U2-Wochen – Klappe, die zweite. Wenn man so will. Wie bereits in der Rezension zu Boy angesprochen, sind U2 derzeit damit beschäftigt, ihren Back-Katalog aufzuarbeiten, wobei mit Boy, October und War nun die ersten drei Resultate dieser Materialsichtung neu erscheinen. Der Chronologie folgend geht es an dieser Stelle nun um das Album October, das im gleichnamigen Monat des Jahres 1981 erschien. Also ziemlich genau ein Jahr nach dem Release vom Debüt Boy, das mit dem 52. Platz der britischen Albumcharts schon weit mehr als ein Achtungserfolg war.

Der erneute Angriff auf die Charts war also nun in den Startlöchern und gelang prächtig: Platz 11 in Großbritannien war ihnen sicher. Und das sicherlich nicht zu Unrecht, auch wenn man sich eingestehen muss, dass vom Hit-Potenzial her betrachtet der Vorgänger besser abschneidet. Dafür aber halten sich Bono und co. auf diesem Album die gesamten elf Stücke lang auf hohem Niveau und präsentieren sich nach wie vor frisch und unverbraucht wie auch auf Boy. Eingängige Rockmusik, durchdacht und wohl strukturiert, den Blick nach vorne, aber auch mit andächtigen Momenten. Es ist bereits stark der Klang zu hören, der U2 in den Folgejahren immer und immer wieder ausverkaufte Stadien bescheren sollte, dazu tritt das sehnende Moment, das so oft bei den frühen U2 herauszuhören ist.

Inhaltlich betrachtet zeigen sich U2 auch hier sehr vielfältig in der Themenauswahl. Ein Element, das immer wieder durchschimmert ist die Gläubigkeit einiger Mitglieder, die sich in Stücken wie Gloria zeigt (durch Zeilen wie „Gloria // In Te Domine“) oder auch in With A Shout, wo Jerusalem besungen wird. Ein anderes besungenes Thema ist der Verlust, der sich in Tomorrow als einem der tragischen Höhepunkte des Albums widerspiegelt: Bono behandelt den Tod seiner Mutter. Ein tragischer, zu Anfang balladesker Song, der sich zum Ende in hymnischen U2-Sound verwandelt und mit einem The Edge-Solo abschließt.

Betrachtet man das Album im Gesamten, so hat man es mit einem wirklich gelungenen U2-Album zu tun, das zwar marginal abfällt im Vergleich zum Vorgänger, aber dennoch auf höchstem Niveau arbeitet. Auch hier ist der Re-Release also mehr als berechtigt. Wie auch beim Vorgänger-Album erscheint die Wiederauflage in drei Varianten: Als Standard-Edition mit aufgearbeitetem Booklet inklusive ausführlichen Hintergründen und vieler Fotos, als Deluxe-Edition mitsamt B-Seiten und raren Tracks enthaltender zweiter CD und zudem auch als 180g-Vinyl-Edition. Für welche Version man sich entscheidet, muss der Sammler mit sich selbst ausmachen, was alle drei Varianten eint: Man erwirbt ein schönes Album!

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Rezension: U2 – Boy

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Text: Marius Meyer