„Terlingua”, so der Titel des neuen Mono Inc.-Albums. Ein Titel, der sozusagen „nomen est omen“ darstellt, denn genau an diesem Ort inmitten des Nichts in der texanischen Abgeschiedenheit entstand das neue Album der Band. Zuerst durch Zufall dort gelandet, entschied man sich später ganz bewusst, dort das neue Album zu schreiben, um sich dort die nötige Inspiration zu finden, damit das neue Album anders als alles ist aus der bisherigen Bandgeschichte. „Mission erfüllt“, so Sänger Martin Engler, der uns gemeinsam mit Gitarrist Carl Fornia ausführlich Antworten zum neuen Album gab. Viel Spaß mit dem vorliegenden Interview!

Wir sitzen hier in Hamburg, beim Album geht es an einen ganz anderen Ort. Fangen wir also sozusagen mal rückwärts an: Wie hat es sich nach dem Aufenthalt in Terlingua angefühlt, in Hamburg wieder anzukommen?

Martin: Eng, eng und eng. Und dunkel. Und kalt. Eng deshalb, weil die Ranch, auf der wir aufgenommen haben, wirklich „in the middle of nowhere“ steht. Du fährst zum nächsten Supermarkt 80 Meilen den Highway 118 runter, immer Richtung Mexiko und irgendwann am dritten Pfahl, wo ein rotes Tuch dranhängt, war unser Erkennungszeichen, dass wir abbiegen müssen. Der nächste Nachbar ist acht Meilen weg und der wohnt dann auch nur im Wohnwagen, danach ist erstmal wieder 16 Meilen nichts. Du bist mit dir und deiner Band unter einem unfassbaren Sternenhimmel alleine und wenn du hier wieder ankommst, ist das so: „Wie, mein Nachbar wohnt nur zehn Meter weiter?“ Das ist ungewohnt. Schon wenn du ankommst und vom Flughafen nach Hause fährst, bist du genervt vom Verkehr. Auf dem Highway 118 fahren am Tag vielleicht 15 Autos und wir haben bei einer Fotosession mal einen Tag zwei Stunden auf der Straße gestanden und es kam kein Auto. Deswegen ist das hier alles sehr eng. Dann war es so, dass wir im Oktober wiedergekommen sind, da war es in Terlingua tagsüber noch sehr heiß, es gab permanente Sonnenbrandgefahr und der Herbst in Deutschland ist ja nicht unbedingt genauso.

Wie ich gelesen hab, war der Aufenthalt dort eher dem Zufall geschuldet…

Martin: Der erste Aufenthalt ja. Dass wir diese Ranch gefunden haben, war Zufall. Dass wir noch einmal hingehen und ein Album dort produzieren, war Vorsatz, das war ja vier bis fünf Monate später.

Hattet Ihr denn vorher schon einen anderen Ort angedacht gehabt oder ist es wirklich erst da entstanden, dass Ihr gesagt habt, das ist der richtig Ort für das neue Album?

Martin: Im März letzten Jahres, als wir auf einem Festival in Austin gespielt haben, hatten wir zwischen Hin- und Rückflug eine Woche Zeit und dabei nur eine Show. Diese fünf Tage, die wir frei hatten, wollten wir sinnvoll nutzen und nicht nur auf dem Festivalgelände abhängen und andere Bands angucken. Das ist für uns Alltag. Wir wollten etwas erleben, wo noch keiner von uns war. Deshalb sind wir an die mexikanische Grenze gefahren und da gab es eben auch keine Möglichkeit, unterzukommen. Da gibt es keine Hotels oder Motels.

Carl: Das ist ja ein Nationalpark da.

Martin: Über einen Zufall, weil wir mit einer Lodge gesprochen hatten, die ein Jahr im Voraus ausgebucht war, kamen wir nach Terlingua. Die Rezeptionistin bei der Lodge meinte, es tue ihr leid, dass sie für uns keinen Platz habe, aber sie habe da von einem Besitzer aus Florida gehört, der hier eine Ranch hat, die er als Feriendomizil nutzt, da könne man ja mal anfragen. Wir haben diese Range mieten können und dort fünf Tage Urlaub gemacht. Als wir dann wieder in Deutschland waren und die Planungen für die neue Platte angegangen sind, fiel uns das wieder ein, dass es uns dort derartig inspiriert hat und dass eigentlich bis auf die Aufnahmetechnik alles da ist, was man braucht: ein Grill, ein Hot Tub, Strom aus der Steckdose. Also haben wir rumgerechnet und das auch der Plattenfirma ein bisschen schmackhaft gemacht. Wir haben denen gesagt, dass das zwar vielleicht teuer ist, erst einmal das Equipment dahin zu karren, aber ihr habt halt nicht in einem guten Mittelklassehotel vier Einzelzimmer, die ihr über Wochen bezahlen müsst und für die Band ist es sicher erfrischend, mit einem neuen Horizont ans Werk zu gehen. Deswegen wurde das dann von langer Hand geplant, die Ranch gemietet und der Besitzer der Ranch fand auch total cool, dass eine deutsche Band da ihre Platte macht. Der kam jeden zweiten Abend, um „nach dem Rechten zu sehen“, eigentlich wollte der aber nur quatschen und mit uns Tequila trinken. Das war aber okay, das haben wir gerne mitgenommen.

Carl: Der Tequila war aber auch lecker.

Gibt ja auch Schlimmeres, als Tequila trinken zu müssen…

Carl: Du bekommst ihn da ja auch von den Fachleuten und trinkst Sorten, die du hier gar nicht zu sehen bekommst.

Martin: Die brennen da alle schwarz in ganz vielen kleinen Destillieren. Wie in Schottland mit dem Whisky ist da der Tequila das Lebenselexier.

In der Album-Info habe ich gelesen, dass Euer Anspruch war, etwas anderes zu machen als alles aus der bisherigen Bandgeschichte. Inwieweit würdet Ihr sagen, ist Euch das auf dem aktuellen Album gelungen?

Martin: Mission erfüllt, auf jeden Fall. Dadurch, dass wir so weit weg waren, auch kein Handynetz usw. hatten, waren wir nach einigen Eingewöhnungstagen auch so sehr in unserer eigenen Welt, dass wir es fließen lassen haben und uns keine Gedanken gemacht haben, wie das jetzt vielleicht beim Konsumenten ankommt. Es ist halt schon so, dass man, wenn man sein achtes Studio-Album aufnimmt, an einem Punkt ist, wo man denkt, man habe jeden Song schon geschrieben, jedes Thema schon bearbeitet, alle Sounds schon benutzt – was machen wir jetzt? Geht man den alten Erfolgsweg und sagt okay, die letzten beiden Platten waren Top Ten, let’s do it again? Oder sagt man nein, wir gehen nicht den Weg des geringsten Widerstandes und versuchen, neue Elemente zuzulassen, im Songwriting anders zu denken und nicht im eigenen Saft zu schmoren. Es ergibt auch überhaupt keinen Sinn, das ist ja auch für den Fan langweilig. Warum sollten wir das siebte Studio-Album noch einmal wiederholen?

Ich habe Begriffe gelesen wie Dunkelheit, Leere, Einsamkeit, die dort herrschen, die Grund geben, nochmal zu reflektieren. Würdet Ihr denn sagen, dass das generell unbedingt negative Begriffe sein müssen?

Martin: Überhaupt nicht. Gar nicht. Einsamkeit ist ja per se erstmal nichts Negatives. In dem Fall waren wir ja auch einsam mit uns. Aber auch generell glaube ich, tut es jedem ganz gut, mal eine Situation zu haben, um über sich und seine Umwelt nachdenken zu können. Gerade in unserer Situation. Seitdem wir ein bisschen erfolgreich sind, sind wir nie alleine. Wir haben unseren persönlichen Assistenten, das Management, dann eine Crew von 14 Leuten, Plattenfirmen, Promoter usw. Wir sind nie alleine, wir sind wohlbehütete Kinder des Rock’n’Roll. Betreuter Rock’n’Roll eigentlich. Das war da anders. In Texas interessiert sich keine Sau für Mono Inc. Kennt da ja keiner. Das heißt, ich konnte wunderbar ohne Mütze in den Supermarkt gehen, ohne dass wer ein Foto machen will. Du bist mal wieder ein richtig normaler Mensch und das ist auch nicht ungesund. Dieses ganze Rockstar-Ding ist toll, aber es ist halt nicht alles. Eigentlich ist das nur eine Fassade, wir sind ja alle auch noch normale Menschen.

Carl: Das hat man da mal gespürt, in dieser Weite. Diese Ruhe, die da geherrscht hat. Wir haben da teilweise zu viert gesessen und auch mal gar nicht gesprochen. Wir haben einfach nur diesen unglaublich facettenreichen Sternenhimmel angeschaut, der anscheinend wegen noch größerer Trockenheit noch anders ist als bei uns.

Martin: Bei Astronomen in der ganzen Welt ist diese Region sehr beliebt und bekannt. Hier musst du am Nachthimmel eine Sternschnuppe suchen, dort ist es so, dass sie dich finden. Egal, wo du hinguckst, siehst du die ganze Zeit Sternschnuppen. Das ist absolut fantastisch. Und dann hatte diese Ranch, die sonst sehr einfach war, einen Luxusmoment: Auf einer großen Holzterrasse draußen war ein Hot Tub, also so etwas wie ein Whirlpool, der permanent mit 38 Grad beheizt war. Tagsüber ist es in der Wüste sehr heiß, nachts teilweise bis zum Gefrierpunkt runter. Dann in dieser Badewanne zu sitzen, in dem Hot Tub, mit der Band und mit einem Drink in der Hand, den Kopf nach hinten zu legen und diesen Sternenhimmel zu sehen, ist ein grandioses Erlebnis.

Ich würde gerne über ein paar Stücke des Albums ein bisschen näher reden. Als Vorabsingle habt Ihr „Tag X“ gewählt. Warum fandet Ihr, dass das die ideale Vorabsingle für das Album ist?

Martin: Wir finden, dass jeder Song von der Platte ideal gewesen wäre. Letztendlich war das eine Entscheidung der Plattenfirma, weil wir zu jedem Song auf der Platte ein sehr enges Verhältnis haben und natürlich keinen Song haben, wo wir nicht alle vier gesagt hätten „100% kompromisslos“. Wir waren dann auch irgendwann betriebslind und haben die Plattenfirma aussuchen lassen. Die haben „Tag X“ gewählt. Das hat mich ein bisschen überrascht, ich hätte auf einen anderen Song getippt, aber so hat mich die Plattenfirma auch mal wieder überrascht.

Carl: „Never-Ending Love Song“ war bei uns hoch im Kurs.

Martin: Ja, ich hätte auch auf den getippt, aber das wird nun die zweite Single.

Zu dem Stück habt Ihr auch ein Video gedreht. Da bist Du auf dem Plakat als „The Priest“ zu sehen. Würdet Ihr Euch mit der Musik und den Inhalten als eine Art Priester sehen?

Martin: Nein. Es zieht sich durch alle Alben, dass immer ein Song auf der Platte ist, der das Thema „Religion“ kritisch aufs Korn nimmt. Das ist auf dieser Platte nicht direkt der Fall, da kein Titel das Thema vordergründig behandelt und deswegen empfand ich das als einen sehr willkommenen Seitenhieb auf die Institution Kirche, dass ein Pfarrer vom Glauben abfällt und eine alte Gutenberg-Bibel in den Wüstensand wirft. Im Endeffekt ist die Message: „Mach dir nicht so viele Gedanken, was morgen ist, sondern lebe einfach im Jetzt und lass dich nicht fremd- oder fernsteuern.“

Du hast nun die Kirche erwähnt. Auf dem Album ist auch noch der „Heiland“ zu finden. Welchen Heiland sucht Ihr denn da?

Martin: Das ist eine lustige Anekdote. Wir haben tagsüber an dem Song gearbeitet und abends wollten wir mit dem Besitzer der Ranch grillen. Die Band saß zum Barbecue, ich saß aber noch hinten an einem separaten Tisch und saß über meinem Text, als der Besitzer ankam und dachte, jetzt wo er da ist, geht die Party los. Er hat sich gewundert, warum ich mich noch da verzogen hab. Er kam dann an meinen Tisch und ich sagte ihm, ich kann nicht abschalten, bevor ich den Song fertig gemacht habe. Den ganzen Text und Refrain hatte ich fast fertig und ich wollte das zum Abschluss bringen. Er hat mich dann gefragt, ob das sinnvoll ist, wenn ich mir jetzt hier einen Kopf mache. Aber ich konnte nicht abschalten, wenn ich das nicht fertig kriege. Er stellte also eine Flasche Tequila auf den Tisch und meinte: „Hope that helps.“ Als er sich umgedreht hatte und ging, schaute ich auf das Etikett der Tequila-Flasche und da stand: „Heiland“. Da hab ich gedacht: „Wunderbar, Schnappes, rette mich.“ „Schnappes“ hätte sich aber doof angehört, daher hab ich den Namen „Heiland“ verwendet und fand das sehr gut, weil die Leute denken: „Der bekannte Agnostiker fängt jetzt an, göttliche Lieder zu schmieden.“ Nein, „Heiland“ ist ein Tequila.

Ihr habt auch bereits den „Never-Ending Love Song“ erwähnt, der auf dem Album ist. Ich habe gesehen, dass zusätzlich weiter hinten „Love Lies“ folgt. Ist das ein bewusst gesetzter Gegensatz?

Martin: Für das nächste Interview muss ich mir daraus eine geile Geschichte überlegen. (lacht) Nein, das ist mir ehrlich gesagt noch gar nicht aufgefallen. „Never-Ending Love Song“ ist textlich gesehen eher eine Hommage an die Szene, also die Szene, in der wir mal als 15-jährige gelandet sind, da hieß es noch „New Wave“. Irgendwann hieß es „Gothic“, ohne dass ich bemerkt hatte, wo eigentlich der Unterschied ist. „Never-Ending Love Song“ dreht sich auch um meine Zeit, wo ich als 15-jähriger über den Schulhof gerannt bin und eben keiner von den anderen war. Man war mehr für sich, weil die anderen Popper, Vespa-Fahrer und so waren und das nicht so richtig verstanden haben mit den toupierten Haaren und dem Kajalstift.
„Love Lies“ dreht sich um eine ganz andere Geschichte. Das handelt von einem Mann, der in einem Bergwerk in Terlingua verschüttet war und da auch gestorben ist. Es hat thematisch nichts miteinander zu tun.

Wie kommt da die Liebe ins Spiel, wenn der Bergmann verschüttet wurde?

Martin: „Love“ kann ja einmal „die Liebe“ sein oder auch der Lebenspartner. Er hat sie belogen, deswegen ist es so. Es geht nicht um die Liebe an sich, sondern um den Lebenspartner. „Deep down in the rainbow mine“ – in der Mine ist er verschüttet worden. Also eine historische Geschichte, die ich aber natürlich so gut verpackt habe, dass man es nicht auf den ersten Blick sofort bei Wikipedia nachschlägt.

Dann sind da noch „Die Noten deines Lebens“. Was für Noten sind das?

Martin: Die sind bei jedem anders. Darum geht es in dem Lied – über die Noten deines Lebens, die innere Stimme. Die innere Stimme singt hier eine Melodie und jeder hat seine eigenen Melodien, die er vor sich hinsummt und vor sich hinpfeift, wenn er gerade unter der Dusche steht, Auto fährt oder anderes. Die Noten deines Lebens sind das, was dich ausmacht, was dich geprägt hat. Musikalisch, familiär, freundschaftlich. Es ist dein Song, deine Geschichte und die ist total individuell. Ich kann dir nicht sagen, was die Noten deines Lebens sind. Aber darum geht es, dass jeder sich darum Gedanken machen oder zumindest ein bisschen mehr in sich hinein hören sollte. Egal, was er da hört, damit sollte er auch zufrieden sein und nicht versuchen, jemand anderes zu sein, sondern zu respektieren, dass er so ist. Mit allen Fehlern, mit allen Ansichten, allen Defiziten und auch allen schönen Seiten.

Ist das auch ein Ergebnis der Reflektion, die aus der Einsamkeit vor Ort entstanden ist?

Martin: Ich würde sagen, das ist eher eine Erkenntnis des Alters. Ich bin jetzt 43 und habe hoffentlich noch einen Teil meines Lebens vor mir, aber eben auch schon vieles erlebt. Sehr viele Niederlagen in den letzten Jahren, sehr viele Erfolge, aber trotzdem hab ich nicht, nur weil die letzten Jahre großartig und rosig waren, vergessen, wie der Weg dahin war. Und das ist denke ich auch ganz heilsam, dass man in den dunklen Momenten an die hellen Momente der Vergangenheit denkt, aber auch andersrum. Wenn man am schönsten Platz der Erde ist, kann man auch mal drüber nachdenken, dass es vielleicht nicht der schöne Platz ist, an dem man immer sein wird. Man genießt dann auch den Moment, weil man weiß, dass es morgen wieder vorbei sein kann.

Als es um die Produktion des Albums ging, habe ich gelesen, dass Ihr große Freunde der analogen Aufnahmetechnik seid.

Martin: Ich bin ein großer Freund der Bandsättigung und des Sounds, das ist toll. Aber früher war auch nicht alles gut. (lacht) Wie gesagt, der Sound ist toll, aber es gibt Probleme, um die du dir gar heute normal keine Gedanken mehr machst, das hat auch seine Tücken. Ein Band ist nicht wie ein Rechner, wo du jedes Mal bei null anfängst. Da ist auch der Leistungsdruck für die Band hoch, auf den Punkt gut abzuliefern. Es ist wie bei alten Kassetten: Nach dem dritten Mal überspielen fängt es an, echt scheiße zu klingen. Das heißt, man hat nicht soviele Fehlschüsse, sondern muss sehen, dass einer der ersten drei Takes auch wirklich sitzt. Das ist auch nicht so wie am Computer, wenn du bei vier gespielten Minuten zehn Sekunden hast, die nicht gut klingen, dass man mit der Schere da rangehen könne. Man muss dann noch einmal die vollen vier Minuten einspielen. Und wenn das zu lange dauert, kannst du das Band vergessen. Es hat auch seine Tücken.

Würdest Du denn sagen, dass dieser Leistungsdruck für Euch als Band wichtig ist?

Martin: Ich finde generell, dass einem ein bisschen Leistungsdruck nicht schaden kann, wenn man etwas beruflich macht. Das ist beim Aufnehmen nicht wie beim Konzert, wenn du von den Leuten getragen wirst, sondern man muss auf den Punkt abliefern, seine Sachen beherrschen – das ist das A&O des Jobs. Man sollte schon spielen können, wenn man für sich in Anspruch nimmt, Profimusiker zu sein.

Carl: Vor allem, wenn alle Kollegen mit im Studio sitzen und nicht selber spielen, sondern nur hören und sich gegebenenfalls denken „aah ja“… (lacht)

Martin: Aber das sind wir auch gewohnt bei Konzerten. Es sind noch zehn Minuten bis zur Showtime, dann merkt man, wie das Adrenalin langsam kommt und muss raus. Dann stehen da bei Clubshows 1.000 Leute oder bei Festivals 15.000, 20.000, 30.000 Leute und da hast du auch nur einen Schuss. Es fällt einem ein bisschen leichter, weil man sich selbst nicht so zuhört, sondern die Leute begeistern will, aber den Druck ist man dadurch eigentlich gewöhnt.

Wie ist das denn mit dem Druck, was das neue Album betrifft? Die letzten beiden Alben sind in den Top Ten gechartet. Spürt Ihr dadurch irgendeinen Druck, das wiederholen zu müssen?

Martin: Sagen wir mal so… Rückschritt wäre immer eine blöde Sache. Aber Chart-Positionen hängen ja auch davon ab, was gerade in der Woche veröffentlicht wird. Wenn wir jetzt eine Woche erleben, in der AC/DC, Robbie Williams, Madonna usw. gleichzeitig veröffentlichen, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass wir gegen die anstinken. Was ich gehört habe bisher von der Plattenfirma ist, dass die Platte besser anläuft als alle anderen bisher. Also geh ich einfach mal davon aus, dass wir im Top Ten-Bereich landen werden. Und Top Ten ist doch gut! Ein Platz 1 wäre gar nicht wichtig. Natürlich möchte ich mal auf mein Leben zurückblicken und sagen „da hängt eine goldene Schallplatte“. Aber bei Platz 1 weiß ich auch, was das wieder für ein Geschrei bei den Fans auslösen würde. Dann würde es heißen „jetzt sind sie wirklich genau wie Unheilig“. Das würde an einer Chart-Position festgemacht, was ja totaler Quatsch ist. Ich möchte, dass den Leuten die Platte gefällt, das ist das Wichtigste. Und ich möchte, dass diese Platte sich auch wie ein Schneeball-System verbreitet und nicht, weil die Leute mit Fernsehwerbung erschlagen werden, sondern dass Menschen und Fans das weitertragen. Das ist viel nachhaltiger, als bei RTL ewig teure Werbespots zu schalten.

Im November seid Ihr mit dem neuen Album auf Tour. Zum Schluss würde ich gerne wissen: Warum sollte ein Besucher denn unbedingt zu Eurer Show kommen? Auch, wenn man er zuvor schon einmal bei Euch war. Was macht Eure Shows besonders?

Martin: Zu jedem Album machen wir uns sehr viele Gedanken, wie die Show thematisch dem Album gerecht wird. Wenn wir die „Terlingua“-Tour machen, geht es nicht nur darum, dass man sechs bis sieben Songs vom Album spielt, sondern auch um das ganze Bühnenbild, die Anmutung, die ganze Produktion. Das soll einen in das Gefühl der Platte eintauchen lassen. Inzwischen ist das so, dass das mit einem gewissen Timecode passiert, wann welche Pyros zünden, wann welche Lampen leuchten, dazu eine B-Bühne im Publikum. Da gibt es diverse Spielereien und wir sind Freunde davon, nicht nur mit einer Lampe auf die Bühne zu gehen und zum hundertsten Mal Best Of-mäßig die Songs runterzurocken. Die Leute, die ins Konzert kommen, haben es verdient, eine Show zu sehen und immer wieder Überraschungen zu erleben. Ich werde nicht verraten, was da so kommt, aber wir werden wieder einige Überraschungen in petto haben und vor allen Dingen ganz viel vom neuen Album live spielen.

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Interview: Marius Meyer
Bilder: Sebastian Schmidt