„Hip Hop braucht kein Mensch, aber Mensch braucht Hip Hop“, reimten sich die Jungs von Fünf Sterne deluxe Mitte der 90er zusammen. Und das brachte 15.000 Hip Hop-Fans dazu, sich bei strahlendem Sonnenschein auf der bekannten Bahrenfelder Trabrennbahn einzufinden, um diese Zeiten des deutschen Old School-Raps, aber auch mit einigen neuen Klängen versorgt, amtlich abzufeiern. Das Line-Up des Beats auf der Bahn-Festivals liest sich wie ein „Who is Who“ des Hamburger Hip Hops. Angefangen von den von Mentor Sammy Deluxe gecoachten Deluxe Kidz, die zur Eröffnung des Festivals bewiesen, dass Breakdance noch lange nicht „out“ ist.

Der erste musikalische Act, der sich auf der Bahn „breit“ machte, war Ahzumjot, der im Gegensatz zu den etablierten Acts, die noch kommen sollten, eher ein Newcomer ist, der aber mit Tracks wie dem enorm eingängigen Sepia zu Gold oder Keine Zeitmaschine schon punkten konnte.

Das gilt auch für Nate57 & Telly Tellz, die als sich die Fünf Sterne deluxe oder die (Absoluten) Beginner auf den Weg machten, noch viel zu jung waren, die aber mit Blaulicht auch eine Hymne auf den Kiez am Start haben.

Danach der mit großer Vorfreude erwartete erste Auftritt der Fünf Sterne deluxe seit vielen Jahren. Zwar ohne neue Songs an Bord, aber dafür mit einen unheimlich hohen Klassikeranteil im Repertoire. Das Bo und Tobi Tobsen ziehen alle Register und sprechsingen sich durch gute alte Zeiten, in denen es noch nicht ganz so bierernst zuging und andere Rapper gedisst wurden. Nein, bei den Hip Hop Clowns und Party Rappern stand der Spaß immer im Vordergrund. So ist es auch rund 15 Jahre nach Veröffentlichung des Debütalbums Silllium immer noch ein großer Spaß, bei Ja, Ja, deine Mudder, Die Leude, Willst du mit mir gehen oder Dein Herz schlägt schneller mitzusingen. Und wo man ja mal gerade unter sich ist, werden auch noch eben, auch in Abwesenheit der Fetten Brote Nordisch by nature und das Solostück Türlich Türlich von Das Bo angestimmt, womit ein gewisser Jan Delay enormen Erfolg hatte.

Jener Jan Delay, der jetzt als Eizi Eiz, oder Jan Eißfeldt, gemeinsam mit Dennis Lisk aka Denyo und Guido Weiß, den man als DJ Mad kennt, bei den Beginnern spielt, die es sich natürlich auch nicht nehmen ließen, beim Beats auf der Bahn ihre Nummern zu spielen. Freunde der ungemein guten Beats und einiger der besten Reime, die die deutsche Sprache so hergibt, konnten die ehemals „Absoluten“ Beginner sehr begeistern. Sie boten eine tolle Show, die keine Wünsche offen ließ und die mit Hammerhart oder der Erkenntnis, dass Füchse gar keine Rudeltiere sind, ihren Eintrag in die Musikbücher des deutschen Hip Hops längst geschafft haben.

Danach dann die Band, die es wie keine zweite geschafft hat, von einer reinen Hip Hop-Band zu einem Elektromonster zu mutieren, deren Bühnenshows irgendwo zwischen Genialität und Wahnsinn liegen und die die Fans immer wieder perplex zurücklassen. So war es keine Überraschung, dass es bei der Deichkind-Show wieder mal die derbste Party geboten gab. Kryptic Joe, Ferris MC, DJ Phono und Porky lassen keine Gelegenheit aus, in bunten Kostümen über die Bühne zu tollen und dort mit Trampolin und Hüpfburgen dem Wahnsinn eine Plattform zu geben. Die Songs der Hamburger reichen von den Hip Hop-Anfängen wie Bon Voyage bis hin zum Aufruf zum zivilen Ungehorsam in Illegale Fans.

Beats auf der Bahn war, wie es die Fünf Sterne es sangen Heftig, Heftig, Heftig oder eben Leider geil, um es mit Deichkind zu sagen. Man darf gespannt sein, ob es im nächsten Jahr eine Fortsetzung findet.

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Text: Dennis Kresse
Bilder: Nikolaus Grabe