Alec Empire, Ben Folds, Fields of the Nephilim, Franz Ferdinand, Kent, Oasis, Ordo Rosarius Equilibrio, Ostara, Pink Turns Blue, Project Pitchfork, Spillsbury, Spiritual Front – was haben diese alphabetisch aufgeführten Künstler nun gemeinsam? Manche haben auf jeden Fall augenscheinlich untereinander mehr miteinander zu tun als andere. Was aber alle eint: Sie gehören zu den Künstlern, die für die elf besten Alben des Jahres 2005 verantwortlich sind. Da die Top Ten zwei zehnte Plätze hatte, sind es nun elf Alben geworden und da eine Split-CD dabei ist, sind es zwölf Künstler. 2005 war in den meisten musikalischen Stilen ein recht ertragreiches Jahr, weshalb diese Liste musikalisch auch sehr bunt ausgefallen ist. Um die „Spannung“ bis zum Schluss zu erhalten, fangen wir mit dieser Hitliste mal bei den beiden zehnten Plätzen an.
Franz Ferdinand - You could have it so much better Einer der beiden zehnten Plätze kommt aus England und war dieses Jahr mit einer hohen Erwartungshaltung behaftet: Franz Ferdinand. Nachdem umjubelten Debüt im letzten Jahr war der Druck bei You could have it so much better (Release: 30.09.2005) groß. Franz Ferdinand haben bewiesen, dass sie diesem Druck standhalten konnten und brachten ein Album heraus, das lange Zeit Gefahr lief, in dieser Liste unberücksichtigt zu bleiben, da es wirklich lange brauchte, bis es sich erschloss. Aber dann blieb es auch im Gehörgang. 60s-Spirit, Indie, BritPop, Franz Ferdinand, Authentizität und Mut zum Experiment verschmolzen sich zu einem guten Gesamtwerk. Wenn es für den BritPop noch Hoffnungsträger geben sollte: Hier ist einer!
Project Pitchfork - Kaskade Die Formation, mit der sich die Briten den zehnten Platz teilen dürfen, könnte kaum andersartiger sein: Project Pitchfork. Mit Kaskade (Release: 30.05.2005) zeigte sich die Band in einer Stärke, an die viele schon nicht mehr zu glauben gewagt hatten. Tanzbarer Düsterelektro, der viele Facetten der Band zu zeigen wusste. Eingängiger Tanzflächenstücke wie Instead of an angle, beeindruckend verschrobene Beats in Beautiful-Logic-Strings und Tendenz zum Rock in Stücken wie a.dream gaben sich die Klinke in die Hand und bewiesen, dass mit Pitchfork nach wie vor zu rechnen ist.
Spillsbury - 2 Elektronisch, aber ganz anders hingegen ist der neunte Platz: Spillsbury. Mit Skepsis und Vorfreude gleichermaßen erwartet, veröffentlichte die inzwischen zum Trio aufgestockte Band mit dem programmatischen Titel 2 (Release: 07.10.2005) einen veritablen Nachfolger zum Erstling. Nach wie vor elektropunkige Attitüde, neuerdings gepaart mit ruhigen Momenten. Sängerin Zoe bewies dabei, dass auch balladeske Stücke diese Attitüde herüberbringen können und vertrieb damit locker die anfängliche Skepsis. Die eigen erspielte Nische bleibt Spillsbury erhalten.
Fields of the Nephilim - Mourning Sun Während die bisher erwähnten Alben zu den eher erwarteten gehörten, gab es dieses Jahr ein sehr überraschendes und dabei gleichermaßen überzeugendes Comeback der Fields of the Nephilim. Mit Mourning Sun (Release: 25.11.2005) zeigten sich die Formation um Carl McCoy in einer Form, die locker an den letzten von ihm abgesegneten Output vor 15 Jahren anschließen kann. Gothic Rock der finsteren Sorte, Eingängigkeit gepaart mit der Einladung zum Haare schütteln, Melancholie und wirklich eingängige Balladen und gewohnt lange Spielzeiten – so könnte der Versuch aussehen, das Album in eine kurze Formel zu packen. Um das allerdings im ganzen Ausmaß zu verstehen, führt kein Weg am selber Anhören vorbei.
Kent - Du & Jag Döden Für den siebten Platz des Jahres 2005 führt die Reise nach Schweden zu Kent. Deren Album Du & Jag Döden (Release: 11.07.2005) wurde leider zu Unrecht nicht offiziell in Deutschland veröffentlicht, ist aber glücklicherweise über verschiedenste Händler auch hier zu beziehen. In schwedischer Sprache vorgetragen gab es eine Definition dessen, was hierzulande im Idealfall als Indie-Rock gelten könnte. Eingängiger Indie-Rock mit eingängiger Stimme auf einem durchweg stimmigen Album. Zwar fehlten Stücke, die stark herausstechen (wie z.B. Kärleken Väntar auf dem Vorgänger Vapen & Ammunition), dafür kommt das Album ohne Schwachpunkte daher und auch die Balladen sind schön anzuhören, was bei Kent aufgrund des Langeweile-Faktors nicht immer so war.
Alec Empire - Futurist Die Bezugswege werden auf Platz sechs wieder einfacher, denn diesen belegt Alec Empire. Mit seinem Werk Futurist (Release: 04.04.2005) gab es von ihm das, was kaum wer erwartete: Seine Interpretation von Punk. Während auf den vorherigen Solo-Werken des Atari Teenage Riot-Kopfs eher elektronische Spielereien und Noise im Vordergrund standen, zeigte der Herr Empire auf seinem neuen Werk, wie Punk aussehen kann. Die noisigen Elemente kamen dabei nicht zu kurz und es war klar erkennbar Alec Empires Handschrift, dennoch ein geschlossenes Rock-Album. Sehr wild, sehr laut und eine sehr innovative Wiederbelebung des Begriffs „Rock’n’Roll“.
Oasis - Don’t believe the truth Wir teilen an dieser Stelle mal den zehnten Platz durch zwei und gelangen auf dem fünften Platz erneut nach England. Diesmal zu Alteingesessenen, nämlich zu Oasis. Auf Don’t believe the truth (Release: 30.05.2005) versuchten sich die Briten zum ersten Mal als richtige Band; soll heißen: Jeder war am Songwriting beteiligt. Das Resultat: Faszinierend und eindeutig eines der besseren Oasis-Alben. Es zeigte, wer nach wie vor der Maßstab in Sachen BritPop ist und besticht durch Eingängigkeit, ausgefeiltes Songwriting und Abwechslungsreichtum. Mit Stücken wie Turn up the sun wusste man schon fast, sich in beatlesque Traditionen zu stellen – natürlich ohne sich dabei selbst zu verleugnen.
Ostara - Immaculate Destruction Wir nähern uns unaufhaltsam der Top 3, vorher gilt es aber noch, den vierten Platz zu berücksichtigen. Dieser kommt von Ostara, der Band um Richard Leviathan. Mit Unterstützung ehemaliger Musiker von Bronski Beat und Waltari in seiner Band bewegte sich Immaculate Destruction (Release: 23.09.2005) in Richtung massentauglicherer Gothic Rock, ohne dass diese Massentauglichkeit – durch den Wechsel von Eis & Licht zu Trisol verstärkt – in irgendeiner Weise negativ erschien. Hier und da schienen die neofolkigen Wurzeln noch durch (wie zum Beispiel im „Hit“ Red Honey), insgesamt ist das Album aber am ehesten ein starkes Stück Gothic Rock mit gleichermaßen Härte und Melancholie geworden, mit dem sich Ostara das Eröffnen einer größeren Hörerschaft redlich verdient haben.
Ordo Rosarius Equilibrio/Spiritual Front - Satyriasis Nachdem der vierte Platz nun von einer Band belegt wurde, die ihre Wurzeln im Neofolk hat, wird der dritte Platz von einem waschechten Neofolk-Album belegt, nämlich von der Split-CD der Gruppen Ordo Rosarius Equilibrio und Spiritual Front, die auf den Titel Satyriasis – Somewhere betweeen Equilibrium and Nihilism (Release: 04.07.2005) hört. Die beiden Formationen zeigten sich auf dieser Veröffentlichung als Meister ihres Handwerks und boten lupenreinen Neofolk, der an Schönheit und Innovativität seinesgleichen sucht. Mit hoher Ästhetik gaben sich beide Gruppen jeweils die Klinke in die Hand und vertonten den moralischen Sittenverfall. Ruhig, eingängig und wären drei bezeichnende Prädikate, die für das Werk allerdings nicht so recht ausreichen.
Pink Turns Blue - Phoenix Auf Platz zwei nun ein Album, das zumindest in der betreffenden Szene einen Hype verursachte, der auch ausnahmsweise sehr gerechtfertigt erschien. Atmosphärischer Wave Rock/Gothic Rock auf Albumlänge von Pink Turns Blue, die auf Phoenix (Release: 04.04.2005) mühelos ihren altbewährten Stil in die heutige Zeit transponiert haben. Dunkle Musik mit viel Gefühl, Vocals die ihresgleichen in diesem Bereich vergeblich suchen und ein Album voller Emotionen, bei denen kaum eine ausgespart blieb. Keine Zweifel: Pink Turns Blue sind wieder da. Songs wie Now’s the time zeigen Größe und musikalisches Können und gaben genug Kaufgrund. Schade, dass die Gelegenheiten, das Spektakel auf der Bühne zu erleben, sehr spärlich gesäht waren.
Ben Folds - Songs for Silverman Wer tatsächlich bis an diese Stelle gelesen hat, darf sich auf dem ersten Platz des Jahres über ein Album wundern, das deutlich zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Ben Folds, früher mit seiner Ben Folds Five unterwegs, heute solo, veröffentlichte sein neues Werk Songs for Silverman (Release: 25.04.2005). Bis auf einen Gastauftritt von Weird Al Yankovic suchte man die Gitarren nach wie vor vergeblich, dafür zeigte Ben Folds ein weiteres Mal, dass er ein in diesem Genre unvergleichliches Piano-Spiel beherrscht. Elf Songperlen, allesamt sehr gefühlvoll intoniert und dabei so geschrieben, dass diese Emotionalität auch beim Hörer ankamen. Ein unbestrittenes Highlight, das im Jahre 2005 mal wieder zeigte, dass die wahre Schönheit leider viel zu oft unbeachtet bleibt.

Wer nun noch Interesse hat, sich über eine der Bands weitergehend zu informieren, kommt über die folgenden Links zu deren Homepages:

Alec Empire: www.alecempirefansite.com (Fanseite)
Ben Folds: www.benfolds.com
Fields of the Nephilim: www.fields-of-the-nephilim.com
Franz Ferdinand: www. www.franzferdinand.co.uk
Kent: kent.nu
Oasis: www.oasisinet.com
Ordo Rosarius Equilibrio: www.ordo-rosarius-equilibrio.net
Ostara: www.ostara.net
Pink Turns Blue: www.pinkturnsblue.de
Project Pitchfork: www.pitchfork.de
Spillsbury: www.spillsbury.de
Spiritual Front: www.spiritualfront.com

Text: Marius Meyer