Und schon wieder ist es soweit: Das mittlerweile 17. Splash! Festival in Ferropolis, der Stadt aus Eisen, in Gräfenhainichen bei Dessau ist Geschichte. Mit einer Unwetterwarnung gings los – stattdessen gab es das ganze Wochenende, bis auf einen einmaligen kurzen Regenschauer, Sonne satt. Das hob die ohnehin schon grandiose Stimmung der rund 20.000 Festivalbesucher natürlich nochmal besonders an.

Am Donnerstag wurde das Splash! mit der mittlerweile berühmten Pre-Party eröffnet. Darun-ter befanden sich Acts wie Pimf, Zugezogen Maskulin und das Genetikk DJ-Team.

Am Freitag eröffnete der 17-jährige Sierra Kidd die Mainstage und präsentierte sein Debütalbum Nirgendwer, mit dem er auch glatt in die Top 10 einstieg. Trotz des noch recht leeren Festivalgeländes war es vor der Mainstage gut gefüllt. Kurz danach gab sich Olson die Ehre auf der Mainstage weiter zu machen. Wer aber was aus dem Hause TDE (unter anderem das Lable von Kendrik Lamar und Schoolboy Q) geben wollte war auf der etwas kleineren Desperados Aruba Stage genau richtig: Isaiah Rashad über-zeugte mit chilligen Beats von seinem Album Cilvia Demo. Der absolute Höhe-punkt seines Auftritts war der Song Shot you down, den er abschließend performte. Am Ende gab sich Isaiah Rashad publikumsnah und badete nach seinem letzten Song in der Menge.
Weiter ging es mit einem amerikanischen Highlight: Chance the Rapper, der bis jetzt sehr selten in Deutschland zu sehen war, lockte eine eher kleine Menge zur Mainstage. Das lag vermutlich daran, dass zeitgleich SSIO und die Antilopen Gang auf dem Timetable standen. Chance the Rapper setzte auf chillige und neue Tunes, die bei dem Publikum hart gefeiert wurden. Bei den Songs Juice und Cocoa Butter Kisses bounzte die Crowd dann so richtig mit.
Danach ging es mit Afrob auf der Relentless Samoa Stage, der Strandbühne auf dem Ferropolis Gelände, weiter. Wer sich hier allerdings nicht zeitig einen guten Platz sichern konnte hatte Pech, denn die kleinste der drei Stages war völlig überfüllt. Danach folgte der Secret Act – und wer hätte die Menge mehr begeistern können als Samy Deluxe? Er heizte mit einem von ihm gewohnten Freestyle ein und bot dann die ganze Palette seiner mitt-lerweile 13 jährigen Karriere. Im Anschluss hatten die Festivalbesucher dann die Wahl zwi-schen Fünf Sterne Deluxe die auf der Desperados Aruba Stage kräftig einheizten oder aber M.I.A. auf der Mainstage. M.I.A. präsentierte am Freitag als Erste eine kräftige Bühnenshow: in goldenen Glitzerkostümen rappten sie und ihre Backups vor einer riesigen Leinwand die mal extrem Bunte Papageien zeigte, mal Roadtriplandschaften. 15 Mi-nuten vor dem Ende des Auftritts holte M.I.A. sich dann um die 30 Mädchen als „Back-groundtänzerinnen“ aus dem Publikum.
Nach diesem absoluten Party-Auftritt hatte die Crowd wieder eine Entscheidung zu fällen: KIZ auf der Mainstage oder aber Schoolboy Q auf der Desperados Aruba Stage. Die meisten entschieden sich für KIZ, denn vor der Mainstage war alles voll und auch die Treppen, die zu der in einem Kessel liegenden Mainstage führen, waren voll belegt. Die vier Berliner Tarek, Maxim, Nico und DJ Craft (DJ Auge) legten eine für sie gewohnte Büh-nenshow ab: In Priesteranzügen präsentierten sie sich vorerst auf extra für sie aufgestellten Kränen. Die Show war abrupt zu Ende, doch während sich die ersten Zuschauer schon verab-schieden wollten, kamen KIZ dann doch nochmal auf die Bühne um „Zehn Jahre Hurensohn“, wie Nico es nannte, zu feiern. So gab es also noch eine Zugabe, in der der Song Hurensohn neu ausgelegt und von einem Gospelchor begleitet wur-de. Alles in allem überzeugten KIZ also in gewohnt ironischer Manier. Danach stand wieder eine Entscheidung an: Entweder die Drunken Masters, die unter anderem schon für Casper an den Turntabels standen, Hudson Mohawke der mit feinster Frickelmusik überzeugt oder aber Soulforce, die ihre Musik selbst als „Leftfied Dancehall spiced with Hip Hop and Bass music“ beschreiben. Daraufhin folgten Delfonic und als Krönung der Norweger Cashmere Cat, der mit seinen Hip Hop und R&B Bässen momentan ganz oben an den Turntables steht. Wer dann immer noch nicht genug hatte, konn-te sich noch den Rest von Symbiz Sound, mit einem Mix aus Dancehall, Hip Hop und Dupstep auf dem kleinen Juice Grenada Floor geben. Damit endete dann der erste offizi-elle Tag des 17. Splash! Festivals.

Am Samstag folgte eine Überraschung: Marteria kündigte sich spontan zum Splash! an. Das machte schnell die Runde, weshalb das Festivalgelände zu der eher frühen Zeit nur von Marteria Fans gestürmt wurde. Da das ziemlich viele waren, wurde er auf der zu dieser Zeit freien Mainstage erwartet, was sich dann jedoch kurzfristig als Irrtum herausstellte. Marteria performte auf einer Bühne, die nicht einmal einen eigenen Namen hatte. Der Auf-tritt war grandios, allerdings durch viel zu wenig Platz für die Festival-Besucher und einen ziemlich schlechten Sound jedoch nur für die Ersten vor der Bühne wirklich lohnenswert – schade! Ansonsten konnte man am Samstag beim sogenannten End of the weak zeigen, was man selbst an spontanen Reimen abzuliefern hat. Stattdessen konnte man auch bei DJ Shusta in den neuen Tag feiern. Danach hatte man wieder die Qual der Wahl: Der Plot, bestehend aus zwei Rappern, einer Gitarre, Drums und Bass, legten auf der Mainstage ihre Show ab. Auf der etwas kleineren Desperados Aruba Stage performte derweil Karate Andi und überzeugte die Menge nicht nur mit seinen raffinierten Bars, son-dern ließ der Crowd auch des Öfteren Bier ausschenken. Auf diese Acts folgten unteranderem die Foreign Beggars, die mit ihrer Mischung aus Boombap und Dupstep überzeugen konnten. Auf der Mainstage performte Alligatoah, der wieder einmal unter Beweis stellte, dass er definitiv zu der Oberklasse der Live-Künstler Deutschlands zählt. Natürlich durfte der Rest der Trailerpark-Bande nicht fehlen und so kamen die anderen zwischenzeitlich auch auf die von Festivalbesuchern überlaufende Bühne. Eine halbe Stunde später folgte dann Kollegah, weswegen sich die Crowd vor der Mainstage gar nicht erst auflöste. Dieser kam wie gewohnt mit Majoe und seinem „Butler“ Frederik und performte sowohl Klassiker als auch Stücke aus seinem aktuellen Album King. Bei dem Song Karate stürmte überraschend Casper die Bühne und rappte, trotz vorerst leider abgeschaltetem Mikrophon, mit. Nach dem Song Mittelfinger hoch badete Casper noch in der Menge und verließ dann die Bühne. Während Kollegahs’ Show gab es ansonsten noch A$AP Ferg und Megaloh zu sehen. Nach dem Kollegah Auftritt hatte Teesy auf der Mainstage noch eine Überraschung vorbereitet: Er stellte sein neues Video zu dem Song Genration Maybe vor. Nach diesen Auftritten gab es keine Verschnaufpause, denn Prinz Pi nahm die Mainstage daraufhin in Beschlag und ließ während der Show eine Bombe platzen: Darf man seinen gerappten Worten Glauben schenken, erwartet uns demnächst ein nächstes Prinz Porno Album! Nach vierzig Minuten verließ Prinz Pi die Bühne um für die letzten zwanzig Minuten seines Gigs als Prinz Porno wieder zu kommen. Nach diesem überragenden Auftritt folgte der Act, auf den wahrscheinlich die meisten gewartet hatten: Outkast nahmen die Mainstage für sich ein. Und wie sie das taten: Nach mittlerweile knapp zwanzig Jahren im Showbusiness weiß das Hip Hop Duo wie sie das Publikum total begeistern kann. Die beiden verausgabten sich völlig, jede Line stimmte jeder Beat wurde perfekt gesetzt. Vor allem bei den Klassikern Miss Jackson, Hey Ya! und Roses konnte wohl niemand mehr an sich halten.
Nach diesem absoluten Highlight folgten dann Lunice und danach Onra auf der Desperados Aruba Stage, bei denen man den Glücksgefühlen des Tages freien Lauf lassen konnte.

Sonntag gab sich JAW auf der Mainstage die Ehre – obwohl man seit seinem Album ‚Täter-Opfer-Ausgleich’ von 2010 nichts Neues von ihm gehört hat, überzeugte er definitiv und seine Fans feierten ihn ausgiebig. Darauf folgten Ahzumjot, DCVDNS und Teesy. Letzterer holte sich bei seinem Gig auf der Relentless Samoa Stage noch Cro und Megaloh auf die Bühne. Nachdem Eko Fresh die Strandbühne dann auch noch wegrappte und Left Boy mit seinen Rap-Künsten ge-mischt mit Hip Hop und Elektro Sounds überzeugte, stagnierte der Timetable vorerst, denn das WM-Finale war angesagt und wurde auf mehreren Leinwänden übertragen. Nach dem WM-Titel-Gewinn der deutschen Mannschaft feierten die Festivalbesucher unterstützt durch Wiz Kalifah. Der etwas abgeklärt wirkende Amerikaner performte eine Stunde lang auf der Mainstage und ließ sich von der siegestrunkenden Menge feiern. Im Anschluss darauf schloss Cro die Mainstage des diesjährigen Splash!-Festivals und ließ seinen Auftritt mit einem Feuerwerk ausklingen. Die Trapmasters und Kaytranada schlossen den letzten Tag mit ihren Gigs endgültig und gebürtig ab.

Das wars’ dann auch schon mit dem Splash! für dieses Jahr, wir sehen uns mit Sicherheit nochmal wieder, jetzt heißt es erst mal die Festivalmelancholie überwinden und sich aufs nächste Jahr freuen!

Homepage: www.splash-festival.de

Text: Melina Pospiech
Bilder: Robert Winter (1, 3, 5), Walter Glöckle (2, 4)