In einigen Ländern ist das Album „Holy Weather“ schon mehr als ein Jahr auf dem Markt, Deutschland kommt erst jetzt in den Genuss: Civil Twilight veröffentlichen ihr zweites Album auch in Deutschland. Mit eingängigen Pop-Klängen irgendwo zwischen Travis und Muse wollen sie durchstarten. Wir hatten die erfreuliche Gelegenheit, am 10. April 2013 ein Gespräch mit der Band zu führen, bevor sie in der Prinzenbar den allerersten Deutschland-Auftritt in Deutschland überhaupt spielten. Dabei bewiesen sie, dass Civil Twilight definitiv ein Name ist, den man sich merken sollte.

Gestern habt Ihr in London gespielt, jetzt seid Ihr in Hamburg. Wie ist es für Euch, hier zu sein?

Es ist tatsächlich das erste Mal, dass wir in Deutschland sind. In London haben wir gestern das zweite Mal gespielt. Das ist für uns ein großer Erfolg. Jetzt sind wir das erste Mal hier und es wird sicher interessant, die Leute hier zu sehen.

Wie sind Eure Erwartungen für die erste Show in Deutschland?

Ich weiß nicht, was ich zu erwarten habe. Mir wurde gesagt, die Leute schauen sich hier gerne lange Sets an.

Also plant Ihr ein langes Set?

Vielleicht so drei Stunden. (lachen)

Ich habe gesehen, dass Ihr nur zwei Deutschland-Auftritte spielt. Heute in Hamburg und morgen in Berlin. Warum habt Ihr Euch für nur zwei Shows entschieden?

Das wurde uns geraten. Unser Label Membran sitzt hier und ich denke, es ist gut, zunächst auf den beiden großen Märkten zu spielen. Das ist eine strategische Entscheidung: Zunächst die großen Märkte und später expandieren.

Ihr seid hier, um Euer Album „Holy Weather“ zu promoten. In anderen Ländern ist es schon über ein Jahr draußen. Wie ist es für Euch, die Songs nun zu spielen und vorzugeben, es sei ein neues Album?

Das ist gut für uns, wirklich. Nachdem wir die Stücke nun schon ein Jahr gespielt haben, sind wir mit ihnen vertraut. Dennoch ist es für uns immer aufregend, die Stücke einem Publikum vorzuspielen, das uns vielleicht gerade zum ersten Mal hört. Das Publikum ist neugierig. Die Show gestern hatte auch eine ganz besondere Energie. Und wir haben eine zweite Gitarre ergänzt, das ist neu.

Aber wenn Ihr heute das Album betrachtet: Gibt es da etwas, wo ihr inzwischen sagen würdet, dass Ihr es definitiv anders gemacht hättet aus heutiger Sicht?

Es gibt ja immer Sachen, die man irgendwie gerne ändern würde. Aber das Album ist, wie es ist und hat sich gut entwickelt.

Wie würdet Ihr generell den Prozess beschreiben, das neue Album zu erschaffen und herauszubringen?

Das gesamte Album wurde auf Tour geschrieben. Das war ein interessanter Prozess. Wir hatten keine Zeit, uns in einem Raum zusammenzusetzen und einen organischen neuen Klang zu entdecken. Also mussten wir schon vorher entscheiden, wie der Sound klingen soll. Das war ganz anders als beim ersten Album.

Und wie würdet Ihr die Unterschiede zum ersten Album beschreiben?

Diesmal habe ich viele Demos am Computer geschrieben. Daher mussten wir die Songteile mit billigem Computer-Sound konstruieren und dann im Studio nachbauen. Beim ersten Album ist ja hingegen so, dass man einen Schwung Stücke hat, den man schon oft gespielt hat. Das ist komisch: Wir arbeiten bald am dritten Album, gehen jetzt aber auf Tour, um das zweite Album zu promoten.

Ich würde über das Album gerne ein bisschen detaillierter sprechen. Auch wenn es eine nervige Frage ist: Warum heißt es „Holy Weather“?

Das war ursprünglich mal ein Arbeitstitel für einen Song namens „Dirty Weather“. Das bedeutet eigentlich nichts Besonderes. Es gibt keine große Geschichte dahinter mit Fantasy-Charakteren oder so. Aber die beiden Worte klingen gut zusammen. Ich weiß selbst gar nicht genau, was „Holy Weather“ eigentlich heißt.

Ich würde auch gerne über ein paar ausgewählte Songs reden, einer davon ist „Fire Escape“. Welche Idee steckt dahinter?

Viele Leute verstehen das sehr wörtlich, wenn ich singe „Go out to the fire escape“. Das ist eher eine Metapher für etwas, das in jedem von uns sitzt, vor dem man Angst hat. Es geht darum, nicht alles einfach so hinzunehmen. Ich spreche da mit mir und hoffentlich auch ein paar Leuten da draußen.

Ich habe gesehen, dass das Stück auch in „Vampire Diaries“ auftaucht. Wie kam es dazu?

Wir haben ein gutes Team um uns rum, das uns oft in Fernsehshows und Filmen unterbringt. Die gehen sozusagen mit uns hausieren. So kam es auch zu dem Stück in „Vampire Diaries“ – ein weiterer kleiner Schritt auf unserem Weg. So kommen wir auch in viele Shows, das ist gut.

Aber gibt es denn da eine Verbindung zwischen dem Lied und „Vampire Diaries“?

Nein, das werden wir oft gefragt. Wir werden auch gefragt, ob wir unsere Band nach den „Twilight“-Filmen benannt haben, da die Leute da den Link sehen: „Ach, Civil Twilight, Vampire Diaries… Da muss es eine Verbindung geben.“ Gibt es aber nicht.

Und ich denke, Ihr wart auch schon vor „Twilight“ da, oder?

Stimmt. Wir wissen, dass Leute Filme und Shows machen mit Szenen, bei denen sie dann nach der emotional passenden Musik suchen, die an der entsprechenden Stelle passt. Das ist wie Musik bei einer Party anzumachen. Sie hat keinen Bezug zur Party, aber bringt gute Stimmung. So wird die Musik auch in Filmen ausgesucht.

Ein anderer interessanter Song war „Move Stay“. Welche Idee steckt hier dahinter? Die beiden Worte passen ja nicht wirklich gut zusammen…

Das ist wie bei „Holy Weather“. Ursprünglich hieß der Song „High“, aber das wollten wir nicht als Songnamen verwenden. Eine Textstelle ist: „You have to move, you wanna stay“ – daher kommt das.

Dann gibt es da noch den „Highway Of Fallen Kings“. Wer sind die gefallenen Könige, von denen Ihr da erzählt?

In dem Stück geht es um Laute, die gar nicht verstehen, was sie eigentlich schon erreicht haben. Wir haben alle etwas „Royales“ im Blut, aber die Menschen wollen immer mehr. Während ich mir darüber so Gedanken machte, sah ich den Highway – so kommt das zusammen.

Wenn wir das Album mal wieder als Gesamtes betrachten: Ich habe gelesen, dass Ihr oft mit den frühen U2 verglichen werdet. Was denkt Ihr über diesen Vergleich?

Ich finde das mit unseren zwei Alben lustig. Ich denke mal, es liegt an meiner Stimme, dass mich manche ständig mit Bono vergleichen. Aber ich höre das nicht wirklich. Hörst Du es?

Ich habe erst darauf geachtet, nachdem ich das gelesen habe. Wenn jemand was finden will, tut er das vielleicht.

Vielleicht klingt es aber auch mehr wie John Mayer. (lachen)

Wie schon gesagt, ist das Album teilweise bereits seit über einem Jahr draußen, jetzt wird es auch in Deutschland veröffentlicht. Welche Erwartungen habt Ihr für den Release hier?

Ich denke, es hat das Potenzial, hier ganz gut zu laufen. Aber ich kenne den Markt nicht. Es wäre toll, wenn es hinterher möglich wäre, zurückzukommen und hier zu touren.

Wir haben jetzt über das Album und die Tour gesprochen… Am Ende würde ich nur gerne wissen: Gibt es schon weitere Pläne von Euch, die Ihr nennen könnt?

Morgen spielen wir in Berlin, dann geht es erstmal zurück nach Nashville. Kevins Frau bekommt ein Baby, unser Schlagzeuger heiratet – es passieren also große Dinge in den kommenden Monaten. Das fließt vermutlich mit in den Prozess ein, da wir auch Songs für das dritte Album schreiben werden. Wir werden es ruhig angehen, da wir in den letzten drei Jahren wie verrückt getourt haben.

Danke für das Interview!

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Interview und Übersetzung: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe