Am Freitag erscheint sein Solo-Debüt „Nostalgie für die Zukunft“, dazu kommt das Release-Konzert in Hamburg, wo einst bereits seine erste Solo-Show stattfand – kurzum: Erik Cohen startet nun solo voll durch. Nach 15 Jahren Smoke Blow war es für ihn an der Zeit, neue Wege zu beschreiten. Wir haben zum Album-Release mal nachgehakt, wie es denn eigentlich dazu kam, was das Album ausmacht, welche Philosophie er verfolgt und viele weitere Dinge thematisiert. Hier nun das Ergebnis – viel Spaß bei der Lektüre!

Der Release des Albums steht nun unmittelbar bevor. Freitag ist es soweit. Wie verbringst Du bis dahin die Zeit?

Mit ganz alltäglichen Dingen wie Arbeit, Familie, Proben.

Gehen wir mal etwas weiter zurück: Wie kam es überhaupt dazu, dass Du Dich dazu entschlossen hast, ein Solo-Album zu veröffentlichen?

Eigentlich war mir unmittelbar nach dem letzten Smoke Blow-Album klar, dass ich persönlich gerne etwas komplett neues probieren würde. Mit Smoke Blow hatten wir im Rahmen der für uns stimmigen Möglichkeiten die Alben gemacht, die wir machen wollten und hätten uns ein Stück weit wiederholt und wären eventuell sogar für uns und andere etwas langweilig geworden.

Wie würdest Du den Prozess beschreiben, der vom Gedanken an das Solo-Album bis zum nun vorliegenden fertigen Produkt geführt hat?

Am Rande der Song-Verzweiflung oder auch der anhaltende Studio-Wahnsinn.

Mir erscheint es im Moment so, als würdest Du Dich in einer Übergangsphase befinden: Auf der einen Seite gab es noch Smoke Blow-Konzerte der „Last Tour On Earth“ statt, auf der anderen Seite steht das Solo-Album plus Release-Show. Wie empfindest Du das?

Das möchte ich etwas korrigieren, die „Last Tour On Earth“ haben wir 2012 gespielt, in 2013 haben wir allerdings zwei Spezialkonzerte anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der „German Angst“ auf dem Zettel, auf die alle schon richtig Bock haben. Wir haben uns ja nie aufgelöst und es auch nie vor, wollen nur keine neuen Alben mehr aufnehmen. Mit Smoke Blow leisten wir uns nach über 15 Jahren den Luxus, einfach zu machen, wonach uns der Sinn steht. Hierdurch sind anstehende Konzerte für uns selber echte Highlights. Auch das Proben dafür macht gleich doppelt Spaß. Da sind alle mit ziemlicher Begeisterung bei der Sache und das ist natürlich ein cooles Gefühl. Erik Cohen sehe ich davon losgelöst, hier ist es so, dass ich mich zuletzt z.B. als Live-Künstler Show für Show entwickeln und gewissermaßen neu finden musste. Das ist ja ganz natürlich. Und auch sehr reizvoll.

Wieviel Smoke Blow würdest Du sagen, steckt denn noch in dem, was Du nun solo machst?

Das ist schwer zu sagen oder zu beziffern. Teile des rockigen Kerns von Smoke Blow finden sich sicherlich auch bei Erik Cohen wieder, aber es sind für mich zwei voneinander getrennt zu sehende, individuelle Geschichten.

Kommen wir direkter wieder zu Dir als Solo-Künstler… Das Album hört nun auf den Namen „Nostalgie für die Zukunft“. Was steckt hinter dem Namen?

„Nostalgie Für Die Zukunft“ steht für mich für einen musikalischen Vibe und soll einen Sound vergangener Tage auf eine stimmige und eigenständige Weise ins Jetzt transportieren. Zumindest hab‘ ich das versucht. Im Verlauf des Albums stolpert man ja durchaus über ein paar recht offensichtliche Verneigungen und Querverweise.

Ein Leitmotiv scheint mir die Farbe Blau zu sein, die immer wieder auftaucht. Welche Bedeutung hat Blau für Dich? Wie zieht sich das durch’s Album? Du nennst Dich ja auch den Dirigenten in Blau…

Ich finde die Farbe im Hinblick auf den Künstler Erik Cohen sehr passend. Sie hat etwas sehr klares, direktes, aber auch angenehm melancholisches.

Hinzu kommt immer mal wieder die Seemanns-Thematik. Welche Bedeutung hat die See für Dich? Spielt Kiel dabei eine große Rolle?

Es ist sicherlich so, dass mein natürliches Umfeld Einfluss auf diverse Textentwürfe hatte. Gelegentlich entwickelte ich Ideen auf einer Fähre sitzend, dabei reflektiert man sicherlich auch etwas seine Umgebung. Ich hab’s generell nicht weit zum Wasser und empfinde es als ein gutes Stück Lebensqualität. Das Album präsentiert insgesamt sicherlich auch ein urbanes, maritimes Grundgefühl.

Wenn Du den Schritt von der EP „Kapitän“ zum Album beschreiben? Inwieweit spiegelt der Sound der Stücke auf der EP sich auch auf dem Album nieder?

Zwei der fünf EP-Songs sind auch auf dem Album enthalten, allerdings zeigte die EP noch nicht alle Rock-Facetten, die sich auf dem Album finden. Sie ist einerseits schon so etwas wie ein repräsentativer Auszug und anderseits fällt sie mit „Dreiklangsdimensionen“ und „Chrom 2“ im Gegensatz zum wesentlich homogeneren Album etwas „experimenteller“ aus, wenn man so will.

Wir haben gerade das Stück „Kapitän“ angesprochen. Worum geht es hier? Die Formulierung „Erinnerungen in Dosen“ fand ich dabei sehr sprechend.

Ich persönlich bin gar kein so großer Freund davon, aus Autorensicht konkreter auf Inhalte einzelner Songs einzugehen. Irgendwie nimmt so etwas in meinen Augen etwas den Reiz. Ganz generell kann man vielleicht sagen, dass ich mich bemühe, auf eine klare und bildhafte Art Geschichten zu erzählen, die hoffentlich die Möglichkeit bieten, sie um eigene Gedanken zu ergänzen, sodass sie einen individuellen Wert entfalten können.

Wenn man sich die Texte mal anschaut: Wieviel Autobiographisches steckt in den Texten aus „Nostalgie für die Zukunft“?

Natürlich steckt in den Geschichten immer auch ein Stück der eigenen Persönlichkeit und Erfahrung, aber ich vermenge gerne Fiktion und Realität. Das ist spannender für mich.

Wie steht es um die Ziele, die Du mit dem Album hast? Gibt es etwas, was Du mit dem Album unbedingt erreichen möchtest?

Mein Ziel war es, eine Platte und Songs zu haben, mit denen ich mich richtig wohl fühle und die insofern eigenständig sind, dass man sagen kann, dass sie nach Erik Cohen klingen und nicht wie die Kopie von irgendwem. Wenn es am Ende so ist, dass das Album so gut ankommt, dass ich damit auf Tour gehen darf und im Anschluss eine weitere Platte auf den eingeschlagenen – d.h. komplett selbstständigen – Wegen möglich ist, dann wäre das ein schöner Erfolg für mich.

Nun gibt es natürlich viele Musiker, die deutschsprachige Rockmusik machen. Wie würdest Du sagen, hebst Du Dich dabei aus der Masse ab?

Ich möchte mich nicht mit irgendwem vergleichen und Unterschiede herausarbeiten. Aber wie gerade gesagt ist es so, dass ich versucht habe, den Songs einen möglichst eigenen Soundstempel zu verpassen und ich selbst bin auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

In der Album-Info las ich, dass bei Dir die Philosophie „Alles was zählt, ist das Lied“ gilt. Woran machst Du das fest? Oder anders: Ist das nicht eigentlich bei Musikern immer so?

Das bezieht sich wohl darauf, dass ich mir beim Liedschreiben keine wie auch immer gearteten Grenzen gezogen habe, um so frei und effektiv wie möglich darauf hin arbeiten zu können, dass die Songs richtig schön und unkompliziert aufgehen. Sie sollen in einem geschmackvollen Sinne „hittig“ kommen, sofort zünden und fließen.

Zu Deinem Sound stand dort beispielsweise „Zwischen Black Sabbath, Danzig und Udo Lindenberg“ – wie fühlst Du Dich mit dieser Beschreibung?

Das klingt auf jeden Fall nicht schlecht, ich hab schon viel übleres gelesen.

Nun steht bald in Hamburg das Release-Konzert an. Was würdest Du sagen, macht Deine Live-Shows besonders? Warum sollte man unbedingt vorbeischauen?

Man sollte vorbei schauen, weil wir schonungslos offensiv aufspielen, nachdem wir uns über das Jahr 2013 schon ziemlich warm gemacht haben. Wir möchten einfach geile Rockmusik mit einem anspruchsvoll knallenden Hitappeal servieren. Testet uns.

Sind außer der Hamburg-Show noch weitere Auftritte im Frühjahr 2014 geplant?

Das hoffe ich doch sehr, dass das möglich wird! Wir sind auf jeden Fall bereit und haben Lust auf Konzerte. Es steht bislang allerdings noch nichts.

Das waren soweit meine Fragen. Wir haben jetzt über das Album und die Tour gesprochen. Wie steht es um die weiteren Pläne? Was kann man noch erwarten von Erik Cohen im Jahr 2014?

Ich werde im Jahr 2014 damit beginnen, an meinem zweiten Album zu arbeiten.

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Interview: Marius Meyer
Bilder: Erik Weiss