„Mächtig Dampf aufm Kessel, für eine hart rockende Katharsis voller Energie und Emotion, die nach weit mehr als 300 Shows und dem inzwischen dritten Album im Köcher als eigene Größe etabliert ist“, so die Album-Info zum neuen Werk von Pandora’s Bliss, das auf den Namen „Amarchord“ hört. Das Gleichgewicht aus jahrelanger Erfahrung und Kopfdurchdiewandungestümheit macht „Amarchord“ zu einem ganz besonderen Leckerbissen, der uns einen mehr als willkommenen Anlass bot, der Band einmal unsere „10 Fragen an“ zu stellen. Annie und Roman nahmen sich Zeit, um unsere Fragen ausgiebig zu beantworten.

1. Wie würdet Ihr den Erschaffensprozess Eures neuen Albums charakterisieren?

Annie: Nachdem wir auf unserem Vorgängeralbum „Oh Glorious Serenity“ ziemlich viele längere getragene Stücke hatten, die teilweise so zwischen 5 und 9 Minuten lang waren, hatte ich beim Jammen und nachher auch beim Songwriting für Amarchord das intuitive Gefühl, wieder mehr in Richtung Publikum und „Catchyness“ zu gehen. So kamen Songs wie „Don’t marry me“, „Talking to your head“ oder „Fuck the goddamn jury“ zustande, die vor allem auch von ihrer Energie leben. Mit den 12 Songs haben wir uns dann wie immer im Proberaum eingeschlossen und sind anschließend in die Staaten nach Harrisburg geflogen, um mit Jason Rubal den entsprechenden Sound zu kreieren.

Roman: Ein wenig zeichnet uns aus, aus kleinen Ideen schnell einen Song zu entwickeln und diesen Live direkt auszuprobieren. Viele davon setzen sich auch durch und werden dann sozusagen auf der Bühne geschliffen. Es hilft dabei natürlich wenn man viel unterwegs ist. Auf der anderen Seite gab es Momente wo das fertige Songwriting erst bei den Aufnahmen im Studio durchgezogen wurde *lacht* Man kann uns nicht Proberaumstrebertum vorwerfen.

2. Euer Album heißt „Amarchord“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

Annie: Einer meiner Lieblingsregisseure ist der Italienische Kult Regisseur „Federico Fellini“, der für mich neben Regisseuren wie Lars von Trier, Robert Wiene oder Ingmar Bergman unglaublich viel Inspiration für die Musik und das Leben liefert. „Amarchord“ ist ein Kunstwort, das ich vom Fellini-Film „Amarcord“ abgeleitet habe. „Amarcord“ ist ein norditalienischer Dialekt und bedeutet „Ich erinnere mich“. Da der Film zu meinen Lieblingsfilmen gehört und ich die personifizierte Nostalgie bin, war das wie ein Geistesblitz und so stand sehr schnell fest, dass das Name für’s neue Album werden würde.

3. Wie ist Eure Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Annie: Wir haben keine Erwartungen, die mehr beinhalten, als dass unser Publikum und Musikliebhaber darüber hinaus etwas mit unserer Musik anfangen können, vielleicht sogar drauf abfahren. Das sind meistens Leute zwischen 10 und 67. Wir wissen aber auch, dass wir keine Band sind, sein wollen und jemals sein werden, die jedem gefällt. Wem’s gefällt, cool, wem’s nicht gefällt auch ok.

Roman: Das Leute es durch hören und mehrmals hören und immer wieder Neues entdecken. Denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man auf der Platte immer wieder etwas Neues erfahren kann.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Euch, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Annie: Einfach spielen und hören. Der Moment, in dem du ein Riff spielst, es im Magen ballert, dich das stimuliert und die Synapsen im Gehirn auf Hochtouren laufen ist unbeschreiblich. Und eh du dich umsiehst, steht das Riff, die Melodie, die Bridge und zehn Minuten später weißt du schon nicht mehr, wo das alles her kam.

5. Warum sollte man Euch unbedingt live anschauen?

Annie: Weil laute Gitarren, knarzende Bässe und heftige Drums unfassbar viel Spaß machen. Das war für mich schon immer Sinn und Zweck von „Rock’n’Roll“.

Roman: Wenn man das Ganze als Drummer immer aus der Rückraumperspektive betrachtet schaut man in die Gesichter der Leute, die entweder verträumt und mit geschlossenen Augen einfach nur da stehen und irgendwie mit sich im Einklang zu sein scheinen oder hart abmoshen und schreien. Dann erkennt man was Musik generell und auch unsere Musik auslösen kann. Und da wir alle drei relativ empfänglich dafür sind steigert sich über ein Konzert oft dieser Emotionsmischmasch.

6. Welche drei Dinge sollten Eurer Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Annie: Captain Morgan, Tabak und Sonnenbrillen.

Roman: Kippchen, Musikplayer, Ladegerät

7. Welches Lied hättet Ihr gerne selbst geschrieben und warum?

Annie: „Heroes“ von David Bowie vielleicht. Weil es großartig ist. Aber eigentlich gefallen mir Songs gerade deswegen, weil sie von genau den Leuten geschrieben worden sind, die sie geschrieben haben. Das ist so wie mit den Frauen. Du würdest deinem Kumpel ja auch nicht die Freundin weg nehmen. Erst recht, wenn du selber eine hast.

Roman: Nagelt mich dafür ans Kreuz, aber ich habe öfter mal die Gitarre angepackt in der Vergangenheit, da kam dann auch Metallica auf den Tisch. Und da fiel mir immer wieder auf wieviel Bock es macht Nothing else matters zu zupfen. Mit 4 offen gepickten Saiten, eine unverkennbare Melodie erzeugen. Ansonsten beneide ich das Songwriting von John Lennon und Paul McCartney. Vor allem die Art sich gegenseitig die Bälle zu zu spielen.

8. Mit wem würdet Ihr gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Annie: David Bowie. Oder mit Nick Cave. Oder PJ Harvey. Oder Syd Barret, aber der ist leider schon tot.

Roman: Ich würde gerne mal Musik mit Produzenten aus der elektronischen Ecke aufnehmen. Einfach die bekannte Songstruktur über Bord werfen und minuten bzw. stundenlang minimalistischen, hypnotischen Sound zu kreieren.

9. Wo seht Ihr Euch und Eure Musik in 10 Jahren?

Annie: Keine Ahnung, Träumen kann man immer, ist aber absolut sinnlos. Wir sind da mittlerweile pragmatischer geworden, aber ich glaube nach wie vor, dass alles möglich ist und das gilt für jeden, der bereit ist, immer weiter zu machen, aus Fehlern zu lernen und dann noch eine Schippe drauf zu legen.

Roman: Das ist unmöglich zu sagen über einen solchen Zeitraum. Mir fällt über die Jahre aber auf, dass es schön ist, weniger zu nehmen und mehr daraus zu machen. Eine Liebe zum Detail zu entwickeln.

10. Vervollständigt bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

Roman: … sie erstens das Leben lebenswert macht und zweitens mehr oder weniger offensichtlich Plattform und Treiber für Veränderung ist.

Annie: … sie mir immer und überall Leben einflößt.

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Interview: Marius Meyer