Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wenn sich ein Riese wie die Deutsche Telekom der Musik annimmt und wie in diesem Fall ein Festival auf die Beine stellen kann, das seit 15 Jahren in ganz Europa seinen festen Platz hat und von einer Menge Jüngern der elektronischen Beats enthusiastisch gefeiert wird. Nach dem Erfolg des Electronic Beats Festival im letzten Mai, wo sich Alison Goldfrapp als echter Headliner erwies, durften sich die Freunde der Bits und Bytes dieses Mal an etablierten Acts wie der Moloko-Sängerin Róisin Murphy oder den Schotten von Django Django erfreuen und einen Blick auf Newcomer wie David August oder Howling werfen und das in angenehmer Atmosphäre, in der der magentafarbene Riese sich erfreulich zurückhielt und den Musikern die erste Geige überließ.

Um 19 Uhr ging der erste Act auf die Bühne, die junge Israelin Adi, die mit ihrem angenehmen Pop, für den sie nur Laptop und Keyboard benötigt, höflichen Applaus erntete. Im Anschluss dann David August, der uns im Gespräch sagte, dass er stets auf das Publikum eingeht und der ganz unüblich für ein Electro-Festival mit Harfe und Schlagzeug seine sphärischen Grooves untermalte. Eher New Age als Electro, angehaucht mit einer großen Portion chilliger Sounds.

Howling, das Duo aus dem Australier Ry X und Frank Wiedemann, schafft mit den Tracks ihres ersten Albums Sacred Ground und vor allem mit dem Song Howling, der die beiden einst zusammenbrachte, die Stimmung im seit Wochen ausverkauften E-Werk das erste Mal mit dem markanten Riff der Nummer kollektiv zum Ausrasten zu bringen und einen interessanten Programmpunkt zu bilden.

Apropos ausrasten, das konnten die Domstädter bei der nachfolgenden Band Django Django, die sich passenderweise das Cover des jüngst erschienenen zweiten Albums der Schotten, Born Under Saturn, eine Büste mit Weingummi im Schritt, als Hologramm auf die Bühne projizieren ließen, die mit einer unwiderstehlich tanzbaren Melange aus Psychedelic, Indie und natürlich Electro-Sounds das E-Werk in Bewegung brachten. Nur vier Stücke ihres neuen Albums, dafür jede Menge Klassiker aus dem Debütalbum der – wie sollte es auch anders sein – Kunststudenten und sie machten es dem Topact nicht einfach, das zu steigern.

01.35 Uhr das ist nicht gerade die gängige Zeit für einen Hauptact, aber schon bei den ersten Takten hat die mittlerweile erblondete Róisin Murphy ihr Publikum im Griff. Mit einer bunten Mischung aus Songs ihres Albums Hairless Toys, ihrer Moloko-Vergangenheit, musikalischer Leiter ihrer Live Band ist kein Geringerer als ihr Ex-Moloko-Partner Mark Brydon und einigen lange nicht mehr gehörten Stücke ihres Oeuvres schafft es die Sängerin mit ihrer rauen Stimme, auch die Konzentration der Besucher bis kurz nach 3 Uhr oben zu halten. Ein langer Abend ging spektakulär zu Ende.

Homepage: www.electronicbeats.net

Text: Dennis Kresse
Bilder: Peyman Azhari