Nach vielen Auftritten als Support-Act, die Tom Thaler & Basil schon zu einer gewissen Bekanntheit verholfen haben, war es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. Neben einer zweiteiligen Gratis-EP mit dem Titel „Techno ist tödlich. Rap aber auch.“ (Free Download unter: www.tomthalerundbasil.de) ging es auf Tour mit der befreundeten Band Konvoy, bei der die Band auch im Hamburger Molotow einen Stopp einlegte. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns ein bisschen mit den Musikern zu unterhalten und sie ein bisschen näher kennenzulernen. Viel Spaß mit dem vorliegenden Ergebnis!

Zum Einstieg gefragt… Es gibt ja vielleicht so zwei bis drei Leser, die Euch noch nicht kennen. Wer seid Ihr? Wie kann man sich Euch musikalisch vorstellen?

Und optisch?

Und optisch, und persönlich…

Wir sind Tom Thaler & Basil und wir sehen echt gut aus, wir sind wunderwunderschön. Wir sind 1,79 ein halb und 1,85 groß. Damit sind die wichtigsten Daten erst einmal geklärt. (beide lachen) Wir wohnen in Mannheim und sind ein musikalisches Duo, machen Rap-Musik auf weitestgehend elektronische Beats. Manchmal auch ein bisschen tanzbar, wenn man möchte und kann. Wir haben gerade eine neue EP veröffentlicht, die „Techno ist tödlich. Rap aber auch.“-EP. Und wir sind gerade auf Tour mit Konvoy, auf „Losziehen“-Tour.

Wie kam es zu der Tour mit Konvoy?

Das sind gute Freunde von uns aus Mannheim. Wir hatten Bock auf Tour zu gehen, die glücklicherweise auch und dann haben wir gedacht, machen wir das doch einfach zusammen, weil es auch musikalisch ganz gut passt.

Ist das eine „gleichwertige“ Tour? Seht Ihr Euch als Doppel-Headliner?

Das ist als Doppel-Headliner-Tour geplant. Der Plan war ursprünglich, dass wir jedes Mal losen, wer zuerst spielt, daher auch „Losziehen“-Tour. Das hat auch funktioniert. Wir haben immer verloren, aber heute dürfen wir endlich auch mal als zweites spielen.

Heute ist schon der letzte Tourtag. Wie war es denn?

Super, das hat super Spaß gemacht. Es war auch tatsächlich die erste Tour in unserem Leben, die wir gemacht haben. Das Tourleben gefällt uns gut. Echt viele nette Leute in vielen kleinen Clubs des Landes, viel Spaß gehabt, das lief alles echt gut. Wir sind sehr zufrieden, das kann man wieder machen. Ich hoffe, dass alle Leute, die uns gesehen haben, wiederkommen. Das wäre das Ziel des Ganzen.

Ihr habt das Tourleben angesprochen. Wie ist das bei Euch auf Tour? Man sieht Euch als Zuschauer ja nur auf der Bühne.

Es ist meistens so, dass man abends ein Konzert spielt, ist danach derbe motiviert und trinkt noch ein bisschen was, geht vielleicht noch feiern, wenn es eine Möglichkeit dazu gibt. Dann fährt eines der Managements am nächsten Tag den Bus und man schläft die ganze Zeit. Dann baut man wieder sein Set auf, isst was, spielt die Show, danach geht das wieder von vorne los. Die richtige Energie entfaltet sich immer erst abends ab 19 Uhr. Mittags sind wir auf Tour nicht so wirklich zu gebrauchen.

Wie ich gesehen habe, habt Ihr auch schon viele Auftritte als Support-Act für diverse Gruppen gemacht. Ich hab Euch zum Beispiel bei Lily Allen gesehen. Gab es bei den ganzen Support-Auftritten irgendwelche Highlights oder Tiefpunkte, die Ihr nennen könnte?

Lily Allen war ja auch hier in Hamburg, das war schon sehr sehr witzig. Vor allen Dingen, weil wir danach mit ihrem Bodyguard, ihrer Security, aneinandergeraten sind. OK Kid haben wir zwei Shows supportet, das war auch cool, De Fofftig Penns auch hier im Molotow. Und Tiefpunkte? Also selbst wenn es die geben sollte, würde ich sie nicht nennen. Wir durften ja als Support spielen und es ist immer cool, wenn uns Leute dabei haben wollen. Es ist natürlich aufregender und cooler, jetzt eine eigene Tour zu spielen, das ist ein ganz anderes Gefühl. Die Leute kennen einen schon ein bisschen. Man kann denen quasi alles sagen und die machen das dann. (beide lachen) Das funktioniert.

Wie gerät man denn mit Lily Allens Bodyguard aneinander?

Wir durften gar nicht in den Backstage, sondern hatten nur unser Zeug in der Küche geparkt, das war im Mojo Club. In der Küche saßen auch ein paar von ihren Tänzerinnen, mit denen haben wir ein bisschen geschnackt und die meinten „ja, lass uns nach der Show auf dem Kiez noch irgendwo feiern gehen“. Wir haben uns mit denen verabredet und die meinten: „Kommt nach der Show in den Backstage und wir gehen dann los.“ Dann sind wir da reingestiefelt und es hat ungefähr eine Sekunde gedauert, bis ein riesiger Schrank vor mir stand und uns da rausgeschubst hat und uns auch den kompletten Zugang zu den Räumlichkeiten hinten verwehrt hat. Das heißt, wir konnten auch nicht mehr zu unseren Sachen in die Küche. Das Lustige war an dem Abend auch, dass Lily Allen und ihre Leute durch die Hintertür rausgegangen sind, während der Bodyguard aufgepasst hat, dass wir nicht da reingehen. Wir standen dann da und haben gewartet, bis wir wieder hinkönnen und da war Lily Allen da schon weg. Wir mussten dem sagen, dass Lily Allen wieder weg ist, bevor er das eigentlich gecheckt hat. Beim Sziget Festival in Budapest haben wir den Security dann wieder getroffen und er war furchtbar nett zu uns und hat sich auch an uns erinnert und sich gefreut, uns zu sehen.

Ihr habt eingangs schon die neue EP erwähnt. Ihr habt sie als gratis Download rausgebracht. Wie kam es zu der Entscheidung?

Wir haben uns überlegt, dass es cool wäre, auch gerade auf dem Weg zum Album, den Leuten zu zeigen, an was wir gerade arbeiten, ein paar Tracks rauszubringen und allen Leuten die Möglichkeit zu geben, Zugang zu unserer Musik zu finden und eben auch nicht diese Hürde zu setzen, dass sie Geld ausgeben müssen, obwohl sie uns vielleicht gar nicht kennen. Klar, wenn man das aus dem industriellen Blick betrachtet, gehen Downloads ja wieder ein bisschen zurück und die Leute sind am Streamen. Das können die ja aber so oder so. Aber wir fanden das cool, dass die Leute sich das kostenlos runterladen können, wenn sie Bock auf unsere Musik haben.

Also keine Kapitulation vor der Musikindustrie nach dem Motto „mit CDs verdient man eh nichts mehr heutzutage“?

Nein, das haben wir aus keinem politischen Interesse heraus entschieden, sondern einfach, weil wir Bock hatten, das so zu machen. So viele Menschen wie möglich sollen unsere Mucke hören und das ist der einfachste Weg.

Und warum ist Techno tödlich? Und warum Rap auch?

Weil das bei uns am Proberaum an die Wand geschmiert war tatsächlich. Das ist kein Satz von uns. Wir haben so ein kleines Studioräumchen in Ludwigshafen. Das ist bei Mannheim, wer das nicht kennt. Wer Mannheim nicht kennt: Das ist in Baden-Württemberg. Es ist nicht Magdeburg. (lachen) Der Satz war da an die Tür geschmiert und da dachten wir, das ist irgendwie cool, das passt zu dem, was wir gerade machen, weil wir so ein paar schnellere Beats hatten und diese Half-Time-Sachen wie „Luden haben nichts zu tun“ auf der EP, die eher langsamer und ruhig sind und atmosphärisch. Das hat echt gut diese Zweiseitigkeit verdeutlicht. Es war auch so, dass da jemand hingeschrieben hat „Techno ist tödlich“ und dann hat da jemand anderes in einer anderen Farbe sozusagen als Antwort „Rap aber auch“ drunter geschrieben. So ist das auch ein bisschen gedacht, deswegen gibt es diese Zweiteilung.

Würdet Ihr denn sagen, dass Techno und Rap die beiden Eckpunkte sind bei Euch in Eurer Musik?

Ja, das kann man so sagen. Dazwischen passiert alles. Der Titel dieser EP ist sehr plakativ, das ist natürlich kein reiner Techno und Rap steht in dem Sinne jetzt auch für HipHop. Aber es geht ja auch um die Einflüsse, warum wir diese Mucke machen. Das ist so der Rahmen. Ob da nun ein Deephouse-Beat darunterliegt, darüber können sich die Genre-Leute gerne den Kopf zerbrechen.

Du hast eben den Titel „Luden haben nichts zu tun“. Worum geht’s da? Das ist ja gerade hier in der Umgebung gewissermaßen ein Thema.

Das ist ein ganz verrückter Themensong. Beim Frühstücken bin ich mal auf die Idee gekommen, einen Song darüber zu schreiben, wie diese Gesellschaft wäre, wenn es keinen Sex mehr gäbe. In keiner Werbeanzeige, keine Anspielungen, keiner hat mehr Bock. Dann hatte ich das Bild von so einem gelangweilten Zuhälter, der seinen Club aufräumt und den Müll rausbringt, im Kopf und wie es dem wohl ergehen würde, wenn er nichts zu tun hat, weil Sex verboten ist und sich sowieso keiner mehr dafür interessiert.

Der eine Teil wurde eröffnet mit „Unter der Brücke“. Was ist unter der Brücke?

Das war gedanklich ein Song über diese ganzen Open Air Raves. Das ist ja total im Kommen und in jeder Stadt gibt es an jeder Ecke und unter jeder Brücke, an jeder Bahnhaltestelle, irgendwelche illegalen Raves. Jemand bringt seine Anlage mit und dann feiern die Leute da. Darum geht es. Die Stadtkinder strömen raus auf irgendwelche verlassenen Landgebiete und bauen da ihre Anlage unter einer Brücke auf, da brennt dann noch Licht. Und keiner ist dafür verantwortlich. Wir waren das dann nicht.

Ihr habt schon gesagt, das ist eine Gratis-EP. Wie ist denn da die Erwartungshaltung? Geld verdienen kann man ja schon mal nicht.

Es ist einfach die Mucke, unter die Leute zu kriegen. Das ist die Erwartung. Wir wollen so viele Leute wie möglich erreichen. Das ist eigentlich alles. Charten kann man damit nicht, die Leute sollen Spaß dran haben und am Start bleiben. Wir wollen den Leuten etwas bieten, was wir gerade machen. Verbunden mit der Hoffnung, dass viele Leute Bock auf die Songs haben und sich den Kram runterladen und vielleicht ein bisschen teilen und verbreiten.

Ihr habt das Live-Spielen schon angesprochen, deswegen sind wir ja heute auch irgendwie alle hier. Was zeichnet Euch live aus? Warum sollte man Eurer Meinung nach unbedingt kommen und Euch angucken?

Wir sind echt gut mittlerweile! Wir sind ein relativ einfaches Set-Up. Basil an den Beats, der hat dazu noch ein Pad und ein Keyboard dabei, das mehr oder weniger sinnvoll ist, Tom Thaler rappt und wir haben gerade auch eine Background-Sängerin dabei. Ob es den Leuten gefällt oder nicht, müssen sie natürlich selber entscheiden, aber dafür müssen sie erst einmal vorbeikommen und sich das anschauen. Was live Spaß macht, ist diese Mischung aus Rap und tanzbaren Beats. Das kann einfach eine geile Stimmung erzeugen. Das ist nicht nur Bouncen, sondern auch ein bisschen Stampfen.

Zum Schluss würde ich gerne noch wissen: Wir haben jetzt über die Tour und die EP geredet… Wie sind denn die weiteren Pläne? Habt Ihr schon weitere Termine, ein Album in Aussicht?

Wir spielen im Sommer ein paar Festivals, hier in Hamburg zum Beispiel das Daughterville-Festival, dann schreiben wir Albumsongs und dann melden wir uns wieder, wenn wir die fertig haben.

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Interview: Marius Meyer
Bilder: Walter Gloeckle