Gab es in den Vorjahren auch gerne mal Regen beim Amphi Festival, so stand es in diesem Jahr unter einem sehr sommerlichen Stern, der manch einem schon zu sommerlich war. Bei Temperaturen um die 30 Grad herum gab es erneut ein abwechslungsreiches Programm aus den verschiedensten Spielarten der dunklen Musik zu sehen und zu hören, das für jeden seine Highlights bot. Für die Glücklichen, die eines der 1.111 Tickets erhalten hatten, stieg am Vorabend des Festivals – sozusagen als Aufwärmprogramm – bereits das neue Event „Call The Ship To Port“, bei dem drei Bands auf der fahrenden MS Rheinenergie spielten.

Freitag

Nach dem erfolgreichen Check-In an Bord machten auf der MS Rheinenergie Classic+Depeche den Anfang, wobei das Konzert nur aus einer Person am Flügel bestand, die Depeche Mode-Klassiker im Gewand klassischer Musik zum Besten gab. Dies mag nicht so besonders originell gewesen sein, was sich jedoch als problematischer herausstellte war, dass man zwar bei einigen Songs durchaus erkennen konnte, um welche es sich handelte, bei so manchen sollte es einem aber nicht klar werden, um welches Lied es sich nun handeln könnte. Die Idee mag ja durchaus nicht schlecht sein, mehr aber auch nicht. Und mehr konnte man über das Konzert dann auch nicht sagen.
Setlist: Stripped, Enjoy the silence, Never let me down again, Heaven, Freelove, A question of time, Sister of Night, Walking in my shoes, When the Body speaks, Somebody

Danach folgten dann Welle:Erdball, die den schwachen Start aber vergessen ließen. Für dieses eine Konzert (von insgesamt dreien an diesem Festivalwochenende) kamen nur Honey und Alf ohne weibliche Begleitung auf die Bühne. Diese war mit einem Tonbandgerät und einer FDJ-Flagge am Keyboard dekoriert und im Hintergrund liefen alte Schwarz/Weiß-Werbespots und -Filmaufnahmen. Gespielt wurden vor allem alte Stücke wie Nyntändo Schock oder Telefonsex, wobei die Stimmung sowohl vor als auch auf der Bühne hervorragend war. Nachdem die Bühne verlassen wurde, gab man dann doch noch eine Zugabe in Form von Arbeit adelt, was natürlich auf keinem Welle:Erdball-Konzert fehlen darf.
Setlist: Intro, The love boat, Berühren, Wir spielen Gott, Telefonsex, Kleptomanie, Nyntändo Schock, Monoton & Minimal, VW Käfer, Graf Krolok, Starfighter F- 104G
Zugabe: Arbeit adelt

Den Abschluss machten dann Covenant, die die Schifffahrt zu einem gelungenen Abschluss brachten. Der Konzertraum war definitiv am Toben und auch auf dem Deck darüber, von dem man auf die Bühne schauen konnte, war die Stimmung ausgelassen. Einzig schade war, dass es mit der Zeit so warm wurde, dass man zwischendrin doch mal an die frische Luft musste, so ungerne man das Konzert auch verlassen wollte. Gegen Ende gab es natürlich auch Call The Ships To Port, an welches der Name des Abends angelehnt war und nachdem das Publikum lautstark eine Zugabe forderte, gab man abschließend noch Dead Stars zum Besten.
Setlist: Ritual noise, Prime movers, Edge of dawn, Invisible & Silent, Get on, Figurehead, We stand alone, Lightbringer, The last dance, Call the ships to port
Zugabe: Dead stars

Samstag

Nach der munteren Schifffahrt am Abend zuvor, öffneten die Tore am Samstag pünktlich und man sah schnell, wie sehr das Publikum sich offenbar nach dem Festival gesehnt hat. Schon zu früher Stunde waren wirklich viele Menschen anzutreffen, worüber sich beispielsweise A Life [Divided] sehr freuen konnten, die mit wuchtigem Gothic Rock die Hauptbühne eröffneten und dabei immer wieder Elektro-Einflüsse zeigten. Dass sie trotz rockiger Sounds ein Faible für elektronische Klänge haben, bewies folglich auch die Cover-Version von VNV Nations Perpetual, das schon einmal auf den Headliner des Abends auf der Main Stage verwies. Die Qualität dieser Cover-Version ließ sich auch daran ablesen, dass man ein VNV-Fan freudig mitging. Auch mit den Eigenkompositionen, vorwiegend aus dem neuen Album The Great Escape, konnte die Band punkten. Ein wirklich toller Opener!
Setlist: The Lost, Hey you, Words, Perpetual, The last dance, Heart on fire

Es folgten Stahlmann, die unter anderem auf ihren Konzerten mit Project Pitchfork schon gut auf sich aufmerksam machen konnten, obgleich sie stilistisch eher in Richtung harter Rock-Klänge gehen. Dass Stahlmann das Rad hier neu erfunden hätten, könnte man zwar nicht behaupten, aber dass sie Festival-tauglich sind, bewiesen sie gut. 40 Minuten lang hielten die Männer mit den silberfarbenen Gesichtern die Menge bei Laune und spielten ein Set gemischt aus ihren bisherigen Alben. Mit Stahlwittchen war ein prototypisches Stück dabei, das bewies, dass auch bei Stahlmann nie das Augenzwinkern vergessen werden sollten. Ein angenehmer Auftritt zur Mittagszeit.
Setlist: Willkommen, Adrenalin, Stahlmann, Hass mich, Teufel, Stahlwittchen, Süchtig, Sprin, Schwarz, Tanzmaschine

Und dann? Komplettaustausch der Band? Geschlechtsumwandlung? Zu den Klängen von Solitary Experiments kamen einige junge Damen in Band-Tracht auf die Bühne und begannen vermeintlich das Set. Nur dass die Sängerin plötzlich eine sehr männliche Stimme hatte – die zudem aus dem Off kam. Eine lustige Einlage der Band, die nach dem ersten Stück dann auch wirklich auf die Bühne kam und die Damen ablöste. Es folgte ein eingängiges Elektro-Set mit Future-Pop-Appeal. Offenbar genau das, worauf die Menge gewartet hatte, denn vor der Bühne herrschte viel Bewegung und Titel wie Pale Candle Light und Trial and Error sorgten für Begeisterung, bevor eine Cover-Version von Rush, im Original von Depeche Mode, den Auftritt würdig beendete.
Setlist: Stars, Pale Candle Light, Immortal, No Salvation, Delight, Rise and Fall, Trial and Error, Rush (Depeche Mode Cover)

Draußen war es schön, drinnen wurde es Dunkelschön. Mit diesem eher mittelprächtigen Wortspiel sind wir dann auch schon beim nächsten Act. Im Theater am Tanzbrunnen spielten Dunkelschön ein Akustik-Konzert, für das hier genau der richtige Rahmen gefunden wurde. Ruhige, eingängige Folk-geprägte Mittelalter-Klänge mit Flöten, Streichern und vielen anderen Instrumenten verbreiteten im Theater eine verzaubernde Atmosphäre, die schwerlich mit Worten wiederzugeben ist. Auch nach so vielen Jahren zeigen Dunkelschön immer noch, dass man das Mittelalter auch ohne Klischees gut auf der Bühne wiedergeben kann. Und das bewiesen sie auch in ihren 45 Minuten Akustik-Show beim Amphi Festival.
Setlist: Aeris, Ros Maris, Lacrima, Iddadh´n´duir, Cello Solo, Zauberwort, Dornenweich, Liebster

Apropos „verzaubern” und „ohne Klischees”: Dies taten auch die im Theater folgenden Escape With Romeo, allerdings mit anderen Mitteln. Gothic Rock mit Wave-Anleihen wurde von der Band rund um Thomas Elbern geboten, der eine Gänsehaut-Atmosphäre erzeugte, wie man sie bei jüngeren Bands des Genres viel zu oft vermisst. Auffällig war die hohe Anzahl der Stücke des aktuellen Albums Samsara, das sich aber sehr gut in das Programm einfügen konnte. Stücke wie Ground Control funktionierten problemlos neben Klassikern wie Somebody, einem absoluten Höhepunkt des Sets. Zum Ende hin hielt es die Zuschauer immer weniger auf den Stühlen und zog sie teilweise direkt an die Bühnenkante. Ein Set von 50 Minuten, die leider viel zu schnell vorbei waren, das definitiv im Gedächtnis bleiben wird.
Setlist: Helicopters in the falling rain, Everyone against everyone, Where are you now, Here comes the night, Glitter on the snow, Ground control, Somebody, Tears of Kali, Sie liebt dich (nicht)

Um 18:00 Uhr war es an der Zeit, auch bei der dritten Bühne mal vorbeizuschauen. Der Grund hört auf den Namen De/Vision. Wie schon eine Woche zuvor auf dem Nordstern Festival haben De/Vision wieder ein Set mitgebracht, das alte Hits und die neueren Stücke gleichermaßen berücksichtigte. Jüngere Nummern wie Rage standen neben Klassikern wie Try to forget und gaben sich die Klinke in die Hand. So nebeneinander gestellt war deutlich zu bemerken, was für eine Stringenz im Schaffen der Berliner vorhanden ist. Ein erneut gelungener Auftritt.
Setlist: Binary soldier, mAndroids, I regret, What’s love all about (KantKino Liveversion), Time to be alive, Try to forget, Rage, Your hands on my skin, Brothers In Arms, Flavour of the week

Auf der Hauptbühne brachte sich indes einer, der eigentlich gar nicht mehr so gerne Festivals spielt, in Position. Phillip Boa & The Voodooclub standen an und es stellten sich einem einige Fragen: Klappt das? Gibt es auf dem Amphi das richtige Publikum für einen Phillip Boa? Fragen, die man getrost mit einem entschiedenen Ja beantworten kann. Vielmehr konnte man sich erfreut fragen: Wo kamen die ganzen Boa-Fans auf einmal her? Vor der Bühne war es äußerst gut gefüllt, die Stimmung kochte über und auch Boa selbst hatte sichtlich seinen Spaß auf der Bühne. Verhalten eröffnet mit Fine Art in Silver wurde hier ein Best Of-Feuerwerk abgefeiert, bei dem keine Wünsche offen blieben. Annie Flies The Lovebomber, I Dedicate My Soul To You, And Then She Kissed Her und wie sie alle heißen, wurden frenetisch gefeiert. Als nach 70 Minuten der letzte Ton von Kill Your Ideals verklungen war, schaute man in viele erschöpfte, aber sichtbar glückliche Gesichter – kein Wunder, bei diesem Auftritt!
Setlist: Fine Art In Silver, Annie Flies The Lovebomber, Want, Diamonds Fall, Love On Sale, Albert Is A Headbanger, Speed, Deep In Velvet, This Is Michael, I Dedicate My Soul To You, Container Love, When The Wall Of Voodoo Breaks, And Then She Kissed Her, Kill Your Ideals

Als Headliner der Open Air-Bühne folgte nach Phillip Boa ein Genre-Wechsel hin zum Elektronischen. VNV Nation gaben den Headliner und wussten genau, wie sie ihr Publikum bei Laune hielten. Ein Ronan Harris, der gefühlt mehrere Kilometer auf der Bühne zurücklegt während einer Show, und eine Song-Auswahl mit Best Of-Einschlag sorgten für einen harmonischen Abschluss des Tages auf der Main Stage. Stücke wie Darkangel, Control, Perpetual oder auch Epicentre waren alle mit im großen Song-Koffer der Band, den sie hier gerne öffneten und präsentierten.
Setlist: Chrome, Space & Time, Tomorrow never comes, Illusion, Standing, Honour, Nemesis, Further, Epicentre, Resolution, Control
Zugabe: Nova, Where there is light, Perpetual

Auch im Staatenhaus ging es elektronisch zu, aber auf völlig andere Art und Weise. Es war wieder eine der Bands, wo man sich nicht hundertprozentig sicher sein konnte, wie sie auf dem Amphi funktionieren: Atari Teenage Riot. Aber auch hier waren sämtliche Zweifel schnell beseitigt, obwohl die Band es dem Publikum es nicht immer einfach machte. Klar, noisig und sperrig sind die Stücke der Band immer, aber die Auswahl war so, dass tatsächlich der „Riot“-Charakter immer präsent war. Black Flags, Activate! oder auch Codebreaker sorgten dennoch für Begeisterung. Und zum Schluss mit Revolution Action dann noch einer der Klassiker, der es einst sogar auf MTV schaffte. Ein Auftritt, mit dem alle Seiten höchstzufrieden sein konnten. Überhaupt waren Atari Teenage Riot sehr erfreut über den Auftritt und zeigten sich hinterher auch via Facebook sehr von den Gesprächen mit den Fans während ihrer Autogrammstunde, die kurz nach dem Set bereits begann.

Zum Abschluss des Tages war im Staatenhaus dann noch einmal Zeit für eine Legende. Alien Sex Fiend betraten mit einer leichten Verspätung gegen 23:30 Uhr die Bühne und spielten sich dabei durch über 30 Jahre Alien Sex Fiend. Begann man mit Amnesia sogar mit neuen Sounds, folgte danach ein Best Of-Konzert, das mit E.S.T. (Trip To The Moon), Hurricane Fighter Plane und natürlich I Walk The Line keinen Hit ausließ. Auch nach dieser langen Karriere zeigten sich bei Alien Sex Fiend noch keine Ermüdungserscheinungen und man merkte ihnen an, dass sie nach wie vor Spaß an der Sache haben.
Setlist: Amnesia (neu), Mad Daddy Drives A U.F.O., E.S.T. (Trip To The Moon), Ignore The Machine, Hurricane Fighter Plane, Attack!!, Now I’m Feeling Zombiefied, Dance Of The Dead, I Walk The Line, Smells Like…

Sonntag

Nachdem man sich dann in der Nacht zu Sonntag seine Mütze Schlaf geholt hat und nach einer frischen Dusche Richtung Gelände pilgerte, wurde das Programm um 11:50 Uhr im Staatenhaus von Chrom eröffnet. Mit Morbid Mind als Opener ging es direkt gut los und man hatte die Gelegenheit, die Restmüdigkeit der vermutlich viel zu kurzen Nacht rauszutanzen. Wie schon am Vortag wunderte man sich auch heute wieder, wie voll das Gelände zu früher Stunde war – nach dem Set von Chrom konnte man sich aber sicher sein, dass diese einiges damit zu tun hatten. Ein sympathisches und begeisterndes Elektro-Set mit eingängigen Klängen, die aber auch ihre Ecken und Kanten hatten.
Setlist: Morbid Mind, New Impression, In My World, Losing Myself, We’ll Be Alone, Slave, Loneliness, Memories

Es folgte ein Urgestein. Mit Tyske Ludder begegnete ein Act, der seit Jahren dabei ist, immer wieder mit hochqualitativen Veröffentlichungen glänzen kann, aber dennoch meist viel zu früh auf der Bühne steht. Dies jedoch war nicht weiter schlimm, denn auf die Amphi-Zuschauer war Verlass und so wurden die EBM-Sounds von Tyske Ludder zu Recht gefeiert. Eröffnet mit Der androgyne Held aus dem aktuellen Album Diaspora spielten Tyske Ludder eine ansprechende Dreiviertelstunde ihrer harten Elektro-Klänge mit Nummern wie Hexenjagd oder auch Canossa, bevor mit Panzer, der Cover-Version von Jesus & The Gurus, der Schlusspunkt gesetzt wurde. Auch nach diesem Auftritt war wieder klar: Mit Tyske Ludder kann man eigentlich nie etwas verkehrt machen. Ein sehr gelungener Auftritt!
Setlist: Intro, Der androgyne Held, EUGENIX, Hexenjagd, Shokkz, Bastard, Canossa, Bambule, Panzer

Es folgte ein großer Name. Zumindest wenn man hinter den Bandnamen Santa Hates You schaut und sieht: Hinter diesem Projekt steht Peter Spilles von Project Pitchfork, gemeinsam mit Jinxy. Beide hatten großen Spaß auf der Bühne, die ein insgesamt recht schräges Bühnenbild abgab. Mit einem Sofa, auf dem lustige Gestalten mit Tiermasken saßen, die hier eine eigenartige Performance ablieferten und einer Kulisse, die wie ein Wohnzimmer wirkte, samt Bildern an der Wand, sah man, wie viel Spaß es dem Duo plus ihren Performance-Unterstützern offenbar macht, sich mit Santa Hates You, die inzwischen auch schon einige Alben auf dem Markt haben, einfach mal ein bisschen auszutoben. Gute Songs, gute Darbietung, gute Laune – hier passte alles!
Setlist: In The Laboratory, Independence, Raise The Devil, How To Create A Monster, Rocket Heart, Prepare To Be Boarded, Hexenpolizei, Fight Truth Decay, Z.O.M.B.I.E., Scum, It’s Alive!

Mit Icon of Coil betrat direkt im Anschluss ein weiterer alteingesessener Elektro-Act die Bühne. Inzwischen zumeist mit CombiChrist zu sehen, war es an diesem Festival-Wochenende mal wieder an der Zeit, mit der einstigen Hauptband aufzutreten. Treibender und facettenreicher Elektro, dargeboten vom leicht hyperaktiv wirkenden Andy LaPlegua, der mit härteren Nummern wie Shallow Nation genauso mitreißen konnte wie bei Gassenhauern der Marke Dead Enough For Life. Icon of Coil sollten ernsthaft darüber nachdenken, wieder aktiver zu werden – wie gut es ankommt, konnten sie auf dem Amphi Festival schließlich live miterleben.
Setlist: Situations Like These, Regret, Thrillcapsule, Existence in Progress, Shallow Nation, Shelter, Dead Enough for Life, Floorkiller, Pursuit

Nach dem hervorragenden Auftritt von Icon of Coil war es an der Zeit, einmal ein bisschen das Gelände zu inspizieren, während im Hintergrund Diary of Dreams ein starkes Konzert ablieferten. Auch in diesem Jahr erfreute sich der Beach Club wieder großer Beliebtheit, die Händlermeile bot so einige interessante Dinge und das Amphi-Café im Staatenhaus war auch in diesem Jahr wieder ein gern angenommener Ort, um einfach mal ein wenig zu verweilen, ein bisschen zu plaudern und sich über das Festival auszutauschen. Zudem konnte man hier auch der knallenden Sonne gut entkommen, deren Wirkung an vielen Sonnenbränden gut abzulesen war.

Im Staatenhaus angekommen, stand dann auch der nächste Programmpunkt an. Die Form spielten ein Set hinter Bauzäunen, das heute unter die Kategorie „FSK 16“ fiel. Während Philippe Fichot wie so oft mit Maske auf der Bühne stand, sagen Éliane P. und bot in Zusammenarbeit mit der Tänzerin eine gute Performance, die auch durch Videoprojektionen untermauert wurde. Es war im Endeffekt weniger ein klassisches Konzert, sondern durch und durch Kunst, was hier gezeigt wurde. Mit einem hohen Gespür für Ästhetik konnten Die Form hier so einige begeistern.
Setlist: Maldoror, Bite Of God RMX, Voltaic Control System, Chronovision RMX, Erotic Non Stop RMX, Silent Order RMX, Schaulust (Unreleased New Track), InHuman, Doctor XY RMX, Psychic Colours, Her(t)z Frequenz, Savage Logic RMX, Masochist RMX, Tote Kinder

Sowohl im Staatenhaus als auch auf der Main Stage wurde so langsam der Endspurt eingeleitet. Oomph! als vorletzter Act auf der Main Stage erwies sich dabei als eine der Bands, die auf Festivals immer gut funktioniert und immer zieht. Obgleich die jüngeren Alben stets kontrovers diskutiert wurden, sah man live immer wieder, dass der rote Faden im Schaffen von Oomph! gar nicht so versteckt ist, wie manche meinen. In den 70 Minuten, die ihnen zur Verfügung standen, spielten sie ein Set, das sich durch die gesamte Karriere zog. Von Stücken wie Gekreuzigt über Gott ist ein Popstar bis hin zu jungen Songs wie Kleinstadtboy war es ein ausgewogenes Programm, das dem sehr gut gemischten Publikum eine Menge Freude bereitete.
Setlist: Intro + Unzerstörbar, Labyrinth, Das weisse Licht, Träumst du, Kleinstadtboy, Der neue Gott, Niemand, Gekreuzigt, Seemannsrose, Sandmann, Augen auf, Aus meiner Haut, Gott ist ein Popstar, Always Look on the Bright Side of Life (Monty Python)

Die Co-Headlinerin im Staatenhaus mimte dann mit Anne Clark eine weitere Legende, die hier eindrucksvoll bewies, dass sie eben mehr ist als nur Sleeper In Metropolis und Our Darkness. So war auch der Auftritt kein eindimensional elektronischer, sondern begab sich auch in klassische Gefilde, war mal nah am Rock – alles zusammengehalten durch ihre Präsenz und ihre Stimme. Es ist schön zu sehen, dass Anne Clark auch nach so vielen Jahren noch Spaß an der Sache hat und die Menschen nach wie vor mitgehen. Klar, dass da eine Zugabe her musste – und die war dann das bereits erwähnte Our Darkness, das einen würdigen Abschluss bot.
Setlist: Full Moon, Alarm Call, Short Story, Leaving, Heaven, Killing Time, The Hardest Heart, Echoes Remain Forever, Shell Song, Seize The Vivid Sky, Ajde Jano, Elegy For A Lost Summer Ajde Jano, The Haunted Road, Sleeper In Metropolis, Boy Racing
Zugabe: Our Darkness

Wo wir beim Thema Legenden sind… Auch draußen stand nun als Headliner eine auf der Bühne. Die Fields of the Nephilim waren an der Reihe und man war angenehm angetan davon, dass Carl McCoy auch bei Tageslicht funktionieren kann. Die Gänsehaut-Atmosphäre und die verdichteten Gitarrenklänge wurden hier in einer Reise durch die Band-Karriere hervorgerufen, bei dem Klassiker wie Moonchild und Dawnrazor genauso an der Tagesordnung waren wie beispielsweise New Gold Dawn. Ein hervorragender Abschluss des Bühnenprogramms der Main Stage, gekrönt von Mourning Sun als Zugabe.
Setlist: Harmonica Man, Endemoniada, Moonchild, Love Under Will, New Gold Dawn, One More Nightmare, From the Fire, Preacher Man, Watchman, Dawnrazor, Psychonaut
Zugabe: Mourning Sun

Im Staatenhaus stand dann ab 21:30 Uhr Peter Heppner als Headliner und wirklich letzter Act des Festivals auf der Bühne. Wurde schon bei Anne Clark erwähnt, wie die Stimme das Set zusammenhält, so ist es natürlich bei Peter Heppner noch viel auffälliger, wie markant die Stimme ist. Aber es ist nicht nur die Stimme, es stimmte bei diesem Auftritt alles. Peter Heppner war gut drauf und spielte dazu ein Set, das alle seiner Schaffensphasen berücksichtigt. Solo-Stücke, Wolfsheim, aber auch die diversen Kooperationen wurden von seiner Band gut mitgetragen, sodass hier alles zusammenpassend wirkte. Schon mit dem Opener I Won’t Give Up und dem umjubelten Alleinesein, inzwischen auch zum Dauerbrenner und Hit Heppners avanciert, war das Eis hier mehr als gebrochen. Auch die Wolfsheim-Stücke wie Once in a lifetime und Kein zurück sind nach wie vor eine Bank. Dazu dann noch die Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern wie Dream Of You, dereinst gemeinsam mit Schiller – da wird schnell klar, warum Heppner hier noch zweimal zur Zugabe wiederkommen muss. Selbst ein Stück wie Die Flut funktioniert im Soloprogramm super – Gitarrist Carsten Klatte übernahm den Part von Joachim Witt mit Bravour. Wenn an diesem Festival-Wochenende einer den Titel „Headliner“ verdient und würdig gefüllt hat, dann war es Peter Heppner!
Setlist: Intro, I Won’t Give Up, Alleinesein, Meine Welt, Vielleicht, Being Me, Once in a lifetime, Künstliche Welten, Deserve to Be Alone, God Smoked, Cry Tonight, Dream Of You, Kein Zurück, Give Us What We Need (Truth Is Not the Key), The Sparrows And The Nightingales, Das geht vorbei
Zugabe 1: Leben… I Feel You, Wir sind wir
Zugabe 2: Whenever I Miss You, Die Flut

Und dann war es auch schon wieder vorbei, das Amphi Festival. Auch 2013 war es wieder ein großes Vergnügen, das im Line-Up in diesem Jahr so einige Glücksgriffe präsentiert hat und auch sonst durchweg für gute Stimmung sorgen konnte. Auf ein Neues im Jahr 2014!

Text: Tristan Osterfeld (Freitag, Call The Ship To Port)/Marius Meyer (Samstag und Sonntag)
Bilder: Michael Gamon (1, 4, 5, 7, 8 – danke an www.sparklingphotos.de für die freundliche Bereitstellung), Elmar Herrmann (2), Marius Meyer (3, 6)