An sich war es keine Absicht, dass der aktuelle Clip „Occult Delight“ aus dem gleichnamigen Album von Mode Moderne erst über ein Jahr später veröffentlicht werden – äußere Umständen machten diese Verschiebung jedoch notwendig. Aber wer den Clip sieht (https://vimeo.com/113950722), wird direkt merken: Es hat sich gelohnt! Wir haben den Clip zum Anlass genommen, der Band einen Schwung Fragen zu stellen, um mal die Geschichte dahinter zu ergründen, die späte Veröffentlichung zu thematisieren, aber auch noch einmal über das Album zu sprechen. Viel Spaß mit den vorliegenden Antworten!

Vor einigen Wochen habt Ihr das Video zu „Occult Delight“ veröffentlicht. Warum habt Ihr Euch dazu entschieden, ein Video zu dem Stück zu machen, obwohl das Album inzwischen über ein Jahr lang draußen ist?

Intile: Oh man, das war ganz sicher nicht unsere Entscheidung, dass das Video über ein Jahr später veröffentlicht wurde. Der Typ, der das Video gemacht hat, wie auch das Video zu „Unburden Yourself“, Jordan Utley, hatte echt ein fatales Glück… Er hatte einen Festplatten-Crash und auch anderes Material wurde dabei ruiniert. Das war eine ziemliche Qual.

Wie habt Ihr entschieden, für welches Stück Ihr das neue Video macht? Wieso habt Ihr Euch dann für genau dieses Stück entschieden?

Intile: Die Wahrheit ist, dass Jordan das ausgewählt hat. Als wir bei den Aufnahmen waren, haben wir ihm eine Auswahl von Stücken zur Wahl geschickt und er war sehr begeistert von „Occult Delight“. Die beiden nächsten Fragen habe ich daher auch Jordan zur Beantwortung geschickt.

Jordan Utley: Die Geschichte mag sehr geradlinig erscheinen, aber eigentlich ist sie konzeptuell betrachtet deutlich komplizierter. Es ist eine Party, aber der Punkt war, die Aktionen in dem Video nutzlos und ironisch gesichtslos zu machen. Das in der Gesellschaft aktuell verbreitete „Alles-Posten“ erscheint mir sehr alarmierend. Es ist beunruhigend für mich, dass die größte Errungenschaft unserer Generation das Selfie zu sein scheint. Ich arbeite mit dem Ideal, dass es mal eine Zeit gab, in der die Menschen daran glaubten, Erinnerungen schaffen zu können und nicht in ein Gerät gucken, das ihnen versucht, zu sagen, was als Erinnerung akzeptiert wird. Wir leben aktuell in einer Welt, in der wir unsere Sichtweise anderen gegenüber nur durch Ästhetisches kreieren. Alles ist oberflächlich. Wir sind Tiere, die sich selbst verehren. „Occult Delight“ behandelt diese Leere und die fehlende Substanz in dieser schönen neuen Welt. Es wurde mit dem iPhone aufgenommen und gepostet, damit sich der Kreis schließt. Es verkörpert den verunsichertsten Teil unserer Menschheit – den Widerspruch.

Wie würdet Ihr die Verbindung zwischen dem Video und dem Song beschreiben?

Jordan Utley: Die Verbindung zwischen Video und Song beginnt bei der Definition von „okkult“. Es wird definiert als übernatürlich, mystisch oder als magischer Glaube. Es gab eine Zeit, in der das Okkulte eine Reise war, um Spiritualität zu entdecken. Heute verbindet man mit dem Okkulten Dunkelheit, Satanismus, etc. Das ist schlecht für die Verbindung zwischen dem Video und dem Song, denn er kreiert eine Leere und eine spirituelle Reise. Leere in dem Sinne, dass die Bezeichnung „Goth“ irgendwie zur Phrase geworden ist. Ein umgedrehtes Kreuz zu tragen ist mehr oder weniger wie Nike’s Swoosh-Shuhe zu tragen. Spirituell ist es in dem Sinne, dass es immer noch die Kernwerte des mystischen, übernatürlichen Glaubens hat. All die Kiddies, die draußen irgendwelche Mode-Accessoires oder Marken kaufen, die irgendwie „okkult“ sein sollen… Da gibt es für jedes erste Mal auch ein letztes Mal.

Mode Moderne – Occult Delight from Light Organ Records on Vimeo.

„Occult Delight“ ist der Titelsong des Albums. Würdet Ihr sagen, dass es auch der repräsentativste Song für das Album ist?

Intile: Das Stück hat gegensätzliche Stimmung und eine Mischung aus Live- und elektronischen Drums. Inhaltlich brennt es wie vieles auf dem Album mit Vitriol. Ist das Stück repräsentativ für das Album? Kurz gesagt – ja.

Das Album ist zwar schon eine Weile draußen, dennoch würde ich gerne noch ein bisschen darüber reden. Der erste Blick geht oft zum Titel. Welche Idee steckt hinter dem Namen „Occult Delight?

Intile: Ich habe Dämonen ausgetrieben. Ich hatte eine Handvoll Freundschaften beendet und habe darüber gesungen. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich bei einem Stück, wenn es einmal geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht ist, die Emotionen, die Erfahrung und die Beziehung klarer verstehe. Warum also „Occult Delight“? – Ich habe eine persönliche, boshafte Zeremonie betrieben, vergnügterweise.

Ich habe einige Stücke aus dem Album ausgewählt, über die ich gerne reden würde. Eines ist „Severed Heads“. Hört sich grausam an. Worum geht’s hier?

Intile: Es ist grausam. Es ist grausam, von Lust getrieben zu sein. Lust in Eile – das ist nicht immer so schön, wie es sich anhört. Es ist packend, aber es fühlt sich an wie Zigaretten, die am Handgelenk ausgedrückt werden.

Kannst du ein bisschen zu „Unburden Yourself“ erzählen? Warum ist es wichtig, sich von Zeit zu Zeit selbst zu entlasten?

Intile: Natürlich kennen die Leser Katharsis – die beglückende Reinigung – das Trennen vom Gängelband – wenn man das nicht kennt, kennt man die Freude nicht und es ist fruchtlos, das zu erklären.

Ich mochte auch „Baby Bunny“. Worum geht es darin? Schein ein recht sarkastischer Song zu sein…

Intile: Das ist ein purer und wahrer Ausdruck von Liebe… und im selben Moment… ist es satirisch.

In „Grudges Crossed“: Um welchen Groll geht es dabei?

Chuck Baudelaire: Laden wir die Zuschauer in den Umkleideraum ein? Erklären wir ihnen die Improvisationen, die wir aus den Proben übernommen haben? Oder kurz: Erklären wir ihnen all den Horror, der das Heiligtum der Kunst ausmacht?

In einem deutschsprachigen Indie-Magazin* las ich, dass „Occult Delight“ ein „Must-Listen-Album für alle, die beim Stöbern in ihrer Plattensammlung nach The Smiths oder Joy Division suchen“, ist. Wie bewertet Ihr diese Aussage?

Intile: Ein unmissverständlich korrektes Statement.

Sind diese Vergleiche mit Joy Division für Euch okay oder nervt das hin und wieder auch mal ein bisschen?

Intile: Wenn jemand uns vor Motten, die unsere Jacken zerstören, schützen möchte – in anderen Worten, wenn jemand uns davor schützen würde, keine Motte zu fürchten, dann kann er uns nennen, wie immer er will. Oder in anderen Worten: Ja, manchmal kann das schon etwas nerven.

Gibt es schon Pläne für ein neues Album? Oder könnt Ihr sogar schon etwas über die klangliche Ausrichtung sagen?

Intile: Wir schreiben immer, auch aktuell – absolut ohne eine Deadline im Hinterkopf zu haben. Wir haben bisher einige schöne Werke und sicher auch einige inkonsequente Werke gemacht und ich bin mir sicher, dass noch viele weitere Werke folgen werden. Der neue Sound wird authentisch und es wird eine Freude, diesen zu präsentieren. Wir lieben Euch und danken, dass Ihr mit uns auf diese Reise geht.

Gibt es in nächster Zeit Gelegenheiten, Euch live zu sehen?

Ja! Wir freuen uns, an dieser Stelle anzukündigen, dass wir noch heute zu einer Jahrzehnte langen Tour auf dem Astralflugzeug aufbrechen werden. Macht die Anlage an und taucht ein!

Weitere Artikel
News: Mode Moderne – „Time’s Up”, das neue Video
Rezension: Mode Moderne – Occult Delight
News: Mode Moderne – das Video zur Single „She, Untamed“

Homepage: modemoderne.bandcamp.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Mode-Moderne/77023296315

* http://popklub.de/mode-moderne-untamed/ (zuletzt abgerufen: 30.04.2015)

Interview und Übersetzung: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe