Angst.

3. Wie ist Eure Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Ich persönlich habe keine Erwartungen. Ich hoffe, dass die Hörer das Album aufgrund seiner künstlerischen und musikalischen Werte zu schätzen wissen. Außerdem hoffe ich, dass wir Diskussionen anstoßen. Je mehr wir Menschen, egal welcher Kultur, über das reden, was in unserer Welt, unseren Ländern und sogar Städten passiert, desto besser können wir informierte und sozialverträgliche Entscheidungen treffen, die uns allen zugute kommen.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Euch, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Jesse nennt es „alles in den Häcksler werfen“. Einer von uns schreibt meist einen beinahe fertigen Song, mit Melodien und Texten. Dann stürzt sich die ganze Band drauf, und es wird drauflos gehäckselt. Wenn acht talentierte Musiker zusammenarbeiten, wird ganz schön viel ausprobiert. Dinge werden verändert, aufgebaut und wieder umgeworfen, rausgeworfen, vertieft und wiederaufgenommen. Und wenn wir dann ins Studio gehen, wird meistens noch einmal alles verändert. Fertig ist ein Song erst, wenn er gemastert und weggeschickt worden ist.

5. Warum sollte man Euch unbedingt live anschauen?

Es ist eine Explosion von Energie und Leidenschaft. Wir alle sind Menschen, denen nichts wichtiger ist, als Musik zu machen, und das merkt man. Dann kommt noch etwas dazu, das ich selber nicht so richtig verstehe oder erklären kann, aber es ist für uns und das Publikum jedes Mal eine kleine Katharsis.

6. Welche drei Dinge sollten Eurer Erfahrung nach auf keinen Fall im Tourgepäck fehlen?

Notebook, Kopfhörer, und mindestens drei Bücher. Ich bin Minimalist, und viel mehr habe ich meist sowieso nicht dabei.

7. Welches Lied hättet Ihr gerne selbst geschrieben und warum?

Da fallen mir im Moment zwei Songs ein: „Ramblin´ Man“ von Hank Williams, weil er so viel erklärt, und „A Change Is Gonna Come“ von Sam Cooke, weil das der beste Song ist, den ich jemals gehört habe.

8. Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Phil Elverum

9. Wo seht Ihr Euch und Eure Musik in 10 Jahren?

Da muss ich leider passen.

10. Vervollständigt bitte den folgenden Satz: Musik ist für uns die Welt, weil …

… sie mich schon immer in ihren Bann gezogen hat. Als Kind bin ich immer mit einer Musicbox rumgezogen und habe die Beatles gehört, U2, Michael Jackson und Billy Joel. Ich habe auch andere Interessen, aber nichts ist so faszinierend, erfüllend oder befreiend wie Musik. Ich glaube nicht, dassich damit aufhören könnte, selbst, wenn ich wollte.

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Interview: Marius Meyer (Ausnahme: gekennzeichnetes Zitat)
Bilder: Tyson Heder