Auch der 16. Durchgang erfreute sich mal wieder größter Beliebtheit. Erneut fanden rund 25.000 Freunde der dunkleren Klänge den Weg zum Flughafen in Hildesheim-Drispenstedt, um friedlich ein Wochenende im Zeichen ihrer Klänge zu feiern, Freunde und Bekannte wieder zu treffen, gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen und die Welt drum herum einfach mal die Welt drum herum sein zu lassen. Das begann bereits am Freitagabend wahlweise mit den Lesungen im Hangar und der folgenden Party oder wahlweise dem Wiedersehen unterm Pavillon, bis dann am Samstag auch die ersten Bands antraten.

Samstag

Wobei es zunächst einmal nass wurde am Samstag. Die bereits für Freitag als möglich angedachten Unwetter entluden sich dann am Samstagmorgen in Form starker Gewitter. Wer seine Zeltnachbarn noch nicht kannte, hatte spätestens jetzt die Gelegenheit, sie kennenzulernen, während man gemeinsam dem Gewitter die kalte Schulter zeigte. Immerhin, das muss man dem Gewitter lassen: Es hat sich die richtige Zeit ausgewählt, denn als Elvellon mit ihren mittelalterlichen Klängen den Tag auf der Main Stage eröffneten, war es bereits wieder trocken und die Band konnte ihr Publikum mit ihren 20 Minuten direkt überzeugen.

Mittelalterlich ging es mit Versengold direkt weiter, die zwar aktuell vor allem ihr neues Album Zeitlos als Grund des Tourens haben, für ihre halbe Stunde beim M’era Luna aber wählten sie lieber Stücke ihres gesamten Outputs. Wobei vom neuen Werk Spaß bei Saite als ironisch anmutende Betrachtung der Musikwelt direkt überzeugen konnte. Mit ihren mittelalterlichen Instrumenten und ihrer Live-Erfahrung war es ihnen ein leichtes, bei sonnigem Wetter das Publikum für sich einzunehmen und den Spaß von auf der Bühne auch vor die Bühne weiterzugeben. Mit dem Ablasstanz endete dann ein sehr gelungener Auftritt.

Setlist: Versengold, Spaß bei Saite, Wem? Uns!, Drey Weiber, Paules Beichtgang, Ablasstanz

Nicht nur die Uhrzeit schritt weiter, sondern auch die Zeit, die auf der Bühne dargestellt wurde. Mit Coppelius ging es direkt einige Jahrhunderte weiter bis in die Romantik. Zeit für den beliebten „Kammer-Core“ der Band, bei der Butler Bastille wieder allerhand zu tun hatte, um alles in Ordnung zu halten auf der Bühne. Das Set? Tatsächlich schwer in Ordnung. Stücke wie Der Luftschiffharpunist vom aktuellen Werk Hertzmaschine standen gut neben den älteren Titeln und gerade auch beim M’era Luna-Festival funktionieren Stücke wie das Iron Maiden-Cover von Charlotte the Harlot bestens. Eine Band, die auch nach den inzwischen einigen Jahren noch die Menge im Griff hat und sich dabei gekonnt und gleichermaßen selbstironisch präsentiert.

Setlist: Intro (Zauberflöte), Der Luftschiffharpunist, Schöne Augen, Moor, Charlotte the Harlot (Iron Maiden), Escapade I, Time-Zeit, Contenance, Killers (Iron Maiden), Habgier, Risiko

Eine offenbar unermüdliche Festival-Band folgte indes im Hangar: The Other. Zwei Wochen zuvor noch für Wesselsky beim Amphi Festival aufgetreten, ein Wochenende später beim Wacken Open Air, nun also das M’era Luna. Auch hier merkte man schnell: Die Band beherrscht die verschiedenen Festivals alle auf ihre Weise. Mit einem Set aus alten Klassikern und neuen Nummern verbreitete sich der Horrorpunk der Band schnell im Hangar und sorgte für Begeisterung und Bewegung. Beware of Ghouls stand so beispielsweise gut in einer Reihe mit Doll Island und es ergab alles ein Ganzes, bis Lover’s Lane den 40-minütigen Auftritt beendete.

Setlist: Nie mehr, Bloodsucker, Back To The Cemetery, Der Tod steht dir gut, Dreaming Of The Devil, Puppet On A String, Castle Rock, Doll Island, Black Sails, Beware of Ghouls, Lover’s Lane

Während auf der Main Stage nun Ostfront ihren NDH-Sound präsentierten, war es an der Zeit, einmal das Gespräch mit Künstlern des Festivals zu suchen, sodass interessante Gespräche mit Aesthetic Perfection und Versengold folgten. Auf der Main Stage standen anschließend Lord Of The Lost, die den Platz sehr gut füllen konnten. Metallisch inspirierter Gothic Rock, bei dem immer wieder eine gesunde Härte durchschimmerte, wurde hier mit Stücken wie Six Feet Underground und Kill It With Fire präsentiert. Das große Finale bestritten dann Sex On Legs und La Bomba. Eine Band, bei der man merkt, dass sie das schon länger und gleichermaßen mit Herzblut macht – war man vor zwei Jahren noch früher im Billing des Festivals, so ist jetzt davon auszugehen, dass die Band zukünftig auch noch spätere Uhrzeiten bekommen wird.

Setlist: Full Metal Whore, Black Lolita, Die Tomorrow, Six Feet Underground, Afterlife, Kill It With Fire, Dry the Rain, Sex on Legs, La Bomba

Zum elektronischen Ausgleich aber ging es direkt darauf zur Hangar Stage weiter. Melotron waren der Grund dafür. Und zwar ein guter Grund, wie sich schnell zeigte. 2014 veröffentlichte die Band eine Werkschau, diese gab es nun auch auf der Bühne zu sehen. Das alles von einer gut gelaunten Band, die immer wieder Spaß auf der Bühne hat und die auch vor der Bühne immer wieder Spaß macht. Sympathisch dargeboten und zu Recht von einer beachtlichen Menge angenommen ging es tanzbar und eingängig zu. Das große Finale hielt man sich dabei natürlich bis zum großen Finale auf: Brüder rundete einen sehr sehr guten Auftritt sehr sehr gut ab!

Setlist: Love is calling, Du bist es nicht wert, Gib mir alles, Der Anfang, Das Herz, Kindertraum, Dein Glück, Stuck in the Mirror, Brüder

Nach einer kleinen Stärkung aus dem großen kulinarischen Angebot des Festivals und einem Gang über die Händlermeile standen auf der Bühne gewissermaßen Urgesteine. L’âme Immortelle traten um 16:55 Uhr auf und es wirkte ein wenig befremdlich. Nicht etwa wegen des hochkarätigen Auftritts der Band, sondern weil man dachte: Vor rund 15 Jahren wäre die Stimmung sicher eine andere gewesen. Leider scheinen die Österreicher in der allgemeinen Erinnerung ein wenig verblasst zu sein. Schade, denn der mitunter theatralische Elektro-Sound und der Wechsel zwischen dem eingängigen Gesang Sonja Kraushofers und der Härte in der Stimme Thomas Rainers konnte begeistern. Schon mit dem eröffnenden Tiefster Winter wurde klar, dass die Band nach wie vor in guter Form ist, es folgte ein Best Of-Set. Hits wie Life Will Never Be the Same Agein und Bitterkeit funktionierten nach wie vor super. Leider wollte der Funke nicht immer überspringen. Als abschließend 5 Jahre verklungen war, erhoffte man sich, dass einige der stillen und teils eben auch sehr jungen Zuhörer vielleicht doch eine Band für sich entdeckt haben könnten, die sie sich fortan häufiger anhören werden.

Setlist: Tiefster Winter, Judgement, Eye of the Storm, Life Will Never Be the Same Again, Bitterkeit, Stumme Schreie, Es tut mir Leid, Phönix, 5 Jahre

Verschnaufpause? Fehlanzeige! Es ging rüber in den Hangar. Nach dem Interview im Vorfeld der Show waren Aesthetic Perfection nun auch auf der Bühne an der Reihe. Kam die Band um den sympathischen Frontmann Daniel Graves noch mit den ruhigen Klängen von All Beauty Destroyed auf die Bühne, war es dann mit der Ruhe auch schon vorbei, als A Nice Place To Visit erklang. Brachiale Elektro-Klänge mit einem nie stillstehenden Daniel Graves, der sichtlich erfreut am großen Publikumszuspruch war, harten Gesang mit eingängigeren Passagen kombinierte und stets im Rhythmus blieb. Wie bekannt die Klänge der Kalifornier inzwischen sind, konnte man unter anderem gut bei Antibody merken, das offenbar sehnsüchtig erwartet wurde. Aber auch der neue Titel Never Enough wurde bereits gut angenommen. Der Schluss mit Spit it Out kam folglich auch viel zu früher. Definitiv hat man hier eine weitere Band gesehen, mit der in Zukunft auch auf späteren Positionen zu rechnen ist.

Setlist: All Beauty Destroyed, A Nice Place to Visit, Inhuman, Antibody, The Siren, Never Enough, The New Black, Spit it Out

Elektronisch sollte es auf der Hangar Stage auch direkt weitergehen. Eine Beobachtung, die man auf Festivals in den letzten Jahren immer wieder macht: Nach wie vor sind es viele Urgesteine, die auch heute das Geschehen maßgeblich mitprägen. Eines davon: In Strict Confidence. Schade, dass sie bei ihrem Auftritt um 19:05 Uhr nur 40 Minuten Spielzeit hatten. Ein Set gespickt mit Hits wurde geboten, dem man noch so viele weitere hätte ergänzen können. Kiss Your Shadow, Seven Lives und Morpheus zeigten beispielsweise, wie stringend der harte und gleichermaßen eingängige Elektro der Band sich inzwischen durch die Jahre zieht. Sänger Dennis Ostermann hat nach wie vor eine einnehmende Wirkung dabei und bringt die Nummern sehr sympathisch rüber. Mit Engelsstaub und Zauberschloss folgte ein furioses Finale, das Lust auf mehr macht. Vielleicht ja auch mal mit neuem Material. Zeit wäre es.

Setlist: Intro, My Despair, Kiss your shadow, Seven Lives, Forbidden Fruit, Set me free, Morpheus (Clubmix), Engelsstaub, Zauberschloss

Drinnen wie draußen folgten ebenfalls elektronische Klänge. Während draußen Blutengel ihr Publikum bespielten, ersetzten im Hangar [X]-RX die kurzfristig abgesprungenen Suicide Commando, bevor die Main Stage ein weiteres echtes Highlight bot: Rob Zombie. Auch wenn dieser für manch einen komisch auf dem Line-Up anmutete, gaben ihm die Reaktionen recht. Mit seinem amerikanisch geprägten Industrial Rock spielte er eine gute Mischung aus eigenen Nummern und White Zombie-Titeln, die sich zu 75 energiegeladenen Minuten aufschaukelten. Rock der härteren Sorte mit einem mitreißenden Charakter boten Titel wie Superbeast und More Human Than Human, aber auch Fremdkompositionen passten gut in das Zombie’sche Oeuvre – so unter anderem Blitzkrieg Bop und School’s Out. Und eine Nummer darf natürlich gar nicht fehlen und kommt noch als Zugabe: Dragula. Ein starker Auftritt, mit dessen Buchung auch die Veranstalter ein sehr gutes Händchen bewiesen.

Setlist: Teenage Nosferatu Pussy, Super-Charger Heaven (White Zombie), Superbeast, Get Up (I Feel Like Being a) Sex Machine (James Brown), Living Dead Girl, Dead City Radio and the New Gods of Supertown, Drum Solo, More Human Than Human (White Zombie), Pussy Liquor, Never Gonna Stop (The Red, Red Kroovy), Blitzkrieg Bop (Ramones), School’s Out (Alice Cooper)
Zugabe: Dragula

Es folgte: der Headliner im Hangar. Und wenn man sich nach dem Festival so umhörte: für viele auch der Headliner des Festivals. Phillip Boa & The Voodooclub traten um 22:15 Uhr auf und zeigten sich spielfreudig und bester Laune. Dass es ein Leben nach Pia Lund gibt, wusste man, aber hier wurde noch einmal eindeutig gezeigt, dass man zum einen nach wie vor in Höchstform ist und zum anderen auch Pris als neue Sängerin des Voodooclubs einen Glücksgriff darstellt. Bereits an zweiter Stelle zeigte Annie Flies The Lovebomber das sehr gut. Einer von so vielen Klassikern, der während des Sets frenetisch gefeiert wurde. This Is Michael, Love On Sale, Container Love… Man muss kaum aufzählen, welche Hits da so auf dem Programm stehen. Wer da war, war nicht zufällig da. Da wundert es auch wenig, dass auch nach der Zugabe Kill Your Ideals noch die Zugabenrufe anhielten. Da half es auch nichts, die Bühne abzubauen und das Licht einzuschalten. Zu begeistert waren die Zuschauer.

Setlist: Speed, Annie Flies The Love Bomber, Deep In Velvet, Fine Art In Silver, This Is Michael, Love On Sale, Diana, Standing Blinded On The Rooftop, Container Love, Albert Is A Headbanger, And Then She Kissed Her
Zugabe: Kill Your Ideals

Ganz Schluss für den Samstag war aber dennoch nicht. Als Headliner der Main Stage standen seit 22:45 Uhr ASP auf der Bühne. Mit ihrem erfolgreichen Gothic Rock konnte die Band auch in Hildesheim beweisen, dass die Headliner-Position nicht so ganz zufällig ihnen zuteilwurde. Freuen durften sich dabei auch die Fans von Spielbann, denn der früh aufgetretene Act wurde bei Werben noch einmal als Unterstützung auf die Bühne geholt, bevor Schwarzes Blut und Ich will brennen das Finale einläuteten. Aber ganz Schluss war noch nicht: Der Schwarze Schmetterling durfte nicht fehlen. Kurz vor Mitternacht wurde noch einmal in einer einfühlsamen Akustikversion dargeboten.

Setlist: Wechselbalg, Kokon, Krabat, Und wir tanzten, Ich bin ein wahrer Satan, Lykanthropie (Es tobt ein Krieg in mir), Astoria (New Song), Sündige Heilige, Werben (mit Spielbann), Schwarzes Blut, Ich will brennen
Zugabe: Schwarzer Schmetterling (akustisch)

Dann war er vorbei. Der erste Tag des M’era Luna-Festivals 2015, der auch in diesem Jahr wieder ein großes Vergnügen darstellte. Je nach Energie konnte man nun wieder in den Disco-Hangar gehen, am Zelt den Tag Revue passieren lassen oder auch seine Kraftreserven für den kommenden Tag schonen. Klar war: Auch dieser sollte noch so einiges mit sich bringen.

Sonntag

Nach dem Aufstehen am Sonntag merkte man schnell: Wer Sonnencreme hat, ist klar im Vorteil. Nachdem man in der Nacht im Zelt gar ein wenig fröstelte, knallte bereits die Morgensonne ordentlich. Etwas, das sich auch tagsüber kaum ändern sollte – außer der Tatsache, dass der Begriff „Morgensonne“ rein chronologisch bedingt irgendwann nicht mehr stimmte.

Heiß her ging es auch bereits früh wieder im Programm. Private Pact und Schwarzer Engel auf der Hauptbühne, dazu Lesungsprogramm mit ASP & Kai Meyer auf der Hangar Stage, bevor um 12:20 Uhr Unzucht die Main Stage betraten. Ein Act, der auch deswegen interessant zu beobachten war, da er 2010 noch das Festival eröffnete. Die Uhrzeit 12:20 Uhr ist zwar nach wie vor nicht berühmt, aber dennoch eine Entwicklung. Und diese war auch im Sound zu erkennen. Der Sound der Band hat sich entwickelt, es gab gesättigten Gothic Rock und das Publikum war begeistert. Glücklicherweise wird inzwischen auch das Augenzwinkern in den Titeln der Band mehr und mehr wahrgenommen, denn ganz so ernst sollte man Nummern wie Kleine geile Nonne sicherlich nicht nehmen. Engel der Vernichtung beendete daraufhin ein schönes Set zu früher Stunde.

Setlist: Unendlich, Deine Zeit läuft ab, Schweigen, Unzucht, Nur die Ewigkeit, Kleine geile Nonne, Engel der Vernichtung

Elektronisch hingegen ging es im Hangar weiter. Mit einer Band, die eigentlich zum einen stets viel zu früh angesetzt wird und zum anderen aber auch zu früher Stunde jedes Mal begeistern kann. Tyske Ludder konnten bereits auf ein gut gefülltes Publikum setzen und mit ihren harten Elektro-Klängen um 12:55 Uhr ein ansprechendes Set feiern, das schon mit der Eröffnung durch Der androgyne Held voll und ganz aufging. Der Kontakt zum Publikum wurde dabei ebenfalls gesucht und die durch die Luft fliegende aufgepustete „Bombe“ mit Bandschriftzug bereitete Freude, indem sie stets in der Luft gehalten wurde. Canossa, Monotonie… Immer wieder energiegeladen, immer wieder hart, aber auch immer wieder tanzbar zeigten sich die Musiker. Mit dem eingesessenen Finale in Form von Panzer war ein weiteres Mal viel zu früh Schluss mit Tyske Ludder.

Setlist: Der androgyne Held, Canossa, Oh la la la, Monotonie, Bambule, Meskalin, Panzer (Jesus and the Gurus)

Abwechslungsreich ging es drinnen und draußen weiter. Die Dope Stars Inc. auf der Hauptbühne sorgten mit Rock-Klängen zu Bewegung, Old School-Electro gab es im Hangar von Absolute Body Control, später noch einmal Mittelalter auf der Main Stage mit Tanzwut, bevor es zu einem der ganz Großen ging: Joachim Witt enterte die Main Stage. Etwa drei Wochen vor Erscheinen des Albums Ich gab er sich in Hildesheim die Ehre und zeigte, dass er auch auf die alten Tage längst nichts verlernt hat. Mit einer Mischung aus seinem bisherigen Schaffen von damals mit heute spannte er einen guten Bogen. Sei es Königreich vom Album Dom, Supergestört und superversaut aus Bayreuth-Zeiten: Es geht alles gut Hand in Hand. Die Flut kann auch im Jahr 2015 noch brillieren, obgleich Peter Heppners Stimme schon ein bisschen vermisst wird, und der Abschluss mit Goldener Reiter sorgt für kollektives Mitgehen. Ein sehr schöner Auftritt in der Nachmittagssonne!

Setlist: Aufstehen, Die Erde brennt, Es regnet in mir, Königreich, Supergestört und superversaut, Das geht tief, Die Flut, Goldener Reiter

Erfreulich für die Elektrofreunde: spielten im Hangar. Weniger erfreulich für die Elektrofreunde: Apoptygma Berzerk waren der nächste Act auf der Hauptbühne. Sehr erfreulich für alle, die zu Apoptygma Berzerk gingen: Stephan Groth und Band zündeten ein Hit-Feuerwerk, das seinesgleichen suchte. Man war erstaunt, wie viele Hits die Band in all den Jahren veröffentlichte. Da ist das – wie so oft – recht früh gespielte Love Never Dies längst kein Einzelfall. Mit Energie und Charisma dargeboten spielt die Band sich durch ihre Diskografie und kann bei Titeln wie Kathy’s Song (Come Lie Next To Me) sowohl mit der elektronischeren als auch bei Nummern wie In This Together mit der rockigeren Seite überzeugen. Bestes Wetter, beste Stimmung, beste Laune auf der Bühne: Apoptygma Berzerk können hier auf ganzer Linie überzeugen und hinterlassen zum Schluss mit Until The End Of The World ein begeistertes Publikum.

Setlist: Fade to Black (Metallica), Love Never Dies, Shadow, Kathy’s Song (Come Lie Next To Me), Black vs. White, In This Together, Love Will Tear Us Apart (Joy Division), You Keep Me From Breaking Apart, Starsign, Until The End Of The World

Die Elektrofreunde pilgerten in den Hangar zu Rotersand, auf der Main Stage bekamen die Freunde der gesättigten Gitarre nun wieder etwas auf die Ohren. Zwar sind sie aktuell mit ihrem äußerst erfolgreichen Album Terlingua unterwegs, für das M’era Luna-Festival aber setzte man vor allem auf ein Best Of-Set. Und das war, wie die Reaktionen des Publikums zeigten, auch eine sehr gute Entscheidung. So wurde man mit Arabia gleich zu Beginn vom trebenden Rock-Sound mitgerissen, konnte die Gothic Queen feiern, bevor sich der Never-Ending Love Song als aktuelle Single vom neuen Album direkt gut einfügte. Zu Beginn kontrovers diskutiert hat sich zudem auch Heile Heile Segen längst gut ins Set eingefügt. Selbstläufer wie After the War dürfen natürlich genauso wenig fehlen. Der Bogen zum neuen Album wurde am Ende noch einmal mit Tag X geschlagen.

Setlist: Arabia, Symphony of Pain, Gothic Queen, Never-Ending Love Song, Get Some Sleep, Heile Heile Segen, Revenge, After the War (Gary Moore), Voices of Doom, Tag X

Von den aktuellen Durchstartern hin ging es auf der Main Stage kontrastreich zu den alteingesessenen Einstürzenden Neubauten, die teils recht ruhige Sounds spielten und damit die Main Stage nicht ganz so gut füllen konnten wie manch anderer Act. Über die Berechtigung ihres Platzes im Line-Up muss man dabei aber genauso wenig diskutieren wie über die Qualität ihres Sets. Natürlich ist es bei einer Band mit dem Gesamtwerk der Einstürzenden Neubauten kaum möglich, ein für eine Stunde angemessenes Set auf die Beine zu stellen, mit Haus der Lüge, Die Befindlichkeit des Landes, Sabrina und auch der weiteren Auswahl konnte die Band aber hier durchaus punkten. Ein starker Auftritt in einem vielleicht für die Band ungewöhnlich anmutenden Rahmen.

Setlist: The Garden, Haus der Lüge, Dead Friends, Unvollständigkeit, Die Befindlichkeit des Landes, Sonnenbarke, Von wegen, Sabrina, Susej

Langsam war es Zeit für das große Finale. Wer eine weitere Legende sehen wollte, ging zu Anne Clark auf die Hangar Stage und nahm Klassiker wie Sleeper in Metropolis mit, der große Headliner auf der Main Stage hieß währenddessen Nighwish. So manche Besetzungen wurden bereits ausprobiert, manche davon auch auf dem M’era Luna bereits präsentiert, im Endeffekt ging das Konzept auch irgendwie immer auf. Da machte auch das M’era Luna-Festival keine Ausnahme. Energiegeladener Gothic Metal mit Nummern wie Amaranth und Stargazers zeigten, dass auch die aktuelle Besetzung der Band gut funktioniert und dass eine Auswechslung auf der Gesangsposition nicht immer zwingend das Ende einer Band bedeuten muss. 75 gelungene Minuten waren es, die das M’era Luna 2016 angemessen beendeten.

Setlist: Shudder Before the Beautiful, Yours Is an Empty Hope, Amaranth, She Is My Sin, My Walden, Élan, Weak Fantasy, Storytime, I Want My Tears Back, Stargazers, Ghost Love Score, Last Ride of the Day

Wieder einmal war es vorbei. Und wieder einmal freut man sich schon jetzt auf das kommende Jahr. Dann am 13. und 14. August. Tickets sind bereits erhältlich, mit Fields Of The Nephilim, Lord Of The Lost Ensemble, Die Krupps, Faun, Suicide Commando, Letzte Instanz und Stahlmann gibt es zudem bereits die ersten Bestätigungen. Schöne Erinnerungen treffen schon jetzt auf Vorfreude auf ein hoffentlich genauso gelungenes Wochenende im kommenden Jahr!

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Text: Marius Meyer
Bilder: Malte Schmidt (1, 8), Christoph Eisenmenger (2, 3, 5, 7), Jens Arndt (4, 6)