Das aktuelle Album erschien im September, inzwischen wurde es veröffentlicht, fuhr sehr positive Kritiken ein und wurde auch live präsentiert – unter anderem am 12.11.2015 in Köln. Kurz vor seinem Konzert im Luxor traf ich mich mit Darwin Deez, um über sein neues Album Double Down, Touring und Streaming zu sprechen. Abgesehen von einigen philosophischen Ansichten scheint er einer der wenigen zu sein, die eine klare und simple Meinung zum Thema Streaming haben.

Dein neues Album ist seit einiger Zeit draußen. Gab es nennenswerte Unterschiede im Entstehungsprozess, im Gegensatz zu den anderen beiden Alben?

Nein. Ich habe ein paar Bassmelodien geschrieben, das habe ich vorher noch nicht, also ist das wahrscheinlich der eine große Unterschied. Ich habe außerdem eine neue Drum-Software benutzt und ich habe im Studio einige Lead-Vocals auf sehr teuren Mikrophonen, 10.000$ Mikrophonen, aufgenommen, das habe ich vorher noch nie gemacht.

Was ist dein Lieblingssong von Double Down?

Hmm, ich denke ich würde Bag of Tricks sagen, oder The Other Side.

Und was ist dein Lieblingssong von all deinen Alben?

Puh, Lieblingssong von allen Alben… Ich weiß es nicht. Muss ich mich entscheiden?

Natürlich nicht. Aber gibt es auf der anderen Seite ein Lied, von dem du genug hast, das du nicht mehr live spielen möchtest?

Es gibt ein paar Lieder die ich nicht wirklich mag. Aber wenn ich etwas nicht spielen will, dann spiele ich es auch nicht.

Bringst du persönliche Themen und Erlebnisse in deine Lieder ein?

Da ist auf jeden Fall Persönliches drin. Ich habe mich über das letzte Jahr mit einem Freund verkracht, das zeigt sich in ein paar Songs, wie Bag of Tricks und Time Machine. Es gibt natürlich auch ein fiktionales Element in einem Lied wie Time Machine. Mein Freund war kein Zauberkünstler, sondern Musiker. Also gibt es persönliche und fiktionale Elemente.

Viele Musiker nennen Künstler und Lieder ihrer Kindheit als große Einflüsse für ihre Musik, aber gibt es für dich auch aktuelle Bands die dich beeinflussen?

Also, da gibt es Animal Collective, und… ach ja! The Blow, die haben wirklich einen Einfluss auf mich gehabt. Die solltest du dir anhören.

Du hast in der Vergangenheit öfter kleine Nebenprojekte wie dein Rap-Mixtape Wonky Beats und eine Remix-EP veröffentlicht. Gibt es aktuelle Pläne für weitere Nebenprojekte oder denkst du vielleicht sogar darüber nach, in deinen Alben mal zu rappen?

Nein, ich denke nicht, dass ich das tun würde. Gerade nehmen wir mit der Band viele Live Blues Jams auf, ich denke daraus werden wir ein kleines Mixtape machen und hochladen.

Vor einer Weile sagtest du in einem Interview, dass du den ersten Kontakt zu deinem Label bekommen hast als du mit einer vorherigen Band in Deutschland auf Tour warst. Wie fühlt sich der Unterschied an, zwischen damals und jetzt?

Naja, die erste Tour macht immer am meisten Spaß, dein erster Ausflug ist der aufregendste, es hat etwas Abenteuerliches. Jetzt ist es mehr ein Karrierepfad, ich sorge mich mehr darum, dass meine Karriere gut wird. Beim ersten Mal kann es nicht wirklich schief gehen, selbst wenn nur zehn Leute zu deiner Show kommen kannst du dich nicht beschweren, weil du dort noch nie gespielt hast und jeder der auftaucht ist großartig. Aber an diesem Punkt mache ich mir mehr Sorgen wenn nicht so viele Leute kommen und wir einen Club nicht füllen. Ich frage mich welche Auswirkungen das für meine Karriere hat, ob ich damit weitermachen kann oder nicht, es ist ein bisschen nervenaufreibend, da ist ein bisschen mehr Angst.
Ich möchte, dass jeder in der Band glücklich ist, es ist ja auch nicht ihr erstes Mal auf Tour. Touring kann angenehm sein oder auch die Hölle, also möchte ich dass alle okay sind und auch sie genug Geld bekommen, dass wir genug Tickets verkaufen und ich weiter Musik machen kann. Also spielen alle diese Gedanken mit rein und beim ersten Mal war es großartig, wir haben Leute überrascht und das hat sich echt gut angefühlt. Dieses Überraschungselement haben wir nicht mehr, etwas packendes, nachdem man schon ein paar Jahre unterwegs ist. Ich bin mir nicht sicher was ich auf der Bühne tun soll, ich mache einfach mit dem weiter was ich bis jetzt getan habe. Ich finde es auch selbst nicht mehr so gut, weil ich nicht weiß, ob es mich noch genauso repräsentiert wie früher.

Hast du irgendwelche Rituale bevor es auf die Bühne geht?

Ich esse gerne zu Abend nachdem ich eine Show gespielt habe und gehe zum Merch-Stand, rede mit den Leuten die zum Konzert gekommen sind. Rituale eher nicht, nein.

Viele Bands sagen von sich selbst, einen ungesunden Lebensstil zu führen, wenn sie auf Tour sind. Trifft das auf dich auch zu?

Nein. Ich trinke manchmal. Eigentlich trinke ich nur regelmäßig wenn ich auf Tour bin, aber das macht mir keine Sorgen. Ich rauche auch ein paar Zigaretten, aber ich denke nicht, dass das zu schlimm ist. Wir versuchen, so viel gesundes Essen wie möglich zu bekommen.

Was machst du so in deiner Freizeit?

Och, du weißt schon. Mit meiner Freundin skypen, Online-Games spielen…

Momentan wird viel über Streaming Services wie Apple Music, Tidal und Spotify diskutiert. Was ist deine Meinung darüber?

Es wäre schön, mehr Geld für Streams zu bekommen. Ich weiß nicht ob es uns jemand geben wird, aber naja. Das Wichtigste ist, dass Leute die Musik hören. Ich denke artistische Schönheit ist essentiell. Schönheit, Licht und Wahrheit, diese Dinge sind essentiell umsonst. Ich weiß nicht, ob ich das gesamte Prinzip des Kapitalismus unterschreiben würde. Ich denke, dass Kapitalismus darin falsch ist, Dinge wie Wahrheit, Licht und Schönheit zu verkaufen, also ist Streaming auf eine gewisse Weise korrekter als CDs für 20,99 Dollar in einem großen Plastikding zu verkaufen, damit man sie nicht in der Rücktasche klauen kann. Aber gleichzeitig versuche ich hiervon zu leben und der Trend vom Verkaufen zum Streaming macht das schwerer. Aber man muss die Dinge nehmen, wie sie sind und an diesem Punkt erwarte ich, dass alle Musik für mich verfügbar ist. Nicht nur weil ich ein Künstler bin, aber besonders weil ich ein Künstler bin. Ich habe da einen gewissen Anspruch und wenn es um Alben geht habe ich ein Gefühl von Anspruch darauf. Und ich denke, dass Leute die so über meine Musik denken auch nicht unbedingt falsch liegen, wegen der Natur von Wahrheit und Schönheit, sie sind für alle da. Also ja, ich denke, dass Streaming näher an Korrekt rankommt als es früher war. Ich möchte einfach nur sichergehen, dass ich finanziell klar komme, auf lange Zeit gesehen, und dass meine Freunde ebenfalls finanziell okay sind.

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Interview und Übersetzung: Alexander Mann
Bilder: Krista Schlueter