„I feel like home“. Ein Satz der am ersten Festivaltag des Golden Plains Festivals in Meredith an jeder Ecke zu hören ist. Seit 2007 findet das Golden Plains in Meredith (ca. 100 km von Melbourne entfernt) im Australischen Bundesstaat Victoria statt. Längst nicht so populär wie die australischen Festivals Splendor in the Grass oder das Falls Festival, gilt das Golden Plains (noch) als Geheimtipp in der australischen Musikszene. Nicht nur das macht die Stimmung des Festivals so besonders: Auf den Tickets wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Dickheads (umgangssprachlich: „Assis“) nicht geduldet werden.

An diese Regel wird sich strikt gehalten. Die Festivalbesucher auf dem gesamten Gelände nehmen Rücksicht auf alle anderen, sammeln ihren Müll nach den Acts auf, drängeln weder an der Bar noch auf der Toilette vor und verhalten und unterhalten sich wie eine große Familie.

Die einzige Bühne liegt im natürlichen „Meredith Supernatural Amphitheatre“ des gemieteten Farmgeländes, auf dem an den Seiten hunderte Sofas stehen. Gegenüber der Bühne steht das berühmte „Meredith Eye“, ein Miniriesenrad im Vintage Style, in das jeder Festivalbesucher rund um die Uhr umsonst einsteigen kann. Eine weitere Besonderheit ist der Umgang mit mitgebrachtem Alkohol: Solange es sich nicht um Glasflaschen handelt, darf (für Australien ohnehin schon eine absolute Seltenheit) nicht nur eigener Alkohol mit auf die Campingplätze gebracht werden sondern auch auf das Festivalgelände selbst.

Der erste Festivaltag wurde von The Meanies, einer australischen Punkrockband eingeläutet, die für eine gute Eröffnungsstimmung sorgten. Im Laufe des Tages wurde es mit Singer-Songwriter Sharon von Etten und Courtney Barnett zwischenzeitlich wieder ruhiger und Gitarrenklänge erfüllten die Festivalwiese. Bei den schwedischen Schwestern First Aid Kit, die mit Indiefolk überzeugten, wurden die ersten Schuhe vom Publikum in die Luft gehalten: Eine Golden Plains Tradition, wenn man einen Act absolut gelungen findet.

Bis in die Morgenstunden ging es dann mit elektronischer Musik und den DJs Sleep D und La Pocock aus Melbourne weiter. Es zeichnete sich also ziemlich schnell ab, dass das Golden Plains keinem bestimmten Musikgenre zugeordnet werden kann.

Am nächsten Morgen ging es erstmal langsam zur Sache: Banoffee lud mit ihrer zarten Stimme und den dazu passenden elektronischen Indieklängen zum Chillen in der Sonne auf den Sofas rund um das Amphitheater ein.
Danach konnte das HipHop-Duo Milwaukee Banks, die die letzten müden Geister verscheuchen. Gleich darauf folgte gut gelaunter Countryrock der Felice Brothers und Total Giovanni mit energiegeladenem Discosound. Zwischen den Acts fanden auf den Campingplätzen verschiedenste kleine, „kostümpflichtige“, privat veranstaltete Partys statt. Denim Partys, Indianerpartys und die wahrscheinlich populärste: die Gold Party. Wer keine Lust auf Modenshows in Kostümen hatte, konnte sich auch massieren lassen, ins Open Air-Kino gehen oder auf der Festivalwiese in der Sonne liegen und das schöne Wetter genießen.

Es folgten Acts wie Singer Songwriter Conor Oberst, die Rockband Parquet Courts und Blues, Jazz und Soul von Nick Waterhouse. Kurz nach Mitternacht kam dann eine Band, die von vielen sehnsüchtig erwartet wurde: The Village People betraten vollzählig die Bühne. Es ist unglaublich, dass diese alten Paradiesvögel mit ihren Kassenschlagern wie YMCA, Machoman oder In the Army immer noch die Menge zu begeistern wissen und eine unglaubliche Faszination auf das Publikum ausüben. Die Festivalwiese war so voll wie bei sonst keinem anderen Act und wirklich jeder verausgabte sich während dieser knappen Stunde vollends (auch wenn man sich später fragte, was man da eigentlich gefeiert hat). Danach folgten DJ-Sets von Edd Fisher und Theo Parrish und ließen das Golden Plains gebürtig ausklingen.

Alles in allem ist das Golden Plains, sowohl auf musikalischer als auch auf „Adventure“-Ebene, ein absolut abwechslungsreiches und empfehlenswertes Festival, auf dem sich jeder direkt zuhause fühlt!

Text: Melina Pospiech
Bild: Pressefreigabe