Da reibt man sich beim Blick auf die Einlass-Zeit schon mal die Augen. 16:30 Uhr verkündeten Band und Veranstaltungsort übereinstimmend. Während der eine oder andere noch bei der Arbeit weilte, ging es in der Großen Freiheit 36 schon munter los, damit !distain, Melotron, Welle:Erdball und And One ihr Set wie gewünscht spielen können, bevor am späteren Abend dann auch pünktlich der Disco-Betrieb losgehen soll. Etwas, das außerhalb des Einflussbereichs der Künstler liegt, weshalb wir es an dieser Stelle dabei belassen und uns ins Vergnügen stürzen…

Besagtes Vergnügen begann dann auch pünktlich im Zeitplan bereits um 17:20 Uhr, als !distain die Bühne betraten, die aktuell ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Ihr kurzes Set von guten 20 Minuten eröffneten sie dann auch gleich mit einem ihrer Hits: Tears of Joy brachte Bewegung in die noch lichten Reihen, in denen auch manch einer mit !distain-Kleidung zu sehen war. Schade für die Band, dass sie auf einem an sich ausverkauften Konzert vor noch sehr gelichteten Reihen spielen mussten, aber sie machten ihren Job gut. Mit Titeln wie Confession und Mandragore waren sie ein guter Anheizer, der mit seinem tanzbaren SynthiePop Lust auf mehr machte. Eben zumindest bei denen, die bereits da waren…

Punkt 18:00 Uhr ging dann ein weiteres Mal das Licht aus, denn Melotron waren bereits an der Reihe. Auch ihnen stand an diesem Abend nur eine kurze Spielzeit zur Verfügung, sodass sie in ihren 30 Minuten insgesamt sechs Stücke unterbringen konnten. Den Anfang bei der Band um Andy Krüger machte Der Anfang, der mit seinen Bass-Linien vor der inzwischen angewachsenen Menschenmenge eine gute Figur machte. Viel Bewegung war bereits auszumachen in der Großen Freiheit, der Auftakt für Melotron war gelungen. Eine gute Grundlage für ein überzeugendes Set, das so einigen Anwesenden deutlich zu kurz gewesen sein dürfte, als dann nach dem gefeierten Brüder das Licht bereits wieder anging. Freuen wir uns also auf die nächste Headliner-Tour.

In der Folge wurde offenbar versucht, einen Rekord in Sachen „Umbaupause“ zu brechen, denn es vergingen bloß etwa zehn Minuten, bis die Bühne für Welle: Erdball angerichtet war, die beim Aufbau auch selbst Hand anlegten. Mit einer Spielzeit – oder um es mit Welle: Erdball zu sagen – Sendezeit von einer guten Stunde hatten sie die Gelegenheit, hier viel zu präsentieren und ließen sich diese auch nicht nehmen. Eröffnet mit einem Kraftwerk-Cover (Die Roboter), bei dem sich Honey, Plastique und Frl. Venus noch hinter Schattenwänden bewegten, bevor die Band sich komplett auf der Bühne präsentierte und ein Best Of-lastiges Set spielte.

Melodiöse Stücke wurden mit dem nötigen „Bums“ gut kombiniert. Bei Arbeit adelt! beispielsweise kamen die Ölfässer wieder zum Einsatz und sorgten für treibend-tanzbare Unterhaltung, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Auch Plastique und Frl. Venus hatten ihre gesanglichen Auftritte wie beispielsweise in Ich bin aus Plastik!, Hits wie Starfighter F-104G verfehlten ihre Wirkung auch in Hamburg nicht. In Sachen Song-Auswahl und Bühnenshow haben Welle: Erdball an diesem Abend alles richtig gemacht und hinterließen ein zufriedenes Publikum, nachdem sie den Auftritt mit ihrem energiegeladenen Fehlfarben-Cover Ein Jahr (es geht voran) beendeten.

Zur „Prime Time“ dann And One. Um 20:15 Uhr ging es los und Steve Naghavi derwischte bereits von den ersten Tönen an über die Bühne, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit Shouts of Joy und Zerstörer stieg die Band in ihr Set ein und bereits jetzt war viel Bewegung in der gut gefüllten Großen Freiheit 36, der man das „Ausverkauft“ inzwischen deutlich anmerkte. Es folgte eine Reise durch die Karriere der Band, die nichts zu wünschen übrig ließ. Titel wie Techno Man wurden da schon ziemlich früh gezündet – man wusste ja schließlich, dass man selbst noch genug im Gepäck hat. Titel wie Deutschmaschine, Traumfrau und wie sie alle heißen, dargeboten im typischen And One-Stil mit einem nicht zu bremsenden Steve waren allesamt Selbstläufer.

Wer And One sagt, sagt irgendwie auch immer Depeche Mode – zwar war der Plan, mit einer Tour unter dem sinngemäßen Motto „50% And One + 50% Depeche Mode“ nicht aufgegangen, dennoch ließ sich die Band nicht nehmen, einige Depeche Mode-Nummern zu covern (nebst unter anderem The Cure, deren The Walk sich auch im And One-Stil gut hören lassen kann). Kurz vor dem Ende des regulären Sets, gab es mit Shake The Disease, But Not Tonight und Fools gleich dreimal Depeche Mode am Stück, bevor Speicherbar als inzwischen 24. Lied des Abends die Show beenden sollte – und auch hier noch einmal Depeche Mode mit implementierte, in Form eines Fly on the Windscreen-Zitats.

Natürlich war noch nicht Schluss. Zweimal kam die Band noch wieder. In der ersten Zugabe gab es vor allem mit Wasted und Military Fashion Show noch einmal zugkräftige Live-Nummern, die zweite Zugabe glänzte neben der And One-Interpretation von A-has The Sun Always Shines On TV mit teils unerwarteten Piano-Versionen. Man staunt zum Beispiel nicht schlecht, wenn man einen Nonsense-Text wie den von Pimmelmann über balladesken Piano-Klängen hört. Mit der Piano-Version von So klingt Liebe war dann nach 2:15 Stunden die Show vorbei. And One haben alles gegeben und einen gelungenen Abend, der sehr früh begonnen hat, perfekt beschlossen.

Text und Bilder: Marius Meyer