Die Aachener Hardcoreband FJØRT hat mit ihrem Debütalbum „D’Accord“ im letzten Jahr frischen Wind in die Szene gebracht und dabei wohl mehr Aufmerksamkeit erhalten, als sie sich erahnt hat. Das Album wurde von Kritikern und Fans gleichermaßen gefeiert und neben zahlreichen Clubkonzerten wurden auch die Festivalauftritte im Jahre 2014 immer häufiger. Wir haben uns mit der Band in FJØRTs Heimatstadt in einer gemütlichen Kneipe getroffen und über die Erlebnisse des Jahres, das Album und die Zukunft zu sprechen.

Ihr habt in diesem Sommer sehr viele Konzerte gespielt, was waren eure Konzerthighlights in diesem Jahr?

David: Oh, da gab es wirklich viele! Wir waren generell froh in den Genuss zu kommen Festivals spielen zu dürfen. Im letzten Jahr haben wir ja nur Clubshows gespielt und dann haben wir uns selbst gewundert, dass wir auf so viele Festivals gebucht wurden. Das geniale ist ja, dass du extrem viele befreundete Bands auf Festivals siehst, da kannst du nachmittags Bier in der Sonne trinken und dann deine Show spielen. Schlechte Konzerte hatten wir generell nicht.

Chris: Das Reeperbahn Festival war natürlich auch ein Highlight. Dort konnten wir wirklich extrem viele Kollegen treffen, tolle Konzerte gucken und eine Menge Bier trinken (lacht)

Ist es euch lieber in einem kleinen Club zu spielen oder sind es doch die Festivals im Sommer, die mehr Spaß machen?

David: (lacht) Da antwortet natürlich jeder direkt, dass er die überhitzten Clubs besser findet. Seh ich aber in der Tat auch so, Festivalbühnen sind mir oft einfach zu groß, da bevorzuge ich schon den super engen Club.

Chris: Naja, ich finde es eigentlich ganz geil, auch mal etwas mehr Platz zu haben…

Frank: Natürlich hat beides seine Vor- und Nachteile. Es ist wirklich cool auch mal etwas bessere Luft auf der Bühne zu haben und generell gefällt mir das Drumherum an Festivals einfach besser. Da kann man auch einfach mal an den nächsten Baum pissen und keinen stört es (lacht). Aber Clubs sind auch genial. Schließlich hast du bei unserer Bandgröße auf Festivals meistens Nachmittagsslots, da ist es natürlich genial, wenn du im Club eine ganze Meute vor dir hast, die die Texte kennt und direkt vor der Band steht. Das Feeling ist einfach krass.

David: Aber auch bei den Festivals gibt es so positive Erlebnisse. Da fällt mir direkt das Wilwarin Festival in Kiel ein, das ist auch eines unserer Highlights gewesen. Das ganze Festival wurde von Ehrenamtlichen super organisiert. Insgesamt waren da wahrscheinlich so um die 5000 Leute, die sich auf zwei Bühnen aufgeteilt haben. Und da waren wirklich sehr viele dabei, die FJØRT sehen wollten, wir hatten bestimmt 600 Leute vor der Bühne und kaum Laufkundschaft.

Frank: Wir waren aber 2014 generell erstaunt, dass wir so viele Anfragen erhalten haben und so oft gebucht wurden. Ich meine das war unser erster Festivalsommer und wir wurden, obwohl wir da stilistisch nicht wirklich hinpassen, sogar auf viele Indiefestivals gebucht.

Ihr berichtetet über Facebook davon, dass eure Instrumente kurz vor einigen Shows geklaut wurden. Habt ihr eure Geräte, die ja sicherlich auch einen großen persönlichen Wert für euch haben wieder bekommen? Und wie habt ihr es geschafft die direkt danach anstehenden Shows doch noch zu spielen?

David: Das fiese an der ganzen Geschichte war ja: Die Diebe haben einen Musiker genau dort getroffen, wo es wirklich weh tut. Sie haben unsere Amps geklaut und nicht einfach nur Merch oder irgendetwas, wo wir gut drauf verzichten können. Wir wissen leider bis heute nicht, wie die Täter in unseren Proberaum gekommen sind und von unserem Eigentum haben wir bis heute auch nichts mehr gehört. Das wir die anstehenden Shows spielen konnten, ist vielen Freunden und Bekannten zu verdanken. Wirklich jeder war hilfsbereit und hat uns seinen Amp geliehen oder uns anderweitig unter die Arme gegriffen. Wir sind sogar noch nach Stuttgart runtergefahren, um Material zu organisieren.

Kommen wir zu eurem Album: Habt ihr einen persönlichen Favoriten auf „D’Accord“?

David: Es ist ja so, wenn du als Musiker eine Platte schreibst, dann findest du erstmal jeden Song geil. Wir würden niemals etwas veröffentlichen, wo wir nicht komplett hinterstehen, deshalb fällt es wirklich schwer jetzt hier irgendeinen Song beim Namen zu nennen. Erst später bei den Livekonzerten merkt man dann, welche Stücke beim Publikum besser funktionieren und diese gefallen einem dann in den meisten Fällen auch am besten. Es gibt dann zwei bis drei Nummern, auf die man bei einer Show auch mal verzichten kann, aber wir stehen auf jeden Fall hinter jedem Song, der es auf „D’Accord“ geschafft hat.

Ihr kommt aus der Region rund um Aachen und lebt hier schon lange, es gibt zwar einige bekannte Künstler aus der Kaiserstadt, beispielsweise im HipHop-Bereich, die Stadt ist aber nicht grundlegend als Musikerstadt, wie Hamburg oder Berlin bekannt. Hat Aachen trotzdem Einfluss auf euch und eure Musik genommen?

David: Um ehrlich zu sein, stimmt das ja nicht so ganz. Aachen hatte mal eine riesengroße Punk- und Hardcoreszene. Als ich 16 war, da waren auf Veranstaltungen fast immer um die 250 Leute, egal welche Kapelle gespielt hat. Es gab generell viel mehr aktive Bands hier in der Region und viele prägende Menschen, die ihre Musik gelebt haben. Ein besonderes Event war damals immer das Westside Unity Festival in Kohlscheid, da haben sogar mal Caliban gespielt! Leider sind viele dieser prägenden Menschen dann irgendwann weggezogen, oft nach Berlin oder Hamburg.

Frank: Man muss auch bedenken, dass dann irgendwann viele dieser „Rockcity“-Leute einfach aufgehört haben, Musik zu machen.

David: Aachen hat auf jeden Fall genau das Potenzial, was wir brauchten, um diese Band zu gründen. Ich hatte vor FJØRT schon jahrelang mit Chris gesoffen und Party gemacht und irgendwann haben wir dann einfach gesagt: „Lass mal Mucke machen!“. Die Kaiserstadt ist halt auch einfach nicht so riesig, wie andere Städte, ich weiß nicht ob die Konstellation sich so zusammengefunden hätte in einer größeren Stadt. Und mir musst du mit Berlin gar nicht kommen, wenn ich nach Berlin gehen würde, wäre ich wahrscheinlich in einem halben Jahr tot. Da gibt es ja viel zu viele Trends und Einflüsse, wo man sich dann auch gezwungen füllt sich anzupassen. Das ist überhaupt nicht meine Welt.

Kommen wir wohl zur spannendsten Frage: Gibt es schon Pläne für die Zukunft? Wird gleich die nächste Platte in Angriff genommen, gibt es eine Auszeit oder habt ihr noch weitere Konzerte für 2014/2015 geplant?

David: Wir haben ja noch einige anstehende Termine und kürzlich auch erst sieben neue Konzerttermine für den Januar 2015 angekündigt, weil wir einfach Bock haben „D’Accord“ noch ein bisschen zu präsentieren. Es fühlt sich vielleicht lange an seit der Veröffentlichung unseres ersten Albums, aber wenn man mal nachschaut, dass „D’Accord“ erst im März gekommen ist, dann stellt man fest, dass das erst 8 Monate sind. So lange ist das jetzt auch nicht. Parallel zu den Tourterminen schreiben wir aber im Hintergrund schon am neuen Album. Wir können allerdings noch nicht sagen, wann genau wir damit fertig werden. Ob 2015 also schon eine neue CD von uns erscheint ist fraglich, wenn du mich fragst: Ich glaubs eher nicht.

FJØRT. Die Frage, die ihr vermutlich immer und immer wieder hört: Was soll der Bandname und was meint der Albumname „D’Accord“?

(alle lachen)

Chris: Um ehrlich zu sein, bedeutet der Bandname nichts. Wir saßen im Proberaum an einem neuen Song und dann meinte irgendwer „Geil, das klingt wie ein norwegischer Fjord!“. Frank fand das Wort „Fjord“ sofort total klasse und irgendwie haben wir dann beschlossen, es statt mit d mit t zu schreiben.

David: FJØRT passt aber auch einfach gut! Das klingt irgendwie, wie ein norwegisches, ekelhaftes kaltes Gewässer. Ich habe dann natürlich erst einmal den Standardkram überprüft. FJØRT bei Facebook war frei, FJØRT bei Bandcamp war frei und dann war das Ganze beschlossene Sache. (lacht) Im Nachhinein kann man glaube ich nur sagen, dass wir alle ein bestimmtes Bild im Kopf hatten, was zu unserem Sound passte. Es musste irgendwie kantig sein. So, Chris, dann erklär du mal „D’Accord“!

Chris: Die Verwendung des Wortes „D’Accord“ ist uns noch gar nicht so lange bekannt, wir haben das aus irgendeinem Grund beim Proben ständig gesagt, weil es einfach so ein geiles Wort ist. (lacht) Mir gefällt daran, dass „D’Accord“ so aussagekräftig ist, ohne in eine bestimmte Richtung zu gehen. Man kann das entweder ironisch meinen oder das Wort steht einfach für sich. Und das passte zu unserem Album: Der Albumnname steht, genauso wie die Musik für sich.

Habt ihr drei schon vor FJØRT zusammen Musik gemacht?

Chris: Wir waren auf jeden Fall alle schon vor FJØRT musikalisch unterwegs, allerdings zunächst unabhängig voneinander. Ich habe in einer Band aus Aachen gespielt, die den Namen Development.Disorder trug und musikalisch so in die Drenge-Richtung ging.

Frank: Auch ich habe schon vorher Musik gemacht. Allerdings nicht sehr erfolgreich und die Band war auch nicht wirklich bekannt. Wir haben eine Mischung aus Punk und Hardcore gemacht.

David: Sechs Jahre lang habe ich in der Post Hardcore/Screamo-Band Longing for Tomorrow aus Aachen und Übach-Palenberg gespielt. Danach noch bei der Kapelle Kosslowski, das war kurz vor der FJØRT-Zeit beziehungsweise auch noch parallel dazu.

Ihr achtet in euren Texten und euren Videoproduktionen immer wieder darauf, dass die Textaussagen unterschiedlich gedeutet werden können. Warum genau ist euch dies so wichtig und welche Vorteile bietet es eurer Meinung nach?

Chris: Ich finde es persönlich sehr enttäuschend, wenn mir Musik die Bedeutung in die Fresse schlägt, ich möchte gefordert werden. Die Musik soll mich berühren, aber das Ganze darf nicht zu platt sein. Ich will gar nicht genau wissen, was da gerade abgeht und erst recht nicht, was sich die Band dabei gedacht hat. Ich will meine eigene Meinung mit reinbringen, sonst ist mir das alles zu festgefahren. Das ist mir als Musikfan wirklich wichtig.

David: Wie ich oben bereits sagte, wir können nur das veröffentlichen, was wir auch selbst cool finden. Für den Song „D’Accord“ haben wir ja das Video mit dem Meer und dem Schwimmbad gedreht. Es wäre einfach falsch gewesen, da irgendetwas posermäßiges zu drehen. Mir gefällt es in den Videos die künstliche Welt mit der natürlichen Welt zu verbinden. Die Bilder sollen das Feeling des Songs unterstreichen, den Hörer aber nicht in eine bestimmte Richtung leiten. Wir arbeiten ja für die Videos immer mit Michael Winkler von iconographicTV zusammen. Der hat seine eigene Firma in Köln und ist wirklich mit Herzblut bei der Sache.

Frank: Ja, Micha hat wirklich immer Bock und ist ein unglaublich kreativer, engagierter Typ. Es gibt bei ihm eigentlich nie ein Drehbuch, wir machen das alles recht spontan. Andere Bands machen das ja sicherlich ganz klassisch und total durchstrukturiert. Wir sind eigentlich froh, wenn wir Micha drei Hauptthemen beziehungsweise drei Ideen vorlegen können. Der Rest entwickelt sich dann einfach während des Drehs.

Schlussendlich: Wann spielt ihr endlich wieder im Aachen Musikbunker?

David: Man hat ja immer etwas Respekt vor der Heimatstadt. Wenn es in Hannover mal scheiße läuft, dann ist das halt so. Wenn es in Aachen scheiße läuft, dann trägst du das noch lange mit dir rum. Eigentlich haben wir insgesamt echt schon viele Shows in Aachen gespielt. Mittlerweile wollen uns viele hier sehen, aber ich muss leider sagen, dass das noch etwas dauern wird. Wir wollen auch nicht außerhalb der Tour einfach einen einzelnen Termin im Musikbunker spielen. Ich fürchte da müssen sich die Fans noch bis zum neuen Album gedulden.

Tourdaten

05.12.2014 Dortmund, FZW (Visions Party)
06.12.2014 Leipzig, Villa Hasenholz (Into The Ramsons Festival)
07.12.2014 Dresden, Beatpol (Into The Wild Festival)
08.12.2014 Ilmenau, BI Club

14.12.2014 Frankfurt, Zoom (mit TURBOSTAAT)
16.12.2014 München, Backstage (mit TURBOSTAAT)

16.01.2015 Nürnberg, Club Stereo
18.01.2015 Kiel, Pumpe
19.01.2015 Osnabrück, Bastard Club
20.01.2015 Braunschweig, B58
23.01.2015 Freiburg, KTS
24.01.2015 Saarbrücken, Garage

Support für Funeral For A Friend

25.01.2015 Köln, MTC
26.01.2015 Einhoven (NL), Dynamo
27.01.2015 Hamburg, Hafenklang
28.01.2015 Berlin, Cassiopeia
29.01.2015 München, Kranhalle
30.01.2015 Stuttgart, Zwoelfzehn
31.01.2015 Wiesbaden, Schlachthof
01.02.2015 Antwerpen (B), JH Kavka

Weitere Artikel
Rezension: FJØRT – D’Accord

Homepage: fjort.bandcamp.com
Facebook: www.facebook.com/fjort

Interview: Melvin Damian Klein
Bilder: Pressefreigabe (1, 3, 5), Jannik Holdt (2, 4)