Obwohl die Veröffentlichung eines neuen Albums noch eine Weile hin ist, ließen sich die Belgier von Triggerfinger die Gelegenheit nicht entgehen, als Support-Act von The BossHoss durch die großen Hallen zu ziehen. Vor dem ausverkauften Konzert in Hamburg bot sich die Gelegenheit, im Backstage mit dem Trio über die aktuelle Tour, ihre gefeierte Lykke Li-Coverversion, Covern allgemein, ihre weiteren Pläne und andere Themen zu sprechen. Das Ergebnis gibt es hier im Interview. Viel Spaß bei der Lektüre!

Ihr seid jetzt schon einige Tage auf Tour. Wie war es bisher?

Ruben: Wir haben The BossHoss nicht bei allen Shows begleitet, wir hatten zwischendurch auch ein paar Soloshows in Belgien, aber jetzt sind wir wieder dabei. In der ersten Woche waren wir in Oberhausen und zweimal in Leipzig. Das war ziemlich erstaunlich!

Wie ist es für Euch, vor einem solchen Publikum zu spielen? Ich denke mal, viele werden Euch noch nicht kennen…

Paul: Das macht Spaß. Ich denke, in Deutschland sind die Leute gegenüber jedweder Musik sehr offen. Das ist zwar auch herausfordernd, aber bei unserem dritten Konzert wollten sie sogar eine Zugabe. Das ist nicht übel!

Ist das in anderen Ländern anders?

Paul: In Belgien oder Holland ist es zum Beispiel oft so, dass die Leute zu reden anfangen, wenn man ein langsameres Stück spielt. In Frankreich oder auch in Deutschland wird da wirklich zugehört.

Ruben: Die Leute sind sehr wohlwollend uns als Support-Act gegenüber. Der Großteil der Leute kennt uns gar nicht, daher war es sowohl für uns als auch für sie neu.

Aber wie kommt es, dass Ihr Euch gerade jetzt für eine Tour entschieden habt? Ich mein, das Album ist nun schon seit über einem Jahr draußen und ein neues wurde noch nicht veröffentlicht…

Ruben: Wir haben ja auch schon andere Support-Touren in Deutschland gespielt, dazu Clubs und einige Festivals… Wir haben jetzt einen englischen Kontakt, der uns hilft, in Europa eine Art Plattform zu entwickeln. Er präsentiert uns mit Support-Touren. Wir haben in England mit Thin Lizzy getourt und er schlug uns vor, jetzt mit The BossHoss in Deutschland zu touren. Wenn Du siehst, wie viele Leute jede Nacht kommen – das ist fantastische Promo. Wir sprechen in Deutschland auch über einen Plattenvertrag. Er ist noch nicht unterschrieben, aber das sieht alles gut aus. Wir würden dann „All This Dancin‘ Around“ wiederveröffentlichen mit einer zusätzlichen Single darauf. Außerdem werden wir ein Live-Album am 21. Mai veröffentlichen.

Wie gerade schon gesagt: Das Album wurde vor über einem Jahr veröffentlicht. Wenn Ihr jetzt darauf zurückblickt: Gibt es etwas, das Ihr inzwischen definitiv anders machen würdet?

Ruben: Nein, das Album ist das Album. Und wenn es so ist, dass wir in einem Land einen Deal kriegen und das Album dort ein oder zwei Jahre später veröffentlichen, ist es nach wie vor das Album. Wenn man Stücke in einer bestimmten Befindlichkeit zu einer bestimmten Zeit aufnimmt ist das so. Wenn man sie live spielt, verändern sie sich natürlich ein oder zwei Jahre nach dem Album, sie klingen dann anders. Aber das ist okay!

Neben dem Album habt Ihr gerade Eure Cover-Version von „I Follow Rivers“ (Lykke Li) veröffentlicht. Warum habt Ihr Euch für gerade diesen Song entscheiden?

Mario: Das war ein Unfall. Das passierte beim niederländischen Radiosender 3FM. Wir sollten dort unsere neue Single spielen. Aber wenn man dort ist, soll man außerdem einen Song aus den Top 50 spielen. Die geben Dir dann eine Liste mit den Stücken und Du sollst eins auswählen. Das haben wir gemacht. Das ist kein Witz und keine Lüge, das ist die Wahrheit: Am Tag davor suchten wir noch die Lyrics – und wir sollten es morgens um sieben Uhr spielen. Wir kamen da etwa 20 Minuten vorher ins Studio, ich programmierte den Beat in meinem iPhone. Und da standen zwei Tassen, auf denen ich zu spielen versuchte. Da kamen die Jungs schon und zählten uns an – und wir waren drauf…
Als wir dann nach Groningen zum Eurosonic Festival kamen, erzählte uns unser Manager: „Hey Jungs, ich muss ich Euch was erzählen… Der Song ist im Internet, er ist auf Facebook. Und sogar im belgischen Radio.“

Ruben: Jetzt ist es ein Nummer-1-Hit in Holland und in Belgien. Wir haben in beiden Ländern Gold bekommen dafür. Das ist verrückt, denn es ist die Original-Aufnahme aus dem Radio, wir haben da nichts dran gemacht. Aber wir waren natürlich glücklich, dass dieser Song in den Top 50 war, da ist ja auch viel Mist drin. Der Song hat einen coolen Text, eine gute Linie – wir konnten etwas damit machen. Wir haben generell Songs in verschiedenen Intensitäten, daher zeigt „I Follow Rivers“ gut eine Seite von uns. Wir mochten den Song und es war nichts, was uns nicht steht. Daher taten wir es!

Mario: Das ist die ganze Geschichte. Wenn wir das geplant hätten, hätten das vermutlich anders geklungen.

Ruben: Das ist toll, wenn man so etwas macht und damit den Moment festhält. Wir sind den Song vorher zwei Mal durchgegangen und dann waren wir on air. Das war cool!

Das Video auf YouTube ist also die Original-Performance?

Ruben: Ja, das ist die Original-Performance.

Mario: Genau. Das ist das erste Mal, dass wir das gespielt haben und danach haben wir es nicht mehr gespielt…

Auf Facebook habe ich gesehen, dass Ihr auch einen Rihanna-Song gecovert habt (Man Down)…

Mario: Das war für den Red Bull Soundclash in Belgien. Der war letztes Wochenende. Da spielen zwei Bands – das ist in einer Halle, wo eine Band auf der einen und die andere Band auf der anderen Seite spielt. Du spielst also gegeneinander. In der ersten Runde soll man einen Song in seiner eigenen Version covern. Daher taten wir das.

Ruben: In der zweiten Runde soll man dann ein Stück der Band covern, gegen die man gerade spielt. Das war eine HipHop-Band…

Mario: In der dritten Runde soll man seine Cover-Version dann in verschiedenen Stilen präsentieren. Country, Rave, Disco… Nun ja, unsere Version von „Rihanna“ war eins der Highlights des Abends.

Ruben: Sie haben es sogar im Radio gespielt danach. Obwohl es gar nicht veröffentlicht ist…

Mario: Eigentlich ist das mit dem Covern auch eine einfache Kiste. Wenn man jetzt in die frühen 50er guckt, da war das ganz normal, Songs zu covern. Aber auch in jüngerer Vergangenheit. Zum Beispiel die Red Hot Chili Peppers, die mit einem Stevie Wonder-Cover richtig groß wurden. Faith No More hatten eine Coverversion der Commodores. Oder auch Vanilla Fudge, die in Amerika ziemlich groß waren… Die hatten eine Coverversion von „You Keep Me Hanging On“, das war ein Soul-Song. Das wurde also immer getan. Was ist also falsch daran? Ich sehe da nichts.

Ruben: Das ist ja so – wir spielen ja nun glücklicherweise schon eine Weile und haben einige Alben draußen. Wenn man als Band als erstes eine Cover-Version herausbringt, wird man da immer mit verbunden. Wir haben aber ein paar Alben draußen. Wir mögen es, Sachen in unserer eigenen Ästhetik zu machen. Das ist toll, Zeug zu adaptieren und es ein wenig zu seinem eigenen zu machen. Wie den Rihanna-Song. Ihre Version ist klasse, aber unsere ist ein bisschen anders. Es wäre auch sinnlos, ein Cover zu machen, wenn man nur den Original-Song nachspielt.

Nach dem Erfolg des Lykke Li-Covers: Plant Ihr, es vielleicht auf dem nächsten Album zu veröffentlichen?

Ruben: Ich denke, wenn „All This Dancin’ Around” in Deutschland wiederveröffentlicht wird, könnten wir das mit drauf packen. Wir schämen uns da ja nicht für, da es wie gesagt ein großartiges Stück und eine großartige Version ist. Aber beim nächsten Studio-Album weiß ich es nicht. Auf „All This Dancin‘ Around“ ist ja auch schon eine Cover-Version: „All Night Long“. Ich kenn es von Ray Charles – es ist zwar nicht von ihm, aber er hat eine großartige Version davon gemacht. Wir bringen auf jedes Album gerne ein Cover. Normalerweise ist das aber ein nicht so bekannter Song. Wenn man eine tolle Version eines bestimmten Songs hat: Warum nicht? Es macht Spaß, damit ein bisschen rumzualbern neben seinem eigenen, selbst geschriebenen Material.

Wie Ihr schon gesagt habt: Ihr werdet „All This Dancin‘ Around“ wiederveröffentlichen. Gibt es daneben denn auch schon Pläne für ein neues Album oder steht erstmal der Rerelease im Vordergrund?

Mario: Wir werden im November wieder nach Los Angeles gehen. Erst kommt das Live-Album, dann geht es nach L.A., um über ein das nächste Studio-Album nachzudenken. Und dann ist da noch der Rerelease. Der Grund dafür ist, dass wir in Deutschland vermutlich einen Plattendeal kriegen.

Ruben: Wahrscheinlich. Noch ist nichts unterschrieben, aber hoffentlich…

Aber ein Datum für das nächste Album habt Ihr noch nicht?

Ruben: Nein, das hängt von anderen Dingen ab. Wenn wir „All This Dancin‘ Around“ veröffentlichen, müssen wir sicherlich viel in Skandinavien und in Deutschland spielen und die Promo dafür machen. Dann müssen wir andere Sachen verschieben. Man muss immer gucken, was gerade passiert. Rock’n’Roll ist ein sehr kurzweiliger Job. Aber wir haben dennoch einen Proberaum für ein halbes Jahr gemietet, um neue Songs zu machen. Wir arbeiten auch an neuem Material. Wenn Du die Energie verspürst, neue Sachen zu machen, solltest Du es machen – dann hast Du auch schon neue Songs.

Daneben habt Ihr eine Vinyl zu „Do Ya Think I’m Sexy“ veröffentlicht, von der es nur 500 Exemplare gibt. Warum habt Ihr Euch für so eine strikte Limitierung entschieden?

Mario: Das haben wir für den „Record Store Day” gemacht, das ist der Grund. Wir wurden gebeten, eine 10“ oder so zu machen. Wir haben dann den Lykke Li-Song da auch mit raufgenommen. Und auf der B-Seite befindet sich eine Jam-Session. Wir arbeiten gerade am Soundtrack für einen belgischen Film namens „Offline“. Da haben wir einige Jam-Sessions aufgenommen, von der eine nun als B-Seite auf der Vinyl ist.

Könnt Ihr zu „Offline“ ein bisschen erzählen?

Mario: Das ist ein belgischer Film von einem Regisseur namens Peter Monsaert. Das wird eine große Sache in Belgien, das ist für uns natürlich gut. Und es macht Spaß, weil es eine andere Arbeitsweise ist.

Okay… Nun seid Ihr ja auf Support-Tour. In einigen Wochen kommt Ihr wieder nach Deutschland für ein paar Headliner-Shows. Warum sollte man unbedingt zu Eurer Show kommen?

Ruben: Weil sie gut ist! Und wir spielen länger. Bei den Support-Shows spielen wir ja keine Stunde oder so. Bei unseren Shows hingegen spielen wir länger. Die ganze Show! Mehr Songs! Mehr Herzlichkeit!

Mario: Mehr Freude!

Wenn Ihr nach einer Show von der Bühne kommt… Wann würdet Ihr sagen: „Okay, das war eine gute Show“?

Ruben: Man merkt das schon auf der Bühne, wenn man eine gute Show spielt. Aber das ist alles relativ. Es kann sein, dass einer von uns die Show nicht gut findet, aber alle anderen oder das Publikum sehen das ganz anders. Auch wenn etwas kaputtgeht oder man einen schlechten Sound hat. Das Publikum kann das ganz anders empfinden. Und sie haben ein Ticket für Deine Show gekauft, es ist nicht deren Problem, wenn etwas schiefgeht, sie wollen die Show sehen. Daher ist es dann auch egal, was passiert oder ob man sich nicht gut fühlt.

Das waren fast alle meine Fragen… Am Ende würde ich gerne wissen: Triggerfinger gibt es nun bald 12 Jahre. Wo seht Ihr Euch in weiteren 12 Jahren als Band?

Mario: Bei derselben Sache! Alben aufnehmen, Musik machen, in den Bus steigen, aus dem Bus steigen…

Ruben: Das schöne ist, dass wir sehr glücklich sind, die Musik zu machen, die wir machen wollen. Wir schulden da niemandem etwas. Wir können entscheiden, was wir machen – wenn man diese Freiheit als Musiker hat, ist das großartig. Wir mögen alle eine Menge Musik und sind an vielen verschiedenen Arten interessiert. Aber Triggerfinger hat einen gewissen Kopfraum, eine gewisse Ästhetik, sodass wir schnell merken, ob ein Stück zu uns passt oder nicht. Wir mögen alle viel Zeug neben dem, was wir spielen. Wer weiß, was so kommt. Solange wir es mögen, werden wir es tun!

Vielen Dank für das Interview!

Ruben: Nichts zu danken!

Weitere Artikel
Konzertbericht: Triggerfinger – 23.03.2012, Hamburg Sporthalle
News: Triggerfinger – Auf Tour ab März + Lykke Li-Cover

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Text: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe (Oktober Promotion)