Ob die Bezeichnung „trauriger Clown“ einem Sven van Thom, der in einem früheren Leben als Sven Rathke in Berlin in der Band Sofaplanet immerhin einen kleineren Hit im Jahre 2001 mit „Liebficken“ hatte, so zutrifft, das mögen andere entscheiden. Fakt ist, dass dieser Sven van Thom auch auf seinem neuen Album „So geht gute Laune“ wieder mal den Spagat zwischen Tränen lachen und Tränen vor Trauer bestens hinbekommt und der den schönen Satz des Kabarettisten Nico Semmsrott „Glück ist ein Mangel an Information“ mit seiner Musik mehr oder weniger unterstreicht. Alternativmusik.de wünscht viel Vergnügen.

1. Wie würdest Du den Erschaffensprozess Deines neuen Albums charakterisieren?

Langsam und stetig. Ich gehe nicht in ein Tonstudio, um das gesamte Album innerhalb von ein paar Wochen einzuspielen, sondern mache das alles kontinuierlich bei mir zu Hause. Mit meinem Bühnenpartner Gotti (Martin Gottschild) von „Tiere streicheln Menschen“ habe ich eine kleine wöchentliche Radio-Show auf RadioEins. Hierfür muss ich jede Woche ein neues Lied aufnehmen. Dieser Druck ist super, denn so entstanden die Aufnahmen für mein Album quasi nebenher. Irgendwann musste ich nur noch meine Favoriten bündeln und zu einem Album vereinen.

2. Dein Album heißt „So geht gute Laune“. Welche Idee steckt hinter dem Namen?

Der Titel ist einfach einem Stück auf dem Album entlehnt. Er ist absolut ironisch zu verstehen, denn in den Texten geht es meist eher um die Schattenseiten des Daseins. Dennoch, würde ich sagen, habe ich den düsteren Songs einen Haufen Wortwitz untergejubelt, so dass beim aufmerksamen Zuhörer hoffentlich doch so etwas wie gute Laune aufkommt.

3. Wie ist Deine Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Ich erwarte nicht viel, aber ich hoffe natürlich. Ich hoffe, dass sich viele Menschen finden, die meinen Humor, aber auch meine sarkastische Herangehensweise teilen und mögen. Und schön wäre es, wenn diese Leute zu meinen Konzerten kommen und dann eventuell noch das Album mit nach Hause nehmen.Zu erwarten, mit dieser speziellen Musik in den Charts aufzutauchen, wäre illusorisch. Ist aber nicht so schlimm. Selbst wenn sich wirklich niemand dafür interessieren sollte, ich würde trotzdem weiter Lieder schreiben und aufnehmen. Es ist ja nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Hobby.

4. Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Dir , von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Alle zwei Monate spielen Gotti und ich eine neue „Tiere streicheln Menschen“ – Show in Berlin. Das heißt alle zwei Monate brauche ich eine Handvoll neuer Lieder. Also setze ich mich zwei-drei Wochen vor dem nächsten Termin hin und fange einfach an zu arbeiten. Manchmal sehe ich meine Notizen durch, ob ich nicht schon einzelne Zeilen oder ein Thema notiert habe, das ich ausarbeiten könnte. Meine liebste Zeit ist der Morgen – wobei Morgen ein dehnbarer Begriff ist: Der Morgen kann sich auch mal bis 15 Uhr hinziehen. Ich wache so gegen 10 Uhr auf, hole mir eine Gitarre, Papier, Stift und Reimwörterbuch ins Bett und schaue, ob es fließt. Manchmal passiert gar nichts, dann lasse ich es nach einer Stunde sein und verschiebe die Arbeit auf morgen. Manchmal fehlt nach ein paar Stunden nur noch eine letzte Strophe oder die ein oder andere Kleinigkeit. Eine Weile versuche ich mich dann noch zum Weiterschreiben zu zwingen. Wenn aber nichts mehr passiert, ist es immer besser, irgendetwas anderes zu machen, damit man nicht frustriert wird. Einfach später weitermachen, mit frischem Kopf und neuen Ideen.

5. Warum sollte man Dich unbedingt live anschauen?

Nun, es gibt einiges zu lachen, aber die traurigen und melancholischen Momente kommen auch nicht zu kurz. Wenn man diesen Spagat mag, dann ist man bei mir genau richtig.

6. Welche drei Dinge sollten Deiner Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Zahnbürste, Ohrstöpsel, gute Musik für die Autofahrt.

7. Welches Lied hättest Du gerne selbst geschrieben und warum?

Auf meiner aktuellen Tour covere ich „Royals“ von Lorde, wobei meine Duettpartnerin Larissa die Leadstimme singt. Früher fand ich Bands, die Coversongs spielen total doof, aber mittlerweile habe ich wohl das Gefühl, meinen eigenen Stil gefunden zu haben und ich kann einem Cover meinen eigenen Stempel aufdrücken. Dazu wäre ich vor, sagen wir mal, 15 Jahre noch nicht in der Lage gewesen. Neben „Morning Phase“ von Beck ist „Pure Heroine“ von Lorde mein Lieblingsalbum der letzten drei Jahre. Ich finde ihre Stimme großartig, die minimalistische Produktion und ihre Art zu texten. Wann hat man das schon, dass eine 17-jährige so unpeinlich und gekonnt von ihrem Leben erzählt?

8. Mit wem würdest Du gerne mal zusammen ein Stück aufnehmen?

Ich hätte Lust, mal mit Bela B eine Platte zu machen. Aber vielleicht wäre das totaler Quatsch, weil sich unsere Stimmen schon etwas ähnlich sind. Man würde uns vielleicht nur schlecht auseinanderhalten können.

9. Wo siehst Du Dich und Deine Musik in 10 Jahren?

Stark alkoholisiert in einer Disco auf Mallorca, eine Dance-Version von „Liebficken“ singend. Haha! Nee! Vielleicht mit einem Streichensemble und einem kleinen Chor in mittelgroßen Theatern. Das wäre ein Traum.

10. Vervollständige bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

… ich mir nichts besseres vorstellen kann, als damit sein Leben zu verbringen.

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Interview: Dennis Kresse
Bild: Pressefreigabe