Seit 2007 arbeiten die vier Engländer um Frontfrau Lucy Caffrey als Quartett zusammen und brachten ihre Energie und Tanzfreude bereits kurze Zeit später auf europäischen Festivals, wie dem legendären Isle of Wight-Festival, den Fans näher. Lucys soulige, aber auch rockige Stimme unterstreicht dabei die Bandbreite der Indie Musiker von melodischen bis hin zu harten, brachialen Songs, welche einen bleibenden Eindruck fernab von Einheitsbrei oder Mainstream hinterlassen. Mit „Sicker Than Us“ ist nun das zweite Album erschienen, das einen erfreulichen Anlass darstellte, ein Interview mit der Band zu führen, das es nun hier nachzulesen gibt. Viel Spaß beim Lesen!

„Sicker Than Us” ist Euer zweites Album. Beim ersten Album hat man alle Zeit der Welt, diesmal waren es zwei Jahre. Habt Ihr beim zweiten Album einen gewissen Druck verspürt?

Ja, ich denke schon, dass da ein gewisser Druck war. Wir wollten unseren Sound weiterentwickeln und die beste uns mögliche Arbeit abliefern. Wir haben definitiv mehr Gedanken in das Album investiert darüber, wie wir unserem Publikum am begegnen möchten. Das ist manchmal schwierig, die Balance zu finden zwischen Musik, die das Publikum lieben wird und die gleichermaßen für uns echt ist.

Wie würdet Ihr den Prozess beschreiben, der zu diesem neuen Album geführt hat?

Wir haben bei diesem Album von Null angefangen und hatten eine ziemlich klare Vorstellung, wie es klingen sollte. Wir haben eine Menge Inspiration aus Künstlern, die wir lieben, gezogen – alte und neue, um eine große Bandbreite zu haben. Das war ein recht kurzer Prozess. Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt, aber wir haben uns nicht gestresst gefühlt und es kam alles ziemlich natürlich zusammen.

Auf Eurer Facebook-Seite habe ich gesehen, dass Ihr das Album eine ganze Weile vorher bereits angekündigt hattet. Wie fühlt es sich für Euch an, wenn das Album fertig ist, aber man noch wochenlang auf die Veröffentlichung warten muss?

Das ist sehr aufregend! Wir konnten es nicht abwarten, das Album herauszubringen, damit die Leute das Ergebnise unserer Arbeit hören können. Zwischen den Aufnahmen und der Veröffentlichung lag schon ein Jahr, da waren weitere drei Wochen nicht mehr ganz so wild.

Der erste Blick geht oft auf den Titel. Warum habt Ihr Euch entschieden, das Album „Sicker Than Us“ zu nennen?

„Sicker Than Us“ hat einen persönlichen Bezug und beschreibt, wie wir als Band sind. Wir sind glücklich darüber, wie wir und unsere Musik sind und spüren nicht den Drang, uns verbiegen zu müssen, um in irgendwelche Trends zu passen. Der Titel macht sich also über uns lustig, dass wir nicht so cool oder „krank“ wie andere Bands sind.

Wie würdet Ihr die Unterschiede zwischen dem neuen Album und „Ignite“ beschreiben? Was ist neu, was ist anders?

„Ignite“ war roher, volle Pulle. Wir wollten vor allem eine Sammlung von Stücken präsentieren, die wir über einen langen Zeitraum geschrieben hatten und haben dabei nicht so sehr darüber nachgedacht, wie es in den Fluss des Albums passt. Wir haben ziemlich viel live aufgenommen, einfach mit den Instrumenten, die wir auf der Bühne nutzen, um die Energie festzuhalten, die wir live haben.
„Sicker Than Us“ hat definitiv unser Songwriting erweitert. Wir wollten es interessanter und dynamischer gestalten, neue Ideen wie Balladen und Akustik-Songs ausprobieren, mehr Instrumente vorstellen. „Ignite“ war sehr roh und ging volles Rohr nach vorn, während wir hoffen, dass „Sicker Than Us“ herausfordernder ist. Es ist vielfältiger, hat mehr Tiefe und ist viel persönlicher für uns.

Ich habe mal ein paar Stücke ausgewählt, über die ich gerne sprechen würde. Eines ist „What If I“. Worüber denkst Du darin nach?

„What If I“ ist eines meiner Lieblingsstücke live, das ist sehr aggressiv und auf die Zwölf. Es handelt davon, zu jemandem zurückzugehen, der einen nicht richtig behandelt hat und versucht hat, einen als die Person zu behandeln, die man gerne für einen wäre. Es ist ein gutes Mittel, seine Frustration rauszulassen.

Außerdem gibt es ein Stück namens „Monster“. Über was für ein Monster singst Du darin?

Das ist das Monster in jedem. Nur die einem am nahesten stehende Person kann das Schlechteste aus einem herausholen und einen in etwas Dunkles und etwas, das man nicht sein will, zu verwandeln.

Ein ziemlich dramatisches Stück ist „Brave“. Kannst Du etwas über die Story dahinter erzählen?

„Brave“ ist ein Stück, das mir sehr am Herzen liegt. Etwa zwei Wochen, bevor wir das Album aufgenommen haben, war mein bester Freund in einen ernsten Unfall verwickelt und zu diesem Zeitpunkt wusste keiner, wie das ausgehen wird. Wir haben das Stück im Studio geschrieben und ich saß in einem dunklen Raum, ohne irgendetwas geschrieben zu haben und improvisierte den Text. Wir haben das in einem Take aufgenommen – das hatte am meisten Gefühl. Das war ein sehr schöner Weg, ein Stück über einen geliebten Menschen aufzunehmen.

Ich mochte auch „Did it for the best“. Wovon handelt das Stück?

Das ist mein Schluss-mach-Song! Es geht darum, etwas zu tun, was man wirklich nicht will, während man aber weiß, dass man es sollte.

Wenn wir das Album wieder als Gesamtes betrachten… Es wurde von Ace produziert. Wie hat er den Sound des Albums beeinflusst?

Ace ist ein fantastischer Typ, den man gerne im Studio hat und mit dem man unkompliziert arbeiten kann. Er ist sehr erfahren und ist in unserer Projekt mit voller Hingabe eingetaucht. Es war ideal, seine objektive Meinung zu haben, so konnte er dem Album eine Form geben. Er hat definitiv das Beste aus uns herausgeholt und hat das Album zu dem gemacht, was es ist.

Wo es nun inzwischen draußen ist: Wie sind Eure Erwartungen mit dem Album?

Wir versuchen uns, mit Erwartungen zurückzuhalten. Wir hoffen einfach, dass die Leute genießen, was wir da erschaffen haben und dass wir uns damit übertroffen haben.

Wenn man sich Eure Stücke generell anschaut… Wie würdet Ihr den typischen Prozess beschreiben, in dem ein Your Army-Stück entsteht?

Generell haben wir ein kurzes Gitarrenriff oder eine Basslinie, die wir mögen und entwickeln daraus eine Art Songstruktur. Ich versuche dann, das Gefühl des Stücks greifbar zu machen und eine Art Überschrift zu schreiben, die zu dem Vibe des Instrumentals passt. Wir nehmen dann erst einmal eine rough version davon auf und hören sie uns wenige Tage oder Wochen später noch einmal an, manchmal sogar nach Monaten, um zu sehen, wie wir sie weiterentwickeln können. Das kann ein bisschen dauern, aber wir sind Perfektionisten – nichts ist jemals „fertig“!

Ihr spielt zudem auch einige Shows in der nächsten Zeit. Warum sollten wir definitiv kommen, um Euch live zu sehen? Was macht Eure Shows besonders?

Wir legen alles in unserer Live-Shows, denn das mögen wir am liebsten daran, in einer Band zu sein! Unsere Shows sind energiegeladen, intensiv, emotional… Aber wir mögen es auch, Spaß zu haben und geben alles, auch wenn wir nur vor zehn Leuten auftreten! Wir hatten kürzlich eine Show in einer großen Halle, wo aber nur wenige Leute waren. Daher hatten wir entschieden, jedem einen Jägermeister zu kaufen, um ihnen unsere Dankbarkeit zu zeigen.

Das Publikum sieht Euch meist nur auf der Bühne. Wie kann man sich Euer Tourleben vorstellen? Was passiert zwischen den Shows?

Wir sind die Band, die am wenigsten Rock’n’Roll ist – daher der Albumtitel „Sicker Than Us“! Das dreht sich viel um Reisen, Schlafen, Teetrinken (komm, wir sind Briten) und Essen. Das Beste dabei ist aber, dass wir dadurch, dass wir bereits für fast zehn Jahre Freunde sind, einen großen Zusammenhalt und die beste Zeit haben. Da gibt es niemals irgendeinen Streit und viel Zeit für Scherze.

Ein Standard zum Tourleben: Welche drei Dinge dürfen in Eurem Tourgepäck niemals fehlen?

Englische Teebeutel, Kopfhörer und eine Tafel Milka.

Auf Eurer Facebook-Seite sah ich, dass Ihr Euch offenbar sehr auf die Shows in Deutschland gefreut habt. Würdet Ihr sagen, dass das deutsche Publikum irgendwie besonders ist?

Definitiv! Mir wäre jede Ausrede recht, um wieder nach Deutschland zu kommen! Unsere deutschen Fans sind so engagiert und geben uns jedes Mal den wärmsten Empfang, wenn wir wiederkommen. Sie sind immer ganz vorne dabei, uns zu supporten und mit vielen sind wir gute Freunde geworden. Wir sind unendlich dankbar für ihre Liebe!

Wir haben nun über das Album und das Touren gesprochen… Zum Schluss würde ich gerne wissen: Gibt es bereits weitere Pläne für danach?

Wir werden in Großbritannien touren und dann hoffentlich im Sommer wieder nach Deutschland kommen, um all die Städte, in denen wir waren, wieder zu besuchen und unsere deutschen Freunde wiederzutreffen.

Weitere Artikel
Konzertbericht: Your Army – 20.01.2013, Hamburg Headcrash
Rezension: Your Army – Ignite

Homepage: www.yourarmy.net
Facebook: www.facebook.com/yourarmyuk
Twitter: www.twitter.com/yourarmyuk

Interview und Übersetzung: Marius Meyer
Bilder: Pressefreigabe