Und wieder mal war es soweit: Hildesheim sah schwarz. Einst noch kritisch beäugt, freuen sich die Hildesheimer inzwischen Jahr für Jahr wieder an dem dunkelbunten Treiben auf dem Flugplatz Drispenstedt. In diesem Jahr freuten sich offenbar auch die Festivalbesucher ganz besonders, denn am Sonntag konnte das Festival mit 25.000 Besuchern erstmals in seiner Geschichte „ausverkauft“ melden. Ein starkes Line-Up plus bestes Festivalwetter machten es möglich und bescherten den Besuchern ein denkwürdiges Wochenende.

Samstag

Die Newcomer-Wettbewerb-Gewinner Molllust sowie Rêverie eröffneten die beiden Bühnen und sorgten für einen guten Festival-Start, bevor man sich dann bei Lord Of The Lost bereits wunderte: Wo kommen die ganzen Menschen her? War es in den vergangenen Jahren oft so, dass die ersten Bands vor einer relativ lichten Menge spielten, war der Platz bereits jetzt bis zum Boxenturm gut gefüllt. Gut für Lord Of The Lost, gut für die Hörer, denn der metallisch inspirierte Gothic Rock der Band konnte überzeugen. Mit Stücken wie Sex on Legs und Dry The Rain bewirkte die Band gute Stimmung und machte Lust auf all das, was noch kommen sollte.
Setlist: Live Today, Sex on Legs, Prison, Dry The Rain, Blood For Blood, Die Tomorrow

Kurz nach halb eins dann eine Band, bei der zwar viel über den Schock-Effekt wirkt, aber eine, die eben auch gute Musik macht. Ost+Front spielten auf und boten eine gelungene Show im Bereich der „Neuen deutschen Härte“. Eröffnet mit 911 zeigten sie gleich, dass hier druckvolle Klänge mit einer gesunden Härte geboten werden. Klar, dass eine Band wie Ost+Front polarisiert, aber diejenigen, die ihren Gefallen daran fanden, waren zahlreich vorhanden und erlebten mit Stücken wie Heimkind, Schlag mich und Gangbang eine gute Show. Zum Abschluss dann natürlich noch Ich liebe es. Der „Hit“ der Band, wenn man so will. Guter Auftritt, gute Show!
Setlist: 911, Heimaterde, Dein Kanal, Heimkind, Denkelied, Fleisch, Schlag mich, Silikon, 1&1, Gangbang, Ich liebe es

Mit harten Gitarren ging es auf der Mainstage auch weiter, aber mal wieder anders. End of Green kamen raus und spielten 40 Minuten lang Gothic Rock mit Gefühl. Eigentlich verwunderlich, dass eine Band wie End of Green zwar schon rund 20 Jahre musikalisch unterwegs ist, die großen Bühnen aber doch entweder nicht erreichen oder sie, wie beim M’era Luna, eben sehr früh entern. Gute Musik machen sie schließlich definitiv – und dass sie dabei nicht müde werden, zeigte auch der neue Titel De(ad)generation, der in Hildesheim seine Premiere feierte.
Setlist: Pain Hates Me, Dead City Lights, Evergreen, Killhoney, Hurter, Goodnight Insomnia, Tie Me A Rope, De(ad)generation (Premiere), Dead End Hero

Nachfolgend eine Band, die beinah schon zum Inventar des M’era Lunas gehört. Mesh sind inzwischen zum sechsten Mal angereist und hatten ihr Erfolgs-Album Automation Baby eingepackt. Bei einem 33. Platz in den deutschen Album-Charts, darf man das wohl so nennen. Eröffnet mit der neuen Single Adjust your set gab es ein Set, das auch tatsächlich fast nur aus dem aktuellen Album bestand, mit You didn’t want me aber zumindest auch einen Klassiker aus der langen Laufbahn der Band enthielt. Aber ob nun neu oder alt: Mesh wurden vom Publikum gefeiert und man hatte fast den Eindrucks, als gehörten Titel wie Just leave us alone oder auch Taken for granted längst zu den Klassikern. Mesh haben mit ihrem neuen Album Automation Baby alles richtig gemacht und zeigen das auch auf der Bühne überzeugend.
Setlist: Intro, Adjust your set, You didn’t want me, Just leave us alone, You want what’s owed to you, When the city breathes, Taken for granted, Born to lie

Es hieß nun mal wieder: Kontrastprogramm. Nach den britischen Elektronikern folgte das Mittelalter in Form von Saltatio Mortis, die längst zum Selbstläufer auf Veranstaltungen wie diesen avanciert sind. Mit mittelalterlichem Instrumentarium, genug Tempo und hervorragender Laune sorgte die Band für beste Laune unter der Mittelalter-Gemeinde und hatte Stücke wie Prometheus, Koma oder auch Eulenspiegel mit dabei. Zum Schluss dann noch ein Highlight nicht nur für Fans von Saltatio Mortis: Der Spielmannsschwur wurde gemeinsam mit Martin Engler von Mono Inc. performt, die selbst später auch noch die Bühne entern sollten.
Setlist: Ode an die Feindschaft, Habgier und Tod, Prometheus, Hochzeitstanz, Wachstum über alles, Koma, Früher war alles besser, Eulenspiegel, Spielmannsschwur

Mit den letzten Tönen von Saltatio Mortis ging es dann auch schon in den Hangar zu Diorama. Hier merkte man: Es macht Spaß, Leuten bei der Arbeit zuzuschauen, die ihren Job gerne und mit Herz machen. Selten sieht man es so intensiv, dass eine Band mit Herzblut in ihrer Sache steckt. Diorama spielten Stücke ihres aktuellen Werks Even the devil doesn’t care und reisten außerdem durch die Bandgeschichte – glückliche Gesichter im Publikum waren vorprogrammiert. Es waren aber nicht nur die gelungenen Elektro-Klänge, es war eben auch das Gesamtbild, das diesen Auftritt besonders machte. Die Video-Projektionen beispielsweise wirkten sehr sympathisch, zeigten sie doch Bilder aus der Bandgeschichte, bei denen man die Bandmitglieder auch in sehr jungen Jahren sah. Eine audio-visuelle Reise durch die Bandgeschichte, die nicht nur höchstsympathisch wirkte, sondern auch musikalisch durchweg überzeugen konnte.
Setlist: Maison Du Tigre, The Scale, Synthesize Me, Child Of Entertainment, Why, Ignite, Hope

Wo es im Hangar gerade so elektronisch gemütlich war, blieb man gerne dort. Schließlich rückte eine Band an, die zuletzt im Jahr 2003 an dieser Stelle spielte. Haujobb sorgten für einen vollen Hangar und überzeugten auch nach zehnjähriger Unterbrechung an diesem Ort. Man merkte Daniel Myer an, dass er ein bisschen nervös war, aber man merkte ihm vor allem auch an, wie er es vermisst hat, hier zu spielen. Mit Stücken aus dem aktuellen Album New World March und älteren Nummern wie Renegades Of Noise brachte er nicht nur sich wieder ins Gedächtnis, sondern auch den Hangar zum Tanzen. Es war mal wieder einer dieser Auftritte, bei denen man am Ende traurig war, dass er bereits nach 40 Minuten vorbei war.
Setlist: Crossfire, Let’s Drop Bombs, Renegades Of Noise, Soul Reader, Penetration (Fuck The Floor), Little World, Dead Market

Draußen auf der Main Stage hatten sich indes bereits Mono Inc. die Bühne zu eigen gemacht und begeisterten zum einen mit ihren Gothic Rock-Nummern wie Arabia, After The War und anderen, aber auch mit ihrem Special Guest Joachim Witt. Dieser sang bei Kein Weg zu weit mit und war für so einige strahlende Gesichter maßgeblich mitverantwortlich. Nicht fehlen durfte natürlich auch The Passenger, das bei Mono Inc. längst dazugehört und auch in diesem Jahr seine Wirkung nicht verfehlte. Eine gelungene Stunde, die die Band dem Publikum am frühen Abend hier präsentierten.
Setlist: My Worst Enemy, Heile Heile Segen, Seligkeit, Kein Weg zu weit (mit Joachim Witt), Arabia, The Passenger, Revenge, After The War (inkl. Drumsolo), Voices of Doom, Get Some Sleep

Zeit für Besinnliches… Der Hangar pausierte, um nicht die Hauptbühne zu übertönen, denn Deine Lakaien spielten in diesem Jahr in bloßer Duo-Besetzung ein Akustik-Set. Ernst Horn bearbeitete das Klavier hierbei erneut von innen und außen gleichermaßen, Alexander Veljanov bestach wie immer schon allein durch seine Stimme. Titel wie Over and done entfalteten in diesen „stripped down“-Versionen eine ganz besondere Atmosphäre, aber auch schnellere Nummern wie Fighting the Green passten gut in das Akustik-Korsett. Da musste eine Zugabe her, die mit One Night und Love me to the End auch gewährt wurde. Ein sehr gelungener Auftritt mit Gänsehaut-Garantie.
Setlist: Where you are, Who’ll save your World, The Game, Over and done, The Mirror Men, Gone, Fighting the Green, Return, Dark Star
Zugabe: One Night, Love me to the End

Unmittelbar an das Ende des Auftritts der Lakaien begann Thomas Rainer mit Nachtmahr im Hangar. Und es zeigte sich: Der Hangar ist für diese Band inzwischen zu klein. Es gab einen Einlass-Stop, der für einige lange Gesichter sorgte. Wer nicht mehr reinkam, hatte draußen die Gelegenheit, sich ASP als Co-Headliner dieses Abends auf der Hauptbühne anzusehen. Wie gewohnt spielten ASP eine gelungene Show mit vielen Hits aus ihrer inzwischen auch schon 14 Jahre andauernden Karriere. Nummern wie Ich bin ein wahrer Satan und das abschließende Ich will brennen durften dabei natürlich nicht fehlen.

Als Headliner eines bisher sehr überzeugenden Tages dann HIM auf der großen Bühne. Und das mit einem Set, das alles enthielt, was der HIM-Fan hören wollte. Das aktuelle Album Tears On Tape wurde mit einbezogen und gab sich mit Klassikern wie Join Me In Death oder auch Right Here In My Arms sowie auch Wicked Game die Klinke in die Hand. Wurde man vor vielen Jahren noch oft belächelt, wenn man sich zu HIM bekannte, schien es in diesem Jahr, als seien HIM inzwischen übergreifend als ernstzunehmender Act anerkannt. So spielten sie an diesem Abend auch ein ernstzunehmendes Rock-Set, bei dem zwar sicherlich viele junge Mädchen nach wie vor an Ville Valos Lippen klebten, aber eben auch über 75 Minuten das Können der Finnen zeigte. Eine sehr gute Headliner-Wahl für den diesjährigen Festival-Samstag!
Setlist: Unleash the Red (Intro), All Lips Go Blue, Buried Alive By Love, Wings of a Butterfly, Right Here in My Arms, The Kiss of Dawn, Hearts at War, Join Me in Death, Your Sweet 666, Passion’s Killing Floor, Tears on Tape, Wicked Game, It’s All Tears (Drown in This Love), Soul on Fire, Into the Night, When Love and Death Embrace, Kiss the Void (Outro)

Schwupps war dann auch der erste Festivaltag schon wieder vorbei. Wer noch feiern wollte, hatte die Möglichkeit, in den Disko-Hangar zu gehen oder aber gemütlich am Zelt noch einmal den Tag Revue passieren zu lassen. Erlebt hatte man schon eine Menge, der zweite Festival-Tag sollte dann noch einmal einiges mit sich bringen.

Sonntag

Früh ging es weiter, bereits um 11:00 Uhr standen Schwarzer Engel auf der Bühne und eröffneten den Tag, während im Hangar ein Novum in der Festivalgeschichte mitzuerleben war: eine Lesung auf einer der beiden Bühnen. Gibt es schon seit einigen Jahren die Lesungen am Freitag, so wurde diesmal auch am Sonntagmorgen gelesen. ASP & Kai Meyer lasen im Hangar, wo man kurzerhand einige Bänke aufgestellt hat und den Start in den Tag mal anders gestaltete als sonst.

Als zweite Band auf der Hauptbühne traten dann Unzucht an und begeisterten mit deutschsprachigem Gothic Rock und Titeln wie Todsünde 8. Eine halbe Stunde lang spielten sie ein druckvolles Set, das dennoch das Gefühl nicht vermissen ließ und bereits zu früher Stunde eine beachtliche Menge auf den Platz holte. Hin und wieder benötigt man ein leichtes Augenzwinkern, beispielsweise, wenn ein Stück dann Kleine geile Nonne heißt, aber Unzucht haben hier heute früh alles richtig gemacht. Mit Engel der Vernichtung fand ein schönes Set zu früher Stunde dann sein Ende.
Setlist: Der Schrauber (Intro), Todsünde 8, Unzucht, Deine Zeit läuft ab, Nur die Ewigkeit, Kleine geile Nonne, Engel der Vernichtung

Anschließend wurde es romantisch: Coppelius waren dran und ließen die Epoche der Romantik wieder aufleben. Ihr „Kammer-Core“, wie er gerne mal bezeichnet wird, schlug auch in Hildesheim wieder gut ein. Butler Bastille hatte wieder eine Menge zu tun dabei, den Überblick zu bewahren, während die Band mit Holzbläsern, verzerrten Celli und hohem Tempo über die Bühne wirbelte. Mit Bitten Danken Petitieren ging man direkt in die Vollen und machte auch keine Pause, bis man mit Habgier das Set beendete und einen Hauch von Romantik beim M’era Luna 2013 hinterließ.
Setlist: Ouvertüre, Bitten Danken Petitieren, I get used to it, Reichtum, Locked out, Risiko, Habgier

Und weiter ging es mit einer Band, die das M’era Luna auch bereits seit der ersten Runde in 2000 begleitet. 2013 war es tatsächlich bereits ihr The 69 Eyes waren um 13:15 Uhr auf der Hauptbühne an der Reihe und zeigten, dass ihr Goth’n’Roll auch zu derlei frühen Uhrzeiten prima funktioniert. Framed in Blood und Gothic Girl eröffneten wie das Album Blessed Be aus dem Jahr 2000, dem Album, das wohl am meisten im allgemeinen Gedächtnis hängengeblieben ist, aber auch beispielsweise Dance d’Amour und Wasting the Dawn wurden dankbar angenommen. Düsterer Gothic Rock, dazu ein bisschen Pose und eine Band, die seit über 20 Jahren Spaß an ihrem Job hat – eine angenehme Show am frühen Nachmittag.
Setlist: Framed in Blood, Gothic Girl, Sleeping With Lions, Tonight, Dance d’Amour, Wasting the Dawn, The Chair, Brandon Lee, Lost Boys

Es war nun an der Zeit, einmal in den Hangar rüberzuwechseln, denn In The Nursery sollten spielen. Ein Auftritt, der vor allem über seine Atmosphäre wirkte. Neoklassische Arrangements, hier und da ein experimenteller Einschlag und gelegentlich auch mal ein bisschen Bombast, all das herübergebracht mit einer großen Sympathie. Die Band hatte wenig Zeit, hat es aber dennoch geschafft, aus den über 30 Jahren der Band ein ansprechendes Set zusammenzustellen. Atmosphärische Momente wie Bombed sorgten für Anmut und Gänsehaut, zum Ende hin wurde es bei L’Esprit dann noch etwas lauter und die große Trommel hatte ihren großen Einsatz. Immer wieder eine Bank, so ein Auftritt von In The Nursery.
Setlist: Capture & Control, Crepuscule, Hymn Noir, Bombed, Lectern, A Rebours, L’Esprit

Und gleich noch ein Urgestein hinterher: Clan Of Xymox standen als nächste Band auf dem straffen Zeitplan des Sonntags und begeisterten mit Klassikern und jüngerem Material. Eine Nummer wie Louise muss man dem hier anwesenden Publikum beispielsweise wohl kaum noch vorstellen. Gut gelaunt und guter Dinge spielten Clan Of Xymox hier eine Dreiviertelstunde und bleiben dem Festivalbesucher dabei angenehm im Gedächtnis.
Setlist: Love got lost, In love we trust, Hail Mary, Emily, Muscoviet Mosquito, Louise, Jasmine & Rose, A day, Venus

Auf der Hauptbühne indes eine Band, die gelegentlich immer noch dem Klischee ausgesetzt ist. Richtig ist: Louis Manke bedient(e) die Gitarre bei Terminal Choice, richtig ist aber auch: Staubkind und Terminal Choice trennen Welten. So spielte Manke mit seiner Band auch beim M’era Luna Festival 45 Minuten ehrlichen und eingängigen Gothic Rocks, der mit Nummern wie Dein Engel schweigt und Kannst du mich seh’n zwar auch hier gelegentlich das Klischee streift, aber vor allem auf ansprechende Weise treibenden Gothic Rock mit Gefühl kombiniert.

Zum späten Nachmittag hin dann eine der meisterwarteten Bands an diesem Wochenende: Apoptygma Berzerk. Einen Tag nach dem 42. Geburtstag von Sänger Stephan Groth, zwei Tage nach Veröffentlichung der Single Major Tom spielten sie auf der Position, die sie schon so oft bespielten. Eine, die sich offenbar bewährt hat. Und es ging auch direkt in die Vollen mit einem absoluten Best Of-Set, eröffnet durch Non-Stop Violence. Ein kurzes „Are you ready?“ und schon ging es los. Und wie „ready“ die Menge war. Mit echter Band dabei war es sehr treibend und dabei sehr mitreißend. Auch Eclipse an zweiter Stelle wurde gefeiert wie eigentlich das gesamte Set, bei dem das Publikum kaum stillstand. Love Never Dies, Starsign, Until The End Of The World, alles war dabei. Zum Schluss dann natürlich die neue Single: Major Tom. Der alte Peter Schilling-Klassiker im Apoptygma Berzerk-Gewand – eine Nummer, die bei den Fans bestens ankommt. Den Chorus hätte die Band gemeinsam mit den Fans noch stundenlang ausdehnen können, wären da nicht die Vorgaben in Form des Zeitplans. Ein absolutes Highlight des Festivals, dieser Auftritt!
Setlist: Intro, Non-Stop Violence, Eclipse, Something I Should Know, Kathy’s Song (Come Lie Next To Me), Love Never Dies, Starsign, Unicorn, Until The End Of The World, Major Tom

Verschnaufpause? Fehlanzeige. Mit den letzten Tönen von Major Tom begann nebenan im Hangar bereits die Show von Kirlian Camera, die hier auf ein dankbares Publikum stießen. Wie Angelo Bergamini es schafft, sich bis zur Zugabe unter der schwarzen Strumpfmaske zu verstecken, bleibt ein Geheimnis, kein Geheimnis hingegen: Kirlian Camera wissen, wie man ein Publikum bei Laune hält und bewiesen dies über die ganze Auftrittsdauer. Ein leicht technoider Einschlag ist in den Arrangements live zu hören, aber der Geist des 80er-Jahre-Waves ist stets präsent. Hits wie Eclipse und Blue Room entfalten auch heute noch voll und ganz ihre Wirkung und sorgen auch anno 2013 noch für Gänsehaut.

Eigentlich hätten nun IAMX folgen sollen, die jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme absagen mussten, weshalb Zeromancer sozusagen als Last-Minute-Verpflichtung in das Programm rutschten. Spielten sie dereinst noch beim ersten M’era Luna als Opener im Hangar, waren sie in diesem Jahr der Co-Headliner des Sonntags auf dieser Bühne. Womit? Mit Recht! Inzwischen gehören sie zu den Alteingesessenen und unterhielten das Publikum mit einem Best Of-Set, das nebenher eine kleine Hommage an IAMX bereit hielt: Sie coverten deren Titel After every Party I Die, was auch in der Zeromancer-Version gut klingt. Auf Wiedersehen Boy, God Bless the Models und wie sie alle heißen, waren auch mit in diesem Set, bevor das große Finale mit Clone your Lover und Doctor Online folgte. Aus vielen Kehlen mitgesungen und ein guter Abschluss eines herausragenden Sets.
Setlist: Sinners International, Doppelgänger I Love you, Neo Geisha, After every Party I Die (IAMX Cover), Auf Wiedersehen Boy, Flirt, The Hate Alphabet, The Tortured Artist, God bless the Models, Cupola, Photographic, Clone your Lover, Doctor Online

Das Festival ging so langsam in seinen endgültigen Endspurt und hatte dabei auch noch zwei Elektro-Schwergewichte mit im Gepäck. Nummer 1 draußen auf der Hauptbühne: Front 242. Hatte man 2012 noch eine Pause eingeläutet, so haben sie wohl inzwischen gemerkt, was ihnen fehlt – und spielten eine Stunde gesättigten EBMs für das Hildesheimer Publikum. Stets in Bewegung und den Blickkontakt mit dem Publikum suchend fehlten dabei natürlich auch die großen Nummern wie HeadHunter nicht. Ein gelungener Auftritt eines weiteren Urgesteins.
Setlist: Moldavia, Body to Body, No Shuffle, Rain, Together, HeadHunter, Take One, Triple x Girlfriend, Quite Unusual, Uman, Commando Mix, Religion, Im Rhythmus Bleiben

Von der Front hin zur Frontlinie, so in etwa lautete das Credo. Direkt im Anschluss an Front 242 draußen spielten Front Line Assembly drinnen. Befürchtete man zuvor noch eine Völkerwanderung und einen überfüllten Hangar, ging es dann doch ganz manierlich zu und der Hangar war nicht überfüllt, sondern genau richtig ausgelastet, um einen weiteren starken Elektro-Auftritt zu erleben. Mit Stücken des neuen Albums Echogenetic, dessen Resonance direkt das Set eröffnete, konnten Bill Leeb und co. genauso begeistern wie mit Stücken aus dem Fundus ihrer inzwischen ebenfalls bereits sehr lange andauernden Karriere. Als mit Mindphaser der Auftritt noch einmal mit einem Kracher endete, war die Elektro-Fraktion hochzufrieden mit der Ausbeute des diesjährigen Festivals.
Setlist: Resonance, Final Impact, Neologic Spasm, Killing Grounds, Blood, Plasticity, Exhale, Shifting Through The Lens, Surface Patterns, Millennium, Mindphaser

Auf der Hauptbühne beendeten nun Nightwish sowohl das Festival als auch ihre eigene Tour mit einem 75-minütigen Auftritt und vielen Hits. Auch wenn viele immer noch den Tarja-Nightwish nachtrauern, auch in ihrer aktuellen Besetzung kommen Nightwish gut an und spielen Nummern wie Wish I Had an Angel, Nemo und Amaranth souverän und mit Spaß an der Sache, sodass dieser Spaß auch auf das Publikum abfärbt. Einzig die Tatsache, dass es während Nightwish dann doch noch anfing, relativ stark zu regnen, hätte ja nicht sein müssen, aber da kann die Band wohl am wenigsten für… Sie bot stattdessen einen gelungenen Abschluss dieses M’era Luna Festivals.
Setlist: Crimson Tide (Intro), Dark Chest of Wonders, Wish I Had an Angel, She Is My Sin, Ever Dream, Storytime, I Want My Tears Back (mit Troy Donockley), Nemo (mit Troy Donockley), Bless the Child, Romanticide, Amaranth, Ghost Love Score, Last Ride of the Day, Imaginaerum (Outro)

Wieder einmal war das Wochenende viel zu schnell rum und man konnte mit schönen Erinnerungen an ein sehr gelungenes Wochenende wieder abreißen. Mit dem Wissen: Nächstes Jahr ist man wieder hier! Erstaunlich früh wurde in diesem Jahr auch der Startschuss der Bandbestätigungen gegeben, sodass bereits folgende Bands für 2014 feststehen: And One, Deine Lakeien, Subway to Sally, Lacrimas Profundere, Faun, Leaether Strip, Letzte Instanz, Das Ich, Stahlmann, Feuerschwanz, The Beauty of Gemina, Sündenklang. Wenn das mal keine guten Aussichten sind.

Weitere Artikel
Interview: Backstage mit Apoptygma Berzerk – ein Interview
Interview: Mit Mesh auf dem M’era Luna Festival 2013

Homepage: www.meraluna.de
Facebook: www.facebook.com/meralunafestival
Twitter: www.twitter.com/meralunafstvl

Text: Marius Meyer
Bilder: Christoph Eisenmenger/FKP Scorpio (Ausnahme Zeromancer: Jesko Doering/FKP Scorpio)