Als 4LYN im Frühjahr mit der Nachricht, dass sie aufhören werden, an die Öffentlichkeit gingen, war schnell zu sehen, wie sehr viele treue Fans diese Band vermissen werden. Als Veranstaltungsort für den Abschied hatte man sich das Gruenspan ausgesucht – den Ort, an dem damals alles angefangen hat. Als das Konzert dann binnen kürzester Zeit ausverkauft war, entschied man sich, am Abend zuvor noch ein Zusatzkonzert anzusetzen, das fast genauso schnell ausverkauft war. An beiden Abenden konnte die Band sich also an einem gut gefüllten Club erfreuen und einem Publikum, bei dem man merkte, dass die Karten an die richtigen Besitzer gegangen sind.

Freitag, 20.12.2013

Auch wenn der erste Abend strenggenommen noch kein Abschied war: Emotional war es bereits am Freitag. Für viele Fans, die nur diesen Abend ein Ticket besaßen, war es zudem schließlich auch schon der Abschied von der Band. Eingeleitet wurde dieser erst einmal von einem Video, in dem die Band bereits zu den Fans sprach, anschließend gab es eine Laudatio, in der mit zwinkerndem Auge noch einmal auf die 15 Jahre zurückgeblickt wurde, bevor die Klänge des Intros ertönten, gefolgt vom Opener The Grind, der einen schier endlosen und dabei doch so kurzweiligen Abend endgültig eröffnete. Unter dem Jubel der Fans wurde hier alles dankbar angenommen und gefeiert.

Mit Titeln wie dem noch recht jungen Club Exploitation (im Gegensatz zu den Tour-Shows diesmal in voller Länge) nebst Klassikern wie Bahama Mama wurden schon zu einem recht frühen Zeitpunkt einige sehr angesagte Nummern gespielt, sodass man im weiteren Verlauf merkte, wie viele starke und beliebte Stücke diese Band in den 15 Jahren eigentlich aufgenommen und veröffentlicht hat. Aber an diesem Abend sind es eben nicht nur die Stücke, von denen das alles lebt, sondern auch die Überraschungen, die 4LYN für ihre Fans eingebaut haben in den Abend. So beispielsweise das Riffley, das in Anlehnung ans Medley mit den Riffs aus den Stücken Deadnekk, Me vs. Me, Bugs In Head, Angry Horns, Cowboys und Shelltoes & Fatlaces bestritten wurde.

Nicht zu vergessen war auch der Videobreak, in dem viele Künstler, mit denen 4LYN im Laufe ihrer Karriere zu tun hatten, ihre Erinnerungen und Abschiedsgrüße mit dem Publikum teilen. Einige Namen: Dredg, Donots, Dero (Oomph!), Itchy Poopzkid, Henning Wehland (H-Blockx), Jacoby Shaddox (Papa Roach), Emil Bulls… Und wo da der Name Dero fiel: Dieser betrat wenig später die Bühne, um gemeinsam mit der Band Even vom Album Compadres zu performen. Eine weitere Überraschung: Nach U Know Nothing nutzte ein Fan die Gelegenheit, seiner Angetrauten einen Heiratsantrag zu machen…

Nach diesem Antrag und bereits einer ordentlichen Spieldauer, beendete die Band mit The Good Life Period ihr reguläres Set, kam aber nochmal für drei Zugaben auf die Bühne zurück. Es fehlten schließlich auch noch so einige Stücke… Take It As A Compliment beispielsweise. Oder auch LYN. Hinzu kam mit Safe Home ein Anthrax-Cover, bevor der Abend mit Whooo beschlossen wurde und die bekannten Klänge von In Hamburg sagt man Tschüss erklangen. Zumindest bis zum nächsten Abend. Bis hierhin waren bereits über vier Stunden vergangen, ehe die Fans in die Nacht entlassen wurden.

Setlist Freitag: Video, Laudatio, Intro, The Grind, No.11, One 2 Three, Shadow Valley, Both Of Us, Kisses Of A Strobelight, Club Exploitation, Bahama Mama, Not Like You, World’s Gone Crazy, Eobane (mit Chris Wolff), My Guide (mit Chris Wolff), Drama Queen, Husky, Riffley (Deadnekk, Me vs. Me, Bugs In Head, Angry Horns, Cowboys, Shelltoes & Fatlaces), 2nd Round, Videobreak, Even (mit Dero), Hello, Nostalgia, Beautiful Waste, U Know Nothing (Heiratsantrag), Compadres, Frost, The Good Life Period
Zugabe 1: Crazy Bavarian Maniacs
Zugabe 2: Take It As A Compliment, Safe Home (Anthrax Cover), Pearls & Beauty
Zugabe 3: LYN, One Love, Whooo, In Hamburg sagt man Tschüss

Samstag, 21.12.2013

Nach dem Abschlusskonzert folgte am Samstag dann das unwiderrufliche und endgültige Abschiedskonzert im ausverkauften Gruenspan. Da die Schlange am Einlass eine beachtliche Länge angenommen hatte, entschied man sich dafür, etwas später anzufangen, sodass es etwa 20:15 Uhr war, als die Lichter ausgingen, das Video eingespielt wurde und die Laudatio noch einmal zu hören war. Diejenigen, die bereits am Vorabend beim Konzert waren, kannten zwar an diesem Abend vieles bereits, aber das hinderte keinen einzelnen daran, auch an diesem Abend noch einmal eine ordentliche Party zu feiern. Auch der Samstag eröffnete dann mit The Grind vom Album Hello.

Zwar glich die Setlist der vom Vorband sehr deutlich, das aber kann man der Band auch keineswegs verübeln, wenn sie bereits im Hauptteil weit über 20 Stücke mitbringt. An diesem Abend war Dero nicht mehr mit von der Partie und es gab auch keinen Heiratsantrag, dafür lag der Abschied an diesem Abend noch mehr in der Luft. Mit diesem Abschied verbunden war auch eine familiäre Atmosphäre. Man spürte einfach, dass Sänger Ron Cazzato nicht einfach nur Floskeln in den Raum wirft, wenn er von der „4LYN Family“ spricht, sondern dass diese eben real existent im Gruenspan war. Und schon während des Sets waren die Emotionen zu spüren, immer wieder floss der/dem einen oder anderen eine Träne aus dem Auge, während er/sie dabei dennoch kräftig mitging.

So kam es wohl weniger von den Tränen, dass es an diesem Abend von den Wänden tropfte, sondern eher davon, dass nicht nur die Band volle Leistung brachte, sondern auch die Fans alles gaben, um der Band einen unvergesslichen letzten Abend zu bescheren. Natürlich war auch an diesem Abend mit The Good Life Period noch nicht Schluss. Auch heute kamen sie für Stücke wie Pearls & Beauty, LYN, One Love und natürlich Whooo zurück. Es ertönte anschließend bereits In Hamburg sagt man Tschüss, aber die Fans ließen das nicht gelten und holten die Band für eine letzte Zugabe noch einmal zurück. Eine, die es am Abend davor nicht gab: Discohead. Sänger Ron nutzte die Gelegenheit, von der Bühne zu springen und sich durchs Publikum tragen zu lassen, die Band zeigte sich auch in diesem letzten Stück sehr spielfreudig, dann war es vorbei. Erneut waren es über vier Stunden Konzert.

An dieser Stelle hieß es dann wirklich In Hamburg sagt man Tschüss. Dieses Mal für immer. Zahlreiche Tränen wurden noch einmal vergossen. Hamburg hat fortan eine große musikalische Bereicherung weniger, die eine Lücke hinterlässt. Aber nach zwei solchen Abenden kann die Band sich sicher sein, dass sie in den Köpfen immer weiterexistieren wird. Danke Björn, Chino, Dennis und Ron! Danke 4LYN für 15 schöne Jahre und, wie Ihr es so schön genannt habt, „die schönste Klassenfahrt, die man sich vorstellen kann“!

Setlist Samstag: Video, Laudatio, Intro, The Grind, No.11, One 2 Three, Shadow Valley, Both Of Us, Kisses Of A Strobelight, Club Exploitation, Bahama Mama, Not Like You, World’s Gone Crazy, Eobane (mit Chris Wolff), My Guide (mit Chris Wolff), Drama Queen, Husky, Riffley (Deadnekk, Me vs. Me, Bugs In Head, Angry Horns, Cowboys, Shelltoes & Fatlaces), 2nd Round, Videobreak, Even, Hello, Nostalgia, Beautiful Waste, U Know Nothing, Compadres, Frost, The Good Life Period
Zugabe 1: Crazy Bavarian Maniacs, Safe Home (Anthrax Cover), Pearls & Beauty, Take It As A Compliment
Zugabe 2: LYN, One Love, Whooo
Zugabe 3: Discohead, In Hamburg sagt man Tschüss

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Homepage: www.4lyn.com
Facebook: www.facebook.com/4lynofficial
Twitter: www.twitter.com/follow4lyn

Text: Marius Meyer
Bilder: 4LYN (1, 3), Marius Meyer (2)