Ist der Stein der Weisen erst einmal gefunden, erscheint auch die Vergangenheit in einem ganz anderen Licht. Was nach abgedroschenem Gemeinplatz klingt, offenbart sich am rotierenden Objekt jetzt bei Der Blutharsch. Der Stein der Weisen in Form des aktuellen Albums The Philosopher’s Stone wurde im vergangenen Jahr gefunden und war eine logische Fortsetzung von When did wonderland end. Der Blutharsch zeigte psychedelische Sphären und gab sich dem Rock’n’Roll in einer ganz eigenen Spielweise hin. Zeit für neue Ideen also war es. Der Blutharsch sich quasi neu erfindend. Hört man auf dieser Grundlage aber dann noch einmal When all else fails!, so wirkt der Aufschrei einiger alteingesessener Fans der älteren Werke doch etwas eigenartig.

Via WKN/Tesco erscheint nun besagtes When all else fails! in einer Nachpressung. Zwar ist der Klang hier weit entfernt von der heutigen Rockband Der Blutharsch, aber er zeigt, dass die Gruppe um Albin Julius im Grunde schon immer ein ganz eigenes Ding durchzog und gerne mal auf eigene und eigenartige Klänge setzte. Industrial, Neofolk und co. wären hier alles nicht greifende Schubladenbegriffe und so richtig mag sich der rote Faden auch nicht einpendeln, aber die Eigenartigkeit an sich zieht hier eine interessante Stringenz mit sich. Titel II beispielsweise (von Death In June einst als Many Enemies Bring Much Honour gecovert): Irgendwie marschartige Trommeln, dezidiert disharmonisch gezupfte Saiteninstrumente und fast emotionsloser Gesang. Das hört man so auch nicht so oft. Oder auch eine ambiente Lagerhallenatmosphäre wie in Titel IV: In mysteriösen Klangsphären ziehen sich immer wieder bedrohliche Melodien durch das Stück und eine gewisse Martialik bleibt nicht aus.

Die Martialik – vielleicht ist sie es, die den heutigen Blutharsch durch ihr Fehlen so befremdlich wirken lässt. Allerdings: Eigentlich ist das in den Mittelpunkt Denken derselben ja eher eine rezipientenorientierte Angelegenheit. So oder so: Auf When all else fails! kommt sie noch einigermaßen zum Tragen. Titel V zeigt es mit den martialischen Sphären und dem ständig wiederkehrenden Ruf „Dafür wirst du hart bestraft!“ Und wenn Marthynna im neunten Titel „Da kamen die Feinde, da kam der Tod!“ singt, weiß jeder Bescheid, worum es hier geht.

Sicherlich ist dieses Album kompliziert und nicht gerade das repräsentativste Album für Der Blutharsch. Aber es zeigt, dass die Gruppe schon immer machte, was sie wollte. Was dabei natürlich wichtig ist: Nicht immer alles zu bierernst nehmen. Ein gewisses Augenzwinkern ist natürlich notwendig, um diesem Album mehr als nur ein flüchtiges Reinhören abgewinnen zu können. Zwar ist es eine sperrige Veröffentlichung, aber sie hat einen nicht abzustreitenden Reiz. Mit Kollaborateuren wie Lina Baby Doll und Geoffrey von Dernière Volonté ist ein durchaus positiv interessantes Album entstanden, dessen Wiederveröffentlichung sicherlich nicht so verkehrt ist.

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Homepage: www.derblutharsch.com
MySpace: www.myspace.com/derblutharsch

Text: Marius Meyer