Der modernen Rockband von heute reicht eine eigene erfolgreiche Musikkarriere nicht aus. Das dachten sich wohl Kraftklub, als sie das Kosmonaut Festival am Rabensteiner Stausee in Chemnitz zum ersten Mal im Jahre 2013 veranstalteten. Auf dem ehemaligen Splash!-Festivalgelände kamen Ende Juni zum bereits dritten Mal zahlreiche Musiker und Fans zusammen, um gemeinsam in idyllischer Atmosphäre musikalische Höhepunkte zu feiern. Neben Kraftklub, die das Festival nicht nur veranstalteten, sondern auch als Abschlussheadliner am letzten Tag selbst auf der Bühne spielten, sind Landstreicher Booking und das Splash!-Team als Organisatoren mit von der Partie.

Schon bei der Anreise auf den Zeltplatz zeigte sich, dass sich viele Vorteile eines kleineren Festivals bewahrheiten werden. So gab es keine langen Toilettenschlangen, kurze Wege und die Möglichkeit vielen Musikern direkt nahe zu kommen, war gegeben – viel einfacher, als dies auf den großen Festivals wie Rock am Ring oder dem Hurricane Festival der Fall ist. So spielten Schmutzki nicht nur eine Show als Nachmittagsact auf der Hauptbühne, sondern bereits vorher einen Zeltplatzgig vor einigen Fans, die sich mit Stickern und T-Shirts der Bands schmücken konnten.

Das mit 13.000 Fans ausverkaufte Kosmonaut Festival kann sich über eines der schönsten Gelände in der deutschen Festivallandschaft freuen, denn der Stausee Rabenstein lädt nicht nur zum Nachmittagsbad ein, sondern ermöglicht es auch einige Acts aus dem Wasser zu verfolgen, denn die Hauptbühne ist direkt am Wasser gelegen. Eine zweite Bühne befindet sich auf einer Erhöhung in Gegenrichtung, weitere spannende Schauplätze wie der Creepy Comedy Club oder die Elektrobühne Blume Open Air laden zum Verweilen und Tanzen ein. Während sich schon einige Fans zum bereits erwähnten Auftritt von Schmutzki vor der großen Bühne einfanden, testeten andere die zahlreichen Fressbuden und Getränkestände. Auch im kulinarischen Bereich konnte das Kosmonaut Festival überzeugen. Nachdem Schmutzki das erste musikalische Feuerwerk abgefeuert hatten, zog es viele Fans direkt zur Noisey-Bühne, um Adam Angst live zu erleben. Das weitere Programm des Tages war durchzogen von Rapacts wie Zugezogen Maskulin und Haftbefehl, welche ihre Fans nicht enttäuschten und für reichlich Feierstimmung sorgten. Für ruhigere Gemüter gab es dann viel Liebe und Herzlichkeit mit Thees Uhlmann und nachher eine Hitparade der Beatsteaks aus Berlin. Wie Sänger Arnim Teutoburg-Weiß mehrmals auf der Bühne erwähnte, war dies auch die Mission der deutschen Band an diesem Tag. Die Stimmung zum Kochen zu bringen, „nur mit Hits!“. Darauf folgte der Überraschungsheadliner Marteria mit einer gewohnt starken Show, ebenfalls bestehend aus einem Hitfeuerwerk und seinem Alter Ego „Marsimoto“. Natürlich ließ auch Casper es sich nicht nehmen für den gemeinsamen Song „Alles Verboten“ kurz auf der Bühne vorbeizuschauen.

Den ersten Festivaltag beendete Haftbefehl, der nochmal zahlreiche Interessierte für seine Musik begeistern konnte. Zu Gute halten muss man Baba Haft auf diesem Wege, dass er nicht nur ein Rapper ist, der ein beeindruckendes Album mit fesselnden Beats und packenden Texten im Studio aufgenommen hat. Der Offenbacher schafft es die Stimmung des Albums auch auf die Bühne zu bringen und befindet sich auch live stimmlich auf einem hohen Level. Was bleibt einem da noch übrig als schlussendlich zu resümieren: „Wenn nicht mit Rap, dann mit der Pumpgun!“
Wer nach Haftbefehls Show noch immer nicht genug hatte, konnte sich auf der eigens eingerichteten Aftershow-Bühne noch DJ-Musik anhören und bis in die Nacht hinein feiern.

Einzig zu kritisieren am ersten Tag des Festivals ist die teils ohrenbetäubende Lautstärke der Noisey Bühne. Dieses Problem bemerkte man scheinbar aber am folgenden Festivaltag selbst, denn nun war der Sound der zweiten Bühne besser ausgesteuert und deutlich leiser.
Festivaltag Nummer 2 begann mit Regen. Viel Regen. Dieser störte die Festivalbesucher aber, wie gewöhnlich, kein Stück und auch den Festivalorganisatoren muss man zu Gute halten, dass für matschige Wege und andere Komplikationen stets eine schnelle und geeignete Problemlösung gefunden wurde. Sei es durch das Verteilen von Stroh auf den Hauptwegen oder durch das Aufstellen weiterer Toilettenhäuser.

Während sich die ersten Festivalbesucher bereits für eher weniger bekannte Acts in Richtung Festivalgelände begaben, enterte die Masse erst zu ihren Helden K.I.Z. und Kraftklub das Gelände rund um den Stausee. Acts wie Talking To Turtles konnten sich dementsprechend leider nicht über viel Zulauf freuen, bedingt durch das Wetter waren vermutlich noch weniger Menschen vor der Bühne, als erwartet. Doch die Musiker ließen sich diesen Zustand nicht anmerken und spielten eine tolle Show, die zumindest allen Anwesenden gefallen haben dürfte. Hochkarätige Rapacts wie die Antilopen Gang und K.I.Z. begeisterten mit vielen bekannten Hits und einer stimmungsvollen Bühnenshow, während Kraftklub das Festival auf der Hauptbühne schließlich beendeten. Die Band rund um den Frontmann Felix Brummer langweilte auch nach dem neunten Mal live kein Bisschen und sie schafft es noch immer das Publikum mit ihren Songs in den Bann zu ziehen. Dennoch war es schade, dass sich die Chemnitzer nichts Besonderes für ihr hauseigenes Festival überlegt hatten und es weder Überraschungsgäste noch irgendwelche Änderungen in der typischen Setlist gab.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Kosmonaut Festival ein tolles Festival mit einem wunderschönen Gelände und angenehmen Menschen ist. Gerade für die Musikfans in Leipzig, Zwickau, Dresden und der ganzen Region ist es toll, dass Kraftklub dieses Festival auf dem ehemaligen Splash!-Gelände erschaffen haben. Die Mischung aus Rapacts und Rock- bzw. Indiebands scheint viele Menschen zu begeistern und was gibt es Schöneres als in einer idyllischen Atmosphäre zu AnnenMayKantereit oder Thees Uhlmann zu tanzen oder im heftigsten Pogo bei K.I.Z. oder Haftbefehl mitzumischen? Nicht vieles. Das Kosmonaut Festival 2015 war definitiv ein Erlebnis wert!

Text und Bilder: Melvin Damian Klein