Noch bevor die Subways ihr neues Album herausbringen, auf Tour durch Europa kommen und damit auch in Deutschland an vielen Orten auftreten werden, gab es einen Medientag, der im 4-Sterne-Hotel Radisson Blu an der Kölner Messe stattfand. Wir waren natürlich dabei und konnten uns erneut von der Herzlichkeit dieses Trios aus Herfortshire nördlich von London überzeugen. Wir haben mit Billy Lunn, Charlotte Cooper und Josh Morgan gesprochen und haben einiges Wissenswerte über ihr neues, selbstbetiteltes Album, den Unterschied zwischen Clubkonzerten und den Major-Festivals und was man auf Tour auf alle Fälle mit dabei haben muss, in Erfahrung gebracht.

Wie würdet Ihr den Erschaffensprozess Eures neuen Albums charakterisieren?

Billy: Es war ein längerer Prozess, die Songs zu schreiben, sich Melodien auszudenken und schließlich aufzunehmen, dazu braucht es eine große Portion Organisationstalent und Planung. Wir haben mit klasse Produzenten auf den ersten drei Alben gearbeitet, haben aber beschlossen, das neue Subways-Album dieses Mal selbst zu produzieren. Wir haben zwar beinahe den Verstand verloren, aber wir haben auf dem Weg eine Menge gelernt. Natürlich wurden auch viele Fehler begangen, aber die Erfahrungen wollen wir nicht missen und wir hoffen, dass es bei den Fans genauso gut ankommt wie die letzten drei Alben. Wobei, eigentlich ich dieses vierte das persönlichste.

Euer Album heißt nur „The Subways“? Ist euch da nichts Kreativeres eingefallen?

(schallendes Gelächter)

Charlotte: Das war das Kreativste, was uns eingefallen ist. Nein, die Subways sind ja nicht nur wir drei, sondern auch unser Manager, der Titel schließt alle mit ein, aber wir sind der Ansicht, dass Namen eh nicht so wichtig sind.

Wie ist Eure Erwartungshaltung mit dem neuen Album?

Billy: Keine Ahnung, wir freuen uns wenn es sich gut verkaufen wird, aber es ist uns nicht so wichtig.

Charlotte: Wir sehen uns ja eh als Live-Band, die es liebt, auf der Bühne zu stehen, egal ob auf den Major-Festivals wie Hurricane/Southside oder Rock am Ring oder ob man auf den kleinen Bühnen spielt, wie bei unserer letzten Clubtour. Dieser Kontakt zu den Fans ist uns wichtiger als Gold- oder Platin-Verkäufe.

Billy: Genau, diese Erlebnisse auf Tour, die nimmt einem niemand. Wir haben die Möglichkeit, Fans zu treffen oder auch Musiker, die wir sehr verehren. Wir verstehen auch das Heimweh von einigen Bands nicht, die sich darüber beklagen, dass sie weit weg von zu Hause sind. Wir lieben es, unbekannte Städte zu entdecken, egal ob kulturell oder touristisch. Neue Leute kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln und wenn wir auf die Bühne gehen, dann ist eh alles gut, wie Charlotte das eben gesagt hat, live zu spielen für unsere Fans, ist das Wichtigste.

Ich sah Euch im Kölner Luxor und letztes Jahr bei Rock am Ring, ist da ein Unterschied im Bezug auf Clubkonzert und Major Open Air oder „Augen zu und durch“?

Billy: Natürlich gibt’s da einen Unterschied, nicht zwischen gut und schlecht, sondern eher im Bezug auf die Fans, man kann ja bei Rock am Ring oder auf dem Hurricane nicht erwarten, dass da nur Subways-Fans sind. Wenn man auf einer Festivalbühne steht, dann macht man sich die ersten paar Songs natürlich Gedanken „Oh mein Gott, mehr als 80.000 Leute hören uns zu“, aber danach ist es dann auch wieder vorbei. Aber mit den eigenen und neuen Songs vor den eigenen Fans zu stehen, das hat auch was. Man bekommt bei beiden eine ungeheure Euphorie, die einen umhaut.

Ein Stück auf eurem neuen Album heißt „My heart is pumping to a brandnew beat“, was ist die Story hinter dem Song?

Billy: Oh, das ist eine persönliche Geschichte von mir. Meine Frau und ich hatten eine schwere Zeit und unsere Beziehung stand kurz vor dem Ende. Eines Abends entschlossen wir uns, auszugehen, in einen kleinen Club und der Abend war so toll, dass wir uns, ob du es glaubst oder nicht, in dieser Nacht neu ineinander verliebt haben und so ist dieser Song auch ein Dankeschön an die Kraft der Musik, die uns in dieser magischen Nacht wieder zusammengebracht hat. Und ich spreche auch im Namen von Charlotte und Josh, dass Musik eine enorme Macht hat.

Welche drei Dinge sollten Eurer Erfahrung nach auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Billy: Oh, verdammt gute Frage, puh. Also Leute, wie sieht‘s aus?

Charlotte: Also ich brauche drei, erstmal Laufschuhe, dann Schwimmzeug und ein Fahrrad. Ich höre mich an wie eine Triathletin, ha ha.

Billy: Eine Zahnbürste, Kaugummi und natürlich Bücher.

Josh: Ja, Billy hat eine halbe Tonne an Büchern dabei, der Bücherwurm. Ich nehme lieber eine Playstation 4 mit und ein paar Spiele, das reicht mir.

Alles sehr brav und gesund. Sind die Zeiten von „Sex, Drugs and Rock’n‘Roll vorbei?

Billy: Wir dachten damals, als wir jung waren auch, ja jede Nacht trinken bis der Arzt kommt, aber dann müssen wir immer Interviews geben, ha ha. Nein, wir lieben es, über uns zu reden, ha ha, aber nach einem Konzert bist du nur noch müde und dazu immer unterwegs. Wir sind gestern sieben Stunden mit der Bahn gefahren, da musst du fit sein. Heute Abend geht’s schon wieder weiter, nach dem Interview-Termin fahren wir nach Münster, um mit den Donots ein Konzert zu spielen und danach müssen wir schon wieder ein Video machen zu unserer neuen Single. Aber man kann es sich heute als Profi nicht mehr erlauben, besoffen auf der Bühne zu stehen, das haben unsere Fans nicht verdient und verkatert auch nicht, es ist fast schon Leistungssport.

Mit welchen deutschen Bands seid ihr verbunden?

Charlotte: Mit den Donots, die wir bereits seit einigen Jahren kennen, wir spielten in Bielefeld und sie haben erst unser Konzert gesehen und uns dann nachher Backstage besucht – echt nette Jungs. Dann natürlich die Sportfreunde Stiller, die ja unser „Rock’n‘Roll Girl“ auf ihrer MTV unplugged-CD gespielt haben, was natürlich auch eine Ehre für uns war. Die Beatsteaks, dann Die Toten Hosen, besonders Vom, den Drummer. Na gut, der ist Engländer, wie wir, aber der kommt auch öfter bei unseren Auftritten vorbei. Kann sein, dass du ihn bei der Show im Luxor gesehen hast.

Welches Lied hättet Ihr gerne selbst geschrieben und warum?

Billy; Ich wünschte, ich hätte das Talent, so großartige Songs zu schreiben wie Smokey Robinson. „The Tracks Of My Tears“ ist einfach sensationell.

Charlotte: Jeder Song von Fleetwood Mac, die sind fantastisch. *Ich bin bescheiden, mir würde auch eine B-Seite reichen, ha ha.

Hast du die mal gesehen? Die sind im Sommer in Köln, ganz in der Nähe, in der Lanxess Arena bei ihrem einzigen Deutschland Termin.

Billy: Oh, das ist doch bestimmt schon ausverkauft. Na ja, zu Recht.

Josh: Mein Song wäre „Get Free“ von The Vines.

Wo seht Ihr Euch und Eure Musik in 10 Jahren?

Josh: Ich glaube wir werden immer noch Konzerte geben …

Charlotte: … und Spaß dabei haben. Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann mal in einem Büro zu sitzen.

Vervollständigt bitte den folgenden Satz: Musik ist für mich die Welt, weil …

Billy: … Musik alles ist. Und das gilt wieder für alle drei.

Charlotte: … man durch Musikmachen rumkommt und mit Musik die Herzen erreicht.

Ein schöner Schluss-Satz. Danke für das Gespräch.

Weitere Artikel
Rezension: The Subways – The Subways (Part I)
Konzertbericht: The Subways – 17.09.2014, Köln Luxor
Rezension: The Subways – Money And Celebrity
Festivalbericht: Rock am Ring 2012

Homepage: www.thesubways.net
Facebook: www.facebook.com/thesubways
Twitter: www.twitter.com/thesubways

Interview und Übersetzung: Dennis Kresse
Bilder: Lola Rojo (1, 4), Greig Clifford (2, 3)