Anfang November in Koblenz: Alternativmusik.de hat einen Termin mit einer 80er Legende, dessen Texte auch außerhalb der Musikszene als höchst lesenswert wahrgenommen werden und der einen besonderen Bezug zu Deutschland und auch nach Baden hat. Er ist nicht nur Karlsruher SC-Fan und kennt sich auch in der Bundesliga bestens aus – man kann Derek William Dick auch öfter mal auf der Tribüne des Karlsruher Wildparkstadions sehen. Aber Fish ist auch nach wie vor Sänger, der mit seinem neuen Album A Feast of Consequences auf Tour im kleinen und intimen Café Hahn zu Gast war und uns im Garten des Clubs ein paar Fragen beantwortetet – und das geht auch ohne Fragen zu Marillion, zumindest meistens.

Fish, ich sah dich ziemlich oft in den vergangenen Jahren, aber zwei Auftritte sind mir persönlich besonders prägend in Erinnerung geblieben. Da war der Marillion-Auftritt beim ersten Rock am Ring Festival 1985 und dann ein anderes Mal als Solist 1994 im Brauhaus in Sinzig, in der Mitte zwischen Koblenz und Bonn. Kannst du dich bei der Vielzahl der Auftritte an einzelne erinnern?

Na ja, gerade mit Marilion gab‘s einige Highlights, das von Dir erwähnte Rock am Ring und dann ein Jahr später die „Queen Open Airs“ in Mannheim und Köln. An den Auftritt in Sinzig hab ich leider keine Erinnerungen, sorry.

Interessierst du dich für Kritiken über dein neues Album „A Feast of Consequences“ oder sagst du „ich bin so lange im Geschäft, ich weiß, was ich kann“?

Nun, wenn das Album veröffentlicht wird, dann ist man schon in einer gewissen Erwartungshaltung und man wartet die erste Welle der Kritiken ab, aber als diese dann in Ordnung gingen, war ich ganz zufrieden und auch froh über die guten Kritiken. Ich habe auch ein Vergnügen dran, viel auf Facebook zu posten. Fish-Fans sind ja sehr treu und verständnisvoll, als ich 2008 einen Knoten auf den Stimmbändern hatte, bekam ich waschekörbeweise „Gute Besserungs-Karten“, das war etwas ganz Spezielles.

Wie würdest du den Prozess charakterisieren, der zu den Aufnahmen von A Feast of Consequences“ geführt hat?

Die Aufnahmen selbst waren sehr angenehm, wir kannten die Songs und waren gut vorbereitet, der Produzent Calum Malcolm hat einen guten Job gemacht. Es gab zwar immer wieder Reibungspunkte, aber die haben wir in Diskussionen schnell ausgeräumt. Ich bin eh nicht so gerne im Studio, ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, im Studio kann man ja eh nicht viel tun, ich bin ja kein „Knöpfchen-Drücker“. Haha, also außerhalb der Kaffeemaschine…

Dein Album heißt „A Feast of Consequences“. Was hat es damit auf sich?

Ich las ein Buch namens „The Party is over“ von Richard Heinberg über die Zusammenhang, der die globale Wirtschaft auf den Weltmarkt hat und die ganze Verschwendung von Ressourcen, die irgendwann natürlich aufgebraucht sind. Die Krisen im Mittleren Osten, die ganzen ökologischen Probleme, da sind wir als Europäer ja involviert und können uns nicht unserer Verantwortung entziehen. Das Fest der Konsequenzen ist nah, wie Heinberg sagt.

Wie fühlt es sich, an für so viele Menschen eine Inspiration zu sein, seit Jahren schon? Nicht nur als Sänger, sondern auch als Dichter, dessen Lyrics auch schon in Büchern zu finden sind, bist du mehr als ein „normaler Sänger“.

Na ja, ich sehe mich eher als „Dichter, der singt“, der seine Texte vertont, nicht umgekehrt. Ich werde über kurz oder lang auch das Singen aufgeben und nur noch schreiben, ich ziehe ja bald ins Badische, in der Nähe von Karlsruhe und dann möchte ich als Autor arbeiten.

Ja, genau und du hast ein Herz für den KSC?

Ja, ich versuche auch oft hinzugehen und der Mannschaft die Daumen zu drücken, sieht ja ganz gut aus gerade mal. Was für ein Team ist denn deine Lieblingsmannschaft, Dennis?

Oh, äh, ich bin HSV Mitglied.

Mitglied auch noch, Fan hat wohl nicht gereicht, ha ha. Das war eine schlimme Saison und die hier sieht auch nicht besser aus. Aber es ist auch nicht immer schön beim KSC, jetzt geht’s gerade mal wieder.

Mal wieder zurück zur Musik: Deine Stimme klingt wieder genauso charismatisch wie früher trotz zweier Stimmband OPs. Gibt’s da ein Geheimis?

Die Wahrheit ist, dass die Probleme schon vor drei Alben begannen, ich das aber ein wenig ignoriert habe, das merkte ich in Songs wie „Fugazi“ von Marillion, dass ich die Höhen nicht mehr traf, aber dann haben wir die Songs halt entsprechend tiefer gespielt und dann passte es auch wieder. Aber je länger die Tour dauerte, desto stärker wurden die Probleme. Nach der „Fishheads“ Club Tour musste ich mich dann zwei Operationen unterziehen, die Zeit danach war eine unglaubliche Belastung. Würde meine Stimme wieder komplett zurückkehren oder würde ich nur noch krächzen, das weiß man ja vorher nicht. Die Ärzte sagten nur, du hast einen Knoten auf den Stimmbändern und der muss da weg. Die zwei Monate Wartezeit waren auch sehr schlimm, es musste eine Biopsie gemacht werden und bis dann die entnommenen Gewebeproben ausgewertet sind, vergeht auch eine Zeit und es hätte auch Krebs sein können, was es zum Glück nicht war. Es war eine eitrige Ablagerung, die ich schon seit 2 Jahren hatte, mein Rachen war nach der Operation deutlich angeschwollen und ich hatte natürlich auch Schmerzen und dazu kam noch eine Ehe, die mich nervlich stark gefordert hat. Eine sehr ungute Beziehung war das. Die wohl dunkelste Phase in meinem Leben. Aber sie hat mich auch stärker gemacht, ich musste zwar wieder neu singen lernen, aber gemeinsam mit meiner Band ging das ganz schnell und ich habe auch Medikamente und Tee bekommen, aber im Großen und Ganzen war meine Stimme fast wieder so wie früher, wenn ich nur diese Raucherei lassen könnte. Klar ist da ein Unterschied zwischen 1985 und heute, aber das weiß ich und auch die Fans wissen das. Aber ich finde meine Stimme jetzt besser, mit ihrem tiefen und sonoren Klang passt sie besser zu den neuen Songs als zu der des jungen Fish.

Geht’s dir nicht auf die Nerven, dass jedes Interview über kurz oder lang bei Marillion landet?

Gut, es ist ein Teil meines Leben und ich mag die Jungs auch, aber ich bin seit über 25 Jahren nicht mehr an Bord, wir haben nur vier Alben aufgenommen. Okay, die Nummern waren prägend, „Kayleigh“, „Lavender“ sind großartig, aber ich lebe im Jetzt und nicht in der Vergangenheit.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Show!

Homepage: www.fish-thecompany.com
Facebook: www.facebook.com/derek.dick
Twitter: www.twitter.com/FishDerekDick

Interview und Übersetzung: Dennis Kresse
Bilder: Kai R Joachim (1, 3), Pressefreigabe (2)