Am 19. April dieses Jahres erschien mit „Back To Where You’ve Never Been“ das neue Album der französischen Metal-Band Hacride. Das erste, das mit dem neuen Sänger Luiss entstanden ist, der sich bereits gut in die Band integriert hat. In den Antworten zu unserem Fragebogen „10 Fragen an“ zeigte er sich sehr auskunftsfreudig zum Album, zur Band, zur Arbeitsweise und zu vielen anderen Dingen, sodass es eine wahre Freude ist, seine 10 Antworten zu den 10 Fragen an ihn zu lesen. Viel Spaß!

1. Wie würdet Ihr den Erschaffensprozess Eures neuen Albums charakterisieren?

Das ging in zwei Schritten. Es begann alles mit Adrien, der die Musik vor fast zwei Jahren zuhause komponiert hat. Es hat eine Weile gedauert für die Band, die Musik zu komponieren, ich würde sagen, das war ein vorsichtiger und durchdachter Prozess. Dann hat der vorherige Sänger Sam die Band verlassen, ich kam in die Band letzten September und es gab ein Gefühl der Dringlichkeit, weshalb wir schnell ins Studio mussten. Da war eine Menge Kreativität im Spiel, als ich die Vocals aufgenommen habe und die Atmosphäre war gelassen und positiv.

2. Euer Album heißt „Back To Where You’ve Never Been“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

Das Album handelt von einer Übergangsphase im Leben, in der man sich zwischen den Kindheitsträumen und der „erwachsenen“ Welt entscheiden muss. Es handelt von der Tatsache, dass wir unsere Ideale vergessen und unsere Leidenschaften löschen müssen, um zu überleben. Der Titel drückt aus, wie es sich anfühlt, die eigenen früheren Erwartungen hinter sich zu lassen. In anderen Worten impliziert es, dass die Limits, die wir haben, nur die sind, die wir uns selbst gesetzt haben.

3. Wie ist Eure Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Wir haben hart daran gearbeitet, daher hoffe ich, dass die Leute es zu schätzen wissen. Ich wünsche mir, dass sie mehr als Musik darin entdecken und beginnen, über das nachzudenken, was sie im Leben wirklich haben wollen. Das Album soll den Hörer grundsätzlich dazu ermutigen, so zu werden, wie er oder sie sein will. Es erzählt die Geschichte von einem Typen, der sein Leben ziemlich verschwendet, aber die Botschaft hinter der ganzen Sache ist sehr positiv.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Euch, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Das ist für mich schwer zu sagen, da ich nur Texte schreibe. Ich greife normalerweise auf Lebenserfahrungen zurück und versuche, soviel Gefühl wie möglich da zu integrieren. Ärger und Frust sind immer „nützliche“ Emotionen im Metal, da es eine extreme Form der Musik ist, aber die Inspiration kann auch ganz woanders her kommen. Ein Song muss voll und ganz überzeugend sein, daher ist es denke ich wichtig, immer im Hinterkopf zu behalten, was einen als erstes inspiriert hat und dann dem Instinkt zu folgen. Es ist gut, Dinge zu tun, ohne darüber zu viel nachzudenken, da es sich sonst nicht mehr natürlich anfühlt.

5. Warum sollte man Euch unbedingt live anschauen?

Weil unser Sound verdammt massiv ist! Hacride hatten live schon einen guten Ruf, lange bevor ich zur Band gestoßen bin und es geht immer besser. Wir arbeiten hart, um unsere Shows so unvergesslich wie möglich zu machen und ich gebe jeden Abend 100%. Ich sammel eine Menge Druck bei der Arbeit und wenn ich Musik mache, möchte ich einfach explodieren und dieses befreiende Gefühl so gut wie möglich genießen.

6. Welche drei Dinge sollten Eurer Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Ich putze mir gerne täglich die Zähne, daher wäre das die Kombo aus Zahnbürste und Zahnpasta. Außerdem sehe ich das Publikum beim Spielen gerne, trage aber nicht gerne Brille, also benötige ich meine Kontaktlinsen. Das dritte wäre dann irgendein Duschgel, weil ich mich gerne frisch und sauber fühle. Das ist jetzt alles so gar nicht Rock’n’Roll, aber ich hätte gelogen, wenn ich mit „eine Flasche Whisky“ oder „eine Evil Dead-DVD“ geantwortet hätte… Zumindest bin ich der lebende Beweis dafür, dass nicht alle französischen Männer dreckig sind.

7. Welches Lied hättet Ihr gerne selbst geschrieben und warum?

Das ist eine gute und schwierige Frage. Ich wäre versucht, mit Stücken von Pantera und Slayer zu antworten, aber es sollte etwas sein, das auch ich auf der Gitarre spielen kann, obwohl ich kein herausragender Gitarrist bin. Es gibt einen Song von der schwedischen Black Metal-Band Shining, den ich wirklich gerne geschrieben hätte. Es ist das zweite Stück auf „Halmstad“ und da ich kein Schwedisch kann, kann ich die Nummer nicht einmal buchstabieren. Es ist wie „Langtar Bort Fran…“, das sollte reichen, um das Stück zu finden. Das eröffnende Akustik-Riff ist schön und das E-Gitarrensolo ist so bluesig und emotional, wie es nur sein kann. Der Song entwickelt sich zu einem groovenden und finsteren Metal-Riff, das ich sehr mag, weil es die klassische „Pull off“-Technik des Black Metal auf einer Saite zeigt. Der Gesang ist sehr stark und obwohl ich nicht ein einziges Wort verstehe, läuft es mir dabei eiskalt den Rücken runter. Gute einfache Riffs, eine gute Songstruktur und clevere Arrangements. Das ist einer dieser perfekten Songs…

8. Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Scott Ian von Anthrax, da er so ein kraftvoller Gitarrist ist. Ich liebe SOD und ich denke, meine Thrash/Hardcore-Vocals könnten gut mit seinem Riffing zusammenpassen. Es wäre verrückt, ihn in der Mitte eines Hacride-Tracks zu haben, aber er scheint ein wirklich netter Kerl zu sein und ich bin mir sicher, dass es eine Menge Spaß macht, mit ihm zu jammen.

9. Wo seht Ihr Euch und Eure Musik in 10 Jahren?

Wir lieben es, neue Gebiete zu erforschen, daher ist es schwer zu sagen, wie Hacride in 10 Jahren wohl klingen werden. Ich hoffe, wir finden nach wie vor die Energie, Musik zu machen, da es schwer ist, Arbeit und Musik gleichzeitig zu haben und dazu noch Zeit zu finden, die wir mit unseren Familien verbringen. Ich hoffe einfach, dass wir es managen, unsere innere Flamme am Brennen zu erhalten und unsere Leidenschaft so lange wie möglich zu leben.

10. Vervollständigt bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

… ich keinen einzigen Tag verbringen kann, ohne sie hören zu wollen. Ich bin der Musik verfallen, seit ich mit 11 Jahren angefangen habe, Hard Rock und Grunge zu hören. Jetzt bin ich 30 und entdecke immer noch neue Bands in vielen verschiedenen Genres. Ich könnte mein ganzes Leben damit verbringen, Musik zu hören, ohne dass es langweilig wird. Ich bin immer erschrocken, wenn ich Metal-Musiker treffe, die sagen, dass sie überhaupt keine Musik hören… Du kannst zurück in die Zeiten der alten Klassiker von Soul, Blues und Rock’n’Roll gehen oder einfach in die Moderne eintauchen. Es gibt genug Material da draußen, um eine Lebenszeit zu füllen und das Internet macht es so einfach, Zugriff darauf zu haben – da ist es unmöglich, zu widerstehen.

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Rezension: Hacride – Back To Where You’ve Never Been

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Interview und Übersetzung: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe