Bevor Sebastian Witte in wenigen Tagen auf seine von Alternativmusik.de präsentierte Tour geht, die er teilweise solo und teilweise als Duo spielt, nutzen wir die Gelegenheit, dem Musiker einmal einige Fragen zu stellen über ihn, seine Musik, seine Art des Musizierens wie natürlich auch seine Konzerte und viele weitere Themen. Darüber hinaus findet Ihr nach dem Interview auch noch einmal die Tourdaten. Viel Spaß beim Lesen des kurzweiligen Interviews und natürlich auch bei den anstehenden Konzerten!

Zunächst einmal gefragt… Viele unserer Leser kennen Dich vermutlich noch nicht. Daher: Wer ist Sebastian Witte? Und was macht er für Musik?

Ich trete ja unter meinem bürgerlichen Namen auf. Dass bedeutet, auf der Bühne bin ich der Typ von der Bar oder von draußen im Park. Allerdings bin ich live von Allem mehr: Ich bin wütender, lustiger, verzweifelter und fröhlicher. Ein Konzert lebt von Übertreibung. Meine Musik bildet nicht nur eine Stimmung ab. Da gibt’s tiefschwarze Songs und helle, fast witzige Momente. Sich auf nur eine Atmosphäre zu beschränken langweilt mich und das Publikum nur.

Du bist Mitglied des so genannten OMAHA Records Kollektivs. Wie bist Du dort hinzugekommen?

Ich habe Christoph, den Chef, gefragt ob er zu meinem Konzert nach Hamburg kommt. Er war da und er bekam eine CD von mir. Der Rest steht im Geschichtsbuch.

Inwieweit würdest Du sagen, beeinflusst Dich das in Deinem Klang, Deiner musikalischen Ausdrucksweise?

Omaha beeinflusst mich mal, mehr mal weniger. Für Bands wie Daantje & The Golden Handwerk oder Nicolas Sturm hab ich Konzerte veranstaltet und bin so mit ihrer Musik in Berührung gekommen. Beide schreiben tolle Songs!

Da wir Deine Tour präsentieren, hierzu erst einmal gefragt: Wie hat man sich „Sebastian Witte live“ vorzustellen?

Ein meist dunkel gekleideter junger Mann steht auf der Bühne, singt, spielt Gitarre und redet zwischendurch mit den Leuten im Publikum, die er für interessant hält. Manche von ihnen antworten, klatschen und kaufen die CD.

Was würdest Du dem potenziellen Zuschauer sagen: Warum sollte er unbedingt zu einem Deiner Auftritte kommen?

Hör die ein paar meiner Lieder an und wenn’s dir gefällt, komm vorbei und hör zu. Wenn du Blödsinn reden oder nur Bier trinken willst, komm nach dem Konzert. Dann mache ich mit.

Nun findet die Tour in zwei Teilen statt. Einmal solo, einmal als Duo. Wie kommt es zu dieser Zweiteilung?

Manche Songs leben nur vom Gesang und der Gitarre. Wenn ich die spielen will, stehe ich allein auf der Bühne. Andere Lieder funktionieren sowohl mit als auch ohne Schlagzeug oder zusätzliches Keyboard. Die spiele ich dann zusammen mit meinem Freund, dem „Neuen Mond“.

Was sind für Dich und auch für die Zuschauer die Unterschiede zwischen Solo- und Duo-Aufritten?

Bei Solo-Konzerten sitzen die Zuschauer. Bei den Duo-Shows stehen sie.

Wenn nun eine Show vorbei ist: Was muss passiert sein, damit Du sagst „ja, cool, das war eine tolle Show!“?

Wenn mich nichts ablenkt, glaube ich mir selbst am meisten. Dann kann ich alles singen und erzählen ohne mich anzustrengen. Das ist das Beste!

Ein anderes Thema, etwas allgemeiner gefasst: Wie kann man generell sagen, entsteht ein typischer Song von Dir, von der Inspiration bis hin zum fertigen Song?

Ich denke: „Wovon möchtest du denn singen, Sebastian?“ Im Moment kann ich mir vorstellen, ein Lied zu schreiben über einen Journalisten, der einem Musiker Fragen stellt. Es fehlt nur noch die Melodie und eine Stunde oder drei Wochen Arbeit.

Ich würde nun auch gerne noch über ein paar Deiner Songs sprechen. Einer ist „König Zufall“. Was steckt dahinter? Welche Rolle schreibst Du dem Zufall im Leben zu?

Es gibt diese Theorie von der unsichtbaren Hand und über den Markt, der sich selbst reguliert. König Zufall ist nichts anderes. Er ist die personifizierte Kraft, die sich auf unser aller Leben auswirkt. Teilweise ist dieser Herrscher bestechlich und offen für Vorschläge. In seinen schwachen Momenten gibt er kurz sein Zepter aus der Hand. Die meiste Zeit über hat er aber das Sagen.

Eher experimentell wirkt „Wolf“. Welche Idee steckt hinter „Wolf“?

Im „Wolf“ treffen sich das instinktiv handelnde, archaische Tier und der moderne Mensch bzw. der moderne Mann in einer Person. Diese will stark und gewalttätig sein, scheitert aber schon am Alltag und dessen Herausforderungen wie dem Balzritual. Am Ende ist diese Person verletzt und sieht allein Fern. Ich finde das finster aber auch witzig. Der Ernst wird gebrochen. Der Wolfsmann ist komisch und tragisch zugleich.

Ebenfalls interessant ist „Maschinen“. Wenn man sich das Stück so anhört, fragt man sich: Welches Verhältnis hast Du zur Technik?

Ich hasse Technik! Sie tut selten was ich will. Trotzdem ist ein Leben ohne sie nicht möglich und Gott sei Dank, kann ich sie manchmal doch überreden mir zu helfen. Trotzdem führt sie ein Eigenleben.

Die EP „Der hohle Mond“ liegt nun schon eine Weile zurück. Ist denn schon ein richtiges Album in Planung? Und wie sehen die weiteren Pläne generell aus?

Ich möchte im Winter ein Album aufnehmen. Darauf werden neben mir ein paar Freunde zu hören sein, die auch bei meinen bisherigen Aufnahmen mitgeholfen haben.

Nebenher bist Du ja auch noch bei Videoclub aktiv. Gibt es da schon Neuigkeiten zu vermelden?

Ja. Es wird viel Gesungen im Moment.

Zum Schluss noch ein beliebter Standard… Wo siehst Du Dich und Deine Musik in 10 Jahren?

In zehn Jahren war ich vor vier Jahren für fünf Minuten berühmt, aber nicht reich.

Sebastian Witte auf Tour

Solo

01.09. Dresden, Sound Of Bronkow Festival
02.09. Berlin, Intersoup
03.09. Hannover, Sing Sing
26.10. Wuppertal, Endstation Sehnsucht
04.11. Frankfurt, Siks

Konzerte als Duo

29.09. Köln, Studio 672
15.10. Hamburg, Ponybar
16.10. Bonn, Bla
17.10. Köln, Rubinrot
18.10. Düsseldorf, Ugly Deluxe
19.10. Osnabrück, Big Buttinski
20.10. Kiel, Prinz Willy
21.10. Bremen, Kultur im Bunker
23.10. Münster, Pension Schmidt

Links

www.facebook.com/SebastianWitteMusik
www.soundcloud.com/sebastianwitte
www.omaha-records.de/index.php/einwohner/sebastianwitte/

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Vorbericht: Alternativmusik.de präsentiert Sebastian Witte auf Tour

Text: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe