Vom 15. – 17.08.2014 fand die zweite Auflage des Rock’n‘Heim Festivals am Hockenheimring statt. Circa 35.000 Besucher strömten an den Hockenheimring, um sich dieses musikalische Highlight nicht entgehen zu lassen. Nachdem für viele deutsche Festivalfans die jährliche Festivalsause oft mit Rock am Ring im Juni beginnt, wollte die Marek Lieberberg Konzertagentur auch zum Ende der Festivalsaison noch einmal einen musikalischen Höhepunkt präsentieren. Bei der zweiten Auflage dieses neuen Festivals zeigte sich, dass man generell nur hoffen kann, dass es dieses tolle Festival noch viele weitere Jahre geben wird. Neben großartigen Auftritten von namhaften Künstlern wie Placebo, den Beatsteaks oder The Prodigy sorgten besonders Größen aus der Electronic Dance Music Szene für begeisternde tanzende Massen und offene, staunende Münder.

Der Hockenheimring eignet sich als Festivalstandort sehr gut, sind die Wege auf dem Gelände doch recht kurz und die Sicht auf die Bühnen ist aus jeder Lage grandios. Auch der Sound der beiden Hauptbühnen überzeugte das gesamte Wochenende über. Das attraktive Angebot aus verschiedenen Campingmöglichkeiten wurde von den Festivalbesuchern zwar zunächst argwöhnisch aufgenommen, während des Festivals waren die meisten aber dann zufrieden. Green Campingflächen bei Festivals scheinen immer beliebter zu werden, was auf jeden Fall eine positive Entwicklung darstellt, wird doch die Umwelt weniger belastet und das Argument, dass dort nicht weniger gute Atmosphäre und Partystimmung herrsche, wurde beim Rock‘n‘Heim Festival 2014 gekonnt widerlegt.

Freitag

Der Freitag begann mit einem rockigen Set von Airbourne, die wieder einmal zeigten, warum sie eine tolle Liveband sind und mit zu den besten Einheizern an Festivalnachmittagen gehören. Schon zu früher Stunde war die Stimmung ausgelassen und schon viele Besucher strömten auf das Gelände. Darauf folgten die Donots, die direkt ein Highlight darstellten und eine gut gelaunte Show boten. Sänger Ingo Knollmann forderte die Fotografen im Bühnengraben dazu auf, auf die Bühne zu kommen und zu tanzen. Außerdem setzten die Donots mit ihrem neusten Song Das Neue bleibt beim Alten ein starkes Zeichen gegen rechts.

Danach direkt rüber zur Revolution Stage um das verrückte Set von Die Antwoord zu feiern. Man weiß wirklich nicht, wer von den Mitgliedern dieser südafrikanischen Rap-Rave-Band verrückter ist. Die aufwendige Show aus verschiedenen Outfits und einer Menge Bühnenspektakel und die abgedrehte Musik passten perfekt in den Nachmittag und boten eins der ersten elektronischen Ausrufezeichen an diesem Wochenende. Auf der Evolution Stage begannen nun Billy Talent, welche viel Spaß auf der Bühne zeigten und auch einen Song zu Ehren des kürzlich verstorbenen Schauspieler Robin Williams spielten. Elektronisch ging es auf der anderen Bühne mit Parov Stelar weiter. Dieser DJ, der mit seiner kompletten Band inklusive der Sängerin Lilja Bloom, welche auch die Ehefrau von Parov Stelar ist, auftrat überzeugte mit einer Mischung aus Jazz und Elektroswing.

Nun begann es langsam schon dunkler zu werden und damit war die Bühne frei für die Beatsteaks aus Berlin! Merkte man den Berlinern anfangs noch an, dass sie über einen längeren Zeitraum keine Festivals mehr gespielt hatten, so überzeugten sie zum Ende hin mit der großen Fülle an Hits, die sie mittlerweile hervorgebracht haben und mit I Don’t Care As Long As You Sing wurde dem Konzert ein krönender Abschluss gesetzt. Sänger Arnim Teutoburg-Weiß reagierte nach dem etwas holprigen Start auch gleich mit Ansagen wie: „Wollt ihr schlechte Ansagen und gute Musik?“. Nachdem das Programm auf der Evolutionstage für den ersten Festivaltag abgeschlossen war, ging es auf der schräg gegenüber platzierten Revolutionstage mit HipHop aus Atlanta weiter, nämlich mit den Jungs von Outkast. Das Set zog sich etwas in die Länge, doch gerade bei den Hits wie Ms. Jackson oder Hey Ya! gab es im Publikum kein Halten mehr. Schließlich warteten viele Festivalbesucher noch auf den finalen Auftritt von deadmau5, der sich mit seinem aufgesetzten Mauskopf hinter einem riesigen DJ Pult versteckte und eine sehr aufwendige Lichtshow auffuhr.

Samstag

Nachdem sich das Wetter schon an den Vortagen nicht gerade von seiner besten Seite gezeigt hatte, es aber glücklicherweise dennoch während des Festivalprogramms recht trocken blieb, mussten die Besucher am Samstagmittag während der Architects-Show, die ersten Regentropfen hinnehmen. Davon lässt man sich glücklicherweise auf Festivals aber nicht stören und auch die Band spielte ein energiegeladenes Set und präsentierte besonders viele Hits aus dem 2014 erschienenen Album Lost Forever // Lost Together. Auf der Evolutionstage ging es dann direkt weiter mit den Broilers, die sich spielfreudig wie eh und je zeigten und viele Hits auspackten. Zu dieser Uhrzeit füllte sich das Gelände verständlicherweise auch immer mehr, denn als Nächstes folgte der Auftritt von Korn. Es gibt viele Kritiker, die bemängeln, dass die Metalband aus Kalifornien viel zu oft tourt und viel zu häufig auf Festivals gebucht wird und sich dringend eine Auszeit nehmen sollte. Ich kann dieser Aussage nur deutlich widersprechen, sind die Jungs doch auf der Bühne immer noch tatkräftig bei der Sache und schaffen es alle Leute mitzureißen und für ihre Musik zu begeistern. Zudem war das letzte erschienene Album auch wieder grandios und sollte viele Metalfans, die nach dem Dubsteprelease The Path Of Totality abgeschreckt waren, ruhig stellen. Highlights der Setlist waren das Cover des Pink Floyd-Hits Another Brick In The Wall und Blind als Zugabe.

Mit Skrillex wurde am Samstag der elektronische Teil auf der Hauptbühne eingeleitet. Hier blieb kein Stein auf dem Anderen, überall tanzten Menschen und feierten den EDM-Superstar. Toll anzusehen war auch die musikalische Offenheit, die das Rock N Heim Publikum hier zeigte. Überall sah man Menschen mit Metalcore- und Hardcoreshirts oder sogar Wacken-Fans und Kuttenträger tanzen, die sich sehr über das Set des US-amerikanischen DJs freuten und ausgelassen feierten. Auch der klare und deutliche Sound und die angenehme Lautstärke fielen besonders bei Skrillex, aber eigentlich am gesamten Wochenende, auf. Wer keine Lust auf Skrillex hatte, dem wurde ein hochwertiger nationaler Act auf der Revolutionstage präsentiert: Alligatoah. Die Show des Rappers ist wohl einzigartig in seinem Genre und da die Texte schon das gesamte Jahr über in aller Munde sind, herrschte eine ausgelassene Stimmung. Zedd, der nach Alligatoah auf der Revolutionstage auftrat, knüpfte dort an, wo Skrillex aufgehört hatte und spielte viele Hits, wie Animals von Martin Garrix und einen Remix von A Sky Full Of Stars von Coldplay.

Nun folgte einer der umstrittensten Acts des Festivals: Jan Delay. Von vielen für seine Art geliebt, von vielen gerade dafür gehasst, kann man bei Liveauftritten allerdings immer vollen Einsatz und eine geballte Ladung Energie erwarten. Und Jan Delay blieb mit seiner Disko No. 1 nicht hinter den Erwartungen zurück. Das Tanzbein wurde trotz den ersten Erschöpfungsanzeichen der vorherigen Elektroacts geschwungen und getanzt bis zum Umfallen. Es gibt nicht viele Künstler, die Ansagen wie „Habt ihr Bock N Heim?“ machen können ohne dabei extrem lächerlich zu wirken, doch Jan Delay versprüht einfach so einen Witz und wirkt auf der Bühne so souverän, dass er sich sogar solche Sprüche leisten kann. Wer nun immer noch Ausdauer besaß, wartete noch auf den Tagesabschluss mit Fritz Kalkbrenner, viele Besucher verließen das Gelände allerdings erschöpft Richtung Zeltplatz.

Sonntag

Der Sonntag und damit der letzte Festivaltag begann schon am frühen Mittag mit Heisskalt, die den Becks Truck rockten und sich schon mit ihrem ersten Album eine große Fangemeinde erspielen. Sänger Mathias Bloech stürzte sich auch gleich in die Menge und es herrschte schon große Bewegung vor der kleinen Bühne, was natürlich besonders zu dem Song Bewegungsdrang passte.

Die Hauptbühne wurde kurz darauf zum ersten Mal für diesen Tag, von der Indierockband Cage The Elephant, bespielt. Während das Gelände noch relativ leer war zu diesem Zeitpunkt schafften es die danach spielenden A Day To Remember plötzlich extrem viele Menschen anzulocken. Die Band polarisiert ja nun auch schon seit einigen Jahren und findet immer mehr Anklang. Für eine Nachmittagsband wurde auch eine große Show mit Konfetti, Luftschlangen und einem Crewmitglied, welches Gratis-T-Shirts in die Menge schoss, geboten. Musikalisch hat man schon stärkere Auftritte von den Jungs aus Florida gesehen, aber A Day To Remember machten ihrer Rolle als Nachmittagseinheizer beim Rock‘n‘Heim Festival 2014 alle Ehre.

Gleich nach Post-Hardcore sollte nun der ruhige Teil des Abends eingeleitet werden mit den Imagine Dragons. Diese Band ist wohl an niemandem, der sich in den letzten Jahren für Musik interessiert hat, vorbeigegangen. Wertvolle Auszeichnungen, wie ein Grammy für die Single Radioactive oder den American Music Award in der Kategorie „beste Alternative-Künstler“, sowie der Hype um das kommerziell erfolgreiche Debütalbum Night Visions, ausverkaufte Tourneen und große Slots auf amerikanischen Festivals, diese Band ist von 0 auf 100 durchgestartet und bricht einen Rekord nach dem anderen. Schön ist es natürlich dann auch zu sehen, dass die Band trotz mittlerweile riesiger Gagen in den Vereinigten Staaten immer noch auf dem Boden geblieben ist und sich sehr publikumsnah zeigt. Sänger Dan Reynolds bedankte sich mehrmals bei den Fans, die auch in Deutschland Grundstein des Erfolgs der Band seien. Musikalisch standen besonders die vielen Trommel- und Percussioneinlagen im Fokus der Show.

Währenddessen feierten viele Fans auf der Revolution Stage mit den 257ers eine riesige Party. Im Anschluss begannen Placebo ihr Set auf der Evolution Stage und machten sowohl Fans der alten Hits, wie Every You Every Me, Song To Say Goodbye oder Meds glücklich, als auch Anhänger des neusten Albums mit Stücken wie A Million Little Pieces oder Too Many Friends. Besonders der geniale Gesang von Brian Molko, und vor allem eher weniger dessen Frisur, stand hier im Vordergrund.

Am letzten Tag wurde nochmal ein Highlight nach dem anderen präsentiert, man wandelte ständig von Bühne zu Bühne um nichts Sehenswertes zu verpassen. So ging es also nach Placebo wieder rüber zur Revolution Stage zur Jubiläumsparty der Fantastischen Vier und kurz danach wieder zur Evolution Stage, um den größten Abriss des Wochenendes mit dem Elektro-Spaß-Trio The Prodigy zu beobachten. Diese beendeten ihr Set mit einem ihrer bekanntesten Hits, nämlich Take Me To The Hospital. Hier wurde quasi der vom Regen aufgeweichte Boden und von 35.000 Fans seit drei Tagen plattgetretene Dreck komplett aufgewühlt und die Fläche von tausenden Tanzenden umgegraben. Aber damit sollte es noch nicht genug sein, Deichkind sorgten für den letzten Höhepunkt des diesjährigen Festivals und gaben nochmal Vollgas auf der Bühne. Außerdem kündigten sie an im Jahre 2015 ein neues Album zu veröffentlichen und das der Auftritt auf dem Rock’n‘Heim Festival 2014 der letzte mit ihrer aktuellen Bühnenshow gewesen sei.

Abschließend bleiben viele müde aber glückliche Festivalfans zurück, die ein ereignisreiches Wochenende erlebten mit großartigen Bands und einer tollen Atmosphäre auf dem Hockenheimring. Schon jetzt kann man sich auf die nächste Auflage freuen: 2015 findet das Festival vom 14-16.8. wieder am Hockenheimring statt und schon jetzt kann man sich die ersten Early-Bird-Tickets für 105€ sichern.

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Text: Melvin Damian Klein
Bilder: Pressefreigabe (Marek Lieberberg Konzertagentur)