„Some girls are bigger than others“ sagten Morrissey und seine Smiths im Jahre 1986 auf ihrem Album „The queen is dead“. Diesen Eindruck konnte man auch an diesem Feiertag gewinnen, als wir uns zu einem kleinen, gemütlichen Plausch mit Amanda Palmer in das Café „Törtchen Törtchen“ im Herzen der Domstadt zurückziehen durften, um mit zwar nur ein kurzes, aber nicht weniger herzliches Gespräch zu führen. Und auch, wenn es komisch klingt: Manche Menschen versprühen eine Wärme und Nächstenliebe, dass man glaubt, seit Ewigkeiten mit dieser Person befreundet zu sein. Hier also das Gespräch zwischen Kaffee und Kuchen und einigen hochinteressanten Ansichten dieser großartigen Künstlerin, deren Konzert, Stunden später, wieder zu den besten Acts zählte, die man auf den Brettern, die die Welt bedeuten, so sehen kann.

Amanda, vielen Dank, dass du dir so kurz vor deinem Auftritt in Köln Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten. Du hast auch mal in Köln gewohnt, kennst dich also hier aus. Aber was mich interessiert: Bist du nach all den Touren mit den Dresden Dolls und solo noch nervös vor Auftritten?

Nein, nicht mehr. Ich liebe es, live für meine Fans zu spielen und sie geben mir so viel Liebe zurück.

Du bist bekannt für exklusive Support-Künstler. Ich erinnere mich an einen Zauberer bei deinem phänomenalen Konzert im Gebäude 9. Was können wir heute erwarten?

Also wir haben die Roten Punkte dabei, die sind großartig, ein „deutsches“ Bruder & Schwester-Duo, die unglaublich witzig sind. Mein Bassist Jherek Bischoff, der mit seinem Bass und einigen Loops auftreten wird.

Ist es nicht ein enormer Druck, von so vielen Menschen als Vorbild angesehen zu werden? Inwieweit schlägt sich das auf dein Songwriting nieder?

Ich schreibe Songs nicht in der Hoffnung, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen, sondern in erster Linie für mich. Alles andere würde mich belasten. Wenn ich denke, dass es gut ist, dann schicke ich es in die Umlaufbahn. Wenn es meinen Fans gefällt, ist das aber auch sehr schön. Wenn nicht, dann nicht. Jeder Künstler schreibt in erster Linie für sich. Wenn man für nur für seine Fans schreibt, dann wiederholt man sich und die Songs werden nicht besser, sondern austauschbare Massenware.

Was hältst du davon, dass sich Fans deine mit Brian Viglione als Dresden Dolls entstandene Nummer „Sing“ für ihre eigene Beerdigung wünschen?

Wirklich? Das wusste ich nicht, aber es ist in Ordnung für mich. Wenn es Leuten soviel bedeutet, warum dann nicht auch auf einer Beerdigung? Jeder Mensch kann das für sich entscheiden, jeder Mensch sollte das tun, was ihm am besten gefällt. Ich hab da kein Problem mit. Egal, ob man „Sing“ bei Hochzeiten oder Beerdigungen spielt. Der Song sagt doch soviel aus und ich lasse die Menschen gerne ihre eigenen Interpretationen machen.

Wo wir gerade beim Thema sind, glaubst du an Gott oder ein Leben nach dem Tod?

Welchen Gott? Leben nach dem Tod, na ja. Aber wie das stattfinden wird: keine Ahnung. Ob man da herumlaufen wird oder ob es ein reines Energiefeld geben wird oder irgendwas anderes… Ich wollte, ich wüsste es, denn viele Leute, die ich kannte, sind verstorben.

Da muss ich dich jetzt nach dem Gesundheitszustand deines besten Freundes Anthony Martignetti, wegen dessen Krebserkrankung du sämtliche Tourtermine verschoben hattest, fragen…

Er ist okay und der Krebs ist wohl besiegt. Aber ich habe einige enge Leute verloren, die mir sehr fehlen.

Sind solche Schicksalsschläge eigentlich inspirierend, um neue Songs zu schreiben?

Ja, manchmal schon. Ich werde heute Abend einen Song spielen, den ich nach einer sehr heftigen Depression schrieb und den ich als Therapie betrachte. Er heißt „Runs in the family“.

Spielst du heute auch wieder Stücke der Dresden Dolls und wird es ein Comeback dieses Duos geben?

Auf jeden Fall! Die Dresden Dolls-Stücke nehmen immer noch einen ungemein großen Platz in meinem Leben ein und ich habe ja keinen Streit mit Brian. Aber er hat halt viele Projekte, wie als Produzent des letzten Phillip Boa-Albums und als Drummer für die Violent Femmes oder die World Friendship Inferno Society. Aber es ist nicht auszuschließen, dass es neues Material oder eine Tour geben wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Interview: Dennis Kresse
Bilder: James Duncan Davidson (1), Shervin Lainez (2, 3)