Nachdem wir bereits vom Green Juice Festival berichteten und dort ein Interview mit den Veranstaltern führten, ging es wenig später schon wieder in die ehemalige Bundeshauptstadt: Das KeinKultur Festival wurde am 5.9. im Bonner Pantheon Theater veranstaltet und bot einen gelungenen musikalischen Tag für Freunde wilder Punkrocktöne. Wer behauptet, dass Bonn seit dem Wegfall der Rheinkultur, welche 2011 zum letzten Mal veranstaltet wurde, keine musikalischen Highlights mehr bietet, der hat sich nicht richtig informiert und muss auch mal etwas abseits von den üblichen Konzertlocations suchen.

Das Pantheon Theater, welches eigentlich auf ein anderes Klientel als Punkrockfans zugeschnitten ist, ist ein gemütliches Gebäude, welches sich für diese kleine aber feine Veranstaltung gut eignete. Zugegeben, die großen Massen konnten nicht zum KeinKultur Festival gelockt werden, aber die Menschen, die den Weg angetreten waren, feierten ausgelassen.

Das Programm begann mit der Bonner Punkrockband Fucking Angry und den etwas ruhigeren Indierockern Herr Berlin. Nach kurzen Umbaupausen von circa 15 Minuten ging es direkt weiter, mit den großartigen Idle Class. Die Punkrocker aus Münster spielten ein schnelles Set mit fetzigen Melodien und hymnenartigen Refrains. Ob man die Songs der Band kennt, war da fast egal, da man bei diesem Genre bei Konzerten ja generell immer Spaß hat und es einfacher als in anderen Genres ist das Publikum mitzuziehen. Nun tauchten auch die ersten textsicheren Gäste in den Reihen des Publikums auf, worüber sich die Münsteraner sehr freuten. Der nächste Act war eine Ausnahme an diesem Abend, eigentlich der einzige Künstler, der nicht direkt dem Punkrockgenre angehörte. Trotzdem schreibt Chaoze One für einen Rapper immer noch sehr rockige Songs. Das Publikum tat sich mit dem Künstler sehr schwer und auch für ihn selbst war es wohl eher einer der schwierigeren Gigs. Dabei war die Buchung des Künstlers gar nicht mal unbedacht erfolgt, denn irgendwie passte Chaoze One schon in das Konzept des KeinKultur Festivals. Der Rapper hat schon auf vielen Demonstrationen gespielt und setzt sich offen gegen Rassismus und Diskriminierung ein, genauso wie viele Bands aus dem Punkrockbereich, die sich am heutigen Tage in Bonn versammelt hatten. Nun ging es langsam auf die Headliner des heutigen Abends zu. Die Kölner Band KMPFSPRT, bestehend aus ehemaligen Mitgliedern von Days in Grief und Fire in the Attic, sowie Gitarrist David Schumann, der zuvor eine Karriere als Model in Japan hinlegte, war an der Reihe. KMPFSPRT machen harten Punk bzw. Hardcore und erzählen ehrliche Geschichten über das Aufgeben und das Weitermachen im Leben. Die Band zeigte sich gut gelaunt und spielte ein Set, das Songs von der ersten EP und dem Debütalbum Jugend mutiert enthielt. Der Headliner des Abends hieß Love A. Den Zuschauern des Festivals wurde hier nochmal der Punkrockmittelfinger gezeigt, gleichzeitig verbindet man Love A aber auch mit Popmelodien. Nicht nur bei der musikalischen Gestaltung, sondern auch bei den Texten sind die Musiker variabel. Es geht um Verzweiflung, Wut, Entfremdung. Der sympathische Frontmann der Band machte das Konzert zu einem besonderen Highlight, da er durch lustige Ansagen überzeugte.

Mit dem Auftritt von Love A endete das vierte KeinKultur Festival mit einer erneut erfolgreichen Umsetzung. Es bleibt zu hoffen, dass die kleinen Events in Bonn, wie das KeinKultur Festival oder das Green Juice Festival, nicht darunter leiden werden, dass ab 2015 wieder ein größeres Event in Bonn durchgeführt wird. Das Rockaue Festival wird im kommenden Jahr seine erste Ausgabe feiern und soll tausende Besucher anlocken. Kleinere Veranstaltungen, wie das KeinKultur Festival sollten sich davon aber nicht beeindrucken lassen und weiter ihren Weg gehen.

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Text und Bilder: Melvin Damian Klein