Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Ende 2013 ist Schluss mit 4LYN. Was Mitte der 90er begann, neigt sich nun dem Ende entgegen und wird mit einer Doppel-Show im Hamburger Gruenspan am 20. und 21.12.2013 beschlossen. Nachdem wir an dieser Stelle die Band bereits ausführlich begleiteten, war es quasi selbstverständlich, auch dieses Ende einmal näher zu beleuchten. Hierfür trafen wir uns mit Bassist Björn und unterhielten uns ausgiebig über diese Entscheidung der Band und über das immer näher kommende Ende.

Gleich direkt mit dem Ende eingestiegen: Wann stand der Entschluss denn eigentlich schon fest?

Das hat sich ein bisschen abgezeichnet über die Zeit. Wir haben das immer von vielen Faktoren abhängig gemacht, ob wir weitermachen oder ob wir aufhören. Wir haben uns angeguckt, wie das Album läuft, die Tour. Wir hatten ja schon die ganze Zeit vor dem Album sehr viel Leerlauf. Ab 2008, von „Hello“ bis „Quasar“ waren das vier Jahre. Das ist eine lange Zeit, in der wir uns viele Sachen aufgebaut haben. Wir mussten ja auch alle arbeiten gehen. Ein Auslöser war z.B. Ron, der gesagt hat, dass er auf jeden Fall mehr Zeit braucht für den Laden seiner Eltern auf dem Dom. Das ist auch eine Sache, die sich schon über Jahre abgezeichnet hatte, dass das immer ein bisschen mehr wurde. Und irgendwann meinte er, dass das einfach zu sehr miteinander kollidiert, dass es nicht mehr funktioniert. Wir haben dann lange drumrum gedacht und dann haben wir nachher gesagt: Ich glaub, das beste ist, wenn wir jetzt die Reißleine ziehen und sagen, das waren wirklich 15 geile Jahre, aber das, was wir an Liebe und Zeit investiert haben, das geht bei Mittdreißigern nicht mehr so, dass man alles nur für die Liebe macht, sondern man muss auch ein bisschen was mit nach Hause bringen, damit man seine Miete bezahlen kann und so weiter. Das stand am Ende nicht mehr so richtig in einem Verhältnis. Wir haben gemerkt, dass wir die Zeit auch anders nutzen müssen, um uns über Wasser halten zu können. Es ist leider auch durchaus eine finanzielle Entscheidung, weil wir eigentlich gerne weitergemacht hätten.

Ihr seid ja nun vier Leute. Waren sich da denn schnell alle einig, dass die Reißleine gezogen wird?

Am Ende muss man sagen ja. Weil wir ja alle die Entwicklung der Band gesehen haben. Es ist ja niemandem entgangen, was passiert ist. Wir haben unsere Erfolge mit der Platte gehabt, die grandiose 500. Show in Hamburg gehabt, das war ja alles super. Und trotzdem unter dem Strich gehen wir alle mit dieser Entscheidung konform. Keiner sagt, er wolle auf Teufel komm raus weiter machen oder versteht nicht, warum das so ist. Alle sagen „okay, ist so, das ziehen wir jetzt noch durch, die beiden Shows“. Wir zelebrieren die auch nochmal richtig mit unseren Fans zusammen, das ist uns wichtig, dass man einen richtigen Abschluss findet für das Ganze. Und ich glaube, dass wir mit dieser Doppelshow in Hamburg, im Gruenspan, wo alles angefangen hat, genau da den besten Abschluss hinkriegen können, der zu schaffen ist. Anders können wir uns das nicht vorstellen.

Wie war das für Dennis? Er war ja nun eigentlich nur für ein Album dabei…

Wenn Du so willst, ja. Ich habe auch mit Dennis gesprochen und ihn gefragt, ob das für ihn okay ist. Ich sagte am Anfang mal irgendwann, als das ganz frisch war, dass mir das echt Leid für ihn tut. Aber für ihn war das völlig okay. „Ich habe ein weiteres Ziel in meinem Leben erreicht, ich habe eine eigene Platte aufgenommen, viel getourt. Ich war mit Euch unterwegs, habe eine geile Zeit erlebt, andere Länder bereist.“ Für ihn war das schon spannend. Das weiß ich, weil er das wirklich auch so gesagt hat. Für ihn ist es auf jeden Fall eine Bereicherung gewesen, auch wenn er sicherlich weiter gemacht hätte. Aber Dennis ist ein Stehauf-Männchen, der hat eh schon seine Nebenprojekte hier und da und ich glaube, wenn das mit uns jetzt aufhört, gibt es früher oder später was Neues von ihm, da bin ich mir ziemlich sicher.

Gibt es denn aus den 15 Jahren irgendein Ereignis, von dem Du sagst, das war der beste Moment oder halt auch das Gegenteil davon?

Da gab es irrsinnig viele coole Momente. Es war jedes Mal ein geiler Moment, wenn wir in ein neues Land gekommen sind – als wir China bereist haben, als wir Amerika bereist haben, als wir Vorband von Guns’n’Roses in Istanbul waren. Das sind alles geile Momente, die sich auch eingebrannt haben, auch bildlich. Wenn man drüber nachdenkt, hat man das vor Augen, spürt die Situation nach und weiß einfach ganz genau, wie das damals war. Man ist sofort wieder in diesem Moment drin, das ist total geil. Das sind so die Highlights. Oder zum Beispiel die 500. Show, wo die Fans absolut durchdrehen. Wenn die anfangen, auf einmal ihre Plakate zu schreiben und Du merkst, dass Du so ein gebündeltes Feedback von Deinem Publikum zurückkriegst. Das sind Momente, wo man dann auch denkt, es ist eigentlich schade, dass man das irgendwann nicht mehr hat. Klar, das hört auf. Negativmomente gibt es auch, aber über die muss man nicht reden. Die hat es gegeben, die hat man dann irgendwann auch schon wieder vergessen. Irgendwas passiert ja immer mal.

Ihr habt es jetzt als „das Ende der schönsten Klassenfahrt, die Ihr Euch vorstellen könnt“, bezeichnet. Woher kommt dieser Vergleich mit der Klassenfahrt?

Naja, überleg mal, wie man sich auf Klassenfahrt gefühlt hat. Das ist cool, man ist weg von den Eltern unter Gleichgesinnten, bis abends spät wachbleiben, es gibt immer noch einen Aufpasser, aber den umgeht man irgendwie ein bisschen und macht ein bisschen dummes Zeug, aber kommt ungeschoren davon. Dann fährt man nach Hause und es ist wieder so, wie es vorher war. Es gibt keinen besseren Vergleich.

Wer war bei Euch der Aufpasser?

Der Tourmanager hat eigentlich den Job. (lacht) Der den Sack Flöhe versucht, unter Kontrolle zu halten. So richtig einen Aufpasser gibt es bei uns da eigentlich nicht, das ist vielleicht die einzige Ausnahme zu der Klassenfahrt.

Wenn man mal schaut: Du hattest ja schon gesagt, Ihr hattet vor dem Album vier Jahre Pause. Gab es in der Zeit auch schon Gedanken daran, nicht mehr weiterzumachen?

Ne, gar nicht. Ganz im Gegenteil. Unsere Intention war ja zu sagen, wir geben jetzt Vollgas. Aber ich glaube, dass die Zeit zu lang war, dass irgendwas passiert ist. Das kann man gar nicht so richtig in Worte fassen. Es hat sich irgendetwas verändert innerhalb der Band. Ich weiß nicht, ob es nur ein Gefühl ist oder ob es etwas Greifbares ist – das kann man schwer sagen. Am Anfang waren wir Feuer und Flamme. Auch als wir das „Quasar“-Album gemacht haben sind wir durchgedreht. Wir wollten ja wohin kommen. Das hat leider dann nicht ganz so funktioniert, das muss man einfach so sagen. Aber mein Gott, das war trotzdem eine schöne Zeit. Wir haben mit dem Album noch einmal viele Erfahrungen sammeln können. Die uns auch früher vielleicht ein bisschen vorenthalten wurden, weil wir viele Arbeitsprozesse diesmal selbst in die Hand genommen hatten. Wir haben das Album ja wirklich komplett selber strukturiert, selber organisiert und geplant, alles. Das ist noch einmal ein anderer Blickpunkt gewesen.

Fiel es Euch denn schwer, die Nachricht an die Fans weiterzugeben?

Ja, total. Wir haben auch ganz lange gehadert damit. Wir haben immer überlegt, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, das rauszutun. Und wie soll man es sagen? Am Ende hat Ron den Abschiedstext geschrieben und er hat einfach die besten Worte gefunden. Besser kann man das nicht schreiben. Er hat das wirklich unglaublich toll formuliert und wir mussten nur noch über den Zeitpunkt nachdenken, wann wir mit dieser News rausgehen wollen. Wann ist der beste Zeitpunkt, so etwas zu sagen? Den gibt es nicht. Du weißt einfach: Sobald Du rausgehst damit, wird es traurige und lange Gesichter geben. Bei uns ja auch. Wir haben uns dann bewusst für nach der Tour entschieden, um die Tour nicht noch einzufärben. Wir hatten auch überlegt, ob man das vielleicht mitten drin schon mal sagt, um es schon einmal losgeworden zu sein, aber wir dachten, das ist falsch. Wir wollten, dass die Leute, die auf die Tour kommen, noch einmal ein gutes Gefühl haben, ohne diesen Abschiedsgedanken, sondern zu sagen: „Fettes Album, coole Show, alles geil. Perfekt, so wie ich mir das immer gewünscht habe.“ Und dann sind wir ganz bewusst zwei drei Wochen nach Tourende, ich glaube das war kurz vor Ostern, sind wir dann raus mit der News. Dann hat es ja auch eingeschlagen wie eine Bombe, die Feedbacks waren ja sofort da.

Wie habt Ihr das denn empfunden, die ganzen Nachrichten, die dann zu dem Thema kamen?

Das hat einen schon traurig gemacht. Das war wirklich so, dass die Fans ihr Innerstes nach außen gekehrt haben. Das machen die ja eh immer ganz gerne, aber in dem Moment hast Du auch gesehen, wie traurig die waren. Auf der anderen Seite haben sie uns alle Rückhalt gegeben. Ich habe nicht eine Nachricht gelesen, wo das irgendjemand verflucht hat. Wo uns irgendjemand die Pest an den Hals gewünscht hätte. Alle haben immer gesagt „Jungs, es ist zwar schade, es ist traurig und ich weine auch heute den ganzen Tag, aber ich verstehe Eure Entscheidung und kann sie auch nachvollziehen – und wenn es so ist, dann soll es so sein.“ Alle waren verständnisvoll. Was Besseres kann einem als Band doch gar nicht passieren, dass man verständnisvolle Fans hat, auch wenn es um das Ende geht.

Ich habe mal ein bisschen in den Kommentaren gelesen – eine Frage, die da häufiger aufkam, war, warum es keine ganze Abschiedstour gibt. Die würde ich gerne mal weitergeben…

Das ist schnell beantwortet: Wir haben uns speziell das Gruenspan rausgepickt. Nicht aus irgendeinem Grund. Wir haben über eine Tour nachgedacht, aber wir haben gesagt, wir haben gerade eine Tour gemacht, wir waren gerade überall. Aber wenn wir einen Abschied machen, dann soll dieser Abschied so sein wie der Anfang. Und da ist uns das Gruenspan wichtig, weil wir im Gruenspan damals unser allererstes Showcase gegeben haben. Dort sind wir zum allerersten Mal unter dem Namen 4LYN aufgetreten, davor war das immer noch Headtrip. Das war auch der Grund, warum wir eine Doppel-Show im Gruenspan und nicht in einen größeren Laden gegangen sind. Viele haben ja auch dazu noch gefragt, warum wir nicht einfach in die Große Freiheit oder was Größeres gehen. Aber wir haben immer gesagt: Weil wir es im Gruenspan machen wollen! Das hat einen sentimentalen Wert für uns. Ins Gruenspan passen halt leider nur 1.000 Leute und wenn mehr Leute kommen wollen – und es kommen mehr – dann müssen wir das einfach zweimal machen. Und wir hatten Glück: Das Gruenspan hatte zwei Tage dann auch frei, das ist alles cool, also ziehen wir das Thema durch. Und wir können es in der Location machen. Anfang und Ende ist perfekt. Deshalb so. Und deshalb auch keine Tour.

Auf der anderen Seite habe ich teilweise gelesen, dass einige 1.000 Kilometer zu dieser Show fahren und so. Wie fühlt sich das für Euch an, so etwas zu lesen?

Bemerkenswert. Wir fühlen uns geehrt, dass Leute wirklich diese Tortur auch nochmal auf sich nehmen. Ich finde das toll, dass die vorbeikommen und wir alle noch einmal gemeinsam feiern werden. Weil es definitiv der letzte Abend ist. Es tut mir auch Leid, es gibt sicherlich Fans noch irgendwo ganz woanders. Wir haben ganz Europa betourt in unseren 15 Jahren und waren in allen möglichen Ländern – wir werden leider nicht alle erreichen können. Das ist halt einfach so. Das Beste, was wir machen können, ist diese Doppel-Show. Es ist ja auch noch so: Immer wenn wir in Hamburg gespielt haben, war das immer ein ganz besonderer Moment. Alle Shows in jeder Stadt – wir sind immer herzlich begrüßt worden von den Fans, haben auch immer gute Shows gespielt, aber Hamburg hat immer noch eine Magie gehabt. Irgendwie hat es immer was Besonderes gehabt. Das hat man bei der 500. Show gesehen, das hat man davor gesehen, als wir im Knust unsere Warm-up-Tour gemacht hatten und immer wieder. Und genau diese Magie wollen wir noch ein letztes Mal erzeugen. Und das schaffen wir nur hier in Hamburg und nur mit den Fans zusammen.

Und was erwartet diejenigen, die jetzt ein Ticket haben? Wird das eine normale Show oder habt Ihr irgendwelche Specials da eingeplant?

Wir planen eine ganze Menge, wir sind mittendrin in der Planung. Das wird schon ein paar heiße Momente geben, aber ich will jetzt noch nichts verraten. Das wäre blöd, wenn wir jetzt schon verraten, was passiert. Nene, die Leute, die kommen, die sollen da völlig unvoreingenommen hingehen und sich das Gesamtkonstrukt dann einmal nochmal geben, was wir denen da anbieten. Es wird auf jeden Fall großartig werden. Mehr kann ich nicht sagen, sonst verrate ich da zuviel.

Plant Ihr denn, das für die Nachwelt irgendwie festzuhalten, das Konzert oder beide Konzerte?

Da denken wir auch drüber nach. Wir haben auch schon die 500. Show gedreht. Ob wir das auch vielleicht machen. Da sind wir noch nicht konkret. Es steht im Raum, ist aber noch nicht definitiv. Aber es ist durchaus denkbar.

Ihr wollt es machen, aber wisst noch nicht den Inhalt, oder wie verstehe ich das?

Die Umsetzung eher noch nicht. Es gibt potenziell sogar schon ein Team, was das machen würde, wir haben aber noch nicht so richtig miteinander gesprochen, wie der Ablauf wäre und ob man das auch wirklich alles so hinkriegt, wie man sich das vorstellt. Wenn dann will man ja auch einen coolen Look kreieren und so weiter. Aber ich gehe mal davon aus, dass wir das Ding auch noch einmal mitschneiden werden, auf jeden Fall. Und selbst, wenn es nur für uns ist. So ein Ding muss man festhalten. 500. Show, letzte Show – das muss alles festgehalten werden. Werden wir machen. Also zu 80% ist das safe.

Wir haben das Wort „Nachwelt“ nun schon erwähnt. Was würdest Du sagen, hinterlasst Ihr der Nachwelt?

Also die Planungen gehen dahin, ob man vielleicht wirklich überlegt, diese Show zum Beispiel noch einmal irgendwann, das kann ja auch nach dem Ende der Band sein, noch einmal verwertet und noch einmal eine DVD daraus macht. Und diesen letzten Moment den Leuten noch einmal zu präsentieren. Das steht schon im Raum. Genauso überlegen wir gerade, ob wir noch eine Best Of machen, wo man einfach so die Titel, die uns über die letzten Jahre begleitet haben, also nicht unbedingt nur die Singles, sondern auch Songs, die live einfach immer wieder ein Knaller waren, so etwas wieder zusammenzustellen und eine Best Of zu machen, vielleicht noch mit ein bisschen Special Content. Wir überlegen uns das alles gerade, sind da mittendrin, das ist nur noch nicht so reif – wir haben noch kein Produkt in der Hand, wo man sagen würde „übrigens, so und so und dann und dann“.

Noch fand die Show ja auch nicht statt…

Genau, das dauert noch ein bisschen. Aber klar, ein kleines Vermächtnis wird es noch geben von uns.

Schwingt denn nicht ein bisschen Angst dabei mit, dass Ihr dann am 21.12. die Bühne verlasst und sich ein Gefühl der Leere einstellen könnte?

Also ich glaube Muffensausen haben wir alle vor der letzten Show. Vor diesem letzten Moment. Vor der letzten Verbeugung, vor dem letzten Applaus, vor dem letzten Song. Wir wissen noch nicht, welchen Song wir als letztes spielen. Auch der will weise gewählt sein. Welchen Song willst Du als allerletzten spielen? Keine Ahnung. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wird mir schon ein bisschen mulmig. 15 Jahre gehen nicht so spurlos an einem vorbei. Klar, Muffensausen haben wir alle.

Im Vorlauf vom letzten Album „Quasar“ hieß es immer „Someone’s Got 2 Do It“. Wenn Ihr es nicht mehr tut – wer übernimmt es für Euch?

Du könntest es ja auch so sehen: „Someone’s Got 2 Stop It“. Irgendeiner muss ja dann auch mal aufhören. Wenn Du es von der Warte aus siehst: Es gibt super viele Bands, die cool sind. Es wird nach uns zehn neue Bands geben. Eine hört auf, zehn neue fangen an. Da mache ich mir jetzt keine Sorgen, dass nicht irgendeiner wieder irgendwas in die Hand nimmt und die Leute begeistert. Aber wir haben unser Ding noch einmal durchgezogen, wir haben es noch einmal gemacht und dazu gehört auch der Mut aufzuhören, wenn es soweit ist. Und vor allem auch zu erkennen, dass man aufzuhören hat irgendwann. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man sich von Album zu Album immer noch so weiterhangelt uns irgendwie nicht erkennen will, dass einfach auch irgendwann mal gut ist. Gar nicht im Bösen, sondern einfach sagen: „Komm, jetzt reicht’s doch einfach mal.“

Das eine ist ja die musikalische Seite, dann war da noch dieses klare Stellung-Beziehen, wie Ihr es mit dem letzten Album gemacht habt. Zu politischen Fragen und so. In die Richtung habt Ihr beim letzten Album ja schon relativ viel gedacht, ACTA und so…

Na gut, ich weiß, das war ja auch gerade in aller Munde da und wir sind alle mitgehyped gewesen davon. Jetzt ist es gerade Prism – wenn wir jetzt ein Album rausbringen würden, würden wir da genauso gegen stänkern und auch dieses Forum nutzen. Aber auf jeden Fall haben wir auch etwas bewegt. Wenn ich nur daran denke, dass ich jetzt innerhalb des letzten Jahres meine Ernährung umgestellt habe und Vegetarier geworden bin, das ist auch nicht so ohne. Das passt genau alles. Das ist bei mir im Zusammenhang mit diesem „Someone’s Got 2 Do It“ bei mir sogar wirklich so entstanden. Ich habe einfach mal eine Nacht lang mir irgendwelche Schlachthof-Videos auf YouTube angeguckt, so amerikanische Schlachthöfe, das sind die „besten“, in Anführungsstreichen, weil es unglaublich ist, was mit Tieren angestellt wird. Beflügelt von dem Song auch, „Someone’s Got 2 Do It“, war es für mich auch zu sagen: „Ja, sprich nicht nur drüber, tu was. Mach einfach mal was.“ Klar, ich spende schon seit Jahren für den Tierschutzverein. Das ist eine Sache. Aber ich finde, Geld spenden ist immer so eine kleine Alibi-Haltung, habe ich manchmal das Gefühl. Und besser ist es noch, wenn man sich vielleicht wirklich mal selber einschränkt in irgendetwas. Oder sagt „okay, nicht einfach nur immer bezahlen und dann fein raus sein“, sondern darüber nachdenkt, wie man sich eigentlich verhält. Was tu ich eigentlich gerade? Vielleicht kann ich ja was an meinem Lebensstil ändern, dass sich was verändert. Dass sich auch woanders etwas verändert. Und mit meiner Einstellung, die ich ja auch breit trete, ich erzähle da ja auch jedem von und mache da keinen Hehl draus, vielleicht bewege ich damit den einen oder anderen auch, darüber nachzudenken und zu sagen: „Ja, ganz falsch liegt der Junge nicht mit dem, was er denkt.“ Und früher oder später kommt er vielleicht auch auf die Idee. „Someone’s Got 2 Do It“. Irgendjemand muss halt einfach mal was tun, damit sich irgendetwas verändert. Die Message zählt immer noch.

Meinst Du, Ihr habt da einige Leute auch mit beeinflusst?

Das ist schwer zu sagen. Wir haben den Song leider nachher nicht mehr richtig gefeatured. Wir haben ja dann „Club Exploitation“ und „I Am A Phantom“ rausgebracht und „Someone’s Got 2 Do It“ wollten wir erst noch machen, aber es hat sich dann irgendwie nicht mehr so ergeben. Ich weiß nur, mehr so über meinen privaten Facebook-Account zum Beispiel, dass ich über das Reden über meinen Vegetarismus zum Beispiel ich auf einmal ganz andere Connections zu Fans von uns bekommen habe, die auf einmal anfingen, sich für mich zu interessieren und sagten „ja Mensch, ich bin auch seit dann und dann Vegetarier“ gerade. Und dann hatte ich auf der Tour Geburtstag, da waren wir gerade in Nürnberg, da kriege ich ein vegetarisches Kochbuch geschenkt. Siehst Du, das sind so Sachen – ich habe etwas verändert in meinem Leben, ich habe Leuten davon erzählt, nach dem Motto „tu was Gutes und erzähl’s“, und darauf Feedback erhalten. Klar, da passiert auf jeden Fall was. Aber das ist auch eine schwierige Sache, man kann sich nicht selbst verändern, rausgehen damit und erwarten, dass alle „Ja und Amen“ schreien. Ich denke, dass viele Leute das schon mitkriegen, was ich so erzählt habe, aber nicht unbedingt dann darauf antworten oder mir Feedback geben, sondern vielleicht auch erstmal nur drauf rumdenken. Oder es wird auch vergessen, kann ja auch sein.

Ja, das war es fast von mir. Eine letzte Frage: Ihr seid ja alle vier auch Vollblutmusiker mit Leib und Seele, würde ich sagen. Geht es bei Euch denn irgendwie musikalisch weiter?

Ich würde mir das schon wünschen. Bei Dennis kann ich es mir total gut vorstellen, ich wäre auch nicht abgeneigt, ich glaube bei Ron ist es wirklich so, dass der überlegt, komplett dem den Rücken zu kehren und evtl. sich voll und ganz auf den Laden zu konzentrieren, auf den „Früchtetraum“. Bei Sascha weiß ich es auch nicht so richtig. Der ist auch immer in Connection mit anderen Muckern so und ich könnte mir schon vorstellen, dass er auch wieder irgendwas macht. Aber ich weiß auch, dass er gerade arbeitstechnisch sehr stark eingebunden ist. Und dass er mittlerweile sich auch ein anderes Leben neben 4LYN aufgebaut hat, wie wir alle ja. Und da auch extrem viel zu tun hat. Also deshalb: Das ist eine Frage, die ich selbst nicht beantworten kann so richtig, aber ich würde einfach mal sagen: „Sagen wir niemals nie.“

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Interview und Bilder: Marius Meyer