Das Debüt-Album „Not Part Of The Deal“ liegt bereits vier Jahre zurück, die neuen Stücke sind bereits fertig geschrieben, dennoch lief einiges nicht so, wie es sein sollte. Labelschließung, der schwierige Versuch, ein neues Label zu finden, Wechsel in der Bandbesetzung… 2013 soll es nun aber mit voller Kraft weitergehen bei The Black Sheep. Eine erste Tour gab es im Januar bereits, große Taten sollen folgen. Wir hatten zur Show in Hamburg gemeinsam mit kollektiv22 und Your Army die Möglichkeit, uns einmal mit Johanna Klauser, der Gitarristin der Band, ausgiebig über das zu unterhalten, was passiert ist und passieren soll.

Heute ist der zweite Tourtag. Wie war es bisher?

Sehr cool! Das ist jetzt das erste Mal, dass wir in der neuen Besetzung, die es seit knapp einem Jahr gibt, längere Zeit unterwegs sind. Das macht total Spaß!

Wie lange wart Ihr jetzt nicht mehr auf der Bühne?

Wir haben 2012 mehrere Konzerte und auch Festivals gespielt, hatten im Frühjahr sogar ein Konzert mit Streichorchester. Aber dieses Tourleben mit Tourbus und alles hinten reinstopfen, auf dem Boden mit Schlafsack pennen, das hatten wir lange nicht mehr. Zuletzt am Stück unterwegs waren wir vor einem Jahr in Polen, das war toll.

Ihr seid mit drei Bands hier und seid heute die erste Band der drei. Wie fühlt sich diese Support-Rolle an?

Wir sind eigentlich nur mit Your Army unterwegs, die anderen Bands kommen jeweils lokal dazu. Heute spielen wir als erstes, in Köln werden wir als letzte Band spielen. Das ist relativ ausgeglichen. An sich haben wir mit der Support-Rolle kein Problem. Die Band, die die Organisation übernimmt und den Stress am Hals hat, darf dann auch ruhig am Ende die bessere Position haben. Und die sind supernett, da gibt’s gar keine Bauchschmerzen oder so. Praktisch ist auch: Man macht seinen Soundcheck, lässt die Instrumente genauso stehen, wie sie sind, und hat den einfacheren Einstieg.

Du hast gerade die neue Besetzung der Band angesprochen. Fühlt sich das für Euch auch wie ein Neuanfang an?

Schwierig. Nach dem Ausstieg der anderen Bandmitglieder hatten wir die Motivation etwas verloren und es war auch schwierig, weiterzukommen und Leute zu finden… Genau pünktlich hat dann auch unsere Plattenfirma dicht gemacht, bei der wir raus sind. Das war alles ziemlich schwer. Durch die neue Besetzung bekommt es gerade wieder einen guten Schwung und macht endlich auch wieder sehr viel Spaß. Es ist nicht unbedingt ein Neuanfang, aber es ist auf jeden Fall eine frische Motivation. Die beiden neuen Mädels sind wunderbar und unterstützen uns auch tierisch. Es fühlt sich an, als wäre das schon seit ein paar Jahren so. Das ist toll.

Auf das Stichwort „Neuanfang“ kam ich, als ich kürzlich das Facebook-Posting unter dem Motto „Es reicht!“ las. Was gab es denn da für Hintergründe?

Das ist eigentlich das Motto des letzten Jahres. Wir haben ein zweites Album aufnehmen wollen, was eigentlich schon länger mal hätte rauskommen können. Das letzte Album ist jetzt fast vier Jahre her, das ist ziemlich lang. Für die Aufnahmen des neuen Albums haben wir leider nicht die Unterstützung von der Plattenfirma bekommen, die wir gerne gehabt hätten, vor allem auch finanziell, um gut weitermachen zu können. Das heißt, wir haben das Album quasi auf eigene Faust im Studio eines Kumpels aufgenommen. Wir haben auch alles andere drum herum selber machen müssen. Als das Album dann fertig war, hat unsere Plattenfirma dicht gemacht. Wir wollten es eigentlich gerade veröffentlichen, dann sind die von Warner aufgekauft worden und waren weg vom Fenster. Danach haben wir versucht, noch andere Labels zu finden und weiterzumachen – und das hat immer in einer Sackgasse geendet. Egal, was man gemacht hat. Das war mega-anstrengend. Wir hatten irgendwann einfach gar keinen Bock mehr darauf, dass man, um Partner zu finden, Kompromisse eingeht, die es dann auch nicht bringen. Beim ersten Album hatten wir die Plattenfirma dabei und die wollten natürlich auch sehr viel mitbestimmen, über das Artwork, die Fotos, den ganzen Kram. Das war auch alles in Ordnung. Wir haben uns da nicht verkleiden müssen oder sowas. Aber mal zu sagen „wir hören jetzt einfach auf gar keinen mehr“ und das alles selber zu machen, weil das inzwischen ja auch gut geht, das machen ja viele Bands, war für uns befreiend. Bisher bereuen wir es nicht.

Wie würdest Du diese Sackgassen beschreiben, die Du da gerade angesprochen hast?

Zum Beispiel, wenn man wegen einem Vertrag mit Major-Plattenfirmen Kontakt hat, fängt das sehr schnell an, dass die sagen: „Ja, wir finden euch ganz toll, aber wollt ihr nicht mal den und den Song machen von irgendeinem schwedischen Songwriter – der hat auch schon mal für Pink geschrieben.“ Dann überlegt man sich das, muss sich 40 Songs anhören, ist kurz davor zu sagen „okay, mit den zwei Songs könnten wir uns jetzt anfreunden“. Dann spielen wir die und es heißt: „Wir haben jetzt doch wen anders. Danke, tschüß!“ Man arbeitet, man geht auf Leute zu, man macht sich Gedanken, um dann einfach doch wieder da zu sein, wo man drei Monate vorher auch war.

In dem besagten Text bei Facebook stand auch, dass Ihr seit dem ersten Auftritt Eure musikalische Vision habt. Wie würdest Du diese Vision beschreiben?

Der Ursprung des Ganzen ist natürlich einfach, auf der Bühne zu stehen, die Songs zu spielen, die einem etwas bedeuten und Spaß dabei zu haben. Das klingt vielleicht ein bisschen naiv, aber das gibt einem Musiker einfach das Meiste, wenn man da oben steht und glücklich mit sich und dem, was passiert, ist. Egal ob da jetzt 10 oder 500 Leute stehen. Man fühlt sich da oben einfach wohl. Durch die letzte Plattenfirma sind wir selber teilweise mal ins Wanken geraten mit dem, was uns das Bauchgefühl sagt. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen heftig, als ob die uns so viel aufschwatzen wollten, aber: Je mehr Leute drum herum sind, die mitreden und Ideen haben, desto mehr kommt man so ein bisschen ins Wanken von dem, was man eigentlich will. Und das ist das, was wir letztes Jahr für uns wiedergefunden haben mit den Mädels: Das, was uns wichtig ist, das machen wir auch. Was wir nicht wollen, das machen wir auch nicht. Fertig!

Wenn Ihr jetzt auf die bisherigen Stücke schaut, auf das erste Album: Könnt Ihr da denn dann aus dem heutigen Blickwinkel noch hinter stehen?

Doch, sehr! Wir finden das erste Album nach wie vor super. Wir stehen dahinter, spielen einige Songs auch immer noch live. Klar, wir haben die jetzt schon einige hundert Male gespielt, da spielt man vielleicht lieber die neuen Stücke. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man da nicht mehr hinter steht.

Du hast das neue Album gerade schon angesprochen. Wie würdest Du die musikalische Ausrichtung da bezeichnen?

Stilistisch ist es nah dran am ersten. Es ist auch wieder sehr breit gefächert, mit Songs, die auf die zwölf gehen und sehr ruhigen Songs, die atmosphärisch sind, mit Akustik-Gitarre… Ich glaube, wir haben tatsächlich noch ein bisschen mehr ausprobiert als auf dem ersten Album, mit unterschiedlichen Sounds. Es sind einfach andere Songs mit anderem Hintergrund, vielleicht auch mit mehr Erfahrung, was das Songwriting angeht. Aber wir sind definitiv dem Stil des ersten Albums treugeblieben und haben ihn fortgesetzt.

Ich habe gelesen, das neue Album soll „Politics“ heißen. Ist das noch aktuell?

Da es noch keinen festen Veröffentlichungstermin gibt, wird es bestimmt noch fünf, sechs Diskussionen geben, ob wir das auch machen (kleiner Scherz!)… „Politics“ war die erste Eingebung und die finden wir nach wie vor gut. Es gibt einen Song auf dem Album, der so heißt, und der bedeutet uns sehr viel. Den mögen wir auch textlich sehr gerne und finden, dass das gut passen würde.

Kannst Du zu dem Song und dem Inhalt was sagen?

In dem Song geht es nicht um Politik in dem Sinne, sondern um die zwischenmenschlichen Beziehungen. Darum, dass Dinge manchmal unnötig verkompliziert werden. Das ist für uns dann wieder der Bezug zur Politik, wo manchmal einfach wochenlang bei irgendwelchen Themen um den heißen Brei herumgeredet wird. In dem Song speziell geht es darum, dass man aufhören muss, Politik zu spielen und Politik aus etwas zu machen anstatt einfach mal zu sagen, was man denkt und was man fühlt. In dem Song geht es mehr um eine feste Beziehung, aber wir können das auch auf eine Band übertragen und vor allen Dingen auf das, was wir in den letzten paar Jahren erlebt haben: Dass Dinge manchmal einfach unnötig kompliziert sind und die Kommunikation schwierig ist, obwohl es wirklich schön hätte sein können.

Welchen Anteil haben die neuen Mitglieder schon an den neuen Songs?

Wir haben die Bassistin kennengelernt, kurz bevor wir das Album aufgenommen haben. Das heißt, sie ist noch mit in die Entstehung der Songs und die Proben integriert worden und hat die Platte auch komplett mit aufgenommen. Die Schlagzeugerin ist erst nach den Recordings dazugekommen und hat das so schnell umsetzen können, dass da gar keine Kluft entstanden ist zwischen dem, wie die Songs sein sollen und wie sie live klingen. Die gehen beide total darin auf, obwohl sie beide in den letzten Jahren nicht dabei waren, was einfach ein schönes Gefühl ist. Wie gesagt: Als wäre es eigentlich schon länger so. Als würden wir in der Besetzung schon seit drei, vier Jahren spielen.

Wie kann man sich das denn vorstellen: Wie entsteht so ein typischer Song von Euch?

„Typisch“ gibt es da eigentlich gar nicht, weil einem die Ideen auch nicht kommen, wenn man sich hinsetzt und sagt „sooo, ich schreibe jetzt einen Song“. Charly, unsere Sängerin, schreibt auch viel zuhause in ihrem kleinen Studio und nimmt dort auch Sachen auf. Oder sie kommt mit der Akustik-Gitarre, weil sie in der Nacht zuvor eine Idee hatte und spielt uns das vor. Wir als Band machen dann einen Song draus. Genauso passiert es aber auch mal in der Probe, dass wir eigentlich einen anderen Song spielen, sich dann irgendwer total verhaut dabei und dann denkt man „wow, das klingt aber gut, lass uns da mal weitermachen“. Da ist dann plötzlich zehn Minuten später ein ganz neuer Song entstanden. Beim Album hat Charly auch sehr viel geschrieben und vorgearbeitet. Das macht aber nichts, wir machen das ja trotzdem zu unseren Songs.

Das wurde jetzt vermutlich schon 1.000-mal gefragt, aber: Gibt es da keine Diskussionen? Ihr seid da ja in der besonderen Situation, gewissermaßen auch verwandt zu sein…

(lacht) Ja, so ein bisschen. Nein, da gibt es überhaupt keinen Stress. Wir wundern uns manchmal selber, dass das so stressfrei funktioniert, weil wir Schwestern sind, Band-Kolleginnen und auch sonst Freundinnen, wenn es um Privates geht. Das ist extrem entspannt, weil wir uns sehr ähnlich sind, sehr oft das Gleiche denken und auch sehr oft wissen, was die andere denkt, ohne uns unterhalten zu müssen. Das ist manchmal schon fast gespenstisch, aber das macht es sehr angenehm, weil man dann auch immer die hundertprozentige Rückendeckung hat.

Das ist auch auf der Bühne kein Problem für Dich? Die Sängerin steht ja immer am meisten im Rampenlicht…

„Meine kleine Schwester stiehlt mir die Show“ oder sowas? (lacht) Nein, überhaupt gar nicht. Ich weiß, was sie kann und auch, was sie besser kann als ich, aber sie weiß auch, was ich besser kann als sie. Jeder hat seinen Platz gefunden. Ich will auch gar nicht mit ihr tauschen oder mehr im Rampenlicht stehen oder so. Das ist total angenehm. Ich kann mich einfach immer auf sie verlassen und fühle mich sehr wohl, dass ich mich da manchmal auch ein bisschen ausklinken kann.

Zum Thema Touren: Ihr habt ja noch keinen festen Termin für das Album. Aber ist denn schon eine weitere Tour geplant? Vielleicht ausführlicher und als Headliner?

Leider auch noch nicht. Weil das halt mit der Veröffentlichung so schleppend lief und man nicht wusste, ob wir da einen Partner für finden, wann der beste Zeitpunkt ist usw. Daher müssen wir das mit der Albumveröffentlichung dann relativ spontan machen. Sobald es da vom Vertrieb einen Termin gibt, werden wir sehen, eine Tour drum herum zu bauen. Aber wir lassen das jetzt einfach mal entspannt auf uns zukommen. Erzwingen können wir da eh nichts.

Was würdest Du denn sagen: Was kann der Besucher von Eurer Show erwarten? Warum sollte er unbedingt zu Euch kommen?

Mitreißende Songs von uns, die wir sehr viel Spaß auf der Bühne haben und damit auch meistens die Leute anstecken können. Und vor allem ein breites Spektrum von Headbang-Nummern bis zur Ballade, wo einem die Tränchen kommen könnten.

Und wenn man das mal umdreht: Wie muss es für Euch gelaufen sein, damit Ihr von der Bühne geht und sagt „ja, das war jetzt eine geile Show“?

Keine technischen Probleme sind schon immer super. Das passiert ja immer wieder mal und ärgert einen dann viel mehr, als es sein muss, weil das Publikum es vielleicht auch gar nicht mitkriegt. Manchmal kommt man nicht so richtig rein in den Gig, weil man vorher Stress hatte mit Soundcheck, Autobahn, Stau, was weiß ich… Dann kann man sich nicht so fallen lassen. Wenn alles drum herum stimmt, man völlig vergisst, wo man gerade steht und auch vergisst, dass vor einem eigentlich Leute stehen und zuhören, wenn man wie auf einer Wolke schwebt, dann war es perfekt. Das passiert auch immer wieder.

Als ich Euch das letzte Mal gesehen habe, was jetzt auch schon eine ganze Weile her ist, habt Ihr „Motorcycle Emptiness“ von den Manic Street Preachers gespielt. Wie seid Ihr auf diesen Song gekommen? Der ist ja beinah so alt wie Ihr…

Das ist das Lieblingslied von einem Bekannten von uns. Ich muss zugeben, dass ich den Song vorher auch gar nicht kannte. Wir wollten mal was völlig anderes spielen, was wir von uns aus nicht direkt covern würden. Zum 5.000 Mal „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana zu covern ist ja irgendwie gar nichts. Wir wollten einfach mal eine Nummer nehmen, die ein bisschen anders ist, die wir auch ein bisschen anders interpretieren können und die vielleicht nicht so bekannt ist, um die Leute zu überraschen. Ich glaube, das hat auch ganz gut geklappt. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, weil ich als Gitarristin mit den ganzen Soli viel zu tun habe. Das ganze Lied ist ja um die sieben Minuten lang und hat immer wieder Gitarrensoli.

Gibt es denn noch weitere Cover, die Ihr plant oder gar schon im Programm habt?

Hin und wieder covern wir mal was. Das ist schon ewig her, aber wir haben auch mal einen Song von Nelly Furtado gespielt, aber völlig anders. Jetzt gerade sind wir mit unseren Songs vom ersten und vom zweiten Album ganz gut bedient, weil wir gerade auch die kommenden Songs live ausprobieren wollen und unterschiedlich arrangieren, um zu gucken, wie die live bei den Leuten ankommen. Wenn wir uns da gefunden haben, werden wir vielleicht auch mal wieder eine Cover-Nummer dazu nehmen. Irgendwas, das uns dann gerade einfällt. Irgendeine aktuelle Pop-Nummer oder was aus den 80ern oder so. (lacht)

Das war es von mir auch fast mit Fragen. Kannst Du zum Schluss noch einen kurzen Ausblick geben? Was gibt es 2013 noch so von Euch zu erwarten?

2013 ist für uns bisher auch noch ein unbeschriebenes Blatt. Wir werden jetzt einfach zusehen, das mit dem Album umzusetzen. Da warten wir schon lange drauf und da warten auch Gott sei Dank viele Fans drauf. Dann werden wir nochmal richtig Gas geben mit Konzerten und vielleicht auch ein paar Überraschungen. Wir lassen uns jetzt einfach mal auf das ein, was kommt.

Weitere Artikel
Konzertbericht: The Black Sheep – 20.01.2013, Hamburg Headcrash

Homepage: www.theblacksheep.de
Facebook: www.facebook.com/bandtheblacksheep

Interview und Bilder: Marius Meyer