Längst hatte es sich rumgesprochen: Diese Ausgabe von Rock am Ring ist bis auf weiteres die letzte, die am Nürburgring stattfindet. Aber trotz allen Abschiednehmens waren die weit über 80.000 Zuschauer vor allem da, um ein gelungenes Festival-Wochenende bei bestem Sommerwetter zu feiern. Ein Plan, der aufging. Bei hohen Temperaturen und so gut wie gar keinem Regen ging an den vier Tagen Rock am Ring ein friedliches Festival über die drei Bühnen, bei dem ein jeder seine musikalischen Highlights finden konnte.

Donnerstag

Nachdem Falling In Reverse als Opener diesen Bonus-Tag bereits mit einer großen Portion Rock eröffneten, folgten mit Pennywise direkt alte Punk-Recken. Seit 25 Jahren rocken sie bereits die Bühnen und dennoch nimmt man ihnen den Punk nach wie vor durch und durch ab. Mit einem Querschnitt durch ihr Schaffen sowie interessanten Cover-Versionen rockten sie gut durch und begeisterten bei sonnigem Wetter. Nachdem man mit Stand By Me ein spannendes Ben E. King-Cover bot, beendete die Bro Hymn das Set. Der inzwischen gut bevölkerte Nürburgring war begeistert.

Setlist: Pennywise, Rules, Homeless, Unknown Road, Time to Burn, Can’t Believe It, Same Old Story, My Own Country, Territorial Pissings (Nirvana Cover), Perfect People, Fuck Authority, Society, Broken, Yesterdays, Stand by Me (Ben E. King Cover), Bro Hymn

Was sich schnell zeigte: Die Bands, die an diesem Abend auftreten durften, hatten einen gravierenden Vorteil. An diesem Donnerstagabend wurde nur die Seat Centerstage bespielt, sodass es kein Alternativprogramm gab. The Offspring vermochten es somit, beinah das halbe Gelände zu füllen. Auch wenn man hier wieder an alte Herren denken musste, die ihre alten Hits präsentieren: Die Band um Dexter Holland hat noch eine wahnsinnige Energie. Eine gute Mischung aus ihrer Karriere wurde da geboten, zunächst einmal beendet mit Self Esteem, das viele der feiernden Anwesenden eigentlich kaum hätten kennen können. Die Hitrakete wurde dann in der Zugabe noch einmal gezündet und mit Pretty Fly (For A White Guy) und The Kids Aren’t Alright beendet.

Setlist: Time to Relax, Nitro (Youth Energy), Bad Habit, Gotta Get Away, Genocide, Something to Believe In, Come Out and Play, It’ll Be a Long Time, Killboy Powerhead (Didjits Cover), What Happened to You?, So Alone, Not the One, Smash, Self Esteem
Zugabe: Intermission, All I Want, You’re Gonna Go Far Kid, Staring at the Sun, Why Don’t You Get a Job?, (Can’t Get My) Head Around You, Pretty Fly (For a White Guy), The Kids Aren’t Alright

Es folgte ein äußerst opulenter Bühnenaufbau für die Headliner, die schon vielen Shirts angekündigt wurden. Iron Maiden spielten satte zwei Stunden lang ein Set und boten Metal in Perfektion. Nicht jedermanns Sache, aber objektiv betrachtet waren hier Musiker am Werk, die das, was sie machen, können. Und in Sachen Bühnenaufbau und Show kann den alten Metal-Helden schwer das Wasser gereicht werden. Einige der vorigen Offspring-Zuschauer waren zwar irritiert bis ratlos, das Iron Maiden-Publikum aber war aus dem Häuschen ob dieses langen Sets.

Setlist: Doctor Doctor (UFO song), Rising Mercury, Moonchild, Can I Play with Madness, The Prisoner, 2 Minutes to Midnight, Revelations, The Trooper, The Number of the Beast, Phantom of the Opera, Run to the Hills, Wasted Years, Seventh Son of a Seventh Son, Wrathchild, Fear of the Dark, Iron Maiden
Zugabe: Churchill’s Speech, Aces High, The Evil That Men Do (preceded by „Happy Birthday“ to Nicko McBrain), Sanctuary, Always Look on the Bright Side of Life (Monty Python song)

Eigentlich hatte es sich längst herumgesprochen und ist macht ja auch sinnvoll, wenn der König des RAOP, der Mann mit der Pandamaske, wenn also dieser Cro ein neues Album im Gepäck hat, dass er das dann auch als Special Guest vorstellt und so kam eben dieser Rapper zu einem umjubelten Auftritt, auch wenn sich viele der Iron Maiden-Fans dann doch einen anderen Gastauftritt gewünscht hätten. Die Stimmung aber war so oder so sehr gut und neue Stücke wie auch ein paar alte Hits sorgten für einen kurzweiligen Auftritt.

Setlist: Thunder (Intro), Einmal um die Welt, Hi Kids, Du, Allein, Wir waren hier II, Whatever, Dein Freund / Konfetti, Easy, Wir waren hier, Traum, Rockstar

Wer wollte, konnte noch das Nachtprogramm mit Rudimental und Klangkarussell nutzen, die bis tief in die Nacht zum Tanz boten oder aber noch ein paar Kräfte schonen. Es war doch schließlich erst der erste von vier Tagen.

Freitag

Kaum in der heißer werdenden Sonne angekommen, standen auch schon Rival Sons auf der Bühne. Der Zuschauerraum war zwar vor der Centerstage noch nicht so gut gefüllt, was die Band aus Long Beach, California aber ablieferte, sorgte bei den Anwesenden für Begeisterung. Rock-Nummern der härteren Gangart, dabei immer ein gewisser „Mitgeh-Faktor“. Eine gute Möglichkeit, die Folgen des wenigen Schlafes abzuschütteln. Da gibt es durchaus schlechtere Varianten für.

Setlist: Electric Man, Good Luck, Secret, Play the Fool, Pressure and Time, Keep On Swinging, Face of Light, Open My Eyes

Weiter auf der Hauptbühne mit Teil 1 der Reihe „talentierte männliche britische Nachwuchs-Musiker”: John Newman stand auf dem Plan. Bekannt unter anderem auch durch Stücke mit Rudimental, spielte er aus dieser Phase auch gleich ein entsprechendes Cover – und landete mit Not Giving In einen Volltreffer. Überhaupt ein sympathischer Auftritt. Soulpoppig bis zum Schluss mit Love Me Again konnte der Künstler das Publikum stets bei Laune halten.

Setlist: Intro, Tribute, Try, Losing Sleep, Out of My Head, Cheating, Not Giving In (Rudimental Cover), Day One, Love Me Again

Ein Blick rüber auf die Beck‘s Alternastage, wo gerade The Fratellis spielten. Diese
schafften es mit ihren Gute-Laune-Songs schnell das Ringpublikum aus der Siesta zu locken und mit ihnen eine ordentliche Rock’n’Roll Matinee zu feiern.

Setlist: Halloween Blues, Jeannie Nitro, Henrietta, Whistle for the Choir, Seven Nights Seven Days, This Is Not the End of the World, We Need Medicine, A Heady Tale, Chelsea Dagger, Until She Saves My Soul

Wieder zurück zur Hauptbühne, zu Teil 2 der Reihe „talentierte männliche britische Nachwuchs-Musiker”: Jake Bugg. Mit seinen gerade mal 20 Jahren spielte er auf, als gehöre er längst zu den ganz Großen. Recht wortkarg zwischen den Stücken, dafür umso intensiver in seinen Stücken. Der junge Mann aus Nottingham legte die Hoffnung nahe, dass BritPop eben doch nicht so tot ist, wie gerne mal geunkt wird. Nicht selten hatte man das Gefühl, Oasis würden gerade um die Ecke linsen. Hätten sie es getan: Sie wären stolz auf Jake Bugg gewesen.

Setlist: There’s a Beast and We All Feed It, Trouble Town, Seen It All, Me and You, Two Fingers, Messed Up Kids, Kingpin, Taste It, Slumville Sunrise, What Doesn’t Kill You, Simple Pleasures, My My Hey Hey (Out of the Blue) (Neil Young Cover), Lightning Bolt

Und wieder zur Alternastage: Portugal. The Man, die natürlich aus Alaska kommen, wie man sich bei dem Namen ja denken kann, können auch bei hochsommerlichen Temperaturen mit ihren Nummern wie Hip Hop Kids aus dem jüngsten Album Evil Friends und einem spannenden Medley aus Another Brick In The Wall und Purple Yellow Red And Blue für Stimmung vor der Alternastage sorgen.

Setlist: Creep, Atomic Man, All Your Light, Evil Friends, So American, Hip Hop Kids, Modern Jesus, Another Brick In The Wall/Purple Yellow Red And Blue

In der strahlenden Abendsonne auf der Hauptbühne gab sich dann Rea Garvey die Ehre. Manch einer schien ihm schon zu unfuckingfassbar oft begegnet zu sein, andere feierten ihn – wobei letztere überwogen. Großer Applaus, als er sich solidarisch mit Rock am Ring zeigte und die Thematik des gekündigten Ringvertrages ansprach, aber auch bei Hits wie Supergirl, hier minimalistisch dargeboten, oder auch Can’t Stand the Silence gab es frenetischen Jubel. Mit End of the Show war dann das selbige erreicht.

Setlist: Can’t Say No, Candlelight, Oh My Love, Colour Me In, Supergirl, Can’t Stand the Silence, Love Someone, Wild Love, End of the Show

Während sich auf der großen Bühne langsam Kasabian in Position brachten, lohnt sich der Gang zur großen Party auf der Alternastage, denn bei Gogol Bordello fing der Ring Feuer, der Gipsy Folk Punk der Band um Eugene Hütz funktioniert immer und überall ganz hervorragend. Dort, wo man vier Tage lang zum gemeinsamen Feiern zusammenkommt, natürlich erst recht.

Setlist: We Rise Again, Not a Crime, Wonderlust King, Dig Deep Enough, Trans-Continental Hustle, Immigraniada (We Comin‘ Rougher), Break the Spell, It Is the Way You Name Your Ship, Start Wearing Purple, Lost Innocent World, Baro Foro

Skurril wurde es zurück vor der Centerstage, als Mando Diao mit einem sehr psychedelischen und Welt-entrückten Intro darüber, dass man der normalen Welt entsagt habe. Hintergrund: Es wurde dem verstorbenen Sugarplum Fairy-Schlagzeuger Kristian Gidlund damit gedacht und gehuldigt. Während die Band im Intro tatsächlich in anderen Sphären schien, konnte man danach doch durchatmen: Mando Diao sind nach wie vor die bekannte Rockband, wenngleich auch auf dem neuen Album mit mehr Synthesizer-Einfluss. Nichts wirklich Neues, aber genau das, was das Ring-Publikum hier haben wollte heute.

Setlist: Intro, If I Don’t Have You, God Knows, Welcome Home Luc Robitaille, Wet Dreams, Long Before Rock ’n‘ Roll, Money Doesn’t Make You a Man, Down In The Past, Mr. Moon, Morning Light (Caligola), Forgive Forget (Caligola), Gloria
Zugabe: Dance with Somebody, Black Saturday

Auch auf der Alternastage wurden die Größen so langsam richtig groß! Die Editors waren an der Reihe und spielten vor sehr verdichteten Reihen. Was nicht verwunderte: Sänger Tom Smith war mit Spaß bei der Sache. Was dabei eher verwunderte: Er tat dies auch sehr nach außen. Während man oft den Eindruck hat, Tom Smith würde sich mit so Nebensächlichkeiten wie Publikum nicht recht beschäftigen, suchte er diesmal offensiv die Kommunikation. Die Verbindung zu den Fans war bei dem Set ohnehin vorhanden. Neben Stücken des aktuellen Albums The Weight Of Your Love zündeten vor allem die zahlreichen Hits wie Munich, Smokers Outside the Hospital Doors und der furiose Abschluss mit Papillon.

Setlist: Nothing, The Racing Rats, All Sparks, A Life as a Ghost, Formaldehyde, Honesty, Sugar, Munich, Smokers Outside the Hospital Doors, A Ton of Love, Papillon

Ein letzter Blick zur Centerstage für diesen zweiten Festivaltag: Kings of Leon. Als Headliner des Abends bewiesen sie, dass sie es (mittlerweile) durchaus beherrschen, eine Bühne mit 80.000 Fans zu rocken. Mit ihren Hits wie Use Somebody, Sex on Fire und anderen Nummern war das aber keine Frage. Dass sie das Potenzial dazu haben, weiß man längst, hier wurde es hervorragend abgerufen.

Setlist: Supersoaker, Taper Jean Girl, Family Tree, My Party, Razz, Closer, On Call, The Immortals, Wait for Me, The Bucket, Temple, Pyro, Tonight, Radioactive, Don’t Matter, Molly’s Chambers, Four Kicks, Be Somebody, Use Somebody, Crawl, Black Thumbnail, Sex on Fire

Nach Mando Diao mal wieder rüber zur Alternastage, wo gerade die Queens of the Stone Age das Publikum rockten. Und das vor dem Headliner auf der Alternastage, nämlich den Nine Inch Nails, die um 01:15 Uhr zu später Stunde die Bühne betraten. Und man fragte sich, was mit den eher düsteren Musikern los ist. Erst der gut gelaunte Tom Smith, nun gar ein Trent Reznor, der das Publikum animiert… Aber es stand ihm gut. Wie auch das Set, das er mit seiner Band spielte. Immer wieder durchsetzt mit Stücken des neuen Werks Hesitation Marks, brachte er viele Hits, wie das umjubelte March of the Pigs oder auch Closer. Zum Schluss ging es gar noch einmal zurück bis zur Pretty Hate Machine, die mit Head Like a Hole gewürdigt wurde. Mit Hurt und extremem Gänsehaut-Faktor konnte man dann gut in die Nacht gehen und wusste: Man hat hier gerade einen ganz großen Auftritt erleben dürfen!

Setlist: Copy of A, 1.000.000, March of the Pigs, Piggy, Reptile, Gave Up, Sanctified, Closer, Find My Way, Disappointed, Came Back Haunted, The Great Destroyer, Wish, The Hand That Feeds, Head Like a Hole
Zugabe: Hurt

Samstag

Neuer Tag, neue Bands, neue Höchsttemperaturen. Die 257ers begannen um 15:00 Uhr mit ihrem HipHop und leichtem Trash-Anteil, der es aber ebengerade auch ist, der die Band ausmacht. 40 Minuten HipHop, der auch zeigte, dass Selbstironie eine nützliche Angelegenheit sein kann. Ein guter Start in den Tag!

Setlist: Go Ninja, Scheissegal, Lisa, Medley, Pass mal die Seife, Auseinanda, Über alle Berge, Baby du riechst, Abgehn!

Längst kein Geheimtipp mehr und nicht umsonst auf der ganz großen Bühne: The Pretty Reckless aus New York, die hier druckvollen Alternative Rock amerikanischer Prägung spielten. Die charismatische Frontfrau Taylor Momsen verstand es gut, mit ihrer Band das Publikum mitzureißen und mit ihm zu feiern. Bis hin zum großen Finale mit Fucked Up World leistete man sich keine Schwachstelle, sondern gab stattdessen einen schwer gelungenen Auftritt.

Setlist: Follow Me Down, Since You’re Gone, Sweet Things, Cold Blooded, Heaven Knows, Going to Hell, Fucked Up World

Auch danach lohnt es sich, bei der Centerstage zu bleiben: Ricky Wilson, Sänger der Kaiser Chiefs, hatte mächtig Spaß und nahm sowohl die Kameras und damit die Zuschauer vor dem heimischen Fernsehgeräten wie auch die Meute vor der Hauptbühnne mit seiner Energie-geladenen Show mit. Zwischen all den La Olas, die Wilson durch Sprints von der einen Bühnenseite zur anderen dirigierte, spielten die Chiefs ein Best Of-Programm, das mit Nummern wie Ruby, I Predict a Riot, The Angry Mob oder dem finalen Oh My God perfekt unterhielt.

Setlist: Everyday I Love You Less and Less, Never Miss a Beat, Bows & Arrows, Coming Home, Ruby, I Predict a Riot, Misery Company, The Angry Mob, Oh My God

Gefolgt wurden die Kaiser Chiefs von einem Alligatoah. Der Rapper aus Bremerhaven ist dafür bekannt, dass er gern sein eigenes Süppchen kocht und das tat er, mit einem überdimensionalen Kochtopf, einem mitrappenden Butler und Nummern, die vor Ironie nur so strotzten, wie das köstliche Trauerfeier Lied oder Willst Du. Kurzum: ein Alligatoah mit Biss.

Setlist: Narben, Wer weiß, Amnesie, Mein Gott hat den Längsten, Fick ihn doch, Namen machen, Trostpreis, Trauerfeier Lied, Es ist noch Suppe da, Willst Du

Auf der Clubstage folgte eine Band, die einem leidtun konnte. Teesy traten an und hatten eine Zuschauerschaft von knapp dreistelliger Größe. Aber sie zeigten sich dennoch spielfreudig und wiesen daraufhin, dass Musik verbindet – gerade auf einem solchen Festival – und dass es dabei nicht nur auf die Zuschauerzahl ankommt. Im feinen Zwirn mit ihrer Mischung aus R’n’B und Rap konnten zumindest die wenigen, die dort waren, zurecht begeistert werden. Glücksrad, Generation Maybe oder auch Keine Rosen: Sie alle wussten, auf das für Ende August angekündigte Debüt-Album Glücksrezepte neugierig zu machen.

Setlist: Der Anfang, FC Fernweh, Glücksrad, Mein Job, Dieses Haus, Dein Weg, Generation Maybe, Rom & Paris, Keine Rosen, Sturmgewehr, Unendlichkeit

Die folgenden We Are Scientists hatten da schon einen deutlich besseren Publikumszuspruch und konnten mit Stücken aus ihrem neuen Album TV en Français und vielen weiteren Stücken ihrer bisherigen fünf Alben gut rocken. Indie-Rock, wie er im Buche steht – dafür stehen We Are Scientists. Das Publikum war berechtigterweise verzückt.

Setlist: Dinosaurs, Dumb Luck, Nobody Move, Nobody Get Hurt, Chick Lit, Sprinkles, Lousy Reputation, I Don’t Bite, Make It Easy, Slow Down, The Great Escape, After Hours

Auf der Centerstage spielten fast zeitgleich zu We Are Scientists die Amerikaner von Fall Out Boy, die bisher oft den Eindruck hinterließen, ein rein amerikanisches Phänomen zu sein. Dass es auch in Deutschland gut funktionieren kann, bewiesen die Alternative Rocker bei ihrer Hauptbühnen-Premiere und sorgten mit ihren Hits und allerlei launigen Gimmicks für beste Unterhaltung.

Setlist: The Phoenix, I Slept with Someone in Fall Out Boy and All I Got Was This Stupid Song Written About Me, A Little Less Sixteen Candles a Little More „Touch Me“, This Ain’t a Scene It’s an Arms Race, Alone Together, Thriller, Death Valley, Beat It (Michael Jackson Cover), Sugar We’re Goin Down, Young Volcanoes, Dance Dance, Just One Yesterday, I Don’t Care, My Songs Know What You Did in the Dark (Light ‚Em Up), Thnks fr th Mmrs, Saturday

Weiter im Programm ging es mit einem Urgestein: Die Fantastischen Vier waren dran und begeisterten die inzwischen extrem groß gewordene Menschenmenge vor der Bühne. Eine gut zusammengestellte Best Of-Setlist überzeugte von vorne bis hinten, überzeugte Groß und Klein. Apropos „Klein“: Selbst alte Stücke wie Der Picknicker oder auch Sie ist weg wurden vom Publikum gefeiert, auch wenn viele dabei waren, die die Stücke einst gar nicht mit erlebten. Die Stücke der Fantastischen Vier werden offenbar immer und immer wieder vererbt. Eine unkaputtbare Band, die bei dem, was sie macht, auch nach so vielen Jahren nicht peinlich wirkt. Gerne wieder!

Setlist: Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten), Der Picknicker, Danke, Sie ist weg, Das Spiel ist aus, Smudo in Zukunft, Krieger, Yeah Yeah Yeah, MfG, Was geht
Einfach Sein, Ernten was wir säen
Zugabe: 25, Troy, Tag am Meer

Auf der Centerstage versuchen Linkin’ Park vermeintlich, einen neuen Record in Sachen Setlisten-Füllung aufzustellen, denn dort wurde viel kombiniert, ineinander übergeblendet, aber damit auch vollends überzeugt. Linkin‘ Park sind schließlich längst Superstars und präsentieren sich inzwischen auch entsprechend. Ein weiterer Auftritt ohne größere Überraschungen, dafür aber mit dem, was die Zuschauer erwarten.

Setlist: The Catalyst / The Requiem, Guilty All the Same, Given Up, Points of Authority, One Step Closer, Blackout, Papercut, With You, Runaway, Wastelands, Castle of Glass, Leave Out All the Rest / Shadow of the Day / Iridescent, Act III, Robot Boy, Joe Hahn Solo, Burn It Down, Waiting for the End, Wretches and Kings / Remember the Name / Hands Held High, Numb, In the End, Faint
Zugabe: Until It’s Gone, A Light That Never Comes, Lost in the Echo, Crawling, New Divide, What I’ve Done, Bleed It Out (+ The Catalyst Refrain)

Trotz der übermächtigen Konkurrenz auf der Centerstage, trat Example auf der Clubstage an, um vor einem recht ansehnlichen Publikum eine Party zu feiern. Mit elektronischen Klängen und einer ordentlichen Wucht dahinter, fand sich im Publikum schnell der Konsens. Es war schön anzusehen, wie hier über tausend Leute friedlich tanzen und kollektiv ausrasten, während Example auf der Bühne alles gibt. Mit Stücken der bisherigen Alben und auch bereits neuen Stücken des bald erscheinenden Albums Live Life Living begeisterte er und schaffte es, ein bunt gemischtes Publikum zusammenzubringen. Definitiv ein Gewinner des diesjährigen Festivals.

Setlist: We’ll Be Coming Back Again, Say Nothing, Watch the Sun Come Up, All The Wrong Places, Perfect Replacement, Won’t Go Quietly, Take Me As I Am, Stay Awake, Kickstarts, Stay With Me, Natural Disaster, Changed the Way You Kiss Me

Ein ganz anderes Bild hingegen zeigte indes die Alternastage, auf der Slayer alles gaben und ein Thrash-Gewitter der Sonderklasse einläuteten. Klar, man braucht für die Musik dieser Metal-Legende eine gewisse Ader dafür. Hat man diese gefunden, kann man nur erstaunt zugucken, wie mit aller Härte schnelle Metal-Nummern auf einen losgelassen werden. Natürlich fehlen da auch Klassiker wie Raining Blood nicht. Mit Angel of Death ging dann ein beeindruckender Auftritt zu Ende.

Setlist: World Painted Blood, Hate Worldwide, Necrophiliac, Mandatory Suicide, Captor of Sin, War Ensemble, Disciple, Seasons in the Abyss, Hallowed Point, Dead Skin Mask, Raining Blood, Black Magic, South of Heaven, Angel of Death

Als Late Night Special standen zu später Stunde noch Jan Delay & Disko No. 1 auf der Alternastage. Auch wenn sein neues Album einige rockigere Elemente enthält, davon war hier nicht viel zu merken. Mit einer ungeheuren Hitdichte, egal ob von Jan Delay, den Absoluten Beginnern oder anderen wie den Red Hot Chili Peppers unterhielt Jan Delay außerordentlich gut und sorgte mit markigen Sprüchen für viel Spaß bis in die frühen Morgenstunden.

Setlist: Liebe, Wacken, Türlich, Türlich / Word Up, Fick, Chili Peppers Medley (mit „Füchse“ und „Fäule“), B-Seite, Nicht eingeladen, Action / Raveheart, Die Sonne die scheint / Paradise City, Hertz 4, Feuer, Dicke Kinder, Oh Jonny, Disko, Freeze, Vergiftet / Song II
Zugabe: Klar, St. Pauli

Sonntag

Schon zu früher Stunde lohnte sich der Gang zur Clubstage, denn Radkey spielten auf. Die jungen Herren zeigten direkt, dass sie den Garagen-Rock offenbar inhaliert haben. Mit einem harten Touch, dennoch eingängig und einer angemessenen Rauheit rockten sie sich durch ihr halbstündiges Set, das genau wie ihre Stücke direkt ohne Umwege auf den Punkt kam.

Setlist: Out Here In My Head, Le Song, Evil Doer, Feed My Brain, Cat & Mouse, Red Letter, N.I.G.G.A. (Not Okay), Romance Dawn

Auch die Alternastage bot zu früher Stunde schon so einiges. Nessi aus Berlin zum Beispiel. Die charismatische junge Dame betörte mit ihrer ruhigen Art und verzauberndem Songwriting, sodass man sich ideal in den Stücken verlieren konnte, bevor man nach einer halben Stunde dann wieder in die Realität geholt wurde.

Setlist: Paperboats, Just a Aine, Alone, Invisible, Hush Hush, You, And I Fall

In der erneut gleißenden Sonne wurde es nun laut und wild: Triggerfinger waren an der Reihe und konnten sich einer gewachsenen Fanbase erfreuen. Die drei Belgier eröffneten direkt mit Game vom neuen Album By Absence Of The Sun und zeigten, wo der Hammer hängt. Laute Rock-Klänge mit Blues-Inspiration gab es 40 Minuten lang, wobei auch der Mut zu bewundern ist, eine epische Nummer wie My Baby’s Got a Gun, das minutenlang auf dem selben Riff reitet, in ein Festival-Set zu übernehmen. Der Plan ging auf und Triggerfinger verbreiteten bis zum Schluss mit Is It gute Laune. I Follow Rivers? Fehlanzeige. Aus Zeitgründen nicht dabei. Man hatte aber auch nicht den Eindruck, als ware es besonders vermisst worden. Ein sehr starker Auftritt der Band!

Setlist: Game, By Absence Of The Sun, On My Knees, Perfect Match, My Baby’s Got a Gun, All This Dancin‘ Around, Is It

Es lohnt sich, weiter vor der Alternastage zu verharren, denn Maximo Park sollten folgen. Sänger besticht nicht nur durch seine Deutschkenntnisse, er ist auch einer der Sänger, die bei 30 Grad auch immer noch wie aus dem Ei gepellt aussehen. Die Nummern von Maximo Park funktionieren immer und überall. Egal, ob sie Apply Some Pressure, Books from Boxes oder Girls Who Play Guitars heißen.

Setlist: Give Get Take, Our Velocity, The National Health, Graffiti, My Bloody Mind, Leave This Island, Books from Boxes, Write This Down, The Undercurrents, Girls Who Play Guitars, Midnight on the Hill, Apply Some Pressure

Apropos „Girls Who Play Guitars“: Die drei Schwestern von Haim, die mit Falling und Oh Well, einem grandiosen Cover der uralten Fleetwood Mac zeigten, dass man auch mit kleinem Besteck einen tollen Auftritt hinlegen kann.

Setlist: Falling, If I Could Change Your Mind, Oh Well, Honey & I, My Song 5, Forever, The Wire, Let Me Go

Es folgte ein Auftritt unter dem Motto „die gibt’s noch?”. Tatsächlich ist dies die Reaktion eines Großteils der Menschen, denen man erzählt, dass man Crazytown sieht und/oder gesehen hat. Wie gut die Band hängengeblieben ist bei den Leuten, zeigte der extrem gute Füllstand vor der Clubstage. Ein Hauch von 90er umwehte die Show, aber eins war klar: Crazytown sind hervorragend in Form und kombinieren Spaß und Können in ihrer NuMetal-Show. Natürlich wurde dabei auch dem 2000 verstorbenen DJ Adam Goldstein gedacht, während die Show direkt auf die Zwölf ging. Toxic als bekannter Kracher, als Rausschmeißer der einstige Megahit Butterfly. Willkommen zurück im Geschäft, Crazytown!

Setlist: Battle Cry, Darkside, Decorated, DJ Set, Lemonface, Toxic, Back Pack, Come Inside, Change, Ashes, Butterfly

Auf der Alternastage fingen indes Milky Chance an, während man auf der Centerstage weiterhin das volle Auf-die-Zwölf-Programm fuhr. Zunächst mit den aus Creed und The Mayfield Four entstandenen Alter Bridge, die Rocksongs der härteren Kategorie präsentierten, anschließend mit Avenged Sevenfold, die auf der Centerstage die Freunde der Musik der härteren Gangart mit ihren Klängen begeisterten.

Es lohnt dann aber auch ein erneuter Blick auf die Alternastage, denn mit den Babyshambles trat ein Act auf, der immer ein gewisses Risiko birgt, schwebt doch immer die Frage im Raum: Wie besoffen ist Pete Doherty? Dabei kann der Mann ja nicht nur trinken, sondern auch Musik machen. Und das sogar ziemlich gut – um den Bogen wieder zu kriegen: auch in jedem Zustand. War er am Anfang noch recht präsentabel, so fragte man sich später, was in seinem Spezial-Cocktail drin war, der sehr schnell zu schwer deutbaren Ansagen führte. Dennoch präsentierte sich Doherty mit den Babyshambles hier vor allem als begnadeter Musiker, Stücke wie Delivery, Beg Steal or Borrow, Sedative und das abschließende Fuck Forever zeigten vor allem eine sehr gute Indie-Band!

Setlist: Delivery, Nothing Comes To Nothing, Seven Shades, Beg Steal or Borrow, Baddie’s Boogie, I Wish, Killamangiro, Penguins, Fireman, Maybelline, Sedative, 8 Dead Boys, Pipedown, Fuck Forever

Als letzte Band auf der Centerstage dann Metallica, zu denen man wohl kaum noch ein Wort verlieren muss. Über zwei Stunden Spielzeit billigte man ihnen zu und ihr Set bestehend aus sehr vielen alten Nummern wie Master of Puppets und One zündete, wie zu erwarten war. Natürlich: Metallica sind eine Legende, ihre Verdienste sind unbestritten. Was ein wenig aufstieß, war die „By Request“-Geschichte, denn eine Band wie Metallica sollte es eigentlich nicht nötig haben, ihre Fans per kostenpflichtiger SMS für Stücke voten zu lassen und somit zum einen den Fans ans Geld zu gehen und zum anderen zum Dienstleister zu werden. Aber die Fans machen mit. Und fernab von jedwedem Marketing-Denken lieferten Metallica die perfekte Show, bis hin zur letzten Zugabe Seek & Destroy.

Setlist: The Ecstasy of Gold (Intro, Ennio Morricone Song), Battery, Master of Puppets, Welcome Home (Sanitarium), Ride the Lightning, The Unforgiven, Creeping Death, Lords of Summer, Sad but True, Fade to Black, Fuel, One, For Whom the Bell Tolls, Whiskey in the Jar (Thin Lizzy Cover), Nothing Else Matters, Enter Sandman
Zugabe: St. Anger, …And Justice for All, Seek & Destroy

Für einen würdigen und gelungenen Abschied des Rock am Ring-Festivals am Nürburgring sorgte dann Marteria mit einer tollen Show, in der er nicht nur sein Alter Ego Marsimoto vorstellte, sondern auch mit Casper und dem Mann, der mit dem Nürburgring genauso verbunden ist wie Cheforganisator Marek Lieberberg, nämlich Toten Hosen-Sänger Campino, sang. Ob Campino mit dem Satz „Da wo Marek Lieberberg und seine Familie sind, da ist Rock am Ring. Und da wo Rock am Ring ist, da sind die Toten Hosen“ nicht schon, eine Bewerbung für das nächste Rock am Ring Festival im kommenden Jahr abgegeben hat?

Setlist: Intro, OMG!, Pionier, Endboss, Bruce Wayne, Marteria Girl, Alles verboten (mit Casper), Kids (2 Finger an den Kopf), Bengalische Tiger, Lila Wolken, Grüner Samt (als Marsimoto), Ich Bin Dein Vater (als Marsimoto), Grünes Haus (als Marsimoto), Auszeit (als Marsimoto), Verstrahlt, Die Nacht ist mit mir (mit Campino), Feuer, Welt der Wunder
Zugabe: Crash Dein Sound, Die letzten 20 Sekunden (Kid Simius Cover)

Dann war es auch schon vorbei. Ein kurzweiliges Rock am Ring, das sich über vier Tage erstreckte und dem alten Standort ein würdiges Ende bescherte! Augenringe? Schwere Beine? Ganz egal, denn man hat ein grandioses Festival mit einer Menge Highlights erlebt!

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Homepage: www.rock-am-ring.de

Text: Dennis Kresse (Cro, The Fratellis, Portugal. The Man, Gogol Bordello, Kings of Leon, Kaiser Chiefs, Alligatoah, Fall Out Boy, Jan Delay & Disko No. 1, Maximo Park, Haim, Marteria), Marius Meyer (Rest)
Bild: Marek Lieberberg Konzertagentur