Vieles passt auf den ersten Blick nicht zusammen: Der melancholische Elektrosound des Dänen Sebastian Lind zur neuen deutschen Poesie, wie sie von Revolverheld gemacht wird, warum sich die Jungs aus Bremen und Hamburg ausgerechnet Lind als Vorgruppe holten, wie er mit den Fans der norddeutschen Senkrechtstarter umgeht und warum er immer nicht ohne Band durch die Landen zieht, verriet Sebastian Lind in einem netten Plausch bei Kaffee und Keksen und einiges Wissenswerte im Backstage-Bereich des E-Werks in Köln bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Wetter. Hier ist das Ergebnis des schönen Interviews mit dem jungen Dänen Sebastian Lind.

Sebastian, nicht jeder unserer Leser kennt dich schon. Wenn du dich mal kurz vorstellen könntest…

Mach ich. Ich bin 25 Jahre alt, komme aus Dänemark, habe eben meine neue EP veröffentlicht und meine Musik ist ein Mix aus Singer/Songwriter, ein bisschen Elektrosound und Mainstream. Melancholisches trifft auf Upbeats.

Deine neue EP „Waiting for something“ klingt in meinen Ohren aber deutlich elektronischer als der Vorgänger?

Ja, absolut, im Gegensatz zu „I will follow“ ist es ein Schritt in eine andere musikalische Richtung, mit mehr aggressiven Elementen und mehr Elektronik. Man muss sich auch mal neu erfinden können.

Es ist heute dein erstes Deutschlandkonzert mit Revolverheld, ist man da nervös?

Momentan noch nicht, aber wahrscheinlich, wenn sich dann die Türen öffnen und die Leute ins E-Werk kommen. Aber ich glaube, das wird eine hochinteressante Erfahrung für mich, vor so vielen Menschen zu spielen. Lampenfieber hab ich keins, nur eine gesunde Anspannung.

Du bist auf Tour mit Revolverheld, wie kam es dazu?

Revolverheld haben mich eingeladen und mein Manager hat das dann in die Wege geleitet. Es ist natürlich eine Ehre für eine deutsche Band wie Revolverheld den Support machen zu dürfen.

Würdest du sagen, dass es eine musikalische Gemeinsamkeit zwischen deiner Musik und der von Revolverheld gibt?

Auf jeden Fall, einige sogar, aber ich bin halt ein wenig extravaganter musikalisch, aber es ist halt immer schwer zu sagen, ob es da musikalische Unterschiede gibt. Lässt sich kaum vergleichen, ich bin halt eher elektronisch angehaucht, während Revolverheld eher eine Gitarrenband sind.

Man sagt ja, dass es ein hartes Brot ist, als Support Act bei einer beliebten Band aufzutreten, was wirst du von den Erfahrungen mitnehmen?

Man weiß halt nie, was passieren wird. Das Beste, was du machen kannst, ist dein Ding durchzuziehen und die Publikumsreaktionen zu ignorieren, also nicht das Jubeln, sondern eher das Desinteresse. Aber ich hoffe natürlich, dass ich auch bei den Revolverheldfans ankomme. [Tat Sebastian Lind dann auch ganz hervorragend. – Anm. der Redaktion] Mein Hauptinteresse liegt darin, mich bei einem Publikum, das mich noch nicht kennt, vorzustellen und dieses zumindest nicht zu enttäuschen.

Aber ich vermute mal, dass sie dich hier mit viel Respekt behandeln werden…

Das denke ich auch, ich habe das deutsche Publikum als objektives und vor allen Dingen auch gut zuhörendes empfunden. Ich war in der Vergangenheit mit Künstlern wie Clueso auf Tour, kenne die Fans und mache mir da keine großen Sogen. Ich habe zwar keine Mitsing- oder Mitklatsch-Nummern in meinem Programm, aber ich glaube, sie werden meine Show mögen.

Warum sagst du, sollten sich die Fans dich heute Abend unbedingt ansehen?

Weil sie sonst meine Musik verpassen, ha ha. Ich werde heute, wie immer, alles geben und meine Nummern live klingen immer noch anders als auf CD. Meine Musik muss eigentlich live gehört werden, weil man da alle Facetten mitkriegt. Es ist was anderes, wenn man einen Musiker sieht, als wenn man ihn nur hört. Ich liebe es, den Anheizer zu geben und ich liebe es, live zu spielen und das wird der Fan auch spüren. Man kann den Zuhörer durch eine gelungene Live-Performance viel mehr von sich und seiner Musik überzeugen, als wenn man ihm nur eine Single in die Hand drückt. Mein Auftritt dauert zwar nur 30 Minuten, aber das reicht, um sich ein Bild zu machen. Aber man bekommt natürlich bei einer richtigen Sebastian Lind-Show viel mehr als diese 30 Minuten, eher doppelt so viel.

Bei deinem Konzert in Hamburg im Vorprogramm von Marit Larsen in 2012 sagtest du, dass du üblicherweise mit Band auftrittst, du aber einige Alben verkaufen müsstest, um dir leisten zu können, die Band mitzubringen. Ist der Plan aufgegangen?

(lacht) Ja, ist er, absolut. Die Band ist mit dabei – auf ausdrücklichen Wunsch von Revolverheld. Ich ziehe es eh vor, mit Band aufzutreten, auch wenn es kostet. Es gibt einem eine gewisse Sicherheit.

Deine neue EP heißt „Waiting for something“ Auf was wartet Sebastian Lind denn?

Gute Frage. Wenn man niedergeschlagen ist, wie ich es war, dann wartet man auf irgendetwas, ohne genau zu wissen, worauf und man hinterfragt sich genauer. „Warum bin ich so ausgebrannt?“ Aber wenn man dann drüber nachdenkt, dann stellt sich der Kampfgeist ein. Der Song „Waiting for something“ führt natürlich zu unterschiedlichen Interpretationen. Ist es ein Liebeslied? Nein, es ist kein Liebeslied. Es geht um nichts Bestimmtes, einfach nur um das Gefühl.

Einer der Titel trägt den Namen „Death Monologue“. Was für ein dramatischer Titel. Worum geht’s in dem Song?

Oh, das ist genauso schwierig zu erklären wie die Frage davor. Es geht um die Sicht der Dinge, vieles wird doch in Schubladen abgelegt und bei Bedarf wieder herausgezogen. Man stelle sich vor, man würde alle diese Regeln über Bord werfen, was dann bliebe, das ist doch die Frage. Wenn man ohne Vorbehalte wie ein Baby an Dinge herangehen würde. Für das Baby ist es kein grüner Stofffrosch, sondern einfach nur ein weiches etwas. Je älter du wirst, umso voller werden diese Schubladen. Also handelt der Song davon, wie es wäre, wenn man komplett vorurteilsfrei und ohne dieses Schubladendenken wäre. Ein sehr philosophischer Ansatz. Viele meiner Songs handeln von einer philosophischen Sicht auf die Dinge. Ich habe mich über meine persönlichen Songs mit einigen Menschen unterhalten und jeder hat eine andere Empfindung und das macht doch das Schreiben von Liedern so besonders, dass jeder eine andere Sicht der Dinge hat.

Wie kriegst du die Leute, die noch nie was von dir gehört haben?

Mit meiner authentischen Musik. Das bin ich und anders kann ich ja gar nicht sein. Ich stelle mich natürlich vor und weise auch auf „Waiting for something“ hin, das ist nun mal das Los eines Support Acts. Aber nicht übertrieben, ich finde es sehr störend, wenn man als Künstler nach jedem Song sagt: „Das war der Song von dem neuen Album und das könnt ihr am Merchandise-Stand kaufen.“ Aber ich bete nicht jeden Abend diesen Satz herunter, die Fans sind clever genug, um zu wissen, wo es, wenn es ihnen gefällt, die CDs zu kaufen gibt.

Du hast jetzt mit „Waiting for something“ eine weitere EP aufgenommen, wann kommt denn endlich ein neues Album?

Mit meinen Songs könnte ich eigentlich ein Doppelalbum machen, aber ich habe sehr hohe Ansprüche an mich und die Qualität der Songs. Aber ich arbeite dran.

Gibt‘s denn schon Pläne für eine Headlinershow in Deutschland?

Die gibt es, aber noch ohne Daten, also noch nichts Spruchreifes. Lass uns erstmal die Revolverheld Tour zu Ende spielen.

Danke für das nette Gespräch und viel Erfolg!

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News: Sebastian Lind – neue EP und Toursupport für Revolverheld
Rezension: Sebastian Lind – I Will Follow
Konzertbericht: Marit Larsen – 18.04.2012, Hamburg Gruenspan (Support: Sebastian Lind)

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Interview und Übersetzung: Dennis Kresse
Bilder: Aske Rif