Nachdem er bereits im März 2012 in Hamburg auf Kampnagel das Publikum sehr zu begeistern wusste, spielt er kurz vor Weihnachten ein zweites an selber Stelle. Wir freuen uns, mit Alternativmusik.de die Show in Hamburg mit zu präsentieren und haben dies zum Anlass genommen, uns einmal mit Felix Meyer über die Show in Hamburg, das Hamburger Publikum, die Unterschiede von Straßenmusik und Clubshow, die weiteren Pläne und weitere Pläne zu unterhalten. Viel Spaß mit dem vorliegenden Interview – und natürlich auch bei der Show auf Kampnagel!

Am 21.12.2012 wirst Du zum zweiten Mal in diesem Jahr in Hamburg auf Kampnagel auftreten. Was würdest Du sagen: Warum sollte man unbedingt kommen, gerade auch, wenn man im März schon einmal da war?

Ok, sieben gute Gründe: Jeder kommt jedes Mal mit einer anderen Stimmung dort an und wir kommen diesmal schon mit einer Hand voll wunderschöner neuer Lieder und einem Ausblick aufs nächste Album. Außerdem sind wir eine Straßenband und zwischen den Liedern passiert vieles auf Zuruf. Diesen Zustand mag ich sehr gerne. Man weiß nie, wie es wird. Mal fällt der Strom aus und wir müssen plötzlich vor hunderten Leuten ein, zwei Lieder ganz unverstärkt spielen, mal ruft jemand ständig Titel oder Liebesbekundungen von der Seite rein. Waren das schon sieben? Noch eins: im März war „Erste Liebe/letzter Tanz“ gerade erst erschienen. Da konnten ganz viele noch gar nicht mitsingen (lacht).

Nun ist es so, dass Du inzwischen in Hamburg wohnhaft bist. Ist das für Dich schon so eine Art Heimspiel? Ist Hamburg für Dich besonders?

Ich hab sehr viel Respekt vor dem Hamburger Publikum. Vor ein paar Jahren dachte ich noch, dass wir in so lässigen Großstädten gar nicht bestehen könnten. Zu groß, zu laut, zu unnahbar. Wir haben deshalb in mittelgroßen Städten und auf der Straße angefangen. Klein, relativ leise und hautnah! Aber das ist Quatsch – es ist gar kein großer Unterschied. Wenn man mittendrin steht, sieht man auch in Kleinstädten die Ränder nicht. Und auch Metropolen haben Orte, die Zwischentöne zulassen. Kampnagel ist so einer.

Im Winter ist es naturgemäß kalt draußen. Bist Du froh, inzwischen drinnen spielen zu können und nicht draußen in den Straßen zu frieren?

Wir haben hier nie besonders viel im Winter auf der Straße gespielt, weil es wirklich weh tut. Wenn es kalt ist, sollte man lieber sammeln und vorbereiten. Wir werden im Winter ein paar wenige Konzerte geben und dafür viel im Studio sein. Anlauf nehmen! Wenn an dem Tag in Hamburg doch nicht die Welt untergehen sollte (grinst), kommt der nächste Sommer bestimmt. In der Zwischenzeit sollte man Musik zu wohl temperiertem Rotwein oder Tee mit Rum hören.

Bei der Show im März waren Menschen im Publikum zu hören, die sagten „Oh, das hat er doch damals in Lüneburg schon gespielt“. Wie fühlt sich das an, wenn Menschen, die Dich aus der Fußgängerzone kennen, auch bei den Konzerten sind? Und kommt das oft vor?

Wir sind in der glücklichen Situation, ganz viel Publikum von der Straße mit in die Konzerte zu nehmen. Bisher kennt uns bestimmt die Hälfte von draußen. Das führt natürlich zu einer ganz besonderen Beziehung und auch zu einem ganz besonderen Publikum. Von 8 bis 80 Jahre alt und sehr bunt gemischt. Die Kinder tanzen als erste und die älteren Herrschaften stehen oft bedenklich nah an den Boxen.

Welche Rolle hat denn die Straßenmusik für Dich heutzutage noch?

Ich habe fast alles, was ich auf der Bühne mache, auf der Straße gelernt. Das Beobachten, Texten und Singen, das Bilder machen und Sachen erzählen. Die ersten Zeitungs-, Radio- und Fernsehinterviews waren auf der Straße. Im Netz gibt es viele hundert zufälliger Videos von sommerlichen Konzerten unter freiem Himmel. Wir spielen nicht mehr so häufig draußen wie vorher. Dafür nehmen wir ganz viel Straße mit auf die Bühne.

Nun ist das, was Du mit Deiner Musik lebst, sicherlich das, was sich die meisten Straßenmusiker erträumen. Gibt es einen Ratschlag, den Du Ihnen für das Erreichen des Ziels mit auf den Weg geben kannst?

Das Ziel ist im Weg. Man kann so was nicht planen und ich hatte auch nicht das Ziel, genau das zu machen. Früher sind wir mit ein paar Songs viel durch Europa gereist. Ohne Plattenvertrag. Ein paar Tage hier, ein paar Tage da, mit dem Flugzeug auf die Insel, mit dem Schiff zurück. Vielleicht ist ja auch die Straßenmusik das, was sich die meisten anderen Musiker erträumen. Von irgendwas träumt man ja sowieso immer.

Für wen würdest Du generell sagen, schreibst Du Deine Stücke?

Für Leute, die nicht mit Phrasen geprügelt werden wollen. Das Spektrum reicht von jenen, denen der Pop-Markt zu kalt und ungemütlich geworden ist, bis hin zu solchen, die diese Texte auch in einem Buch lesen würden. Dazwischen ist genug Platz für alle, die sich über Geschichten von Orten, Menschen und Gefühlen in Form von relativ zeitlosen Chansons und Folk Songs freuen.

Wie kann man sich generell das Entstehen eines Felix Meyer-Stückes vorstellen? Welchen Weg nimmt ein Stück von der ersten Idee bis zum fertigen Lied?

Ich sammle ständig Zusammenhänge, Wörter und Sätze und schreibe sie auf. An manchen Ideen schreib ich schnell weiter, andere begleiten mich erst noch eine Weile. Irgendwann passen dann ein paar Fragmente zusammen oder es gibt eine Melodie, die ich summen kann. Wenn ich mit der Geschichte zufrieden bin, schicke ich sie raus. Es findet sich immer recht schnell jemand, der darum herum Musik schreibt und am Ende versuchen alle zusammen, die einzelnen Stimmen für Instrumente und Chöre zu finden. Ein ziemlich langer Prozess. Ganz selten passiert es auch mal, dass ein Lied vom Himmel fällt und einfach da ist.

Apropos fertige Lieder: Gibt es bereits neue Stücke, die in Hamburg präsentiert werden? Falls ja: Kannst Du schon etwas dazu sagen, in welche Richtung es gehen wird?

Aus vielen neuen Ideen haben wir ein paar rausgesucht, die schon sehr klar waren. Wir haben von Anfang an viele verschiedene Stile im Programm gehabt und versuchen nun, die Strukturen innerhalb der Stücke noch ein bisschen weiter auf zu machen. Ein Lied heißt „zu Hause“, es fängt als ganz langsame Rumpelballade an, wird dann zu einer Gypsiejazz Geschichte und endet mit recht sphärischen Chören. Es gibt Erzählungen, Heimweh, Fernweh und Liebesgeschichten. Viele bunte Bilder zwischen total banal und bisher noch unerreicht.

Zum Abschluss gefragt: Am 23.12. spielst Du in Kiel Dein letztes Konzert 2012, das Jahr neigt sich dem Ende. Was können wir von Felix Meyer im Jahr 2013 so alles erwarten?

Ein bisschen Straßenmusik wird wohl wieder auf dem Weg liegen, viel Straße auf der Bühne, feine Theater und Kino Konzerte, ein paar schöne Festivals und gegen Ende des Jahres eine neue Platte. So stell ich mir das vor!

Vielen Dank!

Weitere Artikel
Tour-Präsentation und Gewinnspiel: Felix Meyer auf Kampnagel
Konzertbericht: Felix Meyer – 05.03.2012, Hamburg Kampnagel
Rezension: Felix Meyer – Erste Liebe / letzter Tanz

Homepage: www.felixmeyer.eu
Facebook: www.facebook.com/pages/Felix-Meyer/331397207942

Interview: Marius Meyer
Bilder: Michael Ebert-Hanke