Als es am späten Freitagabend blitzte, donnerte und dicke Tropfen vom Himmel fielen, ließen sich ein paar hundert Festivalbesucher vor der Hauptbühne nichts anmerken. Im Gegenteil: Sie empfingen den Regen mit Jubel und tanzten munter weiter. Sie signalisierten, dass ihnen auch das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen konnte. Von Donnerstag bis Samstag fand in Elend bei Sorge, an der Grenze von Sachsen-Anhalt und Niedersachen, das sechste Rocken am Brocken statt. Studenten der Hochschule Wernigerode begründeten das Festival 2007. In den letzten Jahren stieg die Bekanntheit der Veranstaltung immer weiter an. Die Besucher des Festivals kommen mittlerweile aus ganz Deutschland und sogar aus Nachbarländern wie der Schweiz in den Harz.

Seit der Premiere 2007 hat sich auch das Festival an sich gewandelt. Nachdem es in den letzten Jahren neben der Haupt- auch schon eine Zeltbühne gab, kamen am vergangenen Wochenende auch noch die „Hexenhütte“ und der „Zauberwald“ dazu. Hier legten durchweg DJs auf, während auf den zwei größeren Bühnen Live-Bands spielten. Das Festivalgelände wurde durch die Erneuerungen umgestaltet und ausgeweitet.

Das Programm begann, anders als bei den letzten Jahren, bereits am Donnerstagabend auf der Zeltbühne. Vor allem die Engländer von Young Rebel Set bescherten den bereits zahlreich erschienenen Besuchern einen guten Start ins Festivalwochenende.

Am Freitagvormittag füllte sich der Zeltplatz bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von durchweg über 30 Grad stetig. Viele Brockenrocker verbrachten den ersten Teil des Tages im Elender Waldbad, in dem das 19 Grad kalte Wasser für Abkühlung sorgte. Auf der Bühne sorgte die schottische Band We Were Promised Jetpacks mit ihrem Auftritt für den ersten Höhepunkt des Abends. Das Quartett überzeugte mit einer Mischung aus tanzbaren Indie- und kraftvollen Punksongs.

Das junge deutsche Quartett Vierkanttretlager schloss sich mit einer ebenfalls energiegeladenen Show an und spielte die Songs seines Debüts Die Natur greift an.

Pünktlich zum Headliner des Abends, den Skandinaviern Kakkmaddafakka setzte schließlich der Regen ein. Die Band musste ihren Auftritt frühzeitig beenden, ohne ihren größten Hit Restless gespielt zu haben. Der Regen sorgte wohl dafür, dass viele Menschen den Abend in ihren Zelten ausklingen ließen, statt den wunderbaren Auftritt von I Heart Sharks anzuschauen, die den Festivalfreitag abschlossen. Mit ihrem Song Summer und der Textzeile „Let’s just pretend it’s summer“ lieferte das Trio so etwas wie das Motto des Wochenendes.

Am Samstag blieben die Menschen in Elend weitestgehend vom Regen verschont. Die norddeutsche Punkband Frau Potz lieferte bereits am Nachmittag einen glänzenden Auftritt. Die Songs des Debüts Lehnt dankend ab klangen live noch stärker als auf dem Album. Sänger Felix schrie sich die Seele aus Leib. Melodischer ging es im Zelt bei Fuck Art, Let’s Dance! zu. Das Hamburger Trio vom Label Audiolith spielte zuckersüßen Indiepop.

Im Anschluss stand wieder Punkrock auf dem Programm: Anti-Flag lieferten eine Rockshow, wie sie im Buche steht mit Sprüngen in die Luft, Publikumsanimationen und Ausflügen in den Zuschauerraum. Beim letzten Song traute sich sogar Drummer Patrick Bollinger mit seinem Schlagzeug in die Menge. Er spielte in der ersten Reihe, von Fans eingekreist.

Am späteren Abend hatten dann nicht nur die vielen Zuschauer vor der Hauptbühne ihren Spaß. Auch für die Veranstalter erfüllte sich mit dem Auftritt der deutschen Rocker Madsen ein großer Traum. „Das Team wünscht sich seit dem ersten Jahr, dass diese Band hier spielt“, verrieten die Organisatoren. Die Familienband spielte Klassiker wie Du schreibst Geschichte und Nachtbaden, bei denen jeder mitsingen konnte. Aber auch neue Songs vom bald erscheinenden Album Wo es beginnt standen auf der Setlist und wurden vom Publikum gut aufgenommen.

Madsen waren für die meisten Brockenrocker wohl der große Höhepunkt des Wochenendes. Allerdings ging die Party nach dem Konzert der Gruppe aus dem Wendeland noch weiter. Die Dauerbrenner von Schluck den Druck, die jedes Jahr wieder nach Elend kommen, durften als letzte Band des Wochenendes auf der Hauptbühne spielen, bevor das Friska Viljor DJ-Team im Zelt bis in die frühen Morgenstunden Musik auflegte.

Das sechste Rocken am Brocken litt zwar etwas unter dem Wetter, machte den meisten Besuchern aber dennoch viel Spaß. Das ausgelassene Tanzen vor den Bühnen war der beste Beweis hierfür.

Text und Bilder: Martin Zenge