Zehn Songs auf einunddreißig Minuten sind beileibe kein schlechter Schnitt für jemanden, der sich den perfekten Popsong als Ideal auf die Fahne geschrieben hat: „Drei Minuten reichen völlig“, behauptet Richard, „die eigentliche Idee passt meist doch schon in ein paar Takte.“ „So ähnlich wie Türen knallen“ beschreibt Lenz den Entstehungsprozess seiner Songs. „Es muss einfach was raus!“ Anlässlich des zehn Stücke starken Albums „Gedankenfetzen“ haben wir Richard Lenz unsere „10 Fragen an“ gestellt.

1. Wie würdest Du den Erschaffensprozess Deines neuen Albums charakterisieren?

Das war eher planlos und aktionistisch: nach der WM im letzten Jahr hab ich mir neues Equipment besorgt und mich voller Enthusiasmus auf den ersten Song gestürzt („Sind halt Frauen“). Daran hab ich fast einen Monat gesessen und mich im Perfektionismus verloren. Am Ende hab ich den Song gehasst und mich dann lieber mit der üblichen das-hau-ich jetzt-schnell-raus- Attitüde an die restlichen neun Songs gemacht. Die waren dann zusammen schneller fertig als der erste.

2. Dein Album heißt „Gedankenfetzen“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

Zuerst wollte ich es „Gedankenunterwelten“ nennen, so wie der dritte Track, aber das klang mir dann zu düster als Überschrift für alle Songs. Die Idee hinter „Gedankenfetzen“ kommt aus der Art, wie die Songs entstehen: am Anfang hat man ja noch nie einen Text und singt erst mal irgendeinen Quatsch. Manchmal sind aber auch gute Zeilen dabei und aus diesen „Gedankenfetzen“ bastele ich dann irgendwann den Text.

3. Wie ist Deine Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Die hab ich auf Null heruntergeschraubt, so kann ich nicht enttäuscht werden :)

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Dir, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

S. o. Aber generell kann man sagen, dass am Anfang die Songs in meinem Kopf immer riesig sind, und je fertiger sie dann werden, desto mehr schrumpfen sie in Richtung Bedeutungslosigkeit. Und richtig fertig sind sie leider auch nie, noch heute ärgere ich mich über alte Songs, warum ich nicht dies und das so oder so gemacht habe.

5. Warum sollte man Dich unbedingt live anschauen?

Weil es live immer anders klingt als auf CD (ach nee). Und weil: live is life! (Aua.. ok, mir fällt dazu nichts ein..)

6. Welche drei Dinge sollten Deiner Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

1. Gute Laune 2. Gute Nerven 3. Was zum rauchen
(und die Instrumente wären nicht verkehrt)

7. Welches Lied hättest Du gerne selbst geschrieben und warum?

Oje..schwierig. Mal lieber so rum: es gibt Songs, da muss ich sofort das Radio ausmachen, weil ich sie nicht ertrage. Als Beispiel: „I will allways love you“ von Whitney Houston. Hätte ich den geschrieben, hätte ich ihn nie veröffentlicht und vor allem nicht ihr zum singen gegeben!

8. Mit wem würdest Du gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Lustigerweise träume ich öfter, dass ich mit mega-bekannten Musikern zusammen probe oder im Studio bin (z.B. Phil Collins, Sting, Jagger), und immer wenn ich aufwachen denke ich dann „na die kochen ja auch nur mit Wasser“. Ich würde natürlich gerne mal wissen, ob meine Träume der Realität entsprechen, aber das werd ich wohl nie erfahren..

9. Wo siehst Du Dich und Deine Musik in 10 Jahren?

Ich hab leider nicht den geringsten Schimmer.

10. Vervollständige bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

Musik ist nicht die Welt für mich.
Musik ist wie Fußball, die schönste Nebensache der Welt. Aber gleichzeitig gilt auch hier das berühmte Zitat:
„Einige Leute halten es für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!“ (Bill Shankly)

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Interview: Marius Meyer
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