Auf nach Hamburg! Sicher nicht der Location wegen, denn das Logo ist doch eher „gewöhnungsbedürftig“. Eine gerade mal 50 cm hohe Bühne mit einer mittig platzierten Säule findet man nicht oft! Und stellt für bewegungsfreudige Musiker eine echte Herausforderung dar, doch dazu später mehr… Ganz große klasse, erst einmal wie die Jungs von La Confianza das Publikum abholten. Von der ersten bis zur letzten Sekunde des ca. 30-minütigen Sets energiegeladener Crossover mit einem ordentlichen Schuss bedeutungsschweren Inhalts.

Die Nähe zum Publikum war dem hochmotivierten Frontmann Manifou, der einfach alles gab, sehr willkommen. Ein kleiner Spaziergang, Körperkontakt mit Fans in der ersten Reihe – kann man schon mal machen! Mit klaren Statements zu ernsthaften Themen verpackt in ein ordentliches Soundbrett wussten die Herren aus Selb das Gros der Zuschauer zu überzeugen. Hörenswert zum Kennenlernen: Trotzdem, Stillstand und Melodie.

Mitglieder: Manifou* – Vocals aRZi – Guitar DoMi – Drums ToBy – Bass
www.la-confianza.com

Nach kurzer Umbaupause drängten die sechs Schöngeister auf die Bühne. Mehr hätten auch nicht auf die begrenzte und mit Instrumenten verbaute Fläche gepasst! Musikalisch ein krasser Gegensatz zum Opener und Headliner, denn nun klang feinster deutscher Gothic Rock in den Ohren. Anfängliche Tonprobleme konnten rasch behoben werden und nach Frontmann Timurs augenzwinkernder Aussage wurde „es ernst, denn Gothic ist ja eine ernste Angelegenheit“.

Präsentiert wurden vornehmlich Stücke des letzten Longplayers Wehe!. Thematisch geht es um Zwischenmenschlichkeiten und ganz große Gefühle. Gotischer Pathos deluxe, bei Songs wie Tief!, Kenne mich oder Zusammen allein. Die wohlwollende Resonanz aus dem Publikum begeisterte die Band mit der zauberhaften Henriette an der Violine und der Erscheinung Timur am Mikrofon. Der gut aufgelegte Sänger bedankte sich artig beim Hamburger Publikum für den „warmen Empfang“. Dieses erste Mal sei gut gewesen – wäre ja nicht bei jedem ersten Mal so. Mit dem Titeltrack Wehe! des aktuellen Albums überließen die Münchner schließlich dem Headliner des heutigen Abends die Bühne.

Setlist: Sonne der Nacht, Tief!, Wieder, Traumtanz, Kenne mich, Unsterblich, Zusammen allein, Wehe!

Mitglieder: Timur Karakus (Gesang) Henriette Becker (Violine) Daniel Beutner (Gitarre) Michael Hirschberger (Gitarre) Andreas Socher (Bass) Manuel Di Camillo (Schlagzeug)
www.schoengeist-music.com

2015 ist ein ereignisreiches Jahr für die „lauteste Band der Stadt“. Nach der Veröffentlichung des neuen Albums Human und nach einer Gastspielreise mit Unheilig im April trifft man A Life Divided nun im Oktober auf Headlinertour überall in Deutschland. Frontmann Jürgen mag nach eigener Aussage die kleineren Spielstätten als Headliner, schließlich kämen die Leute ja nur ihretwegen, was sich in Stimmung und Atmosphäre widerspiegelt.

So gaben die Herren aus Bayern direkt Vollgas mit Burst. Ein Mitmach- und Mitsing-Kracher als Einstieg lässt keine Fragen offen, wohin die musikalische Reise zu gehen hat. Ein mitreißender Hit folgte auf den anderen. Und immer wieder wurde das Publikum zu Rhythmus- und Gesangsbegleitung animiert.

A Life Divided sind ein Garant für eingängige Rocksongs mit Elektro-Ambiente. Die Fanschar bewies Textsicherheit und war in Feierlaune, was den Darbietenden sichtliches Vergnügen bereitete und in einen ausgelassenen in Dialog mündete. Hits wie The Most Beautiful Black und Doesn’t Count wurden entsprechend zelebriert. Als Believe angestimmt wurde, bat Jürgen im Voraus um Nachsicht, da der Song weder in den Proben, noch auf der Bühne auf dieser Tour fehlerfrei geklappt hätte – doch so nicht in Hamburg, hier wurden 100% abgeliefert!

Hoch erfreut ging es weiter mit The Lost, Clouds of Glass und Inside Me. Und spätestens bei „Perpetual“ (bestes VNV Nation-Cover!) gab es kein Halten mehr. Die Säule mitten auf der Bühne erforderte ein ums andere Mal Improvisationskünste von Toby am Bass und Tony an der Gitarre beim Platztausch. Das Posen auf den Monitoren – inklusive Einnebeln – gestaltete sich ebenso herausfordernd, stießen sie sich doch die Köpfe an der niedrigen Decke des Clubs. Jürgen unternahm Ausflüge in den Zuschauerraum und animierte zu weiteren Sing-alongs (und einem Poledance an der eckigen Säule, zu dem sich jedoch niemand hinreißen ließ).

Nach The Last Dance folgte ein ausgedehnter Zugabenblock inklusive zweier Akustik-Schmankerl. Mit Lay me down verabschiedete man das glückliche Publikum in die Nacht oder bis gleich an Merch oder Bar.

Setlist: Burst, The Most Beautiful Black, Doesn’t count, Right Where I Belong, Believe, Drive, Could You, The Lost, Happy End, Other Side, Clouds of Glass, Inside Me, Guitar Solo, My Apology, Perpetual (VNV Nation), The Last Dance
Zugabe: Words, Feel, Space (Acoustic), Heart on Fire (Acoustic Intro), Heart on Fire, Lay Me Down

Band: Jürgen Voc, Korl Drums, Toby Bass, Tony Git, Erik Programming, Keys, Git
www.a-life-divided.de

Fazit: ein musikalisch höchst abwechslungsreicher, launiger Abend mit gut aufgelegten Bands und einer ordentlichen Portion Stimmung im Publikum.

Text: Janine Rumrich
Bilder: Pressefreigabe