Und da findet man sich dann wieder im Gruenspan ein. Dieses Mal, um die Schweden von The Sounds zu interviewen. Maja Ivarsson trifft man schon rauchend vor dem Tourbus, in den man dann alsbald gebeten wird, schwedisches Wasser angeboten bekommt und es sich gemütlich machen kann. Ich glaube, hier kann man es auf Tour durchaus aushalten, auch, wenn die Band nicht so genau weiß, wo welches Getränk zu finden ist. So beginnt das Interview mit sehr netten persönlichen Fragen der Band an die Interviewer, was man auch nicht alle Tage erlebt. Dieser Teil wird aber hier außen vor gelassen, hier geht es ja um echte Informationen. Also bitte, The Sounds in Hamburg.

Euer neuestes Album „Weekend“ ist, wie üblich, völlig verschieden von den vorigen Alben und sehr abwechslungsreich. Zum Beispiel habt ihr dieses Mal mehr und andere Instrumente genutzt. War das von Anfang an klar oder entstand das eher zufällig?

Maja: Ich glaube, wir waren immer sehr offen, bspw. neue Instrumente zu nutzen, Saxophone oder so. Wir haben immer die Regel: Alles ist erlaubt, solange es gut klingt. Es gibt keine Grenzen.

Jesper: Ich denke, man lässt immer etwas vom Demo übrig für die Produktion. Manchmal ist es da nur natürlich, dass man verschiedene Instrumente hinzufügt. In der Regel sitzt man einfach rum und spielt und spielt den Track und denkt über ihn nach. Es gibt nicht dieses „Hey, hier ist die Mandoline!“

Also denkt ihr einfach darüber nach, welches Instrument passen könnte?

Jesper: Ja.

Maja: Vieles kommt einfach vom Herumspielen. Es ist nicht wirklich ein Denkprozess. Mehr wie: „Das hört sich verdammt cool an!“

Jesper: Und manchmal benutzt man beim Demo elektronische Drums und wenn wir dann anfangen, das Stück zusammen zu spielen, fühlt es sich viel organischer an, wenn man mehr Instrumente hinzufügt, mehr wie eine Band.

Nehmt ihr den Großteil des Songs live auf?

Beide: Ja. Bass, Drums und Gitarren.

Meiner Meinung nach ist „Weekend“ größtenteils ein Party-Album. Stimmt ihr zu?

Jesper: Es hat beide Seiten. Einen Freitag, einen Samstag und einen Sonntag. Da gibt es die sanfteren Songs, die besser für den Kater taugen und dann auch die mit den Partyelementen von The Sounds.

Gibt es eine „geheime Geschichte“ hinter dem Song „Animal“?

Maja: Er ist sehr catchy und ich mag, dass er mit all dem Klatschen etwas anders ist.

Jesper: Das Hauptproblem war, herauszufinden, was der Refrain und was die Strophe ist. Wir hatten eine Menge Kämpfe darum im Studio.

Maja: Es war so: „Wenn das dein Refrain ist – lass es deinen Refrain sein. Ich weiß, was mein Refrain ist.“

Jesper: Der Refrain ist die Strophe und die Strophe ist auch der Refrain. Nach einer Weile kommt es nicht mehr drauf an. Der Song ist gut. Früher musste man Songs schreiben, bei denen man überlegen musste, was der Refrain ist. Aber heutzutage ist das nicht mehr wichtig.

Maja: Natürlch ist der Refrain normalerweise der Teil, der wiederholt wird.

Ihr habt den Song „Weekend“ als kostenlosen Download auf die Nylon-Website gestellt. Was ist die Verbindung zwischen euch und dem Nylon-Mag?

Maja: Ich glaube, wir waren die erste Band, die auf das Cover kam.

Jesper: War das nicht beim Paper-Magazine?

Maja: Oh, das war es. [lacht] Fuck.

Jesper: Ich glaube, das Nylon-Mag hat uns von Anfang an unterstützt. Sie mochten das Album wirklich.

Maja: Das ist irgendwie eine Manager-Frage.

Jesper: In erster Linie war es eine Möglichkeit, einen Track kostenlos herauszubringen. Vielleicht ist es ein Song für eine Single, aber wir wollten ihn nicht als Single veröffentlichen.

Ihr spielt viele Konzerte in den USA. Gibt es einen Unterschied in der Konzertatmosphäre im Vergleich zu Europa, besonders Deutschland?

Maja: Ja… beides, ja und nein, würde ich sagen. Der größte Unterschied liegt zwischen Schweden und dem Rest der Welt. Unsere Fanbase in Schweden ist ein bisschen anders. Da sind viele wirklich junge Kids, besonders, seit ich in dieser TV-Show zu Hause aufgetreten bin. In Deutschland sind mehr Teenager und Leute unseres Alters dabei und auch ein paar Hipster-Fans. In New York sind… nur Hipsters. Und in Kalifornien haben wir eine große spanische Fanbase.

Jesper: In Schweden musst du im Radio gespielt werden, während du hier eine Menge auf Tour bist. Die Leute kennen dich hier mehr durch Mund-zu-Mund-Propaganda. In den USA spielt man viel in hübschen alten Theatern und hier ist alles mehr Punkrock, was ich persönlich liebe. Die Spannweite ist wirklich schön. Hier hast du zudem noch diese Geschichte der großen Festivals. Ich weiß noch, als wir Kinder waren, sind wir immer zum Roskilde Festival gefahren. Und so etwas macht dich immer mehr musikinteressiert für den Rest deines Lebens.

Ich glaube, man ist offener für Musik, wenn man das ganze Festival besucht. Du lernst Bands kennen, die du vorher noch nicht kanntest.

Jesper: Und hier in Deutschland kann man auch die Ärzte mit Rammstein und Hiphop-Acts mischen. In den Staaten ist das alles mehr auf das Genre fixiert.

Eine Spezialfrage: Was ist die Intention oder die Bedeutung hinter dem Song „Dorchester Hotel“? Und warum wurde er nur in Deutschland veröffentlicht?

Jesper: Es ist ein deutscher Song.

Maja: [singt] in Berlins Dorchester Hotel… wir werden das sehr oft gefragt und ich glaube, ich werde genauso antworten, wie wir es all die Jahre gemacht haben. Ich mag es nicht, irgendeinen Song zu erklären, was er für uns oder irgendein Bandmitglied bedeutet. Ich erinnere mich, als ich meinen älteren Bruder bat, mir einen Depeche Mode-Song zu übersetzen und nach einer Weile sagte er: „Also, in dem Song geht es darum und darum…“ und ich sagte: „Nein.“ Ich hatte mir längst meine eigene Geschichte für den Song entwickelt. Ich möchte das nicht zerstören, indem ich es erkläre.

Jesper: Aber es ist ein dunkler und kruder Song.

Maja: Sehr düster und sehr krude.

Jesper: Manchmal bedeutet eine einzige Zeile in einem Song für eine Person den ganzen Song. Für uns ist es vielleicht nur eine gute Zeile in einem Song. Ich glaube, es ist wichtig, nicht genau zu erklären, worum es geht.

Aber warum wurde er nur in Deutschland veröffentlicht?

Maja: Oh, das weiß ich nicht.

Jesper: Ich denke, es ist ein guter Song, der sehr gut zu den deutschen Fans passt. Es ist ein Rocksong. Und ihr mögt Rocksongs.

Nach mehr als 10 Jahren auf Tour: fühlt ihr euch immer noch schwedisch oder eher wie Weltbürger?

Maja: Gute Frage. Ich fühle mich sehr schwedisch. Ich glaube, das tun wir alle. Wir wurden hier geboren und sind hier aufgewachsen. Aber wenn ich zu Hause bin, fühle ich mich ein bisschen kosmopolitischer als meine Freunde. Aus ersichtlichen Gründen. Aber im Grunde genommen sind wir Schweden.

Jesper: Sind wir. Weil wir uns über Schweden beschweren, wenn wir in Schweden sind. Und Schweden in den Himmel loben, wenn wir außerhalb von Schweden sind.

Aber es ist immer noch wie nach Hause zu kommen, wenn ihr in Schweden seid?

Maja: Ja. Ja… ich glaube schon.

Jesper: Wir haben viele Heimaten.

Maja: Das ist der Punkt.

Aber in der Band redet ihr Schwedisch?

Maja: Ja. Auf der anderen Seite haben wir so viele Englisch sprechende Leute im Team, dass ich mich manchmal dabei erwische, wie ich hinter der Bühne zu den Jungs sage: „Hey, what do you think about this… Vänta nu…“

Was vermisst ihr am meisten auf Tour? Mal abgesehen von Familie und Freunden? Oder sind die mit dabei?

Maja: Normalerweise nehmen wir Freunde mit uns auf Tour. Nicht die ganze Zeit, aber Freunde und Freundinnen besuchen uns. Die Band ist auch unsere Familie. Ich kenne diese Jungs besser als meine eigenen Geschwister. Im Guten, wie im Bösen. Das ist die Familie, die wir uns ausgesucht haben und damit bin ich sehr zufrieden. Auch wenn ich meine Familie zu Hause vermisse. Ich bin mit 17 von zu Hause ausgezogen, habe lange Zeit auf mich gestellt gelebt und nun sind wir seit 15 Jahren auf Tour.

Jesper: Man vermisst die Familie und die Freunde. Aber genauso vermisst du das hier, wenn du zu Hause bist. Du möchtest nichts davon verlieren. Man muss die Balance halten.

Maja: Wenn man sich seit so langer Zeit kennt, ist es unmöglich, sich nicht in tiefer Weise verbunden zu fühlen.

Ihr habt Bands supportet wie die Foo Fighters und No Doubt. Gibt es noch Bands, die ihr unbedingt supporten wollt?

Maja: Nein, aber ich habe mit meinem Tourmanager darüber geredet, dass wir die nächsten zehn Tage in Hamburg bleiben sollten, denn dann spielen Haim hier. Ich liebe sie, ich liebe sie wirklich. Aber abgesehen davon würde ich nicht sagen, dass wir von irgendwelchen Bands träumen. Vorband zu sein ist ein Fluch und ein Segen.

Jesper: Für ein paar Tage ist es echt nett, aber eine ganze Tour… Ich meine, wir haben fünf Alben herausgebracht und spielen 30 Minuten. Im Grunde ist es Urlaub, aber immer noch Arbeit. Wenn man eine Hardcore-Band supportet, können die Fans manchmal ganz schön hart sein.

Dann formulieren wir es um. Vor welchem Mainact auf einem Festival würdet ihr am liebsten spielen?

Jesper: Da gibt es nicht DIE Band, die ich unbedingt sehen wollte. Vielleicht wäre es cool, U2 spielen zu sehen. Das wäre ein Spaß.

Maja: Nach so vielen Jahren verliert man ein wenig dieses „Wow“-Gefühl.

Jesper: Und davon abgesehen mag ich es nicht, Bands vom Bühnenrand aus zu sehen, ich muss im Publikum sein.

Maja: Kann ich nicht. Dafür bin ich zu klein. [Lachen]

Vermisst ihr eigentlich das skandinavische Bier, wenn ihr in den USA unterwegs seid?

Maja: Nein, ich liebe amerikanisches Bier. Schmeckt wie Wasser und macht dich nicht zu betrunken.

Jesper: Jever ist gut.

Maja: Wir sind da nicht so wählerisch.

Jesper: Außerdem musst du auf Tour in der Lage sein… ein paar Bier zu trinken. Du kannst nicht nur eins mit 10% trinken.

Maja: Wir denken darüber nicht nach, wir sind ziemlich umgänglich.

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Interview: Simon-Dominik Otte
Bilder: Pressefreigabe