Am 08. Dezember 2012 führten wir mit Redweik ein Interview, als sie im Vorprogramm von Stanfour unterwegs waren. Schließlich nahte der Album-Release. Dachte man zumindest… Manchmal drehen sich die Uhren im Musikgeschäft aber dann doch anders, sodass es sich mehrfach verschob und nun im Frühjahr 2014 erscheinen wird. Wir nahmen uns die Veröffentlichung zum Anlass, das Interview aus dem Vorjahr zu restaurieren und mit erneuerten Fragen aktuell aufzubereiten. Diese Aufbereitung liegt nun vor. Viel Spaß damit!

Einige unserer Leser kennen Euch vielleicht noch nicht. Stellt Euch doch mal kurz vor: Wer ist Redweik? Wie hören sie sich an?

Redweik sind 4 Jungs, naja vielleicht sogar schon Männer, eine Band, deren Leben Musik ist. Auf unserem Debutalbum „Keine Liebe“ haben wir versucht deutsche Texte mit internationalem Sound zusammenzubringen. Dazu haben wir auch mal über den deutschsprachigen Tellerrand springen dürfen und mit Leuten wie Michael Brauer (u.a. Coldplay) und Joe Zook (u.a. The Hives, One Republic) zusammengearbeitet. Bei den Texten versuche ich immer direkt und verständlich zu bleiben. Ich will Emotionen begreifbar und erlebbar machen, das funktioniert für mich nicht in total chiffrierten Phrasen. Aber trotzdem gibt es Tiefen und Zweideutigkeiten zu entdecken, für den der etwas genauer hinhört.

Euer Album kommt nun im frühen 2014 raus, bereits 2012 habt Ihr einige Support-Touren gespielt. Jetzt, wo das Album sich am Ende doch etwas verzögert hat: Würdet Ihr denn sagen, dass die Touren damals noch was gebracht haben im Hinblick auf das Album?

Auf jeden Fall haben die was gebracht! Klar, am liebsten wären wir die ganze Zeit unterwegs, aber es gibt ja auch viel anderes zu tun. Videos, TV, Radio, und und und. Im Moment habe ich ja zusätzlich noch die Webshow zu „The Voice of Germany“ (Etage 7), schreibe viel für andere. Und manchmal kann man das Timing auch nicht komplett beeinflussen, weil so viele Leute daran hängen. Aber: Wir haben alle die Zeit für uns genutzt, sind musikalisch und persönlich weitergekommen und ich glaube einfach, wir haben auf den Touren ganz viele tolle Leute kennengelernt, uns Fans erspielt, die uns seither begleiten. Also: JA! :)

Euer Album ist bereits mehrfach verschoben worden, bevor es nun wirklich erscheint. Wie kam es da zu den Verschiebungen?

Wir haben sehr viel Liebe in dieses Album gesteckt und wir wollten einfach den richtigen Zeitpunkt dafür abwarten, alles am Start haben. Leider gibt es für Newcomer nicht so wahnsinnig viele Medienslots, viele Medien sperren sich geradezu fast generalistisch gegen alles Neue. Das finde ich sehr schade. Wir haben da sogar noch Glück – und gerade haben wir immer mehr Interesse, was uns sehr freut. Gerade auch die z.B. die Talents von „The Voice of Germany“, von denen einige nach der Show meinte: „Sag mal, warum kennt man Euch denn noch nicht, wie kann das sein?“. Also wie gesagt, es hängen viele Leute und auch Konstellationen daran – und wir verstehen Musik als unser Leben, unser Album ist unser Baby – da will man dass es gut auf den Weg kommt, da kommt es nicht auf Wochen oder Monate an. Trotzdem, natürlich sind wir mega gespannt und können es kaum erwarten! :)

Im Vorfeld hattet Ihr bereits „Maschine“ als Download zur Verfügung gestellt. Wie kam es zu der Entscheidung, den Song als Download zu wählen?

Es ist die erste Single, die wollen wir unter die Leute bringen. Und „umsonst“ ist natürlich immer eine gute Marketing-Strategie. Sonst machen die das selbst. (lachen) Wir haben auch heute bereits eine EP dabei. Bei Amazon kann man die vorbestellen, da gibt es die noch nicht, aber auf unseren Konzerten kann man vorbeikommen und sie direkt mitnehmen.

Aber lohnt es sich denn, genau dasselbe Lied dann noch einmal als EP auszukoppeln, wenn es das schon als Download gab?

Ich glaub schon, denn wir haben da auch einiges an Bonus-Material mit drauf. Wir haben da zwei Lieder vom Album mit draufgepackt, damit die Leute einen kleinen Vorgeschmack kriegen. Wir haben uns auch die Mühe gegeben, eine Akustik-Version von „Maschine“ mit raufzubringen, mit Klavier und Akustik-Gitarren. Dazu kommt der Video-Clip zum Song. Insofern würde ich sagen, dass das sein Geld wert ist. Tatsächlich haben auch schon viele, die sich die Single runtergeladen haben, gefragt, ob man die auch als CD kaufen kann. Die Leute sind auch bereit, da noch Geld für auszugeben, zumal auch das Bonus-Material dabei ist.

Und warum würdet Ihr sagen, war das der ideale Vorbote für das Album?

„Maschine“ an sich war für uns ein super Song, der uns auch ausmacht. Dieser Befreiungsschlag aus der Alltags-Monotonie. Für uns ist das die Musik, für andere Menschen sind das andere Dinge. Wir mögen den Song total gerne. Es ist auch ein ungewöhnlicher Song auf dem Album, weil es sonst viel um Liebe und ungewöhnliche Liebeslieder geht. Aber wir mögen ihn einfach sehr. Das hat sich einfach gut angefühlt.

Ihr habt das Album nun gerade schon angesprochen. Es heißt „Keine Liebe“. Warum?

„Keine Liebe“, weil wir es mit viel Liebe gemacht haben, weil ein wichtiger Song für uns auf dem Album „Keine Liebe“ heißt und weil es relativ viele Liebeslieder sind. Das könnte man einem erst einmal anlasten, warum das so viele Liebeslieder sind. So viele sind es aber auch eigentlich gar nicht, so 70 bis 80% vielleicht. (lacht) Trotzdem aber immer mit einer ungewöhnlichen Wendung und mit Worten, die man so vielleicht nicht findet zu dem Thema. Die Liebe als Rausch, die Liebe, die man von einem Hochhaus stürzen will, „Sammelst du Herzen?“ als Frage der Unsicherheit, ob man sich überhaupt auf jemanden einlassen soll, oder die extreme Message „ich will vielleicht gar keine Liebe“. Aus dem Song ist dann der Albumtitel entstanden.

Woran würdet Ihr dieses Ungewöhnliche denn festmachen? Geht man etwas ketzerisch ran, könnte man sagen, dass Liebe ein sehr ausgelatschtes Thema in der Musik ist…

Klar. Aber es ist das, was hauptsächlich im Alltag passiert und einen am meisten emotionalisiert. Das, was einen am meisten berührt. Die Texte sind wirklich auch aus dem Leben gegriffen und aus Gefühlen, die passiert sind. Ungewöhnlich sind die Sätze und Bilder, die man so nicht kennt. Zum Beispiel „Sammelst du Herzen?“, diese Geschichte, die da passiert ist an der Supermarkt-Kasse bei Tengelmann, als mich die Verkäuferin fragte, ob ich Herzen sammel, also diese Bonuspunkte. Das hat genau auf mein Gefühl gepasst. Das sind Sachen, die kennt man nicht so. Oder die Liebe als Rausch zu bezeichnen, als Wahn, als Sucht – es ist keine klassische Laier von „alles ist so schön“ oder „alles ist so beschissen“, sondern es ist der Versuch, es mal anders auszudrücken.

Ich hab auch noch ein paar andere Stücke rausgesucht. Eines ist „In Schönheit sterben“. Worum geht es hierbei?

Auf der Bühne sage ich immer, dass dieser Spruch eigentlich aus dem Fußball kommt. Wenn man etwas versucht, aber es nicht so richtig schafft. Wir haben das in der Form uminterpretiert. Was uns nervt, wenn wir uns in der Welt umsehen, dass immer versucht wird, dass alles gleichgemacht wird. Wir kommen ja auch aus München, da kann man das Vorurteil mal anbringen. Wenn man sich eins zwei Mal in den einschlägigen Clubs aufgehalten hat, dass man sich denkt „oh mein Gott, warum müssen hier alle gleich aussehen und diese oder jene Marke tragen? Kann das nicht einfach anders gehen?“ Auch für uns ist das auch wieder ein Befreiungsschlag und wir haben Lust, etwas anderes zu machen, bei uns ist das dann wiederum die Musik.

Ihr habt gerade auch schon die Metapher angesprochen, die Liebe vom Hochhaus zu stürzen. Wie hat man diese zu verstehen?

Das ist so, wenn man es lange Zeit mit eine Frau versucht und es sich im Kreis dreht und man denkt: „Verdammt, ich lieb sie, aber sie macht mich wahnsinnig.“ Irgendwie will sie an einer gewissen Stelle nicht so, wie ich will. Ich glaube, das geht mehreren Menschen so. Ich krieg dann so eine kindische Art von wegen „dann halt eben nicht“, dann verbrenne ich unsere Liebe und stürze sie von einem Hochhaus runter. So ist mir diese Zeile auch eingefallen. Wahrscheinlich ein störrisches Gehabe von mir.

Wenn man die Songs jetzt mal generell betrachtet: Wie viel Autobiographie steckt in den Stücken drin?

Ziemlich viel, schon ein guter Anteil. Das Album ist ja auch nicht in ein paar Wochen entstanden, sondern über zwei Jahre. Den ältesten Song „Nichts ist klar“ habe ich sogar vor vier Jahren geschrieben. Die neuesten vor einem Jahr. Diese Songwriting-Phase hat bestimmt die letzten zwei bis zweieinhalb Jahre gedauert.

Es geht viel um Emotionen und Herzschmerz. Würdet Ihr sagen, dass das generell ein wichtiger Motor ist, um Stücke zu schreiben?

Ich denke schon. Wenn man sich hinsetzt und einen ein Gefühl bewegt und man dann einen Song schreibt, denkt man über das nach, was einen da gerade beschäftigt. Wenn man gerade Stress in der Beziehung oder mit sonst einer Person hat, ist das naheliegend. Wenn man einen emotionalen Moment hat, kann man das fast so runter schreiben. Wenn ich mich jetzt hinsetze und ein Lied über die Steuerreform schreiben müsste, würde ich mich eher schwer tun. Was emotionalisiert, kann man besser ausdrücken, da kann man mit sich selbst spielen und sich reinfühlen in das, was man denkt und versuchen, Worte und Bilder dafür zu finden. Klar gibt es auch andere Themen, die uns genauso berühren. Aber aus der Natur heraus emotionalisiert einen die Liebe halt mehr als die Steuerreform.

Bis 2014 das Album erscheint, sind es noch ein paar Wochen. Gibt es schon eine gewisse Erwartungshaltung, die ihr für das Album habt?

Okto-Platin! (lachen) Erstmal freut man sich natürlich, wenn man das eigene Album überhaupt mal in der Hand hat und es rauskommt. Man hat jetzt so lange daran gearbeitet, da ist das einfach spannend. Ich würde mich alleine schon riesig freuen, wenn ich weiß, dass es ein paar Leute gekauft haben, die nicht meine Freunde oder meine Familie sind. Die das einfach gekauft haben, weil sie es gut finden. Man hat jetzt nicht die Fantasie, dass wir mit dem ersten Album bei einem Major-Label gleich alle Millionäre sind. Das ist sowieso Schwachsinn, weil es heutzutage gar nicht mehr so geht und früher auch nur in vielleicht einem von einer Million Fällen. Das einzige, was wir wollen, ist weiter Musik machen, Alben machen und auf Tour sein. Wenn es das schafft und es die Berechtigung dazu findet, dann sind wir mehr als glücklich.

Mit Robin Karow, Kilian Reischl und Olaf Opal waren nun gleich drei Produzenten beteiligt. Wieso sind es gleich drei? Und nach welchen Kriterien habt Ihr sie ausgewählt?

Robin und Kili waren von Anfang an im Produktionsprozess (seit 3-4 Jahren) dabei, wir haben uns auf einem Konzert kennengelernt und sofort verstanden. Sie haben mit uns ganz intensiv an unserem Sound mitgeschraubt, sie haben sich wirklich viel Zeit genommen und wir haben ganz im Sinne eine kreativen Prozesses „Zerstören und Erschaffen“ auch immer mal wieder neu angefangen. Es war eine tolle Zeit und wir sind wirklich enge Freunde geworden. Olaf haben wir dann in Berlin kennengelernt – wir wollten einfach nochmal eine ganz andere, aber zu unserer Musik passende, Sichtweise mit dazuholen, zumindest für ein paar Songs. Olaf fanden wir einfach einen super Typen, er hatte Lust, also los ging’s! Das war ein ganz anderer Ansatz, vielleicht in manchen Dimensionen noch radikaler, aber wir finden es war sehr positiv und hat die gemeinsamen Produktionen nach vorne gebracht.

Wie würdet Ihr sagen, haben die Produzenten den Sound des Albums beeinflusst?

Natürlich wird der Sound zunächst mal durch die Songs, die Inhalte, die Stimme und die Typen aus der Band und unserer gemeinsamen Vorstellung vordefiniert. Jeder Song soll ein für ihn optimales Kleid kriegen, das ihm und dem was er sagen will, am besten steht. Dann haben wir natürlich mit den Produzenten zusammen bestimmte Soundwelten definiert und gesagt da wollen wir hin, es kann in die oder die Richtung gehen, viele Platten angehört, versucht zu verstehen was uns daran gefällt und wie das für uns relevant sein kann. Und dann probiert man klassisch halt verschiedene Verstärker, Gitarren, Effektpedale, Mikros, Drums, usw. aus, bis man sagt – das ist es! Weiter geht’s mit dem Sound natürlich im Mix und da durften wir (Dank Warner und Dank der Kontakte von Robin und Kilian) eben auch mit internationalen Leuten wie Michael Brauer oder Joe Zook arbeiten, die natürlich nochmal einen ganz neuen Wind reingebracht haben. Vielleicht ist das für den „deutschen“ Hörer manchmal fast etwas ungewohnt, aber das werden wir dann ja noch sehen ;) Michael Brauer beispielsweise hat ein ganz anderes Verständnis von einem Mix, da wird nicht Akustikgitarre, Base und dann die Stimme ganz nach vorne gemischt, wie das oft bei deutschen Singersongwriter-Produktionen passiert. Er macht das viel dynamischer, so wie man das vielleicht von den ersten Coldplay-Platten kennt. Uns gefällt das sehr gut, wir hoffen unserer Zuhörern auch :)

Wie überbrückt Ihr jetzt noch die Zeit bis zum Release?

Es gibt eine Menge zu tun, von Musikvideo, TV-Shows, Radiopromo, bis Proben für Plugged- und Unpluggedsets, ich schreibe ja auch noch viel für andere Künstler und zwischendrin ist auch noch kurz Weihnachten :) … also langweilig wird es bestimmt nicht und wir freuen uns tierisch auf die nächsten Live-Konzerte und natürlich den Release!

Nun ist das Album ja schon eine ganze Weile fertig nach den diversen Verschiebungen. Wie fühlt es sich für Euch an, dass Ihr im Grunde jetzt ein Album promotet, das schon über ein Jahr „im Kasten“ ist?

Klar denkt man sich ab und zu – hätte das nicht schneller gehen können? Aber letztendlich haben wir bei der Albumproduktion und im Songwriting auch nicht so gearbeitet – sonder: Wir wollen, dass das Baby einen guten Start hat und dann sind wir da auch relaxed. Es steckt zu viel Zeit und Herzblut drin, als dass wir einfach mal sagen würden: Komm, schnell rausbringen das Ding. Und so können wir „Ich will nicht in Schönheit sterben“ sogar noch als WM-Song anpreisen ;)))

Jetzt, wo das Album erscheint: Ist eine Headliner-Tour in Planung?

Auf jeden Fall wollen wir im kommenden Jahr eine eigene Tour fahren! Kommt! :)

Was würdet Ihr dem interessierten Besucher sagen: Warum sollte man unbedingt zu einer oder gar mehrerer Eurer Shows kommen?

Das müsste man die Leute fragen, die tatsächlich während unserer Support-Touren schon auf mehrere Shows gekommen sind. :) Anscheinend ist da was, das den Leuten gefällt.
Ich glaube, dass wir eine schöne und abwechslungsreiche Show mit echten Instrumenten und Emotionen bieten und wie wir hörten auch ganz nette Jungs sind, die sich gerne unterhalten und nach der Show auch mal ein Bier zusammen mit den Fans trinken :) Und für uns gibt es nichts schöneres als wenn Leute nach der Show sagen: „Hey, ich wusste genau was Du/ihr meint, ich konnte das echt mitfühlen.“

Wir haben jetzt über Album und Tour ausführlich gesprochen. Wenn wir etwas allgemeiner gucken: Was kann man 2014 noch so von Euch erwarten?

Also, wir wollen auf jeden Fall ganz viel live spielen, auf Festivals, unserer eigenen Tour und größeren Supporttouren! Natürlich würden wir uns auch sehr freuen, unsere Songs im Radio zu hören und weiterhin unsere Gesichter auch in der ein oder anderen TV-Sendung zu haben, vielleicht ja sogar in einer fast eigenen wie Etage7 ;) Und natürlich werden wir weiter fleißig an neuen Sachen arbeiten, Songs schreiben und einfach viel zusammen machen!

Weitere Artikel
Konzertbericht: Stanfour + Redweik – 08.12.2012, Hamburg Docks
News: Alternative + internationaler Flair = Redweik auf Tour

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Interview: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe