Alternativmusik.de ist dafür bekannt, auch mal über den Tellerrand zu gucken und nicht nur Alben zu besprechen aus allen Genres, sondern sich auch hier und da um Bands zu kümmern, denen es nicht primär um dem großen Erfolg geht, sondern darum, einfach nur live zu spielen und mit Coverversionen den Zuschauern eine gute Zeit zu bescheren. So wie es auch die „Garage Band“ aus der Nähe von Koblenz tut. Sie machen einen harten Job, indem sie sich zwar als Tribute-Band bezeichnen, aber irgendwie nicht das „Beste der 70er, 80er,90er und das Beste von heute spielen“ sondern eine Auswahl der interessantesten Songs von den Heroes der 90er wie Pearl Jam, Foo Fighters, Soundgarden, Live, Lenny Kravitz, Nirvana und wie sie noch alle heißen. Wir sprachen mit Gitarrist Guido Montanus über die hohe Kunst der Coverversion.

Warum heißt ihr Garage Band?

Guido: Wir haben damals in einem Proberaum angefangen, der in einem tiefen Keller lag und da es die „Keller-Band“ bereits gab, haben wir uns Garage Band genannt, es gab da auch ein wunderbares Apple-Programm, mit dem man auch zu Hause aufnehmen konnte und es klang einfach gut und es passte wunderbar zum Logo, das gab‘s nämlich bereits vorher.

Wie wählt ihr die Songs aus, gibt’s da eine feste Setlist oder geht das auch spontan?

Die Band wurde damals zwar als Coverband gegründet, aber wir wollten halt immer die Songs spielen, die nicht jeder spielt. Primär muss das Zeug uns Spaß machen und erst in zweiter Linie für das Publikum geil sein, wir sehen uns als Musiker und nicht als Dienstleister. Denn wenn wir keinen Spaß haben, dann hat das Publikum auch keinen Spaß. In unserer Größenordnung, wir verdienen damit kein Geld, sollte man zumindest Freude am Tun haben und zum 578. Mal „Jump“ von Van Halen zu spielen, obwohl das ein ganz toller Song ist, macht wenig Sinn, da gibt’s Bands, die machen das richtig gut und dann suchen wir uns lieber die Sachen aus, die keine andere Combo spielen kann oder spielen will. Wir sind dann so frech und verwursten die Songs. Es gibt Puristen, die uns dafür den Kopf abreißen möchten, für das was wir machen, aber das ist uns egal, wir haben den Anspruch, eine für uns befriedigende Show abzuliefern.

Aber ihr macht das nur als Hobby, ihr habt da keine weitreichenderen Pläne?

Ein reines Hobby, wir spielen natürlich alle schon relativ lange in verschiedenen Bands und in verschiedenen Konstellationen und wir sind natürlich Amateure, das merkt man an den Gagen, das merkt man an den Locations, aber wir versuchen, das so professionell wie möglich zu machen.

Aus wieviel Musikern besteht die Garage Band?

Es gibt einen festen Kern (Marius Anhäuser, Peter Goebel, Sascha Weis, Guido Montanus, Steff Gerch und Chris Wolf). Die Band wurde damals gegründet mit einem festen Instrumentalistenstamm, denn bei allen unseren vorherigen Bands war es seltsamerweise so, dass die Sänger nie Zeit hatten, um zu proben und deshalb haben wir uns entschlossen, dass wir uns mehrere Sänger ins Boot holen. Erstens einer kann immer zur Probe kommen und dann ist es so, dass es auch Stücke gibt, die manch einer anders singt und diese Variabilität ist auch nicht zu verachten. Wir haben also einen Pool, nicht nur von Songs, sondern auch von Sängern und das führte dazu, dass ganz plötzlich wieder jeder unsere Leadvokalisten Zeit hatte um zu den Proben zu kommen und dann sind wir in der, tollen Situation waren, ein drei Stunden Programm mit drei Sängern bestreiten zu können. Was unsere Songauswahl natürlich noch variantenreicher macht.

Also keine spontanen Einlagen oder Zwischenrufe?

Nein, wenn wir öfter als alle drei Monate einen Auftritt hätten, wäre das sicher was anderes, aber uns fehlt dann doch ein wenig die Sicherheit. Wenn wir jetzt dreimal die Woche spielen würden, dann würden wir das mit Sicherheit auch machen.

Welche Songs gibt’s bei jedem Auftritt der Garage Band zu hören?

Es gibt Songs, die funktionieren immer und überall. Man muss halt überlegen: Welcher Song passt zur Location und zum Anlass? Aber ob es Stücke gibt, die wir immer spielen, das wage ich fast zu bezweifeln. Wir haben mittlerweile so viele Nummern im Repertoire, dass wir eigentlich sagen können, man erlebt nie einen Abend exakt wie den anderen.

Wieviele Songs enthält denn das Repertoire der Garage Band?

Oh, also grob gesagt, wir haben 3 Sänger und haben mit jedem ca. 50 Songs eingeprobt. Klar, da sind auch Titel dabei, die werden, nachdem sie eine Zeit häufig gespielt werden, nicht mehr gespielt und geraten dann in Vergessenheit, aber im großen und ganzen sind das schon um die 150 Songs. Eher mehr, da wir zu Beginn der Garage-Band noch mit 2 Sängerinnen auftraten und die steuerten auch noch je 10 Songs bei.

Wie ist die Selbsteinschätzung der Garage Band?

Wir sind ja keine Partyband, wir sind eine Tribute-Band, die sich dem 90er Rock- und Grunge-Sound widmet. Deswegen kann man sich unsere Songs auch auf CDs oder Demos anhören kann, bevor man uns bucht, weil wir eben keine reine Partyband sind. Wir haben durch die Bank nur gute Erfahrungen gemacht. In meiner vorherigen Band, habe ich aber auch so manches Mal erlebt, dass ein Publikum nicht zu bewegen war und das bei einem Drei-Stunden-Auftritt, aber das sind auch Erfahrungswerte, da stimmte was in der Songauswahl nicht.

Aber das ist das Schöne am Musik machen: Es geht auch umgekehrt. Wir haben vor 14 Tagen in einem kleinen Club in Koblenz gespielt und da wussten wir auch nicht, was uns erwartet und da haben wir es innerhalb von drei Songs geschafft, die Leute derartig auf unsere Seite zu ziehen, dass die uns frenetisch gefeiert haben, wie wir das alle noch nie erlebt haben und für den bestimmten Moment machen wir das. Ich bin nicht immer auf der Bühne, sondern stell mich auch manchmal ins Publikum und beobachte die Reaktionen. Wir haben einen Pearl Jam-Block im Programm, der von Sascha begnadet gesungen wird und ich habe noch nie einen Laden so laut „Alive“ mitsingen hören. Ein Gänsehautmoment. Die Garage Band ist halt nicht Top 40 und nicht nur geradeaus und es gibt auch Leute im Publikum, die sind nicht immer geradeaus, aber Ziel war und ist, eine tolle Party zu feiern.

Ihr bestreitet ein Drei-Stunden-Programm mit Songs von anderen Bands. Gibt’s da nicht mal Überlegungen, eigene Songs zu schreiben?

Guido: Nein, eigene Songs haben wir noch nicht im Repertoire. Als wir vor fast 10 Jahren mit der Band anfingen, war es so, dass eigene Musik völlig uninteressant war. Die ganzen anderen Bands, die im Großraum Koblenz Musik machten, haben fast ausschließlich gecovert, während die anderen, die ihr eigenes Material hatten, keine Gigs bekamen, da es niemanden interessiert hat. Das hat sich in den letzten Jahren zum Glück geändert. Aber wir haben in absehbarer Zeit kein Interesse dran. Wir haben Spaß dran, die Stücke so originalgetreu wie möglich nachzuspielen.

Ihr seid eine Coverband, klar. Aber gibt’s nicht einen Song, den ihr gerne selbst geschrieben hättet?

Also ich hätte definitiv „Everlong“ von den Foo Fighters gerne geschrieben.

Stellt euch vor, das Leben wär ein Wunschkonzert und ihr dürftet euch aussuchen mit wem ihr jammt. Wer wäre das?

Eddie Vedder wäre nicht schlecht, aber ob der mit uns jammen würde, ha ha, wir sind doch lauter als Pearl Jam, aber im Zweifelsfall mit Dave Grohl. Der könnte uns mit Sicherheit noch einiges beibringen.

Bitte beendet folgenden Satz: Musik bedeutet die Welt für mich, weil …

Marius: … sie voller Emotion ist, sie immer da ist, sie nie betrügt.

Guido: … ich es nicht anders kenne. Ich mache seit rund 45 Jahren Musik, hab mit 2 Jahren das erste Mal am Klavier gesessen und ich weiß, wenn ich längere Zeit keine Musik machen kann, werde ich sehr unleidlich und die erste, die mich dann in den Proberaum schickt, ist meine Frau.

Was dann folgte war ein tolles Konzert mit einer Band, die genau weiß, was sie will und das auch live herüberbringt und wer im Raum Koblenz mal ein Plakat mit einer Ankündigung eines Konzerts mit der Garage-Band sieht, der sollte sich eine Karte kaufen für eine Coverband, die irgendwie anders ist.

Homepage: www.garage-band.de
Facebook: www.facebook.com/garage.band.ko

Interview: Dennis Kresse
Bilder: Pressefreigabe