Nach einem Jahr kreativer Auszeit und Solo-Projekten hat sich das Folk-Power-Duo Angus & Julia Stone wieder zusammengetan, um gemeinsam Musik zu machen. Das neue, selbstbetitelte Album erscheint zwar erst Anfang August, aber einen kleinen Vorgeschmack gab es bereits im Vorfeld im Berliner Heimathafen. Dort fand das erste von zwei exklusiven ausverkauften Deutschlandkonzerten statt und es war schön: Musik schön, Raumakustik schön, Location schön, Julia schön, Angus schön, Haare schön – Alles schön. Etwa anderthalb Stunden lang verzauberten die australischen Geschwister voller Leidenschaft das Berliner Publikum, sodass sich das Konzert sehr viel kurzlebiger anfühlte.

Dabei waren Angus und Julia Stone nicht alleine – sie bedienten sich einem unglaublichen Repertoire an Instrumenten. Neben unzähligen Akustik- und E-Gitarren, einer Lap-Steel-Gitarre, einem Banjo und dem ein oder anderem Tamburin fand auch eine Trompete ihren Weg auf die Bühne. Unterstützung gab es zudem durch eine Vier-Mann-Band: Zwischen Lichterketten-Sternenhimmel, Julia und Angus komplettierten die Musiker mit ihren Lederhüten, Bärten und langen Haaren den unkomplizierten, verträumten Aussie-Look.

Dabei hatte vor allem der Schlagzeuger seine Daseinsberechtigung, schließlich wurden viele Lieder vom neuen Album zum Besten gegeben, die zwar den unverkennbaren Stone-Stempel tragen, aber sehr viel Beat-lastiger daherkommen als alles Bisherige. Inspiriert von R’n’B, mit einer ordentlichen Portion ‘drum and base’ und prägnant-rockigen E-Gitarren-Solos sind dementsprechend auch die Vocals sehr viel präsenter als bei früheren Hits. Alles in allem lässt sich die neue Musik guten Gewissens als Folk-Rock bezeichnen – und zwar ganz zur Begeisterung des Publikums: Trotz der Unbekanntheit der Songs wurden Neuauskopplungen wie A Heartbreak, Grizzly Bear und Heart Beats Slow in Berlin euphorisch aufgenommen. Vor allem bei Letzterem harmonisieren die Stimmen von Angus und Julia Stone wie es besser kaum geht – der typische, sehnsüchtige Stil ist etwas aufwühlender und energetischer als früher, aber gleichzeitig unglaublich groovy. Dieses kaum ins Deutsche übersetzbare Wort beschreibt den neuen Sound wohl am besten – nicht zuletzt da er von Producer-Legende Rick Rubin stammt, der die Beat-starke Reunion in Eigeninitiative ins Leben gerufen hat: In einem Interview mit Flux FM am Nachmittag vor dem Berliner Konzert verrieten Angus & Julia Stone, dass Rick Rubin die beiden unabhängig voneinander bei Solo-Konzerten in Los Angeles gesehen hat und sich in ihren Sound verliebte – so sehr, dass er ihnen eine E-Mail schrieb. Daraufhin folgte ein Treffen und der Rest ist australisch-amerikanische Musikgeschichte. So steckt letztlich Rick Rubins adeliges Herzblut im neuen Album. Geschrieben haben die Geschwister die Lyrics erstmalig komplett gemeinsam – und zwar erst nachdem der Sound im Studio entstanden war.

Neben den heiß erwarteten Neuerscheinungen wurden im Heimathafen natürlich auch altbekannte Lieder wie And the Boys und Big Jet Plane zum Besten gegeben, allerdings in leicht abgeänderter Form. Mal variierte die Tonlage, mal die Wahl der Instrumente. Dadurch gelang es der Band, anders als auf iTunes, CD oder Platte zu klingen – und zwar auf positive Art und Weise: Präsent, stark, emotional, mal laut und mal leise. Angus & Julia Stone zauberten einen perfekt ausgewogenen, hochqualitativen Sound. Intensiviert wurde er durch die einzigartige Akustik im Heimathafen, die selbst in der letzten Reihe keine Verluste mit sich trug. Somit hatte das Konzert trotz der Größe etwas sehr Intimes. Die sympathische Julia Stone hauchte ab und zu Anekdoten und Insider ins Mikrofon und plauschte mit Bruder Angus über alte Zeiten – spontan lachten sie über damals, als es noch peinlich war, die Trompete mit zur Schule zu bringen. So wurde eine besondere Verbindung zum Publikum geschaffen. Dabei war Julia Stone, die ebenso wie ihr Bruder mit einer zugleich zarten und kraftvollen Stimme gesegnet ist, nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch in der Lage, so gut wie jedes Instrument auf der Bühne zu spielen. Das musikalische Können des Geschwisterpaares zeigte sich zudem in einem gelungenen Cover von Bloodbuzz Ohio, das ursprünglich von der Band The National stammt und dem ein oder anderem bereits von Julias Solo-Album By The Horns bekannt sein sollte.

Alles in allem hat der mühelos einprägsame Auftritt gezeigt, dass die Musik von Angus & Julia Stone zeitlos ist und die Zuhörer unabhängig von ihrer Stimmung auf der Stelle mitreißen kann – ob im grau-schwarzen Berlin oder im sonnigen Australien. In diesem Sinne verließ das Publikum leicht verzaubert, sichtlich zufrieden und mit Lust das neue Album den kochend heißen Heimathafen.

Homepage: www.angusandjuliastone.com
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Twitter: www.twitter.com/angusjuliastone

Text: Lea Schlue