Klappe, die achte! So hieß es in diesem Jahr am Kölner Tanzbrunnen. Das Amphi Festival ging in achte Runde und zeigte mal wieder, was es kann! Längst den Kinderschuhen entwachsen, konnte man mit nahezu vorbildlicher Organisation, aber eben auch einem hochkarätigen Line-Up aufwarten, das die beiden Tage am Tanzbrunnen in Rekordzeit verfliegen ließ. Nebenher stimmt dann auch das, worüber stets alle reden: das Wetter! Dass das Festival auch in diesem Jahr ausverkauft war, ist aus all diesen Gründen auch nicht weiter verwunderlich.

Samstag

Wie man es von den letzten Jahren Amphi schon gewohnt ist, war es auch in diesem Jahr wieder: Es lohnt sich, den verhältnismäßig frühen Vogel zu begrüßen, denn das Bühnenprogramm ist bereits zur besten Mittagszeit reichlich bestückt. So zum Beispiel um 13:25 Uhr beinah unwürdig früh platzierten Tyske Ludder im Staatenhaus. Ein Auftritt, der die letzten Reste Müdigkeit aus Augen und Körper vertreiben konnte und mit druckvollem EBM begeistern konnte. Dass die Band inzwischen über 20 Jahre Geschichte auf dem Buckel hat, merkte man zu keiner Sekunde. Stücke wie Eugenix vom aktuellen Album Diaspora standen da so harmonisch neben Hexenjagd anno 1994, dass man gut sah: Hier steht eine Band, die etwas von Dauer geschaffen hat. 40 Minuten, die Lust auf mehr gemacht haben!
Setlist: Der androgyne Held, Hexenjagd, Eugenix, Bastard, Canossa, An vorderster Front, For their glory (mit Jay von Deviant UK), Panzer, Monotonie

Aus dem Staatenhaus wieder raus, konnte man auf der Hauptbühne noch die letzten Töne von Spetsnaz vernehmen, bevor mit mind.in.a.box ein Act anstand, der im Vorjahr noch im Staatenhaus zu sehen war, aufgrund der großen Beliebtheit aber auch draußen super funktionierte. Wie gewohnt mit echter Live-Band spielten sie ihre intelligente Mischung, die ihre Heimat irgendwo im Niemandsland zwischen althergebrachtem Elektro, Future-Pop-Anteilen und Videospiel-Klängen findet und dort eine große Schnittmenge an Zuhörern vereinen kann. Eine Band, die hier eindeutig bewies, dass sie auch bei Tageslicht auf der großen Bühne gut funktioniert.
Setlist: Change, Unknown, Cause and effect, Remember, Stalkers, Lost alone, Control, Not afraid, 8 bits

Anschließend galt es, sich pünktlich in der Schlange an der Bühne des Theaters im Tanzbrunnen anzustellen, denn die Nachfrage nach Spiritual Front war groß. Warum das so war, wurde dann drinnen auch schnell ersichtlich. Es war schwer, auf den Stühlen zu bleiben, manch einer versuchte es auch gar nicht erst, denn der Nihilist Suicide Pop, wie die Band ihn selbst nennt, konnte von den ersten Tönen an überzeugen. Eröffnet mit The Shining Circle stampften die Italiener druckvoll-melodisch nach vorne und zeigten Eingängigkeit und Gefühl in einem Best Of-Set, das kaum Wünsche offen ließ. I Walk the (Dead)line wie auch Jesus Died In Las Vegas von ihrem Durchbruch-Album Armageddon Gigolo‘ sorgten für diverse Gänsehäute, jüngere Titel wie Hey Boy rissen mit, der Song for the Old Man erwies sich als verdienter Klassiker. Schade, dass nach dem Italo-Stampfer Bastard Angel dann schon Schluss war. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Band den Sprung auf eine der beiden größeren Bühnen schafft.
Setlist: The Shining Circle, Cold Love in a Cold Coffin, I Walk the (Dead)line, Darkroom Friendship, Jesus Died in Las Vegas, Song for the Old Man, German Boys, Slave, Soul Gambler, Hey Boy, Bastard Angel

Wieder am Tageslicht angelangt, waren auf der Mainstage drei Musiker aktiv, die ihre größten Erfolge in den 80ern hatten, aber auch heute immer noch dafür gut sind, mit ihrem Synthie-Pop die Menge zu begeistern. Camouflage spielten auf der großen Bühne ein Set quer durch ihre Diskographie und überzeugten die Synthie-begeisterte Fanschar. Eröffnet mit Suspicious Love spielten sie teils getragene, teils akut tanzbare Songs und scheuten sich auch nicht, hier und da mal einen neuen Song wie Shine einzustreuen, der zeigte, dass die Band auch fast 30 Jahre nach der Gründung für gutes Material zu haben ist. Und wenn dann Me and You direkt von Love Is A Shield gefolgt wird, merkt man: Eigentlich ist in den Klängen der Band überhaupt kein Bruch zu sehen. Den Schluss setzte die Debüt-Single The Great Commandment, auch von denjenigen gefeiert, die damals noch nicht das Licht der Welt erblickt hatten.
Setlist: Suspicious Love, Misery, Neighbours, We Are Lovers, Dreaming, Confusion, That Smiling Face, Me and You, Love Is A Shield, Shine, The Great Commandment

Anschließend sollte es ohne Verschnaufpause rüber ins Staatenhaus gehen, den unmittelbar mit dem Schluss-Akkord von Camouflage legten Haujobb los. Mit ihren tanzbaren Elektro-Klängen präsentierten sie sich ein weiteres Mal in bester Form und spielten ein Best Of-Set, das nicht mit Stücken des aktuellen Werks New World March geizte, gleichzeitig aber auch viele andere Stücke enthielt, wie etwa Renegades of Noise. Mal krachig, immer auf eine gewisse Art und Weise atmosphärisch und sehr sympathisch präsentierten sich die Wahl-Leipziger, sodass ihnen der Applaus gewiss war. Schade, dass nach Dead Market schon der Schluss des Sets erreicht war.
Setlist: Letting the Demons sleep, Renegades of Noise, Little World, Let’s drop Bombs, Dream Aid, Crossfire, Penetration, The Noise Institute, Dead Market

Der Verbleib im Staatenhaus sollte sich lohnen, denn nicht nur der Autor dieser Zeilen war nach dem Nordstern Festival auch am darauffolgenden Wochenende wieder unterwegs, sondern auch so einige der Bands des vorangegangen Wochenendes. Beispielsweise Thomas Rainer mit Nachtmahr. Ein gut gefülltes Staatenhaus konnte direkt sehen, warum die Band trotz allem Polarisieren so gefragt ist. Druckvoll stampfender Elektro, satte Beats und nicht der Ansatz von Verschnaufpause machten das Set zur schweißtreibenden Angelegenheit. Titel wie Feuer frei!, BoomBoomBoom oder auch Mädchen in Uniform schlugen gut ein und machten das Set zu einer kurzweiligen Stunde.
Setlist: Alle Lust will Ewigkeit, Tanzdiktator, Feuer frei!, Weil ich’s kann, Can you feel the beat?, War on the Dancefloor, BoomBoomBoom, Mein Name, Nenn mich wie du willst, Verräter an Gott, Mädchen in Uniform, Klingen, Deus Ex Machina, Katharsis

Auch nach Nachtmahr ging es im Staatenhaus weiter, denn wie Apoptygma Berzerk schon ein Wochenende zuvor bewiesen, sind sie gerade live eine absolute Bank. Ein Eindruck, der sich auch in Köln nicht trüben ließ. Ein Set mit einem der größten Kracher der Bandgeschichte zu eröffnen, im Falle von Apoptygma Berzerk Love Never Dies birgt zwar immer Gefahren, das Pulver zu früh zu verschießen, aber die Band um Stephan Groth bewies, dass sie genug Material hat, um ein Hit-Feuerwerk zu zünden, das auch die 80 Minuten Spielzeit angemessen auffüllen kann. Der eingängige und gleichermaßen treibende Sound der Band mit seinen Elektro-Klängen und Gitarren-Einflüssen ließ das Set als ein gelungenes Ganzes erscheinen, das die frühere Elektro-Dominanz und die aktuelleren Gitarren-Exkurse sehr gut vereinte. Dass dabei genug Fans da sind, die den Weg der Band mitgegangen sind, zeigte der gute Füllstand des Staatenhauses trotz der starken Konkurrenz durch die Sisters of Mercy eindeutig. Klar also: Mit Until The End Of The World war nicht Schluss. Als Zugabe folgte noch ein Cover von Love Will Tear Us Apart sowie mit Bitch ein echter Klassiker als Rausschmeißer.
Setlist: Love Never Dies, Non-Stop Violence, Eclipse (Remix), Shadow, Kathy’s Song, In This Together, You Keep Me From Breaking Apart, Shine On, Deep Red, Unicorn, Starsign, Until The End Of The World
Zugabe: Love Will Tear Us Apart, Bitch

Moment… Rausschmeißer? Nein, im Staatenhaus ging das Programm um 23:15 Uhr noch einmal weiter. Weiter im Legenden-Programm. Robert Görl, Gabi Delgado… DAF standen auf dem Programm. Und sie zeigten mit ihrem Programm vor allem eines: DAF sind eben DAF. Mit ihren kurzen und knackigen Nummern schickten sie ihre Botschaften immer wieder geradewegs auf den Punkt heraus, spielten viele Klassiker wie Verschwende Deine Jugend, Mussolini, Alle gegen Alle, aber auch neuere Stücke wie Der Sheriff. All das in gewohnter Manier, aber auch gewohnt gekonnt. Als wärs das letzte Mal war, wenig überraschend, dann auch eben doch nicht das letzte Mal, sondern es folgten noch insgesamt fünf Stücke Zugabe. Darunter zum Beispiel das auch durch Fehlfarben bekannte Kebabträume. Nach einer Wiederholung von Der Mussolini und dem abschließenden Alles ist gut war zu später Stunde dann aber wirklich Schluss. Zeit, die Beine zu schonen für den nächsten Festivaltag. Oder aber im Theater am Tanzbrunnen tanzen zu gehen. So oder so: Es war ein erfolgreicher erster Festivaltag!
Setlist: Gewalt, Verschwende Deine Jugend, Ich und die Wirklichkeit, Der Mussolini, Ich will, Muskel, Die Lippe aufgeschnitten, Mein Herz macht Bum, Algorithmus, Rote Lippen, Opium, Du bist DAF, Sato Sato, Alle gegen Alle, Nachtarbeit, Der Sheriff, Die Lüge, Als wärs das letzte Mal
Zugaben: Der Räuber und der Prinz, Kebabträume, Der Mussolini, Alles ist gut

Sonntag

Auch am zweiten Festival-Tag sollte sich das frühe Aufstehen wieder lohnen, denn bereits ab 12:00 Uhr gab es auf der Hauptbühne spannendes Programm zu sehen. Zwar hatte man hier und da den Eindruck einer Überdosis Posing, aber insgesamt zeigten die Musiker von Lord Of The Lost, dass sie den Gothic Rock mit Löffeln gefressen haben und garnierten dies immer mal wieder mit einer Prise Metal, die der Band gut zu Gesicht stand. Eine Nummer wie Dry the Rain war zwar bei dem Wetter am Sonntag gar nicht nötig, konnte aber musikalisch überzeugen und zusätzlich wusste man nach dem Set auch, dass Amy Macdonalds This Is The Life auch im Gothic Rock-Gewand eine gelungene Nummer ist. Ein schöner Einstand in den Amphi-Sonntag.
Setlist: Intro, Live Today, Black Lolita, Dry the Rain, Prison, Sex on Legs, This Is The Life (Amy Macdonald), Blood For Blood, Break Your Heart

Ebenfalls auf der Hauptbühne folgte ein häufiger Gast des Festivals, wenn auch mit unterschiedlichen Projekten. Stand er im Vorjahr mit den Dreadful Shadows und Zeraphine gleich zweimal auf der Bühne, beschränkte er sich in diesem Jahr mit seinem elektronischen Projekt Solar Fake auf einen Tag und gab wieder alles. Begonnen mit Under the skies spielte sich das Duo durch die bisherigen Veröffentlichungen und bot eingängigen Elektro mit Gefühl, gewohnt charismatisch dargeboten und kam zu jeder Sekunde sowohl berührend als auch ehrlich rüber dabei. Mit The rising doubt war dann leider schon Schluss und man wusste erneut: Beim Amphi Festival sieht man die Highlights mitunter schon am helllichten Tage.
Setlist: Under the skies, No apologies, Here I stand, Parasites, More than this, Where are you, Reset to default, The rising doubt

Was man ebenfalls wieder sehen konnte, was typisch Amphi ist: Verschnaufpausen sind mitunter Mangelware. Denn während Solar Fake noch in den letzten Tönen ihres Sets lagen, legten nebenan im Staatenhaus schon Whispers In The Shadow los. Ashley Dayour und seine Mannen boten im Staatenhaus gewohnt hochkarätigen Gothic Rock mit deutlichem Old School-Einschlag und gerade an diesem Sonntag auch mit einem recht harten Einschlag. Zwar hätte der Zuspruch im Staatenhaus größer sein können, amtlich war die anwesende Menge im Staatenhaus aber dennoch, die sich bei Stücken wie The Arrival, Damned Nation und wie sie alle heißen, förmlich fallenlassen konnten. Dass die Wahl auf das Staatenhaus als Bühne fiel, war auf jeden Fall genau richtig, denn gerade hier konnte sich die richtige Atmosphäre gut verbreiten. Nachdem Babylon Rising Part I + II den Schlusspunkt setzten, hatte man ein gelungenes Gothic Rock-Set der alten Schule gesehen, das im Publikum auch dazu führte, den Absatz von Whispers In The Shadow-CDs zu steigern. Ein Auftritt, der Eindruck hinterließ.
Setlist: The Rites of Passage, The Arrival, The Lost Souls, Back To The Wound, Train, Damned Nation, Lightbringer, Babylon Rising Part I + II

Wie war das noch gleich mit den Verschnaufpausen? Hier gab es zumindest keine, denn draußen spielten bereits Aesthetic Perfection aus Los Angeles auf. Auch wenn die beiden sich bei Facebook den Slogan „Music Without A Cause“ auf die Fahnen schreiben, konnte man hier so einige Gründe entdecken, der Band Beachtung zu schenken, denn sie machen elektronische Musik mit Herz und Hirn, die zwar eine gewisse Härte nicht vermissen lässt, aber auch berühren kann, was melancholische Nummern wie The Ones eindrucksvoll demonstrieren können. Titel wie The Devil’s In The Details hingegen zielen eindeutig auf die Tanzfläche. Im Endeffekt ist es bei Aesthetic Perfection die Mischung, die es macht. Und die macht das echt gut! Ein schöner Elektro-Auftritt zum frühen Nachmittag.
Setlist: All Beauty Destroyed, A Nice Place to Visit, The Devil’s in the Details, Inhuman, One and Only, The Siren, The Ones, The Great Depression, Spit it Out

Etwas Verschnaufpause musste dann aber doch sein. Während im Staatenhaus The Other mit Horrorpunk-Klängen auftrumpften und die Hauptbühne bei Stahlzeit mit ansprechend arrangierten Rammstein-Coverversionen bespielt wurde, war es Zeit, einmal über das Gelände zu flanieren und zu schauen, was es hier sonst noch so gab. Natürlich zum einen die große Händlermeile mit seinen zahlreichen Angeboten, zum anderen aber beispielsweise auch den Beach Club, wo man sich direkt mit Rheinblick entspannt auf Liegen legen konnte und einfach mal genießen und abschalten. Aber auch nur kurz, denn das Programm ließ schließlich auch im Jahre 2012 wenige Lücken zu.

Um 15:45 Uhr führte der Weg dann auch wieder zurück vor die Bühne – und zwar vor die im Staatenhaus. Hin zu einer Band, die sehr gerne von Freunden des Mittelalters gehört wird, sich aber eigentlich der Romantik verschrieben hat. Mit der gewohnten Portion Überzeichnung und Selbstironie wurde von Coppelius die romantische Epoche zum Leben erweckt. Mit authentischen Gewandungen und verzerrten Celli, Holzbläsern und viel Bewegung auf der Bühne begeisterten Coppelius im Staatenhaus. Dass sie sich gerne mal an der Grenze zum Metal bewegen, zeigten sich auch immer wieder und überschritten diese teilweise. Beispielsweise bei ihren beiden Iron Maiden-Coverversionen von Murders in the Rue Morgue und Running Free, zu denen sie sich aus dem Publikum Gäste zum Haareschütteln hinzuholten. Man könnte meinen, Iron Maiden kämen aus der Romantik. Bei Coppelius muss man sich dem indes beinah sicher sein, wie sie am Schluss mit Der Handschuh erneut bewiesen.
Setlist: Intro, Der Advokat, To My Creator, Risiko, Gumbagubanga, Nachtwache, But, Escapade II, Murders in the Rue Morgue (Iron Maiden), Running Free (Iron Maiden), Der Handschuh

Kaum wieder im Tageslicht angekommen, sah man eine Band, die zwar einen unpopulären, aber sehr konsequenten Weg ging. The Crüxshadows waren aus Florida angereist, um das Amphi Festival mal wieder zu beehren und boten zwar ihre gewohnte Show, aber mit fast ausschließlich neuen Songs. Insgesamt sieben der neun Stücke der Show kamen vom im August erscheinenden Album As the Dark Against My Halo, dem ersten Album der Band seit 2007. Ein angenehmer Vorgeschmack, der zeigte, dass die Band um Sänger und Kletterer Rogue nichts von ihrer Form eingebüßt hat. Nach den ganzen neuen Stücken wurden die Fans dann aber doch auch noch mit zwei Klassikern für ihr Warten belohnt. Mit Winterborn und Birthday wurde die Menge noch einmal zum Tanzen animiert, bevor ein spannender Auftritt sein Ende nahm.
Setlist: Valkyrie, Halo, Quicksilver, Indivisible, Angelus (Everlasting), Burning, Winterborn, Birthday

Das anhaltende Sonnenwetter lockte viele Freunde und Bekannte ebenfalls nach draußen und während man sich dort so festquatschte, hatte man gar keine andere Wahl, als mal wieder einem Auftritt von Mono Inc. beizuwohnen. Was ja auch mal wieder gar keine schlechte Idee war, denn die Dark Rock-Band aus Hamburg zeigte sich gewohnt gut gelaunt, interagierte immer wieder gut mit dem Publikum und bot den Soundtrack zum immer schlimmer werdenden Sonnenbrand. Eigene Titel wie Gothic queen und Viva Hades konnten da genauso begeistern wie die inzwischen zur festen Institution gewordene Cover-Version von The Passenger. Ein spaßiger Auftritt einer ernstzunehmden Band.
Setlist: This is the day, Temple of the torn, After The War, Gothic queen, Viva Hades, Arabia, The Passenger, Katha Mia’s Drumsolo, Revenge, Voices of doom, Get Some Sleep

Im Endspurt des Amphi Festivals 2012 folgte dann eine Institution, die man ja gar nicht gut finden darf. Blutengel spielten auf und die Fürsten der Finster wie auch die dunklen Engel versammelten sich gespannt vor der Bühne, um ihren Idol angemessen zu huldigen. So könnte man es sich nun einfach machen und einen Verriss über Blutengel schreiben, wie das so gerne gemacht wird. Das aber wird den Tatsachen einfach nicht gerecht, denn gerade in Sachen Bühnenshow hat die Band um Mastermind Chris Pohl so einiges auf dem Kasten. Eine opulente Bühnendekoration, viel Bewegung auf der Bühne, Special Effects – da tut sich so einiges. Und die Musik ist eben tanzbar, professionell dargeboten und eingängig. Ob man das nun gut findet oder nicht, ist vielleicht ein anderes Thema, der Auftritt zeigte aber deutlich, dass die generelle Blutengel-Schelte um einiges zu pauschal erscheint. Daher geht der Daumen deutlich nach oben!
Setlist: Intro, Children of the night, Über den Horizont, Soul of Ice, Lucifer, Anders sein, Vampire romance, Nachtbringer, Das andere Ich, The Lost Children, Bloody pleasures, Lovekiller, Behind the Mirror, Engelsblut, Reich mir die Hand

Man mochte es kaum glauben, aber tatsächlich stand inzwischen auf der Hauptbühne schon der letzte Act des Wochenendes an. Ein echter Headliner, der seit den 20-seitigen Brief-Eskapaden der jüngeren Vergangenheit wieder zu alter Form zurückgefunden hat und mit seinem authentischen Synthie-Pop nah an der Depeche Mode-Grenze wieder auf ganzer Linie überzeugen kann. Mit einem Best Of-Set quer durch die lange Karriere konnten Steve Naghavi und seine Leute das Tanzbrunnen-Areal kompromisslos zum Tanzen bringen. Stücke wie Wasted und Deutschmaschine verfehlten ihre Wirkung keineswegs. Dazu noch ein Stück, das man kurze Zeit später noch einmal hören sollte: Die fest zum Set gehörende Cover-Version von Project Pitchforks Timekiller sollte natürlich nicht fehlen. Und auch sonst machten And One alles richtig, sodass es zwei Zugaben brauchte, bis das anwesende Publikum sie in ihren wohlverdienten Feierabend entließ.
Setlist: Back Home, Zerstörer, Wasted, Stand The Pain, Love You To The End, Metalhammer
Timekiller, Traumfrau, Deutschmaschine, Seven, The Walk, High, Sometimes, Für
Zugabe 1: Techno Man, Get You Closer, Military Fashion Show, Shouts Of Joy
Zugabe 2: So Klingt Liebe (Acoustic)

Während And One auf der Hauptbühne zu den Zugaben ansetzten, war es auch im Staatenhaus Zeit für die letzte Band. Und wieder auch Zeit für einen echten Headliner: Project Pitchfork spielten die letzte Show des Amphi Festivals 2012. Nach dem Intro noch verhalten begonnen mit Continuum, ging es bereits mit dem folgenden Existence direkt in die Vollen. Hohes Tempo, viel Druck und die Menge tanzte los. Löblich auch, dass man eine Woche nach dem Nordstern Festival nicht einfach das gleiche Set noch einmal spielte, sondern variierte, wenngleich es natürlich Konstanten gibt. Timekiller zum Beispiel, das nach And One nun auch von den Original-Interpreten gespielt wurde – stets eine sichere Bank. Oder auch Conjure mit dem markanten „No Leaders“ inklusive, wie immer euphorisch mitgesungen. K.N.K.A. ist wie immer einer der großen Klassiker, überraschender hingegen begegnete mal wieder Steelrose, das der Band einst auch eine große Fernsehpräsenz bescherte. Zum Abschluss dann noch einmal ein Sprung zurück zu den Anfängen: Fire & Ice von der Dhyani, das den Schlusspunkt eines großartigen, regulären Showteils markierte. Als Zugabe dann noch der Evergreen: Souls. Man konnte sich an diesem Wochenende keinen besseren Festival-Ausklang vorstellen und kann nur sagen: Danke Project Pitchfork für das gelungene Abrunden eines großartigen Festival-Wochenendes!
Setlist: Intro, Continuum, Existence, Run for Cover, Timekiller, Conjure, Lament, IO, Endless Infinity, K.N.K.A., Freeze in Silence, Beholder, Steelrose, Fire & Ice
Zugabe: Souls

Und tatsächlich war es schon wieder vorbei. Das achte Amphi Festival war Geschichte. Ein Wochenende, das verging wie im Flug, aber in dieser kurzweiligen Zeit so viele Momente bot, an die man sich gerne erinnert.

Homepage: www.amphi-festival.de

Text: Marius Meyer
Bilder: Roger Op Den Camp (Bandbilder – danke an www.sparklingphotos.de – für die freundliche Bereitstellung), Dennis Müller/Amphi Festival (Stimmungsaufnahme)