Das nennt man dann wohl bodenständig, wenn ein Sänger während des Rasenmähens mal eben kurz zum Hörer greift und einen ölverschmiert mal anruft. Max Mutzke ist so einer, der trotz seiner zehn Jahre andauernden Karriere der Typ von nebenan geblieben ist und der auf Starallüren gänzlich verzichtet. Wir sprachen mit Mutzke über sein neues Album, das schlicht und einfach „Max“ heißt und am 12.06. erschienen ist, über die vielen Projekte, die der emsige Mann aus Waldshut-Tiengen im Breisgau mit seiner charismatischen Stimme veredelt hat und über das Leben on the road, das anders ist, als man sich das gemeinhin so vorstellt.

Hallo Max, wie entstand dein neues Album?

Da muss ich aber ganz weit aushalten, wieviel Zeit hast du denn?

Jede Menge, lass uns doch erstmal über den wenig glamourösen Titel „Max“ sprechen.

Ha ha, ok, also offen gestanden, ich habe keine Ahnung, warum mein Album so heißt. Fakt ist, dass ich sehr lange an dem Album gearbeitet habe, vier Jahre hat die Arbeit gedauert und irgendwann kam der Punkt, wo ich es satt hatte, mich dem ganzen Mainstreamgedanken zu unterwerfen. Ich hatte ja auch schon Soul- und R’n’B-Pop-Alben veröffentlicht und damit natürlich auch den Druck, dass man da im Radio laufen muss, dass man damit Hallen ausverkaufen muss. Man hat ja auch eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die dran arbeiten und die müssen ja auch Geld verdienen und leben. Aber der Druck wurde dann unerträglich, also hab ich ein total unkommerzielles Jazz-Album gemacht und daraus haben sich halt viele Kontakte in der Jazz-Szene erst entwickelt sowie einige Gastbeiträge wie auf dem Album von Nils Wülker oder Wolfgang Haffner. Das Jazz-Album war völlig losgelöst von jedem kommerziellen Hintergedanken, Hafner und ich haben das produziert. Die Zusammenarbeit mit Wolfgang Haffner, einer Jazz-Koryphäe , war wie ein Ritterschlag und der Beweis, dass ich einiges in den letzten zehn Jahren richtig gemacht habe und dass Leute wie Wigald Boning, Jan Plewka oder Götz Alsmann mit einem arbeiten wollen, das ist eine große Ehre. Trotz der unkommerziellen Herangehensweise war es mein erfolgreichstes Album der letzten Jahre und es wäre total toll, wenn „Max“ sich auch dahinter nicht verstecken müsste. Was auch toll war, war dieses Jazz-Album live zu präsentieren. Wir sind damit über 200mal aufgetreten. Diese Erfahrungen, die ich da gesammelt habe, möchte ich nicht missen. Mit den unterschiedlichsten Ensembles, zum Beispiel mit klassischen Streichern in der Essener Philharmonie oder mit allen möglichen Big Bands haben wir an jeder Steckdose gastiert. Ich hatte immer das unglaubliche Glück, dass diese erlesenen Musiker alle meine Songs spielen, die ich mir ausgedacht habe und jede dieser zahlreichen Besetzungen hat dazu geführt, dass ich meine eigene Identität, also „wer ist Max?“, mir dadurch erst so richtig klar wurde. Die Überlegungen, wie mein nächstes Album klingen soll, ob es ein Jazz-Album oder ein Bras-Album werden soll oder man sich einen DJ holt, der die Beats darunterlegt, es gab so viele Möglichkeiten. Es wurden viele Produzenten zu Meetings geholt, ich hatte alle Demos dabei, die bis zu fünf Jahre auf dem Buckel hatten und dementsprechend auch alle unterschiedlich klangen, was an der Zeitspanne und den persönlichen Erfahrungen lag. Die Produzentenauswahl war auch sehr langwierig und sehr schwierig, denn ich musste erstmal abwarten, wer zu-oder absagt und das hat sehr lange gedauert. Aber dann hab ich Andreas Herbig gefragt. Obwohl ich erwartet habe, dass er mir absagt, da er durch seine Arbeiten mit Udo Lindenberg oder Andreas Bourani ausgelastet ist, hat er mich dann auf den „Driver Seat“ gesetzt und er wusste auch genau, was ich mir vorstelle uns so kam es, dass Herbig mein Album produziert hat.

Welche musikalischen Vorbilder hast du?

Ganz viele, der junge Prince, Frank Ocean, Bill Withers – um mal nur bei den Sängern zu bleiben. Das war lustig, ich stand mit den Musikern im Studio und sang „Ain’t no sunshine“, um der Band zu zeigen, wie es klingen soll. Die Performance ist aufgegangen und jeder wusste, ob es eine Ballade oder eine Uptempo-Nummer werden soll. Natürlich wurden auch Balladen aus schnellen Nummern, wenn zum Beispiel jemand gesagt hat, lass uns die Nummer mal zwei Takte langsamer spielen. Die Songs sind gewachsen und das in neun Tagen, das ist eine hervorragende Leistung. Das Album klingt wie aus einem Guss.

Also dein bisher bestes Album?

Das sagt Dir doch jeder Künstler, oder? Aber es ist halt was völlig anderes als das Jazz-Album. Wenn es ein erneutes Jazz-Album geworden wäre, dann hätte ich da eine Blaupause von gemacht, so ist „Max“ eine ganz eigenständige Scheibe. Es lässt sich auch kaum vergleichen, da es zwei komplett unterschiedliche Genres sind, ich mag beide Alben sehr. Wobei man das Live-Album, was zwischen den beiden erschien, auch mit ins Boot nehmen sollte. Also du siehst, drei Alben, die nichts miteinander zu tun haben und wo jedes für sich steht.

Wie ist denn deine Erwartungshaltung für „Max“?

Ich möchte mir gerne dieses unbeschwerte Gefühl beibehalten, dass ich Musik fernab von kommerziellem Erfolg machen kann. Es gefällt bislang jedem, der Band, dem Verlag, die sprachen von einem der besten Alben 2015 – das Feedback intern ist großartig. Die erste Single „Welt aus Glas“ erfreut sich auch größerer Beliebtheit und wurde auf Heavy Rotation gesetzt. Was mir aber viel bedeutet, sind die Telefonate mit Radiomoderatoren, die die Nummer über den grünen Klee gelobt haben.

Du switcht auf dem Album zwischen Englisch und Deutsch. Was ist deine bevorzugte Singsprache?

Die gibt es gar nicht, es kommt immer auf den Song an. Es gibt unzählige Möglichkeiten, das Wort „Love“ zu singen. Ich möchte mich da nicht gerne einschränken lassen. Das ist sowie die Frage, magst du lieber Fleisch oder Gemüse, ich mag beides, also möchte ich die Entscheidung auch nicht treffen.

Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Max Mutzke-Song?

Ich nehme jede Idee mit dem Handy auf. Mal kommt mir ein Text und mal eine Melodie beim Autofahren, beim Kochen etc. und dann fällt mir spontan was ein und meine Reaktion ist denn häufig „Was ist denn das jetzt?“ Dann nehme ich das auf und weiß in der ersten Sekunde bereits, ob es ein englischer oder deutscher Track werden soll. Ich singe dann oft Nonsens, im besten „Kinderenglisch“, aber auch deutsch. Ich kann nicht sagen, woran das liegt. Ich kann mich an kein Lied erinnern, wo ich im Studio saß und dachte, auf Deutsch würde der Song besser klingen und umgekehrt genauso.

Warum sollte man dich unbedingt auf Tour sehen?

Wir spielen natürlich die Nummern, die die Leute aus dem Radio kennen, wie „Schwarz auf weiß“, oder „Marie“ und wahrscheinlich auch „Can’t wait until tonight“, wobei ich seit meiner Teilnahme beim ESC 2004 das auch nicht mehr gesehen habe und davor auch nicht kannte. Es ist ein Teil meines Lebens, aber es nimmt keinen beherrschenden Platz ein, das ist zehn Jahre her und in den zehn Jahren ist so viel anderes passiert.

Welche drei Sachen sollten auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Ganz wichtig, Laufschuhe und Sportbekleidung. Die meisten Clubs, in denen wir auftreten, lassen uns morgens um 11 Uhr rein, aber wenn du dann um 09 Uhr aus dem Nightliner kommst und erstmal eine Runde laufen kannst, dann macht das den Kopf frei. Ganz wichtig sind auch Bücher und Fachmagazine, Geo Spezial hat es mir gerade angetan, da blätter ich sehr gerne drin und freue mich über die vielen interessanten Artikel. Lesen und Sport sind wichtig auf Tour. Was mir auch gefällt, wenn wir den Soundcheck beendet haben, dann ziehe ich mich oft zurück, während die Band am Venue oder in der Stadt ist und lese in den „Kajüten“ ein gutes Buch und schlafe viel, man hat Verantwortung gegenüber jedem Einzelnen, der kommt, um dich singen zu hören. Das kann nicht der Anspruch sein, da verkatert nur das Nötigste zu tun, das ist nicht mein Anspruch.

Du hast mit so vielen Menschen zusammengearbeitet, gibt’s da nicht noch einen, mit dem die Zusammenarbeit noch nicht geklappt hat?

In Deutschland durfte ich mit allen, die für mich persönlich wichtig sind auf der Bühne stehen, wie Andreas Bourani oder Mark Forster, um mal nur zwei zu nennen. Oder die ganzen Jazzer wie Götz Alsmann, Klaus Doldinger oder Nils Landgren oder Helge Schneider und Otto Waalkes, Badesalz, Willy Astor , mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Ich habe da wirklich ganz großes Glück, dass ich die Möglichkeit habe, mit diesen Menschen immer mal wieder zusammenkommen zu können und den ein oder anderen Song zu singen. Natürlich träumt man immer von Weltstars wie Eric Clapton oder Frank Ocean, also wenn sich das mal ergeben würde, dann würde ich selbstverständlich mit denen auf der Bühne stehen.

Wo siehst du dich und deine Musik in 10 Jahren?

Ich hab noch so viele Ideen, da werden zwar unter Garantie einige hinten runter fallen, aber ich hab noch einige Pläne. Aber ich bin auch dankbar, was die letzten 10 Jahre so alles passiert ist, das sollte man auch sein. Egal ob als Künstler oder was auch immer du tust, die Karriere ist ein andauerndes Auf und Ab. Aber man muss sich halt den Abs auch stellen.

Vervollständige bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

… es mein tägliches Brot ist. Das klingt jetzt langweilig, ist aber so, aber ich bin auf diesen Beruf auch sehr, sehr stolz, dass ich damit Geld verdienen kann und nicht mich anderweitig betätigen muss. Musik ist für mich aber auch nur ein Teil meines Lebens, ich habe so viele andere Interessen, aber Musik ist, was mich am längsten begleitet. Ich spiele, seit ich sechs Jahre alt bin, Schlagzeug und hab auch immer Bands gehabt, hätte mir auch nie träumen lassen, dass ich davon mal leben würde, aber während wir sprechen, hab ich ölverschmierte Hände und werde gleich mit dem alten Unimog wieder in den Wald gehen, ich bin geerdet und Musik ist nicht alles für mich.

Vielen Dank für das nette Gespräch und bis zur Tour!

Tourdaten

15.09.2015 Freiburg, Jazzhaus
16.09.2015 Zürich (CH), Exil
17.09.2015 Wien (A), Porgy & Bess
18.09.2015 München, Ampere
19.09.2015 Aschaffenburg, Colos-Saal
21.09.2015 Bremen, Modernes
22.09.2015 Köln, Stadtgarten
23.09.2015 Hannover, Musikzentrum
24.09.2015 Braunschweig, Festival KulturImZelt
25.09.2015 Kaiserslautern, Kammgarn
27.09.2015 Stuttgart, ClubCann
28.09.2015 Mannheim, Capitol
29.09.2015 Nürnberg, Hirsch
01.10.2015 Karlsruhe, Tollhaus
02.10.2015 Oberursel, Stadthalle
03.10.2015 Göttingen, Musa
04.10.2015 Hamburg, Mojo
05.10.2015 Berlin, Frannz

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Interview: Dennis Kresse
Bilder: David Königsmann